Angst davor, Vater zu treffen?

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3 Antworten

Lieber ninepointsix,

du stehst vor einer wichtigen Entscheidung. Und da sitzt du auch schon, wenn ich aufmerksam genug gelesen habe, mitten im Boot. Denn es fällt dir scheinbar sehr schwer, Entscheidungen zu treffen, erst recht, wenn es um dich geht.

Ich selbst bin ähnlich aufgewachsen wie du und weiß genau wovon du sprichst. Allerdings war ich, zumindest was diese Vater-Geschichte angeht nicht 19 sondern 14.

Eins vorab: Wenn dir hier jemand sagt, dass du ihn treffen sollst bzw. dass du ihn nicht treffen sollst, dann hör da bitte bloß nicht drauf! Das sind alles Menschen die dich nicht so gut kennen, dass sie dir eine Entscheidung abnehmen könnten. Und hier ist auch schon die schlechte Nachricht, die du vermutlich schon erahnen konntest: Du bist derjenige, der diese Entscheidung treffen muss. Ganz alleine.

Das hört sich hart an, ich weiß das, gerade weil du so verwirrt bist. Doch dieses "für und wieder" kannst nur du alleine abschätzen. Ich sage dir jetzt auch bewusst nicht, wie ich mich damals entschieden habe, um dich nicht zu beeinflussen.

Vielleicht hilft es dir, wenn du das Treffen und die Erwartungen daran hinterfragst. Was erhoffst du dir von diesem Treffen? Glaubst du, der Kontakt zu deinem Vater würde dir gut tun? Würde der Kontakt bestehen bleiben oder bleibt es eine einmalige Sache? Glaubst du, ein Treffen würde deinen Gemütszustand positiv verändern? Welche Erwartungen hast du an deinen Vater? Welche Fragen möchtest du ihm stellen?

Das ist verdammt schwer!

Was deine anderen Sorgen angeht, würde ich persönlich dich nicht zu einem Psychologen schicken (den findest du sowieso nicht ohne weiteres von heute auf morgen), weil ich in deinem Fall eine fachärztliche Untersuchung, und anschließender Empfehlung wohl vorteilhafter wäre, damit du erst mal weißt, was überhaupt mit dir gerade los ist. Deshalb würdest du dir vermutlich etwas gutes tun, wenn du dir einen Psychiater bzw. Neurologen suchst. Da gibt es einen gewaltigen Unterschied: Psychiater und Neurologen sind Ärzte, die im schlimmsten Fall auch Rezepte ausstellen dürfen und die vorab für die Diagnostik zuständig sind. Psychologen sind keine Ärzte, sondern behandeln meist im Rahmen einer Gesprächstherapie. Ein Psychiater wird eine Diagnose stellen und dir empfehlen, was zu tun ist. Einen Termin zu bekommen ist bei dieser Art von Ärzten sehr schwierig. Mein Tipp: Versuch es bei mehreren und nehme dann den, bei dem du den frühesten Termin bekommst. Solltest du in der Zeit bis zu deinem ersten Termin ernste Schwierigkeiten haben und du aus dem "Loch" nicht mehr raus kommst, dann begib dich bitte zur nächsten Rettungsstelle. Das ist nichts, wofür du dich schämen musst!

Natürlich, solche Dinge wie "geh zum Arzt" will man nicht hören. Wenn du ernsthaft an deinem Leben, mit dem du scheinbar sehr unzufrieden und teilweise auch überfordert zu sein scheinst, etwas zum positiven verändern möchtest, dann kommst du da nicht drumherum. Nimm deine Sorgen nicht auf die leichte Schulter! Um so früher du dich um ärztliche Hilfe bemühst, um so größer ist die Aussicht auf "schnelle" Erfolge.

Das schlimmste was du jetzt tun kannst, ist den Kopf in den Sand zu stecken und wegzusehen. Dich zu Hause zu verkriechen, keine Post zu öffnen, nicht ans Telefon gehen, traurige Musik hören wenn man sowieso schon niedergeschlagen ist. Das ist einfacher gesagt als getan. Solche Situationen zu unterbrechen ist sehr schwer und braucht meist sehr viel Übung. 

Deshalb noch mal: Nimm deine Sorgen ernst und hole dir fachärztliche Hilfe.

Ich würde mich freuen, wenn du dich hier oder per privater Nachricht mal zurückmeldest und erzählst, wie du dich bezüglich deines Vaters entschieden hast, wie das Treffen war und wie es allgemein mit dir weiter geht.

Bis dahin wünsche ich dir alles Gute, viel Kraft und Mut.

LG,
Mario

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ich würde mal sagen "geh zu einem psychologen und guck das du dein leben auf die reihe bekommst" dann kannst du immer noch entscheiden ob du deinen vater kennenlernen willst oder nicht!

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Kommentar von ninepointsix
20.11.2015, 13:07

ich könnte das nie Jemandem so erzählen

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Kommentar von ninepointsix
20.11.2015, 13:10

hier bin ich anonym und irgendwie kann ich das nicht, zu einem Psychologen. Ich kann es wirklich nicht. Ich denke dann auch oft wieder, ob ich mir das alles irgendwie nur einrede, vielleicht bin ich ja normal?

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Kommentar von Heckzz
20.11.2015, 13:51

psychologe wäre wirklich am besten. meine freundin musst auch schon zu einem wegen anderen problemen..sie meinte es war das beste, was sie machen konnte! allerdings war der schritt dies zu tun sehr sehr schwierig.... und auch das öffnen gegenüber einer anderen Person. Schlussendlich war sie dann aber heilfroh es gemacht zu haben :)

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Kommentar von Heckzz
20.11.2015, 13:53

achso, und wegen deinem vater: wieso solltest du dich blamieren ? er ist dein vater ! und ihm wird es sicher nicht besser gehen..schon alleine wegen der tatsache dass er damals abgehauen ist. das liegt ihm sicher jetzt im nachhinein schwer im magen und bereut es. versucht es einfach.

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Das ist kein Grund durch zu drehen!

Wenn du den Wunsch hast, ihn kennen zu lernen, dann tu es, erst dann weißt du , ob es das richtige war?

Im Übrigen wird er nicht weniger nervös sein?

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