Angst vor Sportunterricht bzw. Bällen

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Hallo Startrails,

das ist natürlich eine unschöne Sache, wenn man in so jungem Alter mit Angstgefühlen zu kämpfen hat, die einem eine soziale und gleichzeitig schulische Sache versperrt.

Ich denke, dass sich die Angelegenheit auch ohne eine Therapie bessern kann - das wäre an dieser Stelle auch sicherlich etwas übertrieben. Trotzdem passiert eine Besserung auf psychologischem Weg.

Es gibt für solche Angst- und Panikattacken (oder im Vorfeld bei der normalen Angst vor Dingen) ein gut bewährtes Konfrontationsprogramm. Phobien werden am erfolgreichsten und fast ausschließlich mit Konfrontation bewältigt. Gemeint ist hier keine "Schocktherapie", sondern ein langsames Herantasten, neues Kennenlernen und Umdenken innerhalb des Angstbereiches.

Doris Wolf hat diesbezüglich ein paar hilfreiche Bücher geschrieben und sie empfiehlt immer wieder die folgende Seite. Dort findest Du nicht nur Informationen über die Angst, sondern auch genaue Tipps zu besagtem Konfrontationsprogramm.

http://www.expertenrat.info/angst-panik-informationen.html

Gegliedert wird solch eine Therapie (die man übrigens auch leicht alleine durchführen kann - bei einem Kind sollte natürlich zumindest ein Erwachsener betreuen) in gedankliche Übungen, körperliche Übungen und direkte, praktische Konfrontationsübungen.

  1. Bei den Gedanken-Übungen wird erstmal eine Liste von 10 Situationen angelegt, die unangenehm bis unaushaltbar für den/die Betroffene sind. Hier beispielsweise: "Beim Ballspiel zusehen" bis "Ein harter Ball fliegt auf mich zu". Unser Gehirn verarbeitet Vorstellungen ziemlich ähnlich wie real Erlebtes. Deswegen kann man durch bewusste Imagination solcher Situationen schon lernen, ohne sich in "Gefahr" zu begeben. Man macht sich davor schon einen Plan, wie man reagieren kann und wie die Situation nüchtern betrachtet zu bewerten ist, sagt sich, dass die Situation okay und lösbar ist. Und versucht dann in Gedanken richtig und "angenehm", selbstsicher mit der Situation umzugehen. Man muss sich seine Handlungen wirklich klar vorstellen und sie sich vorsagen. Das hilft sehr viel am Anfang!

  2. Die körperlichen Übungen sind hauptsächlich Atemtechniken und Muskel-Spannungsübungen, wenn man akut starke Angst und Panik empfindet und diese "aushalten" und durchstehen will. Betroffene profitieren oft von diesen Übungen, weil sie sich damit in Situationen beruhigen können, die für sie bisher "unaushaltbar" waren. Das ist oft ein großes Erfolgserlebnis und trägt viel zum Fortschritt der Angstablegung bei. Ob das bei einer Angst vor Bällen sinnvoll ist, kommt wohl auf das Kind drauf an.

  3. Konfrontationsübungen. Das Ganze muss man jetzt also in die Praxis übertragen. Hier gilt das gleiche Stufenprogramm wie bei den Gedanken-Übungen. Ganz harmlos anfangen und langsam in kritischere Bereiche vordringen, wenn die Situation zuvor gut beherrschbar ist. Das kann mit einem Tennis- oder Tischtennisball daheim beginnen, mit dem man ein bisschen spielt und kann am Ende bis zum "Handballtorwart" gehen :D

Beim Ballsport habt ihr in der Hinsicht sicherlich Glück, dass die Konftrontation eventuell mit Spaß verbunden werden kann. Man kann mit kleinen Bällen lustige Sachen machen - kleine Spiele erfinden. Das Kind kann merken, dass es mit Bällen umgehen kann, das es selber die Kontrolle über die Bälle hat und nicht anders herum. Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Auch im Stufenprogramm: Hat sie den Ball selbst oder jemand anderes, der sie vielleicht abschießen könnte.

Die Größe und Härte der Bälle könnten hier auch Stufen darstellen. Ein Tennisball wäre beispielsweise schon mal was. Ein bisschen Jonglieren üben oder so. Betroffene müssen natürlich ein klein wenig aus ihrer Komfortzone heraus, dürfen aber gleichzeitig nicht überstrapaziert werden. Desto "angenehmer" sie eine Übung und Situation empfinden, desto besser lernen sie, damit auch dauerhaft umzugehen.

Eine andere Stufe wäre zum Beispiel wirklich eine Art "Abwerfen" oder ein leichter Kopfball. Das geht ja auch erstmal gaanz sanft mit einem Tennisball. Es ist wichtig, ihr zu zeigen, dass ein "normaler" Wurf auf sie nicht weh tut und sie davor keine Angst haben muss. Damit sollte man natürlich nicht sofort anfangen.

Die gute Nachricht zum Schluss: Dieses Konfrontationsprogamm wirkt, richtig angewendet, totsicher und ist auch nicht so schwierig. Lediglich ein wenig Geduld und dauerhaften Übungwillen sollte man mitbringen.

Und natürlich beim Sportlehrer Bescheid geben, dass er sie in solchen Fällen mal nicht zu hart rannimmt ;-)

Ich wünsche euch viel Glück und Erfolg,
Balu

Ich danke dir für diese sehr ausführliche Antwort!

Mein Gedankengang war selbiger, dass solch eine Phobie nicht zwingend zum Psychologen muss.

Wir werden die von dir verlinkte Seite mal genauer anschauen und das Konfrontationsprogramm werden wir uns zu Herzen nehmen. Auf das Achten der verschiedenen Härten bei Bällen bin ich bis jetzt noch nicht gekommen - da lässt sich wahrlich einiges machen.

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@Startrails

Ich muss gestehen, dass ich nur ihre Bücher gelesen und die Internetseite noch nicht genau angeschaut habe. Sehr empfehlen kann ich auch das Buch "Ängste verstehen und überwinden - Wie sich sich von Angst, Panik und Phobien befreien" von Dr. Doris Wolf. Darin finden sich alle angesprochenen Übungen haargenau wieder.

Aber probiert es doch erstmal einfach so. Vielleicht geht es ja schneller und einfacher als gedacht. Gerade Kinder können ihre Ängste in der Regel sehr viel schneller überwinden als ältere Menschen ihre über viele Jahre fest eingeprägten Angstbilder.

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hallo,

ich würde einen jonglierkurs empfehlen.

dadurch lernt sie die bälle zu kontrollieren. sie wirft sie ja sich selbst zu.

die konzentration beim jonglieren findet nicht auf den gegenstand (also die bälle) statt, sondern auf die bewegung.

die verbindung von kontrolle und bewegung im zusammenhang mit den kleinen bällen gibt ihr die möglichkeit auch in anderen situationen, die mit bällen zu tun haben die angst zu reduzieren. durch die eingeübte koordination verliert sie dann nicht mehr so leicht die kontrolle

im laufe zweier nachmittag lernt man gewöhnlich problemlos mit drei bällen zu jonglieren.

..auch wenn deine frage schon älter ist - eventuell hilfts immer noch.

Hallo !

Die Angst vor Bällen ist eine Phobie.

Phobien können so viel wie ich weiß nur durch Therapien bei einem Experten, also Kinderpsychologen, behandelt werden.

Außerdem wird das Mädchen einen Beweis brauchen um vom Sportunterricht befreit zu werden wann immer eine Sportart mit Bällen ausgeübt wird, das bedeutet sie wird ein ärztliches Attest vom Kinderpsychologen brauchen in dem steht dass sie eine Phobie gegen Bälle hat.

Fehlt dieses Attest so könnte es passieren dass der Sportlehrer den Aussagen des Mädchens kein Gehör schenkt, das muss nicht passieren aber es könnte passieren, man weiß nie wie Lehrer drauf sind.

Deshalb denke ich das Mädchen wird so oder so nicht um einen Gang zum Kinderpsychologen drumherum kommen, auch wenn das wünschenswert wäre.

LG Spielkamerad

Geh offensiv damit um. Sag den Sportlehrern gleich bescheid und bitte deine Klassenkameraden um Rücksicht. -Je nach Schule und Klassengemeinschaft wirst du damit Erfolg haben. (Auf der Hauptschule wohl eher genau das Gegenteil erreichen.)

Sie geht aufs Gymnasium - ich denke auch, dass bei dieser Schulform mehr Verständnis aufgebracht werden sollte als bei einer Hauptschule :-)

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Dem Lehrer bescheid sagen das man eine angst gegenüber Bällen hat. Aber trotzdem auch zum Psychologen gehen. Man sollte wirklich nicht vor seinen Ängsten wegrennen.

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