Anzahl der Soldaten Kriegsende 1918

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3 Antworten

Im November 1918 gab es rund 8 Millionen Soldaten des Deutschen Reiches. Allerdings befanden sich etwa 800000 in alliierter Kriegsgefangenschaft. Außerdem gab es eigenmächtige Entfernungen von den Einheiten und andere Soldaten waren schon demobilisiert. Unter Waffen standen rund 6 Millionen Soldaten.

Eine Statistik mit einer Aufteilung in Berufssoldaten und Freiwillige/Wehrpflichtige ist schwierig zu finden.

Es gab rund 34000 aktive reguläre Offiziere (wenn nicht reguläre hinzugerechnet werden, noch ein paar Tausend mehr).

Nach dem Versailler Vertrag (Artikel 160, 183, 198) waren nur noch 100000 Mann Reichwehr einschließlich höchstens 4000 Offiziere, 15000 Mann Reichsmarine einschließlich 1500 Offiziere und Deckoffiziere sowie 300 Sanitäts- und 200 Veterinäroffiziere erlaubt.

Daher mußten etwa 30000 Offiziere aus dem aktiven Dienst ausscheiden.

Insgesamt wollten zunächst mehrere hunderttausend Mann in der Armee verbleiben. Vom November 1918 bis April 1919 leitete das Reichsamt für wirtschaftliche Demobilmachung (DMA) die Demobilmachung in Deutschland und war die zentrale Behörde, deren Aufgabe die Wiedereingliederung von Soldaten in das Arbeitsleben war.

Reinhard Bessel, Demobilmachung. In: Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Herausgegeben von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz. Aktualisierte und erweiterte Studienausgabe. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2009, S. 427 – 430

S. 427. „Als der Waffenstillstand am 11. Nov. eintrat, standen noch etwa 6 Mio. deutsche Soldaten unter Waffen.“

S. 428: „Während des Ersten Weltkrieges dienten ca. 13, 2 Mio. Männer in deutscher Uniform. Diese Zahl entsprach ungefähr einem Fünftel der Gesamtbevölkerung des Kaiserreichs im Jahr 1914 und etwa 85 % der Männer im wehrfähigen Alter. Von diesen Männern fielen etwa 2 Mio. im Krieg. Demnach hätten also ungefähr 11 Mio. deutscher Soldaten den Krieg überlebt. Indessen wäre es verfehlt anzunehmen, daß die D. der große Mehrheit der deutschen Soldaten erst nach dem Nov. 1918 stattgefunden habe. Viele Soldaten trugen schon vor Ende des Krieges wieder Zivil, als Folge von Verletzungen, Krankheit oder Rückversetzung in wichtige Kriegsindustrien. Statistisch waren es im Okt. 1918 etwa 6 Mio. Soldaten, die noch in den deutschen Streitkräften diente und demobil gemacht werden mußten.“

„Überdies führte der «verdeckte Militärstreik» (Wilhelm Deist) im deutschen Heer während der letzen Monate des Krieges dazu, daß viele Soldaten ihren Einheiten einfach davonliefen. Anfang Dez. 1918 berichtete das Oberkommando des Westheeres, daß von den etwa 3,2 Mio. Soldaten die dem Westheer noch angehörten, etwa 1 Mio. auf eigene Initiative nach Hause unterwegs sei.“

„Nur eine große Gruppe deutscher Soldaten mußte warten, nämlich die etwa 800.000 Männer, die sich in alliierter Kriegsgefangenschaft befanden. Die meisten deutschen Kriegsgefangenen kehrten erst während der zweiten Hälfte des Jahres 1919 oder im Jahr 1920 nach Deutschland zurück.“

Ursula Büttner, Weimar : die überforderte Republik 1918 - 1933 ; Leistung und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Stuttgart : Klett-Cotta, 2008, S. 131:
„Acht Millionen Soldaten waren Anfang November 1918 unter Waffen gewesen: 5, 3 Millionen im Felde und 2,7 Millionen in der Heimat. Am Jahresende waren es nur noch 3 Millionen, einen Monat später war mit einer Million Mann wieder die Friedensstärke des Heeres von 1914 erreicht.“

S. 633 Anm. 41: „Nach dem Versailler Vertrag mußte das Offizierskorps seit Anfang 1921 binnen zwei Jahren von 34000 auf 4000 Angehörige verkleinert werden; bei der Auswahl, die er sich selbst vorbehielt, bevorzugte Seeckt Technokraten aus dem Generalstab.“

Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte Band 4: Vom Beginn des Ersten Weltkriegs bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914-1949. München : Beck, 2003, S. 385:
„In mindestens 365 Freikorps waren zeitweilig mehr als 400000 Soldaten organisiert, die in einer Grauzone den Krieg nach außen und innen fortsetzten.“

S. 418: „Als nach der Konferenz von Spa im Juli 1920 die Heeresreduktion unvermeidlich auf die Berliner Militärpolitik zukam, hieß das, die Anzahl der 34000 noch immer aktiven Offiziere auf 4000 zu verringern. Dabei wurden Generalstabsoffiziere gegenüber dem Typ des handfesten Troupiers bevorzugt, denn Planungsfähigkeit galt für den künftigen Krieg als wichtigste Qualität.“

Rainer Wohlfeil/Edgar von Matuschka, Reichswehr und Republik (1918 - 1933) : Heer und Republik ; Organisation des Reichsheeres. Handbuch zur deutschen Militärgeschichte : 1648 - 1939. Begründet von Hans Meier-Welcker. Projektleitung und Gesamtredaktion: Gerhard Papke und Wolfgang Petter. Herausgegeben vom Militärgeschichtlichem Forschungsamt durch Friedrich Forstmeier, Wolfgang von Groote, Othmar Hackl, Hans Meier-Welcker und Manfred Messerschmidt. Band 3. Abschnitt 6. München: Bernard & Graefe, 1970, S. 97:
„Über die Auswahlrichtlinien für die Offiziere entbrannte bereits im Frühjahr ein heftiger Streit zwischen der OHL und dem Personalamt im Preußischen Kriegsministerium, als dessen Leiter, der badische Generalmajor v. Braun, die Kommandeure aufforderte, sich Auswahl- mit dem Problem zu befassen, welche Offiziere zum um Ausscheiden zu veranlassen seien. Diese vorbereitenden Überlegungen waren gerechtfertigt, wie sich aus der Tatsache ergibt, daß das Offizierskorps bei Kriegsende 227081 Mann umfaßte, davon 38118 aktive Offiziere, von denen ca. 23 000 (= 60%) ihr Patent vor Kriegsausbruch und 15000 während des Krieges erhalten hatten. Am 1. August 1919, als schon der Zwang zur Verminderung des Offizierskorps bekannt war, befanden sich noch ungefähr 2800 Stabsoffiziere und 5800 Hauptleute und Rittmeister sowie eine um ein vielfaches größeres Zahl von Subalternoffizieren einschließlich der großen Gruppe von Kriegs- und jenen Reserveoffizieren, die Soldat zu bleiben wünschten, und der 1919 zu Offizieren beförderten Unteroffiziere im Dienst.“

Andreas Dietz, Das Primat der Politik in kaiserlicher Armee, Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr : rechtliche Sicherungen der Entscheidungsgewalt über Krieg und Frieden zwischen Politik und Militär. Tübingen : Mohr Siebeck, 2011 (Jus publicum ; Band 210), S. 290:
„Im Winter 1918/19 wurde die vorläufige Reichswehr als Notbehelf aus den Freikorps heraus gebildet und «von unten nach oben» aufgebaut. Dabei sammelten sich Mannschaften um ehemalige Truppenführer und bildeten den Armeekörper, während die OHL mit dem Generalstab die militärische Führung bildete. In das Offizierskorps waren noch im Krieg bewährte Berufsoffiziere und im Frühjahr 1919 etwa 1.000 zu Offizien beförderte Unteroffiziere von gleicher Gesinnung und Selbstverständnis aufgenommen. Aber unter dem Druck des Versailler Vertrages und der Abschaffung der Wehrpflicht nach Art. 133 Abs. 2 Satz 1 WRV kam es ab Sommer 1919 zu einem einschneidenden Truppenabbau, wobei von über 400.000 nur 100.000 Mannschaften und von 24.000 nur 4.000 Offiziere übernommen werden konnten. Die notwendige Auswahl ließ Seeckt unter dem Gesichtspunkt eines Kaderheeres treffen, das entsprechend den Fernzielen seiner Rüstungspläne bereust die Struktur für eine weit höhere Mannschaftsstärke als die erlaubten 100.000 Mann besitzen und sich gezielt vergrößern lassen sollte.“

Rainer Hering, Freikorps. In: Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert : ein Lexikon. Herausgegeben von Axel Schildt. Originalausgabe. München : Beck, 2005 (Beck'sche Reihe ; 1618), S. 164:
Freikorps. In der Übergangsphase zwischen Waffenstillstand und Friedenschluss entstanden ab November 1918 Freiwilligenverbände, die sich F. nannten. Nach außen wollten sie die Ostgrenze schützen, nach innen die Revolution eindämmen. Auslöser war vermutlich ein Geheimbefehl P. v. Hindenburgs, für den «Grenzschutz Ost» freiwillige Formationen aufzustellen. In über 365 F. waren zeitweilig mehr als 400000 Soldaten zusammengefasst, insb. nicht in die —»Reichswehr aufgenommene junge Frontoffiziere, Fahnenjunker und Studenten.“

„Danach entstanden rasch zahlreiche F., insgesamt 100 bis 120 Verbände mit einer Gesamtzahl von ca. 400.000 Angehörigen. Aufgrund der hohen Fluktuation betrug die Zahl der zugleich mobilen F.-Angehörigen maximal 250.000 (März 1919).

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Benjamin Ziemann, Freikorps. In: Enzyklopädie Erster Weltkrieg. Herausgegeben von Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Irina Renz. Aktualisierte und erweiterte Studienausgabe. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2009, S. 504:
„Danach entstanden rasch zahlreiche F., insgesamt 100 bis 120 Verbände mit einer Gesamtzahl von ca. 400.000 Angehörigen. Aufgrund der hohen Fluktuation betrug die Zahl der zugleich mobilen F.-Angehörigen maximal 250.000 (März 1919).

F. entstanden vor allem vor allem durch die Umbildung alter Verbände des Heeres zu Freiwilligeneinheiten. Insbesondere ehemalige Sturmbataillone bildeten den Grundstock. Ein anderer Weg war die die Unterstellung von Freiwilligen unter einen Führer, in der Regel einen höheren Frontoffizier. Die Größe der F. reichte von wenigen Dutzend Mann bis zu Verbänden von Armeekorpsstärke mit ca. 30- 40.000 Mann. Die Werbung von Freiwilligen geschah durch Anzeigen und Werbebüros. Viele der F. -Angehörigen waren junge Frontoffiziere und -unteroffiziere. Daneben meldeten sich zahlreiche Studenten und Schüler höherer Schulen. Somit waren bei weitem nicht alle F.-Kämpfer ehemalige Frontsoldaten.“

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Sehr ausführliche und gute Antwort, danke auch für die Quellennachweise..Perfekt!

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Die Angaben von LordIranox sind - für Deutschland - wohl nahe dran.

Allgemein wird eine Zahl von um 10 Millionen für das Kriegsende gehandelt. Da hättest Du also eine Quote von ca. 1 Prozent, das "übernommen" werden konnte.

Das "Friedensheer" betrug vor dem ersten Weltkrieg ungefähr 610.000 Mann [ohne Marine]. Ingesamt standen ungefähr 13,25 Millionen unter Waffen davon sind ca. 15 % gefallen und 2,7 Millionen physisch und psychisch versehrte Kriegsteilnehmer,

Mehr kann ich dir leider nicht sagen.

http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/98005823/index.html

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