anderer vs Anderer?

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4 Antworten

Kurzfassung: "Anderer" ist ein Indefinitpronomen und wird als solches üblicherweise kleingeschrieben. Nach neuer Rechtschreibung ist die Großschreibung in bestimmten Verwendungen möglich, wenn "andere" "nicht als unbestimmtes Zahlwort" verwendet wird.

In deinem Fall also Kleinschreibung.

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Langfassung/Kommentar:


"Anderer" ist ein Indefinitpronomen und wird als solches üblicherweise kleingeschrieben.

Im philosophischen Diskurs hat sich "das/der Andere" in Großschreibung durchgesetzt, soweit es im Sinne eines Konzepts (das Andere = das, was nicht ich bin) oder als Bezeichnung für ein Gegenüber als Prinzip (der, der nicht ich ist) substantivisch als Abgrenzung zum Ich/Eigenen verwendet wird. Das resultiert aus der Opposition das Eigene - das Fremde (Andere = Nicht-Eigene → Komplementarität).

Diese eng begrenzte Verwendung ufert allerdings seit einiger Zeit aus, ich habe sie mittlerweile sogar in philosophischen Kontexten auch in normaler Verwendung als Indefinitpronomen zur Bezeichnung anderer Personen oder Dinge als den vorher genannten großgeschrieben gesehen. Das liegt meines Erachtens daran, dass die Leute sich oft keine Gedanken über Kontexte machen und über ihre Sprachverwendung nicht reflektieren, sondern Sprache rein assoziativ verwenden. Da wird dann eben geschrieben, wie einem der Schnabel wächst, was an sich gut ist, aber Schnäbel haben eben kein bewusst steuerndes Organ (= Gehirn).

Die neue Rechtschreibung trägt der realen, also meist assoziativen Verwendung Rechnung und bügelt die Unterschiede weiter glatt, um den Leuten die Undifferenziertheit ihrer Sprachverwendung noch leichter zu machen.

Gut, das ist jetzt vielleicht nicht die Absicht, aber die Folge: Differenzierungen und die Kriterien für sie werden nicht mehr benannt und orthographisch nicht mehr markiert. Damit verschwinden sie aus der Sprachrealität. Was nicht mehr sprachlich realisiert wird, wird nicht mehr gedacht. Denn es ist viel schwieriger, Differenzierungen vorzunehmen, wenn man sie nur noch über langwierige Erläuterungen überhaupt erfassen kann. Ich werde wohl nie verstehen, wozu das dienen soll, wem das nützen soll, wenn Sprache verunklart wird.

Der Duden versucht wohl Schadensbegrenzung zu betreiben und vernebelt dabei moderat:

"Man kann es auch großschreiben, wenn hervorgehoben werden soll, dass andere nicht als unbestimmtes Zahlwort gemeint ist: die Suche nach dem Anderen (= nach einer neuen Welt (schwache Erläuterung; Th.)), der Dialog mit dem Anderen (= dem Gegenüber)" (Duden 9 - Richtiges und gutes Deutsch). Das ist leider keine substanzielle Erläuterung, sondern eine rein exemplarische, die den Kern der Unterscheidung nicht trifft.

Die Online-Version geht mittlerweile noch einen Schritt weiter und ergänzt: "der Dialog mit dem Anderen (= dem Gegenüber, dem Vertreter der Gegenpartei)". Wer dieser Erläuterung folgt, wird den Unterschied zwischen dem konzeptuell Anderen und dem anderen Kerl, der da drüben rumsteht, sprachlich nicht mehr realisieren. 

Schade drum.

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Egal, ob man es als Pronomen oder unbestimmtes Zahlwort sieht, "andere" wird kleingeschrieben. Duden: Regel 77.

Nur wenn eine Konstruktion "andere" mit einer übertragenen Bedeutung belegt, ist bei Substantivierung Großschreibung möglich.

"Das Schicksal der Anderen" (z.B. Außerirdischen im Sinne von Andersartigen).

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Nieder mit den Kann-Vorschriften.
Sie machen alles noch komplizierter.

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Kommentar von Thelema
05.03.2017, 21:57

Generell finde ich Kann-Vorschriften ja gut - wenn sie es möglich machen, Bedeutungsunterschiede erkennbar zu machen und nicht zu vernebeln.

Aber dazu müsste man den Leuten auch das analytische Instrumentarium an die Hand geben, um die Unterschiede zu erkennen. Das wird nicht gemacht, und es liegt nahe, anzunehmen, dass die Priorität bei der Einführung der neuen Rechtschreibung nicht auf präziser Kommunikation lag, sondern darauf, dass man Fehler in der Sprachverwendung (die womöglich auf gedanklichen Fehlern beruhen ...) nicht mehr erkennt.

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Die Kleinschreibung ist hier richtig.
(Begründung in der Antwort von @Volens)

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ja... "das Andere"

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Kommentar von adabei
04.03.2017, 15:49

der / die / das andere: Im Normalfall hier immer Kleinschreibung

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Kommentar von Thelema
05.03.2017, 21:59

Hast du eine technische Begründung dafür?

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