Angst vor Pferden beim reiten

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9 Antworten

Angst ist etwas, was uns schützt, was uns hilft, die Dinge nicht zu übertreiben und damit Fehler zu machen, die uns z.B. zum Sturz bringen. Daher sollte man die Angst nicht bekämpfen, sondern als normal und überlebenswichtig zulassen. Gut, manchmal tun sich unsere Ängste schwer mit der Dosierung, die Angst ist also größer als sie sein müsste. Das wird dann teilweise sogar als Angststörung behandelt - nämlich immer dann, wenn der Mensch sich im Alltag durch seine jeweilige Angst beeinträchtigt fühlt.

Bei gutem Reitunterricht, wie ich ihn Anfängern empfehlen und erteilen würde, geht dem Reiten eine relativ lange Zeit der Bodenarbeit voraus. Im Rahmen dieser werden die Reiter unterrichtet, wie so die Bewegungsmuster der Pferde sind, denn diese einschätzen zu können, hilft uns, Situationen reell einzuschätzen, zu wissen, was da schlimmstenfalls passieren kann. Und was mich grade an Deiner Beschreibung irritiert: "wenn das Pferd kurz stoppt" ... d.h. das Pferd bleibt stehen ohne dass Du es bewusst dazu gebracht hast? Was macht Dein Reitlehrer dann? Um vernünftig reiten zu lernen, braucht es zum einen ein ordentlich gerittenes Pferd, das weiß, wenn ich die Hilfe zum Gehen bekommen habe, gehe ich so lange, bis ich eine Hilfe zum Anhalten erhalte. Und dann braucht es natürlich eine derart umfangreiche Erklärung der Hilfen ab dem ersten Aufsitzen, dass Du nicht versehentlich die Hilfen zum Anhalten gibst, sondern Dir jede Deiner Hilfen immer bewusst ist. Genauso: Das Pferd nimmt den Kopf runter? Zieht es am Zügel, möchte es eine Pause am hingegebenen Zügel für sich erwirken? Warum wirst Du dann nicht enger vom Reitlehrer betreut, Dir gesagt, wie Du diese "Nachfrage nach Pause" seitens des Pferdes rechtzeitig so beantworten kannst, dass es nicht selbständig Maßnahmen ergreift? Hier glaube ich, dass Du leider das Pech hast, eine der heutigen oberflächlichen schnell-schnell-Reitlehren erwischt zu haben statt einer fundierten Ausbildung von Anfang an. Ich bin hier sehr froh darum, wie es mein Lehrer anfangs gemacht hat und ich kenne inzwischen auch welche, die es so machen, aber leider sind die noch in der Unterzahl: Der Anfänger wird für 10 min wirklich betreut, der Reitlehrer ist in der Zeit für niemanden sonst da. Dann geht der Reitlehrer zum nächsten Schüler und der Anfänger darf weiter Anreiten - Halten - Anreiten - Halten üben, wenn er in seinen ersten Minuten so weit gekommen ist. Ansonsten hat das Pferd Pause im Stehen am hingegebenen Zügel, wird in der Zeit meist dösen und der Schüler beobachtet den Unterricht der anderen Schüler um daraus etwas für seinen nächsten Unterricht zu lernen. Dieses alle in eine Reithalle stopfen und dann wird's schon klappen oder jemanden am Anfang mit Longeneinheiten auf ausgebundenen Pferden mit hartem Rücken Runden hoppeln lassen, wirkt auf mich nicht zu Unrecht völlig befremdlich.

Riverside85 04.02.2015, 18:47
geht dem Reiten eine relativ lange Zeit der Bodenarbeit voraus. Im Rahmen dieser werden die Reiter unterrichtet, wie so die Bewegungsmuster der Pferde sind,

Ich finde diesen Ansatz super, nur in welcher Reitschule kann man so etwas schon tatsächlich machen? Meist geht es doch einfach nur schnell aufs Pferd. Ich habe mir eigneninitiativ Pflegepferde gesucht, mit denen ich genau das machen konnte, das hat mir geholfen auch beim Reiten die Angst abzubauen. Ich finde man sollte neben dem bloßen Reiten viel mehr auch das Wesen der Pferde und den Umgang mit ihnen vermitteln, dann hätten viele sicher auch weniger Angst.

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Baroque 04.02.2015, 21:10
@Riverside85

Genau das ist ein Problem dessen, dass wir heute weit weg sind vom Pferd. Die einzige Berührung findet bei etwas statt, was wir als Sport ansehen. Früher, also als Pferde noch zum normalen Leben der Menschen gehörten, oft ihr einziges Fortbewegungsmittel waren, lernte man das von Kindesbeinen an, das Pferd war selbstverständlich in der Familie und noch bevor einem Zügel in die Hand gegeben wurden, krabbelte man drum rum, studierte ganz selbstverständlich sein Wesen, kannte seine Bewegungen. Wenn man dann reiten lernte - meist von Eltern, Großeltern, Onkel ... - war das alles schon selbstverständlich gegeben. Heute stellen die Menschen fest, dass diese Tiere sie beeindrucken, sie möchten mit ihnen zu tun haben. Nicht selten sind das junge bis sehr junge Menschen, die wirtschaftlich von den Eltern abhängig sind. Die hinterfragen dann als erstes "was kostet das denn, dass mein Kind reiten lernen darf?" Und niemandem ist leicht verständlich zu machen, dass er das Kind bringen soll und es darf dann erstmal diese Tiere angucken und bewundern, dann anfassen, dann dieses und jenes und das ... und irgendwann reiten. So wie früher, den ersten Kontakt noch im Tragetuch, aber reiten erst ein paar Jahre nach dem ersten Kontakt, das wird heute als seltsam angesehen.

Bei unserem Reitunterricht war das egal. Den Reitunterricht, also auf dem Pferd sitzen, mussten wir von unserem Taschengeld bezahlen oder von Geld, das einem die Oma zum Geburtstag und Weihnachten schenkte. Klar konnte man sich davon nicht jede Woche eine oder zwei Reitstunden leisten. Dennoch wollte man bei den Pferden sein. Also fuhr man hin, lernte beim Beobachten des Reitunterrichts, lernte, indem man den Reitlehrer fragte, ob man in seiner Pause mit auf der Bank sitzen durfte und ob er einem was über Pferde erzählte und er schaute mit den Kindern, die da saßen der Herde auf der Weide zu und erzählte darüber. Man fragte dann, ob man ein Pferd putzen dürfe, ob man vielleicht im Stall was helfen könne und wenn der Reitlehrer, der auch Stalldienst machte, Heu verteilte, fragte man, ob man dabei irgendwas wissen muss und er erzählte einem von Heuqualität, der Wichtigkeit der Raufuttergabe für den Verdauungstrakt und, und, und ... heute beobachte ich, dass die Kinder eine halbe Stunde vor dem Reitunterricht gebracht und zehn Minuten nach dem Unterricht wieder abgeholt werden. Wir hatten um eins Schulschluss, radelten die 5 km heim, aßen, machten bis halb drei Hausaufgaben und sprangen wieder auf's Rad, um zum Stall zu radeln ... um sechs zum Abendessen mussten wir wieder da sein, die restliche Zeit gehörte den Pferden, selbst dann wenn Reitstunden finanziell in weiter Ferne waren. Abends las man dann mit der Taschenlampe unter der Bettdecke (weil man meinte, dann würden es die Eltern nicht merken) in den Pferdefachbüchern, die einem der Reitlehrer geliehen hatte. Heute sehe ich Reitvereine in einer gewissen "Not", den Eltern mitzuteilen, dass sie die Reitschüler außerhalb des Unterrichts nicht beaufsichtigen können und schon werden die Kinder nicht mehr einfach in den Stall gelassen. Ohne Aufsichtsperson, nein, das geht nicht. Man braucht schließlich heute immer einen Schuldigen, wenn mal jemand auf die Schnauze fällt. Ist man früher im Winter ausgerutscht, lebte man damit, dass man den Winter unterschätzt hatte. Heute wird gefragt, wer hier vielleicht schon seit einer Stunde nicht mehr gestreut hat. Wieviele Kinder radeln heute noch unbeaufsichtigt durch die Dörfer und über die Feldwege? Das ist doch inzwischen eine absolute Seltenheit.

Aber ich kenne heute auch Reitlehrer, die ihre Schüler so für die Pferde motivieren können und den Eltern sachlich erklären, warum es gar nichts macht, wenn die Kinder statt am Bolzplatz auch mal am Zaun einer Pferdeweide sitzen und beobachten. Die sind aber in der Unterzahl, denn unsere Gesellschaft vermittelt eben auch die Angst, dass man dann dafür einstehen muss, wenn dem Kind plötzlich das Pferd am Fuß steht, weil es eben doch auf die Weide gelaufen ist.

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Riverside85 06.02.2015, 18:21
@Baroque

Klar, da hat es auf jeden Fall einen Wandel gegeben. Ich sehe auch oft Leute, die kommen zum Reiten (zum Glück muß bei uns immerhin noch jeder selbst putzen und satteln) und gehen dann wieder. Für mich ist das gar nicht nachvollziehbar. Ich schaue beim Unterricht zu, ich beobachte die Pferde, wenn sie zusammen draußen sind, ich helfe bei der Stallarbeit, putze Pferde... Wenn der Chef Hilfe braucht, um z.B. ein Medikament zu geben, dann fragt er schon ganz selbstverständlich mich. Für mich ist das Reiten nur ein Teil von diesem großen Ganzen. In dem Stall, wo mein Pflegepferd steht, werde ich regelmäßig gefragt, wann ich das Pferd denn nun endlich auch reite (ich pflege es ja nur). Ich sage dann immer, daß ich 2 Reitstunden pro Woche habe und das reicht mir und hier möchte ich mich einfach nur um das Pferd kümmern. Das kann keiner so recht verstehen.

Klar, diese ganze Sache mit rechtlichen Fragen und wer am Ende Schuld ist, wenn was passiert, macht es nicht einfacher. Aber das ist ja leider heutzutage in allen Bereichen des Lebens so.

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Am anfang haben viele Angst vorm runterfallen, das ist normal. Damals, als ich kleiner war, hatte ich immer angst die Pferde von der Weide zu holen, wegen der anderen Großpferde. ich hatte immer Angst das die mich überrennen oder so xD und siehe da, jetzt sieht das schon ganz anders aus und ich hab kein problem mehr damit. Enstpann dich einfach und denk dran, pferde merken es wenn du verunsichert bist. Hab einfach Spaß am reiten und am Umgang mit den Tieren und denk immer an das positive, nicht an das was "passieren könnte, wenn das und jenes vielleich passiert" :D

Sprich mit deiner Reitlehrerin und erkläre ihr deine Angst. Du reitest erst einen Monat. Das gibt sich mit der Zeit :)

Dir gehts also um Tipps um deine Angst zu überwinden?

Ich glaube dass man Respekt vor so großen Tieren hat anfangs, sollte normal sein. Ich bin mir sicher das legt sich mit der Zeit wenn du oft genug reiten warst. Beim runter gehen des Kopfes kann eigentlich nicht so viel passieren, eher beim rauf gehen haben sich so manche reiter, die sich vorgebeugt haben, z.b. zum loben, schon die Nase gebrochen. Daher darauf achten beim loben.. und eventuell mit der hand die andere gegenüberliegende seite des halses loben (also hals überkreuzen)..

Quaorar 04.02.2015, 17:32

Respekt sollte man immer von den Tieren haben!

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Kriegspandemie 05.02.2015, 00:18
@Quaorar

Das sehe ich nicht unbedingt so.. wenn man bestimmte Tiere bereits gut kennt (z.b. die pferde im reitstall) werden sie ja auch vertraut und das ist auch in ordnung so.

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vllt. läßt du das Reiten und beshäftigst dich in den nächsten Wochen vom Boden aus mit Pferden, denn es ist ja so, dass die das merken und entsprechend reagieren und dich testen. Und dann verlierst du nie die Angst.

Reitest du denn schon alleine? Wenn du noch so unsicher auf dem Pferd bist, wäre es - finde ich - sinnvoller dich noch eine Weile an die Longe zu nehmen.

Außerdem: Wenn dir das Reiten dadurch keinen Spaß macht, du aber Pferde magst: man muss Pferde nicht reiten, man kann auch viel vom Boden aus machen.

Lese dich mal im Internet in Themen wie:

  • Horsemanship

  • Zirkuslektionen

  • Bodenarbeit allgemein

ein.

Du mußt Geduld haben und brauchst einen einfühlsamen Reitlehrer. Wenn du reiten willst, dann kannst du das auch, trotz Angst. Du darfst nur nichts überstürzen und dich zu nichts zwingen (lassen). Übe einfach weiterhin den Umgang mit dem Pferd (auch vom Boden aus), fasse Vertrauen. Manchmal muß man das Pferd auch eine Weile kennenlernen, bis man ihm vertrauen kann.

Ich bin auch ein eher ängstlicher Reiter. Ich habe 1 1/2 Jahre gebraucht bis ich nicht mehr mit Angst auf ein Pferd stieg und angefangen habe, auch mal mehr als nur Schritt und ein bißchen Trab zu reiten. Ich habe mit Pflegepferden Bodenarbeit gemacht, mich viel mit dem Verhalten von Pferden beschäftigt, sie auch mal im Umgang miteinander auf der Koppel beobachtet. Was auch hilft ist, daß ich die Schulpferde, die ich reite, nun ziemlich gut kenne und einschätzen kann. Sogar nachdem ich dann tatsächlich einmal gestürzt bin, habe ich keine Angst, weil nun einfach ein Grundvertrauen da ist.

Laß dich also nicht einschüchtern von der Angst, man kann sie überwinden.

Ist es Angst die du hast oder ist es einfach Respekt? Respekt ist ja nicht schlecht und den solllte man vor so eine Tier auch behalten. Ansonsten fang klein an und traue dich jedes Mal ein wenig mehr.

lillaa1234 04.02.2015, 15:10

Ich habe ziemlich viel Respekt vor ihnen.Aber ich glaube ich habe eher Angst :/

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Und. Das gehört dazu..mein erstes eigenes Pferd, dass total bösartig War ist gestiegen gebockt etc. Und das Pferd merkt wenn du angst hast..und irgendwann machen die mit dir was se wollen wenn du dich nicht durchsetzt.

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