Arbeit: Fristlose Kündigung oder Abmahnung nach Verkehrsunfall?

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6 Antworten

Im Moment scheinen da alle Beteiligten mit etwas zuviel Emotionalität an die Sache heranzugehen.

Ich würde (sowohl aus areitsrechtlicher als auch aus karrieretechnischer Sicht) wie folgt vorgehen:

1. Ruhe bewahren

2. Einen Gesprächstermin mit der Personalleitung (nicht mit irgend einem Sachbearbeiter) vereinbaren.

3. Den Sachverhalt in Ruhe klären. Es muss nämlich erst einmal einwandfrei geklärt werden, ob es Dir bei den geschilderten Umständen tatsächlich erlaubt war, Deinen privaten Pkw zu benutzen, bzw. ob der Arbeitgeber aufgrund seiner Anweisung, den besagten Veranstaltungsort aufzusuchen, die Benutzung des privaten Pkw hat akzeptieren müssen.

Danach richten sich alle weiteren möglichen arbeitsrechtlichen Maßnahmen, wie z.B. maximal eine Abmahnung (eine Kündigung ist in diesem Fall absolut ausgeschlossen).

4. Dann heißt es abwarten, ob das Unternehmen tatsächlich eine Abmahnung erteilt. Diese solltest Du dann entweder hier zur Prüfung einstellen (oder mir eine PN zukommen lassen) oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht aufsuchen, der allerdings Gebühren verlangen wird.

5. Da es sich um einen Arbeitsunfall gehandelt hat, ist schlussendlich auch zu prüfen, ob nicht sogar Ansprüche Deinerseits gegen den Arbeitgeber bestehen.

Soweit erst einmal.

Gruß @Nightstick

Vielen Dank Nightstick - das ist eine strukturierte Antwort mit der ich etwas beginnen kann.

Ich nehme hier mal zu Deinen Punkten Bezug:

1. Zur Ruhe bewahren: Ich bin da auch relativ ruhig, ich hielt das zu Beginn für eine Überreaktion meines Chefs, der aus irgendwelchen Gründen Konsequenzen für sein Budget befürchtet oder ähnliches - erst nachdem die zweite Drohung kam fing ich an nachzudenken und hier zu schreiben. Im übrigen wurde mir vorhin mittels Anruf auf mein Privathandy ein "Maulkorb" zu der Sache verpasst - ich dürfe auf keinen Fall mit Kollegen darüber reden, ausschließlich mit Vorgesetzten (wird immer spannender das ganze). Ich frage mich mittlerweile, ob man mir hier eine Falle stellen möchte: Wenn ich drüber rede, hätte man ja Gründe...

Ein Verdacht: Da ich mittlerweile ungefähr 4x soviel Verantwortung übernommen habe (inkl. Projektleitung, Mitarbeiterführung, und Kundenbetreuung) als vertraglich vereinbart (und damit bis zu 3-4 Überstunden pro Tag schiebe) poche ich derzeit auf Anpassung der Vertragsparameter. Sind solche Androhungen manchmal eine Praxis, mich von Forderungen abzubringen? Allerdings kann es auch sein, dass ich hier mehr hineindichte, als ich sollte.

2. Laut meinen Vorgesetzten soll ich mich gegenüber HR erst recht nicht äußern, schließlich würde hier die größte Gefahr lauern (allerdings hat sich HR bisher nur nach meiner Gesundheit erkundigt und war ansonsten sehr freundlich - ich weiß also nicht, was hier dran ist).

3. Den privaten PKW habe ich eingesetzt, nachdem ich auch telefonisch keinen Mietwagen mehr über die Firmenportale buchen konnte (hier habe ich übrigens einen meiner Mitarbeiter als Zeuge, der das auch bestätigen würde). Da meine Chefs nicht mehr im Büro waren, und mir auch gar keine Richtlinie bekannt war, in der die Nutzung des Privatwagens untersagt ist, entschloss ich mich den privaten zu nutzen - auch wenn mir das eigentlich nicht gefällt. Ich schätzte das Meeting als relevant ein, da hier ein ausländischer Gast vor Ort ist, der dem Projekt sehr nützlich war. Dies erfuhr ich jedoch wie geschildert extrem kurzfristig - allerdings nicht über meine Chefs. Man könnte sagen: Ich handelte proaktiv (was mir prinzipiell auch gestattet ist), aber ausschließlich im Firmeninteresse und ich war mir in dem Falle auch keines Regelverstoßes bewusst, als ich diese Entscheidung fällte.

Sollte ich gegen eine Regel verstoßen haben, wäre aus meiner Ansicht bestenfalls eine Ermahnung angemessen. Bereits eine Abmahnung halte ich für überzogen. Eine Kündigung wäre doch ein Witz?!

4. Wenn es zu einer Abmahnung oder Kündigung kommt, werde ich den Fall an einen Rechtsanwalt abtreten, und diesen für mich streiten lassen.

Mittlerweile betrachte ich das Vetrauensverhältnis als massiv gestört, was schade ist, denn die Arbeit hat viel Potential, und ich fand das Projekt gut. Ich sehe hier auch ohne, dass es zu eine Abmahnung kommt, gerade wenig Raum wieder halbwegs entspannt arbeiten zu können. Kann man sich nebenher auf dem Arbeitsmarkt umhören, ohne, dass das negative Konsequenzen hat? (Ich meine ja, aber ich frage lieber nach)

5. Sollte mein Arbeitgeber weiterhin so 'foulen', wie ich das empfinde, werde ich diesen Schritt prüfen. Ich bin mir nicht ganz sicher wie es rechtlich aussieht: Ich war ja auf dem Dienstweg, habe aber die Heimatdiensstelle mehr oder weniger passiert (ohne dort zu halten, bin quasi wenige Kilometer nördlich daran vorbei Richtung zu Hause gefahren, der Unfall ereignete sich blöderweise nur 1,5 km vor der Haustür) - ich hatte zu dem Zeitpunkt schon 200 km hinter mir. Derzeit wird der Unfall von meiner privaten Versicherung adressiert. Mein Wagen ist übrigens derart ramponiert, dass eine Neuanschaffung die einzige vernünftige Option ist (Längsträger beschädigt, also Rahmen verzogen - wird allerdings aufgrund der Höhe des Restwertes des Fahrzeugs nicht als Totalschaden bewertet).

Abschließend nochmals danke für Deine ausführliche Antwort. Bevor ich mich an juristischen Beistand wende, der mich offiziell vertritt, lieferst Du mir zumindest schon einmal ein paar solide Anhaltspunkte. Ich würde mich freuen wieder von Dir zu lesen.

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@Vikunja84

Hallo @Vikunja84,

danke für Deine ausführliche Stellungnahme - nur so funktioniert´s, nun kann man den Fall noch besser analysieren und Lösungswege diskutieren.

Zu 1) Der "Maulkorb" zeigt bereits die schlechte Personalführung dieses Unternehmens - ich persönlich würde mir das nicht gefallen lassen, und an höherer Stelle eine Begründung dafür einfordern. Hinsichtlich der im Raum stehenden Vertragsverhandlungen sehe ich allerdings -zumindest momentan. keinen Zusammenhang.

Zu 2) Das ist -gelinde ausgedrückt- ein "Hammer". Wenn ich dort zu sagen hätte, und ein (fachlicher oder disziplinarisch) Vorgesetzter würde den Weg zur Personalabteulung beschneiden, würde ich als Erstes dem Vorgesetzten eine Abmahnung erteilen! Das ist ein absolutes Unding - das HR Dept. ist immer und jederzeit (übergordnet) ansprechbar! Im Übrigen lauert von dort keine Gefahr - wenn dann lauert diese offensichtlich bei den Vorgesetzten :((

Zu 3) Das ist (wie bereits von mir gesagt) mit HR zu klären - diese ist federführend -zusammen mit der Org-Abt, die für die Kfz zuständig sein könnte- für die Klärung der Angelegenheit zuständig. Dafür bekommen die dort beschäftigten Mitarbeiter ihr Geld!

Zu 4) Ich sehe hier das Vertrauensverhältnis ebenfalls als (massiv) gestört an, wobei dieser Vorfall vielleicht für Dich auch ein Glücksfall darstellen kann, weil nun das wahre Gesicht des Unternehmens hervorgetreten ist. Meine Einschätzung: Dort wirst Du auf Dauer nicht glücklich. Also: Sieh Dich sofort auf dem Arbeitsmarkt um. Wenn es dann allerdings um einen konkreten Termin für eine Eigenkündigung geht, ist auch die Beschäftigungszeit im Hinblick auf Deine Karriereplanung wichtig. Wie lange bist Du dort denn schon beschäftigt, und wie sind Deine Zukunftspläne ==> ggf. über PN an mich ?

Zu 5) Ich bewerte den Unfall (zunächst unabhängig von Schuld- und Haftungsfragen) als Betriebsunfall, der auch als solcher bei der Berufsgenossenschaft gemeldet worden sein muss - alleine schon aus Vorsicht heraus, sollte (wider Erwarten) doch noch Unfallfolgen, ggf. als Spätfolgen) auftreten. 

Des Weiteren bin ich der Auffassung, dass Du Dir Deine Mehrkosten durch den Wertverlust Deines Pkw / Neubeschaffung usw. vom Arbeitgeber wiederholen kannst. Ich habe diesbezüglich kürzlich eine Urteile eines ähnlich gelagerten Falles gelesen. Hier must Du natürlich schnellstmöglich eine detaillierte schriftlihce Forderung stellen.

==> Der Fall dürfte dürfte noch lange nicht zu Ende sein...

Gruß @Nightstick

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Wenn sie selbst nicht verletzt ist, handelt es sich NICHT um einen Arbeitsunfall.

Hier ist ein Privatfahrzeug auf einer (formal) nicht genehmigten Dienstreise beschädigt worden.

Ob sie nun einen Anspruch daraus gegenüber der Firma hat, kann sich nur aus ihrem Arbeitsvertrag ergeben.

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Auf jeden Fall nicht kündigen. Warte erst mal ab. Wenn ja dieser Satz eben nicht steht, dass es verboten wäre. Dann hast du dir doch absolut nichts zu schulde kommen lassen. In deinem Fall würde ich direkt einen Anwalt einschalten. Denn wenn es so weit kommt und du in einen Rechtsstreit kommst. Stehen dir auch Abfindung usw zu, also warte mal ab und lass dich beraten.

Danke, aber eigentlich suche ich ja jetzt schon nach einem Hinweis, was das bzgl. Arbeitsrecht sagt, und was ich (rechtlich) für Möglichkeiten habe.

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wenn du sagst, in dieser guideline steht davon nichts, kann dir auch niemand was. da kann natürlich jemand einen auf "willi wichtig" machen und rumkrakehlen. noch ist überhaupt nichts passiert.
solltest du wirklich seitens der personalabteilung eine abmahnung bekommen, gehst du damit zu einem anwalt und dann schaust du mal was der sagt.

Danke, aber eigentlich suche ich ja jetzt schon nach einem Hinweis, was das bzgl. Arbeitsrecht sagt, und was ich (rechtlich) für Möglichkeiten habe.

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Selbst wenn in dieser Richtlinie stehen würde, dass das Nutzen privater PKW für Firmenfahrten grundsätzlich zu unterlassen ist, so dürfte ein Richter dir recht geben, da das Unternehmen dich in eine Zwickmühle zweier Anweisungen gebracht hat. Erst wenn da sinngemäß steht, dass diese Regelung Vorrang vor allem anderen hat, wäre das wohl anders.

Ggf. lässt sich die Fahrt auch als Heimweg von der Arbeit interpretieren.

Einen Grund für eine Abmahnung oder gar einer Kündigung kann ich aus deiner Beschreibung nicht ableiten.

Wenn das in der Richtlinie stehen würe, ist das auch so zu handhaben. Man kann entweder öffentliche Verkehrsmittel oder ein Taxi benutzen.

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Meines Erachtens nach handelt es sich sogar um den Heimweg, und ich regel das ja auch über meine Versicherung. Die Vorgesetzten echauffieren sich hier über einen Richtlinienverstoß, der mir bisher nicht bekannt ist, und den ich hier auch nicht bestätigen kann bisher.

Ich würde auch sagen, dass in diesem Falle (also Regelverstoß) eine Ermahnung angemessen ist, das die Firma finanziell gar nicht drin hängt. Aber Abmahnung? Oder Kündigung? Das ist doch mit Kanonen auf Spatzen geschossen, zumal ich ja nicht absichtlich dagegen verstieß und auch noch nach bestem Wissen und Gewissen im Firmeninteresse handelte. Diesen Punkt wird mir auch hoffentlich jedes Arbeitsgericht so unterschreiben.

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Du musst dir die Richtlinen besorgen, und dann zum Anwalt dich beraten, der wird dir die sinnvollsten Schritte erklären und mit dir durcharbeiten. Lg und viel Glück

Der nächste der nicht lesen kann? Ich schrieb doch, ich habe die Richtlinie durchgearbeitet! Da steht nichts! Bitte ordentlich lesen und qualifiziert antworten!

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Er warf mir zudem vor, eine bestimmte Richtlinie (Guideline) nicht gelesen zu haben, die ausdrücklich verbieten würde, dass Mitarbeiter private Autos verwenden

Das wird der entscheidende Punkt sein.

Lass dir die Richtlinie zeigen und suche dir einen Anwalt

Was soll das? ich schreibe doch einen Satz weiter, dass ich die Richtlinie jetzt durchgearbeitet habe, und davon NICHTS darin steht. Bitte alles lesen!

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@Vikunja84

Sei doch nicht gleich so vorwurfsvoll. Es wäre sehr komisch, wenn dein Chef das erfinden würde. Denn das eben wirklich genai der springende Punkt. Wenn du zu keinem Anwalt gehst sag das deinem Chef, dass es diese Richtlinie nicht gibt und du es nochmal gelesen hast. Wenn doch soll er dir diese eben zeigen (auf was auch immer er sich da bezieht).

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@Vikunja84

Wieso wirst du so pampig, nur weil dein Leseverständnis nicht gut ist?

Wenn du der Meinung bist, die Richtlinie gibt es nicht, heißt das ja nichts. Immerhin behauptet er, dass es diese gibt.

Also hingehen und fragen:
Entweder zeigt er sie dir, dann hast du schlechte Karten oder er kann sie dir nicht zeigen, dann hast du gute Karten.

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@FGO65

Ich schrieb nicht, dass es sie nicht gibt, in der Richtlinie steht nichts, was den Vorwurf rechtfertigt! Wie wäre es, wenn man genau liest?

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@mdan87

Ich schrieb nirgends, dass es die Richtlinie nicht gäbe. Nur gibt es darin keinen einzigen Punkt, der den Vorwurf des Chefs qualifizieren würde. Lies Du ruhig nochmal genau nach.

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@Vikunja84

OK, jetzt verstehe ich, warum man dich kündigen will.

Ich bin raus ....

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@FGO65

Wenn du auch so mit deinem Chef geredet hast wie du hier schreibst, verstehe ich warum er so reagier und genervt ist

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@FGO65

Wer hier den Zusammenhang nicht "geschnallt" bekommt, bist du selbst, FGO65 (und auch mdan87)!!

Ich kann Vikunja84 sehr gut verstehen, wenn Leute hier antworten, aber nicht genau lesen, worum es geht, und selbst die folgenden Hinweise noch nicht einmal begreifen oder einfach ignorieren!!

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@Vikunja84

Vlt sollte man dann mal bei sich selbst schauen wenn wirklich jedes einzelne Kommentar die gleiche Antwort gibt

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