Angewandte Ethik - Hans Jonas - Kennt sich wer damit aus? Bitte um Hilfe bei meinem Philo Protokoll

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4 Antworten

Für jedes Wissenschaftsprinzip gibt es eine bestimmte Ethik, um festzulegen wie dabei gehandelt werden darf. „Was darf ich in meinem Beruf alles tun?“

Wie gehandelt werden darf, regelt das Gesetz. Erklärungen von Berufsethiken sind Selbstverpflichtungen, in der eine Gruppe eine Absichtserklärung abgibt, wie jeder einzelne handeln soll.

Unter Bio- oder Biomedizinethik versteht man alle ethischen Fragen im Kontext von Krankheit und Gesundheit,

Das wird bereits von der Medizinethik abgedeckt. Biomedizinethik behandelt Fragen eines lebens- und körperverfremdenden Eingriffs in menschliches Leben.

Fragestellung in der sich der Mensch mit der Natur auseinandersetzt

Ich denke, es handelt sich hier eher um Eingriffe, in der der Mensch über die natürliche Behandlung hinaus Apparatemedizin, Transplantation und andere unnatürliche Eingriffe vornimmt, die naturverfremdendes menschliches Vermögen darstellen.

Der Mensch muss sich also zwischen dem, was erlaubt und was machbar ist entscheiden.

Der Mensch muss sich in dem, was machbar ist, selbst - orientiert an ethischen Wertungen - Grenzen setzen, was er sich von dem Machbaren unter welchen Kriterien erlauben will.

Ihm zufolge passten die alten traditionellen ethischen Modelle nicht mehr auf die neumodischen Fragen, denn Kant z.B. hätte sich nicht mit der Technik des Klonens oder der Stammzellenfoschung auseinanderzusetzen gemusst, da derartige Fragen zu dieser Zeit nicht aktuell gewesen wären. Daher formulierte der Philosoph einen „neuen kategorischen Imperativ“

Es ist richtig, dass ethische Fragen immer wieder vor neuen Herausforderungen stehen. Die Jonas-Formulierung ersetzt aber den Kategorischen Imperativ Kants nicht wirklich. Besser wäre, durch eine "und"-Verknüpfung die Jonas-Formulierung (... und ... verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.) an den kantchen kategorischen Imperativ anzuhängen.

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Das Stundenprotokoll wirkt auf mich informativ, bietet viele Gedanken, enthält Beispiele und ist zum größten Teil auch sprachlich ansprechend gestaltet.

Ein wenig kann es noch verbessert werden und ein paar Stellen halte ich für änderungsbedürftig.

Einige wenige Tippfehler könnten noch beseitigt werden. Zu mir aufgefallenen Stellen:

Komma nicht nur am Anfang, sondern auch am Ende eines Nebensatzes setzen: „Frau P. erklärte mithilfe des Beispiels, dass ethisch richtige Entscheidungen nicht immer einfach zu treffen seien, und stellte uns danach den deutschen Philosophen Hans Jonas vor.“

Hier würde ich einen Punkt am Ende bevorzugen: „Sie geben Antwort auf die Frage „Was soll ich tun?“.

Hier würde ich ein weiteres Komma (auch wenn es bei Infinitivgruppen nur fakultativ, nicht obligatorisch ist) bevorzugen: Für jedes Wissenschaftsprinzip gibt es eine bestimmte Ethik, um festzulegen, wie dabei gehandelt werden darf.

Großschreibung bei Substantivierung durch vorgesetzten Artikel: „das zuvor Gelesene"

Kleinschreibung: „in der Lage“

Apostroph bei einer Genitivform des Eigennamens: „Hans Jonas' neuen kategorischen Imperativ“, „Jonas' kategorischer Imperativ“

Abgesehen von einem fehlenden Komma bei einem Relativsatz inhaltlich nicht passend ist: „Der Mensch muss sich also zwischen dem, was erlaubt und was machbar ist entscheiden.“

Das folgernde „also“ hat keinen Bezug, aus dem es sich ergibt. Warum sollte zudem, was erlaubt ist, nicht machbar sein? Die gemeinte Schwierigkeit wird wohl eher von einer anderen Aussage verdeutlicht. Was machbar ist, kann nicht unbedingt als erlaubt gelten. Nicht alles Machbare ist nach ethischen Prinzipien und Norm- und Werttheorien erlaubt. Machbares und Erlaubtes können also auseinanderfallen. Hier erscheint mir ratsam, die Aufzeichnungen noch einmal durchzugehen und die Entscheidungsalternative besser zu formulieren.

An die Stelle einer anthropozentrischen Ethik tritt bei Jonas mehr als „ein überindividuelles Paradigma ethischer Vernünftigkeit.“ Schon die Gattung Mensch ist ja überindividuell, nämlich über ein Individuum (ein Einzelwesen) hinausgehend. Ersetzt werden soll eine anthropozentrische Ethik durch einen ethischen Ansatz, bei dem nicht nur eine einzelne Art der Lebewesen einen moralischen Status hat.

Es gibt verschiedene Typen von Umweltethiken, bei denen der Kreis von Dingen zunimmt, denn ein Eigenwert zugesprochen wird:

a) anthropozentrische Ethik (nur der Mensch steht im Mittelpunkt)

b) pathozentrische Ethik (alle Lebewesen, die empfindungsfähig sind, leiden können, werden berücksichtigt)

c) biozentrische Ethik (alles Lebendige wird berücksichtigt)

d) holistische bzw. holizentrische Ethik (die ganze Natur wird berücksichtigt)

Hans Jonas geht es nicht nur um das Überleben der Menschheit (anthropozentrischer Gesichtspunkt), sondern auch um die Bewahrung der der belebten Natur (biozentrischer Gesichtspunkt) und die Erhaltung des Planeten Erde, was zu einem holistischen Gesichtspunkt passend ist.

Sein Gedankengang ist:

1) Versuch des Aufweisens einer objektiven Zweckhaftigkeit der Natur in sich, unabhängig von menschlicher Deutung

2) Versuch, die Zweckhaftigkeit als ein Gut an sich zu zeigen

3) Ableitung einer kategorischen Pflicht zur Erhaltung dieses Gutes aus diesem Gut

Dieser Ansatz gilt für die Natur insgesamt, wobei Hans Jonas an ein teleologisches Denken, wie es z. B. von Aristoteles vertreten worden ist, anknüpft.

Die Dinge der Natur sind beim Prinzip Verantwortung werthafte Gegenstände menschlicher Fürsorge, die sie moralisch in die Pflicht nehmen (sozusagen als Treuhänder). Das Prinzip Verantwortung ist eine Spielart des Utilitarismus (nützliche Folgen, auf die abgezielt wird) und enthält ein unausgewiesenes Kriterium des Nutzen (ein höchstes Gut), solange nicht zusätzlich ein ethisches Prinzip angegeben wird.

Die Klassendiskussion hat mit ihrem Ergebnis den Standpunkt eines Konsequentialismus eingenommen (annehmbare oder nicht annehmbare Folge einer Handlung sind ausschlaggebend für die Beurteilung ihrer ethischen Richtigkeit). Utilitarismus ist eine Hauptrichtung des Konsequentialismus.

Entgegengesetzt zu einer konsequentialistischen Ethik ist eine deontologische Ethik (Handlungen sind unabhängig von ihren Folgen intrinsisch [in sich/um ihrer selbst willen] gut oder schlecht sind. Ein wichtiger Vertreter ist Immanuel Kant, bei dem die Maxime (ein Grundsatz) für die Beurteilung entscheidend ist (Pflichtethik mit einem kategorischen Imperativ) und die Bedingung für ein Gutsein ein guter Wille ist.

Die Verwendung von Menschen nur als Mittel zum Zweck wird in Kants Ethik abgelehnt.

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 66 -67: „Der praktische Imperativ wird also folgender sein: Handle so, daß du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.

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Kommentar von Albrecht
14.06.2011, 01:02

Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten BA 74 – 75: „Denn vernünftige Wesen stehen alle unter dem Gesetz, daß jedes derselben sich selbst und alle andere niemals bloß als Mittel, sondern jederzeit zugleich als Zweck an sich selbst behandeln solle. “

Was nicht im Unterricht behandelt worden ist, kann aber auch nicht im Stundenprotokoll stehen.

Am Ende geht es anscheinend um eine eigene Stellungnahme. Sie ist lückenhaft. Die Aufgabe ist, selbst zu beurteilen, wie überzeugend der vorgestellte Ansatz ist und was für oder gegen ihn spricht. Bei der Begründung der eigenen Meinung fehlt noch ein Stück. Denkbar ist ein Hinweis auf eine weite Blickrichtung, über die Gattung Mensch hinausgehend. Die Berücksichtigung der Zerstörungsmöglichkeiten aufgrund heutiger Technik könnte eine Rolle spielen.

Auch mögliche Einwände können bedacht werden. Verantwortungsethik richtet sich nach der Verantwortbarkeit der Folgen/Ergebnisse. Dies wirkt gut, weil anscheinend der Gesamtzustand der Welt optimiert wird. Allerdings sind die Folgen und Ergebnisse so weitgehend oft nur mangelhaft einzuschätzen und vorauszusehen. Mögliche Gesamtverläufe des Weltgeschehens sind unsicher. Dürfen Handelnde nach etwas, das irgendwann in einer Abfolge herauskommt beurteilt werden, wenn dies nicht in ihrer Verfügungsgewalt steht und das nicht vorhergesehene Ergebnis gar nicht ihre Absicht war?

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Die Aufgabe der Schüler war es nun den Text „Das Prinzip der Verantwortung“ zu lesen, sich mit ihm auseinander zu setzen und folgende, zwei Fragen zu beantworten: „Wie begründet Jonas seine These, dass die überlieferte Ethik nicht immer in der Lage ist, die Probleme der modernen Welt zu lösen?“ und“Welche Forderungen stellt er im Einzelnen in seinem neuen ethischen Imperativ auf und wie begründet er sie?“Nach einigen Minuten diskutierten Lehrer und Schüler über das zuvor gelesene, trugen ihre Ergebnisse zusammen und einigten sich darauf, dass Hans „Jonas seine These, dass die überlieferte Ethik nicht immer in der Lage ist, die Probleme der modernen Welt zu lösen“, damit begründet, dass die „traditionelle Ethik anthropozentrisch“, nur auf den Menschen an sich, und nicht auf die Wirkung von Technik gerichtet wäre und dass das menschliche Wesen sich unter Einfluss moderner Technik aber verändert hätte. Es sei ein Paradigmenwechsel von Nah- auf den Fernbereich geschehen. An die Stelle einer anthropozentrischen Ethik trat ein überindividuelles Paradigma ethischer Vernünftigkeit.Nach Hans Jonas würden die klassischen Ethiken den veränderten Bedingungen des technischen Fortschritts nicht mehr gerecht, denn diese seien auf hochtechnische Bereiche nicht mehr anwendbar, da sie keine Verantwortung gegenüber zukünftiger Generationen und anderen Kulturen trügen. Die Aufgabe der Philosophie sei es, laut Jonas, die Grenzenlosigkeit modernen Fortschrittdenkens einzugrenzen.Daher formulierte Hans Jonas einen neuen ethischen
kategorischen Imperativ, den man auch „ökologischen Imperativ“ nennt. Er formulierte ihn auf vier verschiedene Weisen:„‚Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden‘; oder negativ ausgedrückt: ‚Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung nicht zerstörerisch sind für die künftige Möglichkeit solchen Lebens‘; oder einfach: ‚Gefährde nicht die Bedingungen für den indefiniten Fortbestand der Menschheit auf Erden‘; oder wieder positiv gewendet: ‚Schließe in deine gegenwärtige Wahl die zukünftige Integrität des Menschen als Mit-Gegenstand deines Wollens ein.‘“Jonas kategorischer Imperativ zielt auf die Folgen der Handlung, ist also konsequentialistisch gedacht. Nach Jonas sollte man bei einem Fortschritt technischer Art immer die schlechtesten Folgen vermuten, um zu erkennen, was an menschlichen Attributen bewahrt werden müsse. Ein Kernaspekt seiner Aussage ist, dass die Menschheit eine Pflicht zur Existenz habe und sich daher für die Erhaltung der Menschheit mithilfe ethischer Überlegungen zu kümmern habe. Der Mensch sollte für die „Permanenz echten menschlichen Lebens“ sorgen und sei daher, als höchstes Säugetier, für die Erhaltung von Tieren und von Pflanzen verantwortlich.Da der Mensch die Verantwortung für sein Handeln habe, habe er auch die Verantwortung für das Vorhandensein von Wesen mit Verantwortungsfähigkeit.Der Anspruch auf sittliche Vollkommenheit als Ziel endlich-moralischer Selbstbestimmung träte in der gegenwärtigen Welt und ihrer Ethik zurück, die sich in erster Linie um die Erhaltung ihrer Welt zu kümmern hätte. Zuerst gölte es die Welt zu retten, bevor sich der Einzelne rettete.

Im Anschluss las Frau P. ein Beispiel vor. Es handelt von der Familie Nash, deren Tochter, Molly Nash, an der Fanconi-Anämie, einer extrem seltenen und genetisch bedingten Blutkrankheit, leidet. Daraufhin züchteten Arzte in Chicago Embryos in Reagenzgläsern und überprüften diese auf Anzeichen für die Erbkrankheit. Danach selektierten sie mit Hilfe eines Gentests jenen gesunden Embryo, der die beste Blutverträglichkeit mit der Sechsjährigen aufwies.Einen Monat nach der Geburt von Adam wurden Stammzellen aus seiner Nabelschnur in den Blutkreislauf der sechsjährigen Molly verpflanzt. Das Mädchen, das ohne die Transplantation gestorben wäre, hatte nach Angaben von Ärzten jetzt eine Überlebenschance von 90 Prozent.Nun stellte Frau P. die Frage nach der ethischen Vertretbarkeit der Präimplantationsdiagnostik des Beispiels.Es entstand eine Dilemmasituation. Zum einen war man mithilfe moderner medizinischer Möglichkeiten zwar In der Lage Leben zu retten, zum anderen allerdings war das menschliche Embryo als Gegenstand möglicher Manipulation genutzt worden. Die Tochter wurde zwar gerettet und ein Embryo geboren, die anderen, nicht ausgewählten, Embryos allerdings starben. Desweiteren wurde das Kind nicht um seiner selbst geboren, sondern nur als Mittel zum Zweck, um seiner Schwester zu helfen. In der Klassendiskussion kam es zu dem Ergebnis, dass man sich zunächst Gedanken über die Folgen einer jeden Handlung machen müsse, um deren ethische Richtigkeit feststellen zu können. Wenn sich die Konsequenzen dann als nicht annehmbar erwiesen, müsse man diese Handlung unterlassen.

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und der letzte teil des protokolls

Zum Abschluss der Doppelstunde kündigte Frau P. eine Gruppenarbeit, die sich noch gezielter mit biomedizinetihschen Fragen auseinandersetzen wird, für die nächste Stunde an und beendete damit die Philosophiestunde vom 08.06.2011.Ich persönlich empfinde Hans Jonas neuen kategorischen Imperativ als sinnvoll, verständlich und angebracht für die heutige Zeit. Denn ich denke, wie auch Jonas, dass Kants kategorischer Imperativ nicht mehr ausreicht, sondern dass auch die Folge und Konsequenzen für ethische Entscheidungen wichtig sind, denn…..Auf der anderen Seite jedoch…

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