APS-C oder Vollformat Kamera?

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6 Antworten

Zunaechst mal ist das nur ein Flaechenunterschied im Aufnahmeformat. Siehe auch das Schaubild bei https://de.wikipedia.org/wiki/Bildsensor#/media/File:Sensorformate_2015_01_10.svg

Da sieht man auch, dass es noch viel mehr Aufnahmeformate gibt als die beiden populaeren APS-C (und DX) und Kleinbild (kurioserweise auch Vollformat genannt). Da gibt es naemlich die noch groeßeren Mittelformate und als Filmformate auch die nochmals deutlich groeßeren Großformate.

Frueher, zu Filmzeiten, gab es (fast) nur das Pocketformat unterhalb des APS-C Formats. Heute gibt es da das FT-Format, 1 Zoll, 2/3 Zoll, 1/1,7 Zoll und 1/2,3 Zoll. Und die Sensoren der Smartphones sind noch kleiner.

Die verbliebenen DSLR Hersteller benutzten ihr Bajonette aus den Filmzeiten einfach weiter und bauten anstelle des Films einen Bildsensor ein. Allerdings gab es anfangs kaum Sensoren in der Goeße 24x36mm und die, die es gab waren suendhaft teuer. Der Markt schrie aber nach Digitalkameras und es gab schon Millionen von Wechselobjektiven, sodass man einfach kleinere Sensoren einbaute. So konnten die Kunden ihre alten Objektive weiter benutzen, allerdings erschien die Brennweite um den Cropfaktor verlaengert. Wo man also zu Filmzeiten ein 28mm Objektiv benutzte, musste man jetzt (gleicher Aufnahmestandort und gleicher Ausschnitt) ein 18mm Objektiv benutzen.  

So konnten die "alten Fotohasen" ihre Lieblingsbrennweiten aus Filmzeiten recht einfach mittels Cropfaktoren umrechen und die Industrie musste zunaechst mal nur die Objektive mit den kurzen Brennweiten nachlegen. Die waren naemlich damals fuer Kleinbild sehr teuer.

Sensoren wurden immer guenstiger; die erste DSLR fuer unter 1000 Euro kam 2003 auf den Markt und dann begann Canon, die ersten bezahlbaren Kleinbildsensoren zu verbauen. 

Nikon zog etwas spaeter nach, Minolta auch und Pentax stellt erst jetzt seine erste digitale Kleinbildkamera vor (hat aber schon laenger eine Mittelformatkamera im Programm).

Die APS-C Sensoren sind mittlerweile so gut, dass es fuer die allermeisten Ansprueche reichen duerfte und es gibt ja auch APS-C Kameras wie die Canon 7DII, die Nikon D500 und die Pentax K-3II, die professioneller konstruiert sind als die guenstigen Kleinbildkameras 6D oder D750.

Was sind nun also die Vorteile der groeßeren Flaeche?

1. das dann moegliche groeßere Sucherbild (optisch)  

2. die moegliche groeßere Aufloesung: wenn die Pixeldichte unveraendert bleibt haette man ueber doppelt so viele Pixel. Wenn die Pixelanzahl gleich bliebe, haette man eine sehr geringe Pixeldichte und den Vorteil des deutlich geringeren Rauschens und besseren Kontrastverhaltens. Die Konstrukteure/Kaufleute entscheiden sich aber meistens fuer den Mittelweg: etwas groeßere Pixel und etwas groeßere Aufloesung.

3. die Moeglichkeit, besser freizustellen. Das wird immer wieder als Vorteil genannt, tatsaechlich aber selten und dennoch zu oft genutzt. Bei Portraits z.B. hat man gerne einen moeglichst cremigen, unscharfen, fluffigen Hintergrund. Dafuer nimmt der Kleinbildfotograf gerne ein 85mm Objektiv, stellt aber oft genug fest, dass bei Blende 1,8 einfach zu wenig scharf ist, naemlich nur ein Auge, wenn der Kopf ein wenig schraeg steht und die Nasenspitze und die Ohren schon mal gar nicht. Da muss dann abgeblendet werden und dann kann man das Foto auch mit einem 55mm/1,4 an einer APS-C Kamera machen (und muss wahrscheinlich auch noch abblenden)

Im Nahbereich, sagen wir mal bis 3m, bringt das Kleinbildformat nach meiner Einschaetzung kaum Vorteile in Sachen Freistellung, ja im Makrobereich sogar eher Nachteile.

Vorteile sehe ich eher im Bereich 3-20m. Da lassen sich mit Objektiven wie dem 85mm/1,4, dem 135mm/2,0 und einem 200mm/2,8 prima Motive freistellen. (z.B. Ganzkoerperportraits).   

Einen Aspekt sollte man auch nicht außer Acht lassen. Die Hersteller Canon und Nikon haben ihr Objektivsortiment in erster Linie auf das Kleinbildformat ausgerichtet und bieten Spitzenobjektive auch fast ausnahmslos dafuer an. Wer da Spitzenleistung haben will, muss sich teures und schweres Zeug kaufen. Das ist bei Pentax anders, weil die sich die ersten 10 Jahre nur dem APS-C Format verschrieben haben und dementsprechend dafuer auch tolle kompakte Objektive anbieten und auch immer sehr gut ausgestattete Kameras in der jeweiligen Preisklasse hatten. 

   

 

APS-C Kameras haben einen kleineren Sensor (etwa 22x15mm) als eine Vollformatkamera (24x36mm). Das hat einige Folgen.

Je kleiner der Sensor ist, desto größer ist die Tiefenschärfe. Anspruchsvolle Fotografie bevorzugt häufig die Möglichkeit, mit geringerer Tiefenschärfe Bildgestaltung zu betreiben. 

Makrofotografen schätzen dagegen jedes bisschen mehr Schärfentiefe, die sie bekommen können.

Je kleiner der Sensor ist, um so eher hat man bei schlechten Lichtverhältnissen Bildrauschen, was man in der Regel nicht möchte.

Wenn man ein Telefreak ist, hat man bei kleineren Sensoren den Vorteil, dass man auch schon mit kürzeren Telebrennweiten auskommen kann.

Naja, stimmt alles so fast, was bisher gesagt wurde. Richtig genannt wurden die unterschiedlichen Sensorgrößen. Das hat bis dahin erstmal nix mit der Tiefenschärfe zu tun, denn die resultiert aus der verwendeten Brennweite und der verwendeten Blende, ausschließlich! Das bedeutet, bei der gewählten Kombination beginnt und endet der Schärfebereich soundsoviel Prozent vor und hinter der eingestellten Entfernung. Je größer die Brennweite und je größer die Blendenöffnung, desto knapper ist dieser Bereich, absolut unabhängig von der Sensorgröße. Die Auflösung spielt allerdings noch eine Rolle, aber das lassen wir hier mal.

Haken an der Sache: um die gleiche Bildinformation mit beiden Kameras drauf zu bekommen, musst Du mit der APS-C weiter zurück oder eine kleinere Brennweite wählen. In beiden Fällen dehnt sich der scharfe Bereich aus.

Abhilfe schafft in dem Fall nur eine größere Blendenöffnung (kleinere Blendenzahl). Bei APS-C zu KB reden wir da über ziemlich genau eine Blendenstufe. Habe ich also ein 2,0/75 an meiner KB, nimmst Du an Deiner APS-C für die gleiche Bildwirkung ein 1,4/50. Packe ich aber mein 1,4/85 aus, hast Du ein Problem ein 1,0/58 zu finden! Und wenn Du es findest, ist ie Kombination Kamera plus Linse mindestens genauso schwer und mindestens genauso teuer! Kaufst Du dann noch eine weitere Verglichslinse, dann viel Spaß beim Schleppen und zahlen!

Umgekehrt sieht es aus, wenn Du Dich auf Wildlife oder Sportpfaden bewegst: hier ist meist Brennweite gefragt. Nimmst Du das 150-600 von Tamron oder Sigma an eine APS-C, dann muss ich am KB schon die 800er Festbrennweite plus Konverter für 17.000 (!) Euro anschrauben und vorher schleppen, und dazu noch das 200-500 Zoom. Natürlich bringt die auch entsprechende Bildqualität, aber wir reden dann über eine D5 + eine Festbrennweite + ein Zoom im Gesamtwert von deutlich über 25.000 Euro! Wer das kauft, der weiß was er braucht und wofür - und fragt hier nicht!

Kommst Du aber an der APS-C mit der Lichtstärke und Bildqualität des mitgelieferten Kitzooms zurecht, dann hast Du mit KB nur unnötig Geld rausgeschmissen! Aber Achtung: oft wachsen die Wünsche mit der Zeit! Wenn Du dann auch noch alle Linsen neu kaufen musst, dann wird der Wechsel sehr schmerzhaft! Deswegen rate ich Dir, von Anfang an alle Objektive tauglich für Vollformat zu kaufen! Dann brauchst Du in ein paar Jahren, wenn du eh mal eine neue Kamera haben willst, kein neues Objektiv dazu kaufen.

Wer Vollformat braucht, weiss das in der Regel auch. APS-C ist deutlich günstiger und die Bildqualität heutzutage sehr gut. Nur für Profis bieten sich Vorteile im Vollformat. Zumal ein teurer Body allein keine besseren Bilder macht, nur mit entsprechend teuren Objektiven.  

Bevor ich mir einen Wolf schreibe, lass ich es von Ben erklären! 

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