Anzeige wegen Fahrerflucht zurücknehmen?

...komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Nein, eine Anzeige kann nicht zurückgezogen werden. Eine Anzeige ist grundsätzlich nichts anderes als die bloße Meldung an die Polizei (oder eine andere zuständige Stelle), dass eine Straftat begangen worden sei.

In bestimmten Fällen können die Strafverfolgungsbehörden nur auf einen Strafantrag des Geschädigten hin tätig werden und die Straftat verfolgen. Liegt ein solcher Strafantrag nicht vor oder wird er zurückgenommen, so liegt ein Strafverfolgungshindernis vor, das bewirkt, dass die Straftat nicht verfolgt werden darf.

Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort (§ 142 StGB) ist aber kein Antrags-, sondern ein sogenanntes Offzialdelikt. Das bedeutet, dass die Strafverfolgungsbehörden eine solche Straftat verfolgen müssen, sobald sie davon Kenntnis erlangen. Hier ist es völlig egal, ob ein anderer (zB der bei einem Unfall Geschädigte) nicht will, dass der Täter strafrechtlich verfolgt wird. Die Polizei muss hier ermitteln.

Es ist außerdem klar zu trennen zwischen dem zivilrechtlichen Schadensausgleich und der Unfallflucht. Dass der Schaden beglichen werden muss wäre auch dann der Fall, wenn er ordnungsgemäß angehalten und seine Daten sofort zur Verfügung gestellt hätte. Die Pflicht zur Wiedergutmachung des Schadens (ob jetzt durch die Versicherung oder nicht ist egal) besteht so oder so.

Dein Kollege hat sich wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort strafbar gemacht - die Konsequenzen muss er jetzt tragen. Wie genau die aussehen, können wir nicht vorhersagen. Das Ganze ist jedoch nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, bei der er ein Bußgeld zahlen muss und vielleicht den Führerschein verliert (plus Unanehmlichkeiten wegen der Probezeit; Aufbauseminar, Verlängerung der Probezeit etc.). Nein, das Ganze ist eine Straftat, die im Schlimmsten Fall mit bis zu 3 Jahren Haft bestraft werden kann.

Keine Sorge, das wird hier ganz sicher nicht passieren. Trotzdem könnte die Geschichte teuer werden - sollte dein Kollege über 18 sein und auch nicht als Heranwachsender eingestuft werden (d.h. zwischen 18 bis 20 Jahre alt und Feststellung, dass er noch nach Jugendstrafrecht behandelt wird), so kommt beispielsweise eine Geldstrafe in Betracht. Möglich ist aber auch, dass das Verfahren gegen Auflagen (zB Zahlung einer bestimmten Summe) eingestellt, d.h. ohne Urteil und Gerichtsverhandlung abgeschlossen wird. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass dein Kollege ein Fahrverbot für eine bestimmte Zeit erhält.

Da es sich um ein sog. "Offizialdelikt" handelt, wird die Staatsanwaltschaft die Sache von sich aus weiter verfolgen.

Könnten ihm den Führerschein entziehen.

Was möchtest Du wissen?