Anhörung Bußgeld Bescheid wegen Unfall was tun?

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10 Antworten

Hallo Tajoo,

wenn ich richtig liege, lautet der Tatvorwurf wie folgt:

Sie fuhren in Anbetracht der besonderen örtlichen Straßen- oder Verkehrsverhältnisse mit nicht angepasster Geschwindigkeit. Es kam zum Unfall.

Das Du Deine Geschwindigkeit nicht den Straßenverhältnissen angepasst hast, dürfte wohl unstrittig sein, denn sonst währe nicht zum Unfall gekommen.

Allerdings handelt nur derjenige Ordnungswidrig, der vorsätzlich oder fahrlässig mit nicht angepasster Geschwindigkeit gefahren ist.

Fahrlässig handelt, wer eine pflichtwidrige Vernachlässigung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt unter gleichzeitiger Vorhersehbarkeit der Tatbestandsverwirklichung begeht.

Und hier könntest Du in dem Anhörungsbogen ansetzen. Du müsstest im Endeffekt darlegen, dass es keinen Grund für Dich gab, davon auszugehen, dass Dein Smart bereits bei 80 km/h aufschwimmt und den Kontakt zur Fahrbahn verliert, geschweige denn dass es für Dich vorherzusehen war, dass es zum aufschwimmen des Fahrzeuges kommt. Einer Gründe warum es für Dich keinen Anhaltspunkt für Aquaplaning gab, ist zudem der dass Dich zahlreiche andere Fahrzeuge mit erheblich höherer Geschwindigkeit überholt haben und ganz offensichtlich nicht mit dem Aquaplaning Probleme hatten.

An Deiner Stelle würde ich zudem in Erwägung ziehen, die Begründung nicht selbst zu verfassen, sondern einen Rechtsanwalt damit betrauen, der weiß, welche Begründungen anerkannt und welche eben nicht anerkannt war.

Wenn ich mich nicht irre, kostet ein Anwalt für das Aufsetzen solch eines Schriftstückes keine 100,00 Euro.

Der Bußgeldbescheid der auf Dich zukommen würde, sieht laut bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog wie folgt aus:

********************************************************************* 

Tatbestandsnummer: 103602

Tatvorwurf; Sie fuhren in Anbetracht der besonderen örtlichen Straßen- oder Verkehrsverhältnisse mit nicht angepasster Geschwindigkeit.  Es kam zum Unfall.

Ordnungswidrigkeit gem.:  § 3 Abs. 1, § 1 Abs. 2, § 49 StVO; § 24 StVG; 8.1 BKat;  § 3 Abs. 3 BKatV; § 19 OWiG 

Bußgeld: 145,00 Euro plus 28,50 Euro an Verwaltungsgebühren

Punkte: 1

Fahrverbot: Nein

A - Verstoß

*********************************************************************

Der A - Verstoß hätte für Dich zur Folge:

  • dass sich die Probezeit um zwei Jahre verlängert und
  • dass ein kostenpflichtiges (bis 400 €) Aufbauseminar angeordnet wird.

Ich denke, in Anbetracht der doch recht erheblichen möglichen Folgen, währe das Geld für einen Anwalt gut angelegt.

Schöne Grüße
TheGrow

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Kommentar von Tajoo
05.08.2016, 07:12

Hallo, erstmal danke für die Klasse Antwort !

Meine Anhörung zum Bußgeldbescheid sieht wie von dir beschrieben aus --allerdings ohne die Information über das Bußgeld oder die Punkte ?!--. Ich werde nun auch den Schritt zu einem Anwalt machen da es das Geld auf alle Fälle Wert zu sein scheint. 

Gruß Tajoo

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Die Geschwindigkeitsbegrenzungen beziehen sich IMMER auf die zulässige HÖCHSTGESCHWINDIGKEIT.

Das heißt noch lange nicht, dass du immer so schnell fahren darfst. Offensichtlich war deine Geschwindigkeit nicht der Witterungslage angepasst. 

Alleine die Tatsache, dass es zum Unfall kam, zeigt ja, dass du zu schnell warst.

Da nützt auch die laienhafte Aussage einer Zeugin nichts.

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Kommentar von Tajoo
04.08.2016, 20:28

Mal als frage komme ich aus der Sache irgendwie raus ohne Punkt ?

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Wie genau lautet die Anschuldigung? Das sollte irgendwo in den Unterlagen, die dir geschickt wurden, vermerkt sein.

Wenn du einen Punkt kassierst innerhalb der Probezeit wirst du automatisch dazu aufgefordert in den nächsten X Monaten einem Aufbauseminar beizuwohnen, was je nach Fahrschule 300-500€ kostet, da du ansonsten deinen Führerschein abgeben musst.

Wenn du das Bußgeld bezahlst, gestehst du deine Schuld damit einhergehend ein und musst, wie erwähnt, das Aufbauseminar besuchen.

Demnach solltest du deine Eltern (Ich gehe davon aus, dass du noch bei deinen Eltern mitversichert bist in allen Belangen) bitten, dass sie mal in den Versicherungsunterlagen schauen sollen, ob eine (Verkehrs-) Rechtschutzversicherung teil der enthaltenen Leistungen sind.

Wenn dies der Fall ist, empfehle ich die Unterlagen einem Anwalt für Verkehrsrecht zu übergeben, um einen eventuell gerechtfertigten Widerspruch einzulegen. Das immer mit dem Hintergedanken, dass du ansonsten deine Schuld mit der Zahlung des Bußgeldes eingestehst und im Anschluss keine Möglichkeit mehr hast, das Aufbauseminar abzuwenden.

Wenn du keinen Rechtsschutz hast (Schau aber unbedingt in den Versicherungsunterlagen nach!), dann sollte man abwägen, ob sich ein Einschalten der Rechtsunterstützung lohnt, da Anwälte schnell teuer werden und es sich u.U. für 300-500€ nicht lohnt. Nebeneffekt beim Aufbauseminar: Probezeitverlängerung um 2 Jahre.

Die Sache mit dem Rechtsschutz empfehle ich aus dem Grund, da es mir kurz nach meinem 18. ebenfalls so ging, dass ich einen, nicht ganz selbstverschuldeten Unfall hatte, aber das Bußgeld einfach bezahlt habe, um "die Sache aus der Welt zu haben" und die Polizisten am Unfallort meinten, "es würde nichts weiter passieren".

Beides entpuppte sich dann als falsch und einen Monat nach dem Bezahlen des Bußgeldes kam dann die Aufforderung zum Aufbauseminar ins Haus geflattert. Laut eines befreundeten Anwalts konnte ich ab dem Moment aber nichts mehr ändern, weil ich meine Schuld mit dem Bezahlen bereits eingestanden hatte.

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Kommentar von Messkreisfehler
04.08.2016, 19:50

Bei einem Verkehrsunfall bei dem eine Leitplanke beschädigt wurde verhindert auch kein Anwalt den Punkt... Fakt ist: Die Geschwindigkeit war nicht angepasst. Wäre sie angepasst gewesen hätte es keinen Unfall gegeben.

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Am besten du bist ehrlich und schilderst alles so wie es dir vorkam, nicht wie es Andere dir einreden. Wenn du wegen Aquaplaning die Kontrolle über dein FZG verloren hast ist das dein Fahrfehler nicht von Anderen, oder dem Regen oder der Autobahn. Füge nichts hinzu aber lasse auch nichts weg, denn wenn da Zeugen sind die das anders darstellen dann stehst du als Lügner da. Es kann sein dass es vors Gericht geht. Das solltest du aber unbedingt vermeiden zumal es nur Sachschaden gab. Wenn du also mit ner Geldstrafe wegkommst ist dass das kleinere Übel und akzeptiere das. Wenn du Glück hast lassen sie dir deinen FS, wenn nicht dauert es eben länger. Mein guter Rat.

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du kannst den Bogen ausfüllen, musst du aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn du den Verstoß zugibst und du kannst leider nicht anders als es zuzugeben. Du bist nicht den Wetterbedingungen angemessen gefahren - dein Aquaplaning hat dich überführt. Daher "schuldig im Sinne der Anklage"

Das einzige was du jetzt machen kannst ist abwarten und Tee trinken.

Gruß

Henzy

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Du mußt der Witterung angepasst fahren, da sind in Deinem Fall auch 95kmh zu schnell gewesen, egal wieviel erlaubt war.Den Wisch ausfüllen hinschicken und hoffen, das Du kein Fahrverbot bekommst.

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Tut mir leid dir das zu sagen, aber du kannst nicht dem Wetter angemessen gefahren sein. Sonst wäre nichts passiert. Sind die Reifen in Ordnung, oder könnten die die Ursache gewesen sein?

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Kommentar von Tajoo
04.08.2016, 19:40

Reifen waren ok lag halt am Fahrzeug aufgrund des Gewichtes und der Reifengröße 

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Auch die Aussage der hinter dir gefahrenen Frau wird dich vor dem Punkt nicht bewahren.

Wenn Du auf Grund von Aquaplaning einen Unfall baust geht die Polizei logischerweise davon aus, dass deine Geschwindigkeit den Wetterverhältnissen nicht angepasst war. Wärst Du langsamer gefahren wäre es nicht zu Aquaplaning gekommen.

Da bringt dir auch die Aussage, dass andere Fahrzeuge schneller waren nichts.

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Kommentar von RubberDuck1972
04.08.2016, 19:47

Woher soll ein Fahranfänger denn die Geschwindigkeit kennen, bei der sein Auto ausbricht? - Besonders bei so einer kleinen Schleuder, wie dem Smart? - Gibt es Empfehlungen vom Hersteller?

Ein guter (Fach-) Anwalt kann den Fragesteller sicher da raus boxen, selbst wenn es bissel Geld kostet. Besonders mit der Zeugin, deren Auto ja auch nicht die Leitplanke geküsst hat.

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Also natürlich kamen andere zu Schaden. Wer soll die Leitplanke reparieren? Hoffentlich hast du das deiner KFZ Haftpflichtversicherung gemeldet. Weil ja die Polizei Bescheid weiß. Um den Punkt wirst du nicht drum rum kommen.

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So komisch das klingt: Zur Polizei gehen und dort fragen! Die kennen sich mit Bußgeldbescheiden am besten aus.

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