Anzeigen wegen Diskrimierung beim Bewerbungsgespräch ?

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Ar­beit­ge­ber können Ar­beit­neh­mern auf­grund ih­res Wei­sungs­recht nach Er­mes­sen Ar­beits­auf­ga­ben zu­wei­sen und auch Vor­ga­ben zur Be­klei­dung während der Ar­beit ma­chen (§ 106 Satz 1 Ge­wer­be­ord­nung - Ge­wO).

Al­ler­dings müssen sie da­bei die be­rech­tig­ten Be­lan­ge des be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers berück­sich­ti­gen ("bil­li­ges Er­mes­sen").

Zu die­sen für Ar­beit­neh­mer wich­ti­gen Be­lan­gen gehören auch re­li­giöse Über­zeu­gun­gen, die durch das Grund­ge­setz (GG) geschützt sind, nämlich durch Art.4 Abs.1 GG.

Ar­beit­ge­ber können da­her mos­le­mi­schen Ar­beit­neh­me­rin­nen im All­ge­mei­nen nicht ver­bie­ten, während der Ar­beit ein Kopf­tuch zu tra­gen, denn da­mit be­folgt die Ar­beit­neh­me­rin ein aus ih­rer Sicht gel­ten­des re­li­giöses Ge­bot.

Hier liegt ggf. ein Fall von Diskriminierung vor; Du bist nicht eingestellt worden, weil Du ein Kopftuch tragen möchtest.

Es ist keine Straftat seitens des Unternehmens begangen worden, sondern Du kannst das Unternehmen beim Arbeitsgericht auf Entschädigung verklagen, weil Du aus Diskriminierungsgründen nicht eingestellt wurdest.

Einen Anspruch auf Einstellung leitet sich allerdings nicht ab, was auch nichts bringen würde, da Du während der ersten 6 Monate nicht dem Kündigungsschutzgesetz unterliegst (und bei einem Kleinbetrieb auch darüber hinaus nicht), sodaß man Dir direkt am ersten Tag wieder kündigen könnte.

Wenn das Arbeitsgericht die Diskriminierung bestätigt sind die Chancen gut, daß Du 3 Monatsgehälter als Entschädigung zugesprochen erhälst.

§ 61b (Arbeitsgerichtsgesetz) - Klage wegen Benachteiligung


(1) Eine Klage auf Entschädigung nach § 15 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzesmuss innerhalb von drei Monaten, nachdem der Anspruch schriftlich geltend gemacht worden ist, erhoben werden. 

Verfahrensablauf:

Du solltest unverzüglich (innerhalb von 2 Monaten) schriftlich Deinen Anspruch auf Einstellung bzw. auf Entschädigung geltend machen - wenn dieser abgelehnt wird, ist innerhalb von 3 Monaten  Klage einzureichen.

Du solltest aber UNBEDINGT einen RECHTSANWALT konsultieren, damit keine Fehler bei den Ansprüchen gegenüber der Firma gemacht werden.

Es wird ggf. Beratungs- und Prozeßkostenbeihilfe gewährt - der RA ist vor der ersten Beratung darauf hinzuweisen - er stellt dann auch den Antrag.

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@DerSchopenhauer

Korrektur:

"wenn dieser abgelehnt wird, ist innerhalb von 3 Monaten  Klage einzureichen" - das ist falsch

muß heißen:

"innerhalb von 3 Monaten nach Einreichung des schriftlichen Anspruchs bei dem Unternehmen, ist Klage einzureichen"

Darauf ist unbedingt zu achten, denn die Firma wird ggf. überhaupt nicht auf Deinen Brief reagieren.

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Wäre es Dir lieber gewesen, sie hätte das Bewerbungsgespräch durchgezogen und Dir zwei Wochen später eine Absage geschickt?

Da nach Gesinnungen seit einigen Jahren hier nicht mehr geschnüffelt wird, kann niemand den wirklichen Grund für eine Absage ergründen. Ich selbst bin über 60 und mir ist es lieber, mir wird unter  vier Augen oder telefonisch gesagt, dass niemand über 50 eingestellt wird, als eine nichtssagende Absage zu bekommen.

Die Aussage mag das AGG verletzen, aber sie ist ehrlich, hat Dir Zeit und unnötiges Grübeln über vermeintliche Unzulänglichkeiten erspart. Außerdem ist sie nicht nachweisbar, deshalb lohnt es nicht, sich darüber aufzuregen.

Das haben die wirklich sehr unglücklich gemacht. Hätten einfach lügen müssen oder so machen müssen wie du es beschrieben hast.

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Slm,

das Tragen eines Kopftuches - und auch anderer aus religiösem Anlass getragener Kleidungsstücke - darf kein Ablehnungsgrund sein.

Bereits in mehreren Fällen sind Leute wie du rechtlich dagegen vorgegangen und waren auch erfolgreich. Passend dazu kannst du dir mal das Antidiskriminierungsgesetz anschauen.

Lass dich an dieser Stelle mal anwaltlich beraten, wenn du dagegen vorgehen möchtest.




Diskriminierung einer Bewerberin mit Kopftuch: ArbG Berlin, Urteil vom 28.03.2012 - 55
Ca 2426/12
Die Klage einer jungen Frau, die wegen ihres Kopftuchs aus einem Bewerbungsverfahren
ausgeschlossen wurde, hatte Erfolg.
Das Arbeitsgericht Berlin stellte fest, dass die pauschale Ablehnung einer
kopftuchtragenden Bewerberin eine unzulässige Benachteiligung wegen der
Religionszugehörigkeit darstellt und sprach ihr eine Entschädigung in Höhe von drei
Ausbildungsvergütungen zu.
Im konkreten Fall ging es um eine junge Frau, die sich in 2011 um eine Ausbildungsstelle als
Zahnarzthelferin bei einem niedergelassenen Zahnarzt beworben hatte. Ihre Bewerbung
wurde abgelehnt, weil sie sich geweigert hatte, während der Arbeitszeit ihr Kopftuch
abzulegen. Die Stelle blieb unbesetzt.
In der darauf folgenden Klage berief sich der Zahnarzt auf die Kleiderordnung, die in seiner
Praxis üblich ist und den Hygienevorschriften Rechnung trägt.
Die Richter ließen sich davon aber nicht überzeugen. Nach Ansicht der Richter bestehe kein
zahnmedizinischer Grund, dass die Bewerberin ihr Kopftuch während der Arbeit ablegen
müsse.
Das islamische Kopftuch könne leicht mit der üblichen weißen Kleidung kombiniert
werden und wäre auch nicht stärker mit Erregern und Schmutz behaftet als das
menschliche Haupthaar. Das Kopftuch sei für die Bewerberin „als Teil ihres religiösen
Bekenntnisses und als Akt der Religionsausübung anzuerkennen“.
Mit der Ablehnung der Bewerbung allein wegen des Kopftuchs habe der Zahnarzt gegen das
AGG verstoßen und die Klägerin wegen ihrer Religion benachteiligt.

Anschreiben für Ausbildungsplatz als Verkäuferin in Ordnung?

Ich habe eine Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Verkäuferin verfasst und wollte fragen ob ich das so abschicken kann oder ob und wie ich was verbessern oder weg lassen sollte. Ich bin sehr schüchtern aber es gibt da eine Stelle, die ich unbedingt haben möchte und ein Vorteil am Verkauf ist, das man fast in jeder Stadt Arbeit kriegt. Danke schon mal.

Sehr geehrte Damen und Herren,

über online-stellenmarkt.net bin ich auf Ihre Stellenanzeige aufmerksam geworden und bewerbe mich nun um einen Ausbildungsplatz als Verkäuferin für 2018 in Ihrem Unternehmen, da mich der Bereich Einzelhandel, in Verbindung mit Lebensmitteln persönlich sehr anspricht und interessiert.

Die Produkte und der Führungsstil Ihres Unternehmens sind mir sympathisch, daher bin ich sehr motiviert, eine Ausbildung in Ihrem Markt zu absolvieren und zum Unternehmenserfolg beizutragen.

Zu meinen Stärken zählen Flexibilität, Bereitschaft im Team zu arbeiten, sowie Lernbereitschaft. Ich besitze sowohl ein gepflegtes Äußeres, als auch ein gutes Ausdrucksvermögen. Ich bin sorgfältig und zuverlässig.

Für ein Probearbeiten stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freue ich mich sehr.

Mit freundlichen Grüßen

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