Habe ich Anspruch auf Leistungen, wenn ich mit meinem Partner zusammenziehe, wenn er arbeitet?

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4 Antworten

Wenn du wissen willst, ob du noch Leistungen vom JobCenter bekommst, dann können wir mal folgende Rechnung aufmachen:

Wenn dein Partner 2050 € Brutto verdient, dann hat er etwa 1425 € netto.
Etwa, weil wir ein paar Dinge, die der Brutto-Netto-Rechner im Netz wissen will, nur in etwa angeben können.

1425 € Netto werden um den Freibetrag aus dem Brutto bereinigt.

Vielleicht kennst du die Rechenweise schon: die ersten 100 € vom Brutto anrechnungsfrei, vom 101.bis zum 1000. Euro bleiben 20% anrechnungsfrei (also 20% von 900€ = 180€) und vom 1001. Euro bis 1200 € darf man noch mal 10% als Freibetrag behalten. Alles darüber wird zu 100% angerechnet.

Damit kommt man auf 300 €, 30 € darf man noch für Versicherung absetzen.

Also ziehen wir vom Netto diesen Freibetrag ab und kommen auf 1095 € anrechenbares Einkommen bei deinem Partner.

Dazu kommen 133 € Uhv und 188 € Kindergeld.
Dann, vermute ich, wirst du Elterngeld beziehen, also noch einmal 300 € dazu.

Macht zusammen 1716 €.

Dem gegenüber steht ein Bedarf von 360 € je Erwachsener, 237 € je Kind (wenn dein erstes Kind schon über 6 ist, dann sind es sogar 33 € mehr) und dann noch die Warmmiete.

Damit kommt man auf 1194 € Bedarf + Miete, welche ich bei 4 Personen mit etwa 600 € ansetzen. (Ich kenne die Zahlen für eine angemessene Miete für 4 Personen in Köln nicht, in Berlin sind es etwa 630 €.)

Demnach hättet ihr (nach der Rechenweise SGB II) einen Bedarf von ca. 1800 €, dem gegenüber stehen anrechenbare Einkünfte von 1716 €. 
Ihr könntet also erst mal schauen, ob und wieviel ihr Wohngeld bekommen könnt, eventuell gibt es die Möglichkeit des Kinderzuschlags.

Dazu kommt noch ein anderer Punkt: Während des Bezuges von Elterngeld bist du weiter krankenversichert.
Wenn du dann danach durch deinen Partner ernährt wirst, also aufgrund seines Einkommens, dann fallen nicht nur 300 € Einkommen weg, sondern es wird nach Beendigung deiner Elternzeit auch noch ein Krankenkassen-beitrag für dich fällig. Der erhöht also euren "Bedarf" noch mal um 170-200 €, je nach Krankenkasse. Außerdem steigt euer Bedarf, wenn dein älteres Kind 6 Jahre alt wird. Bzw. eure Miete oberhalb der veranschlagten 600 € liegt.

Ich denke, es ist für euch wichtig, euch richtig gut beraten zu lassen - davon könnte nämlich abhängen, ob ihr nicht mit aufstockenden Leistungen des JobCenters besser fahrt.

Immerhin hast du als ALG II-Aufstocker nicht nur die bar ausgezahlten Leistungen als Vorteil, sondern es kommen noch ein paar andere unbare dazu:
- GEZ- Befreiung
- Deckelung der Zuzahlung bei der Krankenkasse (eventuell auch
  zuzahlungsfreie Leistungen wie Zahnersatz) - gilt für alle Mitglieder der BG
- Deckelung der Beiträge zu Kindergarten etc.
- in vielen Städten auch: Berechtigung zum Erwerb eines preisgünstigeren 
  Tickets im Stadtverkehr (für jedes Mitglied der BG)
- Ermäßigung bei Eintritt und Mitgliedschaften

Ich würde einfach mal beim JC den Antrag auf (ergänzende ) Leistungen nach dem SGB II stellen (nach Umzug und Geburt deines Kindes) und dann werden sie dir schon vorrechnen, ob ihr Anspruch auf Leistungen habt oder ob ihr Wohngeld und Kinderzuschlag beantragen solltet 

Wenn der Betrag, um den euer Einkommen zu hoch ist für Aufstockung durch ALG II, eher gering ausfällt, dann würde ich in Abständen einen erneuten Antrag stellen - nach Wegfall des Elterngeldes, nach dem 6. Geburtstag deines älteren Kindes (Altersstufe Regelbedarf), nach einem Wegfall des Uhv (wir wissen ja nicht, wieviel der 72 Monate du schon ausgeschöpft hast).

Vielleicht seid ihr ja dann Aufstocker.

Vielleicht konnte ich dir ein paar Tipps oder Anregungen mitgeben.

Dann wünsche ich euch erst mal viel Glück, vor allem dir und dem Zwerg demnächst.    Liebe Grüße Anne


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Ein Jahr lang kannst Du mit Deinem Partner zusammen wohnen, ohne dass eine Bedarfsgemeinschaft entsteht.

Erst nach einem Jahr wird das Gehalt des Partners voll angerechnet.

Ob eine Elternzeit für den Vater möglich sein wird, wage ich zu bezweifeln, denn sein Verdienst reicht nicht für eine komplette Familie und wird beim ALGII angerechnet.

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Kommentar von EstherNele
25.10.2015, 19:00

Ein Jahr lang kannst Du mit Deinem Partner zusammen wohnen, ohne dass eine Bedarfsgemeinschaft entsteht.

Eines der Ausschlusskriterien für dieses erste Jahr als Haushaltsgemeinschaft statt als BG, im Volksmund gern auch als Probejahr bezeichnet:

- ihr habt ein gemeinsames Kind / du erwartest ein Kind von diesem Partner, mit dem du zusammenziehst.

Ihr werdet also von Anfang eine BG sein und dein Partner muss unter Umständen vollständig für dich und euer gemeinsames Kind aufkommen, allerdings nicht für das Kind aus der früheren Beziehung. Wenn der Unterhaltsvorschuss ausläuft und der Kindesvater (des ersten Kindes) nicht leistungsfähig ist, kann für dieses Kind Sozialgeld (SGBII) beantragt werden, auch wenn die Familie sonst keine Leistungen erhält. Weil das Kind dann nur ein einkommen von 194 € (Kindergeld) hätte, was seinen Bedarf nicht abdeckt, und der neue Lebensgefährte der Mutter nicht für dieses Kind aufkommen muss.

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Kommentar von Chipsi144
25.10.2015, 19:03

Es wird bestimmt doch sofort eine Bedarfsgemeinschaft da wir ein gemeinsames kind haben. Und wie ist das mit der Miete? wie viel wird bezahlt?

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kommt auf die Mietstufe drauf an in der ihr fallt, danach richtet sich das Wohngeld und in Eurem Fall dann nach einem 4  Personenhaushalt, unverheiratete Paare dürfen nicht besser gestellt sein, als verheiratete .. 

zudem der Vater eines nichtehelichen Kindes ist für die Mutter unterhaltspflichtig bis Kind 3J. ist ggf. länger. 

ansonsten, es entfallen für Dich alle Vergünstigungen für Alleinerziehende.

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Dein ALG2 fällt weg. Du bekommst lediglich kindergeld.

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Kommentar von elismana
25.10.2015, 18:03

sorry und den uhv fürs erste kind.

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