Antimast Selz TN Tropfen

2 Antworten

Hallo Nini97,

Bei Deinem Antimast Selz TN handelt es sich um ein sogenanntes "homöopathisches Komplexmittel".

Das heißt zunächst einmal, dass es sich nicht um echte Homöopathie handelt. Hahnemann, der die Homöopathie vor 200 Jahren erfand, hätte heftig dagegen protestiert, dass sich dieses Mittel "Homöopathikum" nennen darf.

Warum? Nach Hahnemanns Lehre dürfen die in seiner Lehre verordneten Wirkstoffe nur hochverdünnt und einzeln - aber niemals in Kombination - gegeben werden. Beide Grundsätze werden mit diesem Mittel verletzt.

Bleibt noch das letzte Grundprinzip der Homöopathie, das Ähnlichkeitsprinzip. Nach dem wird festgelegt, wann man welches Mittel eigentlich nehmen soll. Nach der Vorstellung der Homöopathie erzeugt ein Mittel beim Gesunden ähnliche Symptome, die es dann als Homöopathikum beim Kranken heilen soll.

Nun muss man sagen, dass dieses Ähnlichkeitsprinzip als allgemeines Naturprinzip widerlegt ist. In praktisch allen Fällen wäre es fatal, ein Medikament zu geben, das ähnliche Symptome erzeugt, wie die, die der Patient schon hat. (Man denke z.B. an Bluthochdruck oder eine Vergiftung...) Dennoch dürfte die Zusammensetzung Deines Mittels nach diesem in der Homöopathie unantastbaren Prinzip zustande gekommen sein. (Also nicht über Wirksamkeitsstudien und Wirksamkeitsnachweise)

Das äußert sich im Beipackzettel darin, dass keine Indikation angegeben werden darf. - Es darf also nicht dastehen "anzuwenden bei" und dann Krankheitsbilder. Was eben konkret daran liegt, dass die homöopathischen Arzneien keine Wirksamkeitsnachweise (also Überlegenheit gegen Placebo) für irgendwelche Anwendungsbereiche bieten können.

So viel zu der Frage, ob es eine "gute Zusammensetzung" ist.

Jetzt noch zu der Frage, was eigentlich drin ist: Laut Beipackzettel enthalten 100 ml

  • Agnus castus D1 15 ml, (Das ist Mönchspfeffer. Mönchspfeffer ist eine Heilpflanze, die zur Behandlung des Prämenstruellen Syndroms und für die Linderung von Wechseljahrbeschwerden eingesetzt wird. Auch fördert er die Produktion des Gelbkörperhormons. Wirksame Substanzen sind vermutlich Diterpene mit Dopamin-analoger Wirkung. In Konzentration D1 ist es auch ordentlich enthalten, so dass man hier von einer möglichen pharmakologischen Wirkung ausgehen kann. Und natürlich auch von Nebenwirkungen.)

  • Caulophyllum thalictroides D4 5 ml, (Frauenwurzel; besitzt östrogenähnliche Eigenschaften, stimuliert also die weiblichen Geschlechtsorgane. Eine Wirkung in der Verdünnung D4 (1:10 000) ist allerdings schon als grenzwertig anzusehen.

  • Cyclamen D4 15 ml, (Alpenveilchen, besitzt eigentlich als Heilpflanze keine Bedeutung und wird nur in der Homöopathie bei Menstruationsbeschwerden verwendet. Eine entsprechende Wirkung ist - gerade in dieser Dosierung höchst zweifelhaft.)

  • Ignatia D5 5 ml, (Das ist die Brechnuss. Sie enthält starke Nervengifte, unter anderem Strichnin. In D5 (1:100 000) sind allerdings keine wirklichen Wirkungen mehr zu erwarten.

  • Iris vers. D2 10 ml, (Das ist die Schwertlilie. Sie wurde früher als Brechmittel eingesetzt. D2 ist eine recht hohe Dosierung (1:100), so dass man hier eine pharmakologische Wirkung nicht ausschließen kann.)

  • Lac caninum D15 10 ml, (Das ist Hundemilch, also die Milch einer stillenden Hündin. Weder in dieser verschwindend geringen Dosierung, noch in einer höheren, ist von dieser esoterischen Zutat irgendeine pharmakologische Wirkung zu erwarten.)

  • Lapis albus D8 10 ml, (Das ist Calciumfluorsilikat. Also von wegen rein pflanzlich... In D8 (1:100 000 000) ist aber ohnehin nicht mit irgendeiner Wirkung zu rechnen)

  • Lilium tigrinum D3 5 ml, (Tigerlilie, gehört ebenfalls - wie oben die Iris - zu den Schwertliliengewächsen. In D3 können noch Effekte auftreten)

  • Lupulinum D6 5 ml, (Dahinter verbirgt sich der Hopfen, dem in der Homöopathie Wirkung bei Schlaflosigkeit nachgesagt wird. In D6 ist jedoch nicht mit einer Wirkung irgendeiner Art zu rechnen)

  • Pulsatilla D4 9 ml, (Küchenschelle, enthält wie alle Hahnenfußgewächse das giftige Protoanemonin. Eine Wikung in D4 ist grenzwertig.)

  • Thuja D4 5 ml (Lebensbaum. Trotz des poetischen Namens hochgiftig. In D4 ist jedoch eine Wikung widerum grenzwertig.)

Fazit: Die Mischung enthält einige giftige Substanzen in nicht zu vernachlässigenden Mengen. Nebenwirkungen sind somit nicht auszuschließen. Untersucht werden Homöopathika nicht auf Nebenwirkungen, weshalb sie im Beipackzettel auch nicht angeführt werden.

Ich persönlich würde mit meinem Arzt über meine speziellen Beschwerden sprechen, bevor ich ein solches Präparat einnehme. - Besonders, wenn die Einnahme über einen längeren Zeitraum erfolgen soll: Nicht überall, wo "natürlich und sanft" draufsteht, ist "harmlos" drin...

Grüße

Vielen lieben Dank, mit so einer ausführlichen Antwort hatte ich nicht gerechnet..das Mittel habe ich von meinem F-Arzt vor ein paar Jahren bekommen er hat auch Homöopathie auf seinem Praxis-Schild stehen und hatte auch eine Anamnese gemacht, geholfen hat es mir damals nicht wirklich und wurde schnell wieder abgesetzt..ich dachte mir vielleicht zu früh und wollte nur noch mal nachlesen, was genau drin war, da ich mir nur den Namen notiert hatte, ist schon länger her. Dann hätte es mir heute vielleicht helfen können. Einen guten F-Arzt zu finden ist nicht leicht, ..also lieben dank und alles Gute

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Homöopathische Komplexmittel helfen nur bedingt und stehen eigentlich im Widerspruch zu den homöopathischen Regeln. Wenn du eine sinnvolle homöopathische Behandlung willst solltest du dich an den homöopathischen Arzt oder einen guten Heilpraktiker wenden.

Neuerdings gibt es einige Kassen die den homöopathischen Arzt bezahlen. Das sind einige Bkk, die Technikerkrankenkasse und andere. Beim vereinbaren eines Temins beim homöopathischen Arzt vorsichtshalber erkundigen ob er wirklich die klassische Homöopathie mit Einzelmitteln anwendet. Ich wünsche dir alles Gute.

Beim vereinbaren eines Temins beim homöopathischen Arzt vorsichtshalber erkundigen ob er wirklich die klassische Homöopathie mit Einzelmitteln anwendet.

Wobei man natürlich erwähnen sollte, dass auch die klassische Homöopathie mit Einzelmitteln in Hochpotenzen keinerlei Wirksamkeitsnachweis über Placebo hinaus erbringen konnte - was nicht wirklich verwundert, stehen ihre Aussagen doch im expliziten Widerspruch zu unserem heutigen naturwissenschaftlichen Wissen in Physik, Chemie, Biologie und Medizin.

Es spielt also keine Rolle, welcher Variante der Homöopathie man sich nun genau anvertraut - abgesehen von der Tatsache, dass von Hochpotenzen wenigstens keine schädlichen Nebenwirkungen zu erwarten sind. Wirkungen über Placeboeffekte aber halt auch nicht.

Grüße

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