Angst vor den Tätern?

...komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Vor Gericht brauchst du keine Angst zu haben. Natürlich ist es nicht leicht, sich den Tätern gegenüber zu sehen. Am besten achtest du gar nicht auf sie, sondern konzentrierst dich auf den Richter. Dieser wird dich auch zuerst befragen.

Auf die Fragen des Richters musst du natürlich wahrheitsgemäß antworten. Erzähle einfach alles, an das du dich erinnern kannst. Lasse nichts weg, erfinde nichts dazu. Wenn du etwas nicht mehr genau weißt, dann sag das auch so dem Gericht. Das ist nicht schlimm, denn auch der Richter weiß, dass man sich nach einiger Zeit nicht mehr an jedes Detail erinnern kann.

Nachdem der Richter mit seiner Befragung fertig ist, dürfen auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger des Täters Fragen an dich richten. Auch die Angeklagten selbst haben das Recht, dich zu befragen und mit etwaigen Widersprüchen zu konfrontieren. Falls sie davon Gebrauch machen, musst du da wohl durch. Aber keine Sorge: Sag einfach die Wahrheit und lass dich nicht aus dem Konzept bringen.

Natürlich bekommst du deine Kosten ersetzt. Der Richter wird dich fragen, ob du Fahrtkosten hattest, dir nach der Zeugenvernehmung ein Formular geben und dir sagen, was zu tun ist. Die gesetzliche Grundlage für die Erstattung von Kosten sind die §§ 5, 6 JVEG (Justizvergütungs- und entschädigungsgesetz) in Verbindung mit § 71 StPO (Strafprozessordnung). Hier die Links zu den Vorschriften, falls du sie dir einmal durchlesen willst:

§ 5 JVEG: https://dejure.org/gesetze/JVEG/5.html

§ 71 StPO: https://dejure.org/gesetze/StPO/71.html

Seit wann dürfen die Täter befragen? o.O DAS wäre mir wirklich völlig neu. Was nicht heißt, dass ich's dir nicht glaube - nur deine Quellen wüsste ich gern und eine Erläuterung dazu.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Gericht in einem Missbrauchs- oder Vergewaltigungsprozess bspw. den Täter in die Befragung einbindet. Es gibt ja auch für solche Fälle die Möglichkeit, sich nicht direkt im Gerichtssaal, sondern woanders und abgeschottet vernehmen zu lassen, um diesen psychischen Druck nicht ertragen zu müssen.

0
@Schattentochter

Es gibt ein Frage- und Konfrontationsrecht des Angeklagten. Festgelegt ist das in § 240 StPO.

§ 240 Abs. 1 StPO regelt zunächst, dass der vorsitzende Richter auch den beisitzenden Richtern Fragen an die Zeugen und Sachverständige gestatten muss. Abs. 2 enthält dann die Pflicht, dieses auch der Staatsanwaltschaft, dem Angeklagten sowie dessen Verteidiger und auch den Schöffen zu gestatten.

Lediglich die Befragung eines Mitangeklagten durch einen Angeklagten ist nicht zulässig (§ 240 Abs. 2 S. 2 StPO).

Natürlich hat der vorsitzende Richter die Möglichkeit, dem Angeklagten (oder anderen frageberechtigten Personen) das Recht zu entziehen, wenn dieser das Fragerecht missbraucht. Außerdem können einzelne Fragen zurückgewiesen werden (vgl. § 241 StPO).

Für minderjährige Zeugen gibt es eine Sonderregelung (§ 241a StPO). Nach dieser wird die Befragung von Minderjärhigen allein vom Vorsitzenden durchgeführt. Auch hier können aber die frageberechtigten Personen beantragen, den minderjährigen Zeugen direkt befragen zu dürfen. Das wird dann in der Regel gestattet, wenn "ein Nachteil für das Wohl der Zeugen nicht zu befürchten ist".

Und ja, es gibt diese Möglichkeit der audiovisuellen Vernehmung (vgl. § 247a StPO). Aber auch hier hat der Angeklagte ein Fragrecht.

Es gibt aber auch den Fall, dass ein Angeklagter bei Zeugenaussagen bestimmter Personen ganz ausgeschlossen wird (§ 247 StPO) - in diesem extremen Fall hat er dann natürlich auch kein Fragerecht. Allerdings müssen hierfür bestimmte Voraussetzungen vorliegen.

Das Frage- und Konfrontationsrecht des Angeklagten ist darüber hinaus auch in der europäischen Menschenrechtskonvention festgeschrieben. Art. 6 Abs. 3 d) EMRK legt dieses Recht fest. Es ist Ausdruck eines fairen Verfahrens, das jedem Angeklagten zugute kommen muss. Kann ein Angeklagter seine eigenen Rechte nicht nutzen (etwa, weil er während einer Zeugenaussage aus der Verhandlung entfernt wird), so muss gewährleistet werden, dass sein Verteidiger für ihn die Rechte geltend machen kann.

0

Du brauchst die Belege und gehst damit direkt im Anschluss zur Gerichtskasse. Da zahlen sie dann (ggf. anteilig?) aus.

So wars mal bei mir, als ich zu einer Zeugenaussage musste (hatte nur einen Bus gebraucht)

Was möchtest Du wissen?