Antidepressiva! Hilft mir!?

11 Antworten

Hallo beautyms,

ich kann Dir leider zu dem Medikament (Remeron) nichts sagen. Doch ist es bei Psychopharmaka grundsätzlich so, dass nicht jedes Medikament bei jedem auch gleich wirkt. Bei dem einen wirkt dieses, bei einem anderen jenes Medikament besser. Selbst wenn jemand eine schlechte Erfahrung mit Remeron gemacht haben sollte, braucht das in Deinem Fall noch lange nicht so sein. Daher bringt Dir die Erfahrung anderer mit diesem Medikament wenig, eher im Gegenteil. Wichtig ist es, wie das Medikament auf Dich wirkt und ob Du es gut verträgst. Andernfalls müsstest Du unbedingt mit Deinem Arzt sprechen, damit er auf ein anderes Präparat umsteigt. Allerdings braucht jedes Antidepressivum auch eine gewisse Eingewöhnungszeit, in der man vermehrt mit Nebenwirkungen zu rechnen hat.

Neben der ärztlichen bzw. therapeutischen Hilfe, gibt es auch einiges, was Du selbst gegen Deine Depressionen unternehmen kannst. Wenn Du die richtigen Schritte tust, dann kann das sehr dazu beitragen, dass Du eines Tages Deine Depressionen überwinden kannst.

Einer der wichtigsten Schritte im Kampf gegen Depressionen ist, dass Du mit jemandem darüber sprichst. Ich meine, Gespräche auch außerhalb einer Therapie. Warum ist das so wichtig? Nun, niemand kann wissen, wie es in Deinem Herzen aussieht, wenn Du nicht aus Dir herausgehst und Dich jemandem mitteilst. Außerdem ist es ein Heilungsprozess, Gefühle in Worte zu kleiden, denn allein über Deine schmerzlichen Erfahrungen zu reden, kann Deinem Herzen Erleichterung bringen. Wenn Du jedoch Deine Gefühle in Dich einschließt und unterdrückst, dann leistest Du Deinen Depressionen nur Vorschub. Doch ist hier auch ein Wort zu Vorsicht angebracht: Überlege Dir ganz genau, wem gegenüber Du Dich öffnen willst. Es sollte sich auf jeden Fall um eine vertrauenswürdige, mitfühlende und verständnisvolle Person handeln, die selbst stark genug ist, Dir wirklich beizustehen.

Ein weiterer Schritt ist, dass Du Deinen eigenen Wert erkennst. Mangelndes Selbstwertgefühl spielt bei Depressionen eine entscheidende Rolle. Oft ist dieses aufgrund von körperlicher oder psychischer Misshandlung in der Kindheit entstanden. Auch wenn frühere negative Erlebnisse bei Dir emotionelle Narben hinterlassen haben, solltest Du daran denken, dass dies nichts an Deinem Wert als Mensch ändert. Daher solltest Du Dich um eine ausgeglichene Ansicht über Deinen wahren Wert als Person bemühen.

Es kann allerdings etwas geben, dass Dir immer wieder Dein Selbstwertgefühl raubt, wenn Du Dich nämlich wegen jedes kleinen Fehlers selbst zerfleischt. Wenn es auch Dir so ergeht, dann denke daran, dass eine solche unvernünftige Fehlersuche Deine Selbstachtung in einem erheblichen Ausmaß untergräbt. Vergiss nicht: Wir alle haben unsere Fehler und Schwächen. Doch wir haben auch Stärken. Statt sich auf eine penible Fehlersuche zu begeben, sollte man lieber an das denken, was man besonders gut kann. Vielleicht setzt Du Dich einfach mal hin und schreibst all die Stärken und positiven Eigenschaften auf, die Du an Dir entdeckst.

Es gibt noch etwas, das zu einem mangelnden Selbstwertgefühl beitragen kann. Es könnte die übertriebene Sorge sein, von anderen anerkannt zu werden und die Angst vor Ablehnung. Es mag sein, dass in der Vergangenheit Menschen zu Dir unfreundlich und gefühllos waren. Denke jedoch daran, dass Dein wahrer Wert nicht daran gemessen wird, ob Dich andere mögen oder nicht. Jeder Mensch ist auf die eine oder andere Weise wertvoll.

Ich möchte Dich auch noch auf die Hilfe aufmerksam machen, die uns die Bibel gibt. Obwohl sie kein medizinisches Fachbuch ist, gibt sie denen, die depressiv sind, Rat und spricht ihnen Mut zu. Zum Beispiel spricht sie davon dass Gott ist denen, die ihm dienen und niedergeschlagen sind so nahe ist, als sei er direkt bei "den Zerschlagenen und Bedrückten, um den Geist der Bedrückten wiederaufleben zu lassen und das Herz der Zerschlagenen neu zu beleben" (Jesaja, Kapitel 57:15, Einheitsübersetzung). Ist es nicht sehr tröstend, zu wissen, dass Gott schwermütigen Personen so nahe ist?

Vielen hilft es auch, dass sie sich zu jeder Tages- und Nachtzeit an Gott im Gebet wenden können. Das Gebet ist nicht nur eine psychologische Krücke denn aufrichtige Gebete gehen nicht einfach ins Leere. Wenn Du Dich an Gott wendest, kann er Dir helfen, besser mit entmutigenden Gefühlen und Situationen, die Dich aus dem Gleichgewicht bringen umzugehen. Die Bibel fordert uns sogar auf, Gott unser Herz auszuschütten. Das ist besonders dann sehr wertvoll, wenn man das Gefühl hat, von niemandem sonst richtig verstanden zu werden. Auch wenn Gott das, was Dich belastet, nicht mit einem Mal beseitigt, kann er Dir jedoch die nötige Kraft geben, mit allem fertig zu werden - auch mit Depressionen!

LG Philipp

Ich bin zwar kein Arzt, doch kenne mich mit der Thematik sehr gut aus (Schwerpunktfach Psychologie und selbst betroffen). Dass was du beschreibst klingt stark nach einer Depression.

Den ersten Schritt hast du bereits getan, du hast dir Hilfe gesucht. Sich zu öffnen ist immer schwer und braucht meistens Zeit. Für das Öffnen ist oft eine längere Psychotherapie nötig. Die führt normalerweise ein Psychotherapeut/Psychologe und kein "einfacher" Arzt durch. Ein Arzt ist vor allem für medikamentöse Behandlungen geeignet (verallgemeinern sollte man dennoch nicht).

Ich empfehle dir dringend eine richtige Psychotherapie zu machen. Mit richtige Psychotherapie meine ich eine intensive Psychotherapie (z.B. analytisch) und nicht das Gespräch beim Arzt der einfach Medikamente verschreibt. Nur eine Psychotherapie kann heilen, Medikamente können "lediglich" die Symptome unterdücken (im besten Falle, was schonmal nicht schlecht ist).

Noch zu Antidepressiva. Mirtazapin (Remeron) ist ein tetrazyklisches Antidepressiva, welches vor allem sedierend wirkt. Es wird primär bei Depressionen verschrieben, welche duch starke Schlafstörungen gekennzeichnet sind. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit und Kopfschmerzen. Eine vollständige Liste mit allen Nebenwirkungen nach wissenschaftlicher Aufteilung findest du hier: http://deprimed.de/mirtazapin/

Ich persönlich konnte durch Mirtazapin (Remeron) wieder gut schlafen, jedoch nahm ich auch ca. 10kg zu. Andere Nebenwirkungen hatte ich nicht. Die antidepressive Wirkung tritt nach ca. 2-4 Wochen ein. Bei mir jedoch wirkte das Medikament nicht wirklich antidepressiv. Dies ist ein grundlegendes Problem von Antidepressiva. Sie wirken nicht bei jedem gleich gut. Oft sind mehrere Medikamentenwechsel nötig um eines zu finden das wirklich greift.

Das Mirtazapin antriebssteigernd wirkt (so dass man morgens besser aus dem Bett kommt) ist mir jedoch neu. Dazu würde ich dir eher ein SS(N)RI empfehlen http://deprimed.de/ssri-ssnri-sndri-nari/). Diese Medikamente werden bei Depressionen eigendlich am häufigsten verschrieben. Doch dies ist auch die Entscheidung deines Arztes.

In der Regel fangen Antidepressiva nach drei Wochen an zu wirken und entfalten ihre volle Wirkung nach 1-2 Monaten. Bis dahin muss man versuchen die Zähne zusammenbeißen. Dafür geht's einem im Nachhinein besser. Ich finde es gut, dass du dich für eine Therapie entschieden hast. Nur so wird es möglich sein, deine Probleme aufzuarbeiten und dann in den Griff zu bekommen. Mit deinem Medikament kenne ich mich nicht aus. Aber meistens haben Antidepressiva die Nebenwirkung, das man etwas zu nimmt. Das sollte aber nicht das Problem sein. Ansonsten sind sie aber in der Regel recht gut verträglich.

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