Analyse BWV 565 "Toccata und Fuge D-Moll"

2 Antworten

Eigentlich ist die Fuge aus dem BWV 565 ziemlich gut geeignet, um den Aufbau einer Fuge zu erklären:

Dort wo der Violinschlüssel in der obersten Zeile (relativ in der Mitte) steht, beginnt die Fuge…davor endet die Toccata. Die Fuge beginnt immer mit dem Dux (lat.: Führer) bzw. der 1. Stimme. In der 2. Akkolade (2. System auf dem Photo) beginnt der Comes (lat.: Begleiter) bzw. die 2. Stimme. Sobald der Comes anfängt zu spielen setzt auch der Kontrapunkt bzw. das Kontrasubjekt ein. Kontrapunkt kommt vom Lateinischen "punctus contra Punktum" und heißt übersetzt Note gegen Note -> die Noten des Dux spielen gegen die des Comes. Beim 2. Photo in der ersten Zeile setzt nun die 3. Stimme ein und der Kontrapunkt (das Kontrasubjekt) wird fortgesetzt. In der letzten Akkolade des 2. Photos beginnt nun noch eine 4. Stimme zu spielen. Eine Fuge hat häufig 3 bis 4 Stimmen. In der Fuge werden die Stimmen eine Oberquarte oder -quinte (auch Unterquarte oder -quinte) höher bzw. tiefer angesetzt. Bei dem Comes wäre das jetzt eine Oberquarte zum Dux (von a' zu d''), bei der 3. Stimme wäre das demnach die Oberquinte (da von d'' zu a''), und bei der 4. Stimme wäre das die Unterquinte zum Dux (da von a' zu d'). Soweit ich das sehe haben wir bei dem Comes eine reale Beantwortung (alle Töne sind genau eine Quarte höher gesetzt), bei der 3. Stimme haben wir ebenfalls eine reale Beantwortung und bei der 4. Stimme haben wir eine tonale Beantwortung, da der Abstand des 3. und 4. Tones eine reine Quarte ist, statt wie im Dux eine große Terz.

Danach folgt nun die Durchführung. Du solltest dir merken, dass eine Fuge immer so viele Durchführungen hat, wie Stimmen -> hier also 4. Und nach der Durchführung folgt die Coda bzw. der Schluss der Fuge. Die Coda erkennt man oft an dem langen Halteton am Schluss (Orgelpunkt) oder das sich die Dynamik und/oder das Tempo ändert (z.Bsp.: von laut zu leise und von schnell zu langsam). Tja, da ich leider Musikgrundkursler bin, fällt mir im Moment nicht mehr zu Bach's wunderbarer Fuge ein, aber ich hoffe dennoch, dass ich dir helfen konnte :-)

Fuge Foto 1 - (Musik, Analyse, Barock) Fuge Foto 2 - (Musik, Analyse, Barock)

Danke für die schnelle Hilfe! Hat auf jeden Fall geholfen! :)

Allerdings sind noch ein paar Fragen offen:

Zwischen dem Dux + Comes auf dem ersten Bild und dem Anfang der 3. Stimme auf dem zweiten Bild ist eine Art Überleitung. Ist das ein Zwischenspiel? Im normalen Fugenschema wird so etwas nicht erwähnt (zumindest nicht mitten in der Exposition). Diese "Einschübe" kommen öfters in der Exposition (Sofern die Exposition in dieser Fuge ebenfalls erst vorbei ist wenn alle 4 Stimmen erschienen sind).

Wo genau ist die 4. Stimme? Ich meine sie taucht erst in der Zeile nach der letzten, die auf dem zweiten Foto sichtbar ist, auf. Diese wäre dann genau zwei Octaven tiefer als der Comes am Anfang.

"Du solltest dir merken, dass eine Fuge immer so viele Durchführungen hat, wie Stimmen -> hier also 4": Wie erkenne und unterscheide ich die vier Durchführungen?

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@Juletzi

Sorry, also das mit den Durchführungen weis ich nicht, da wir im Musikgrundkurs eigentlich Fugen überhaupt nicht analysiert haben und ich mir das gerade bei der Exposition angelernt habe, wie die aufgebaut ist :-)
Die 4. Stimme ist in der vorletzten Zeile des 2. Blattes (beginnt dort). Und das zwischen Dux und Comes ist keine Überleitung, sondern dort werden einfach die Stimmen (1. und 2.) weitergespielt.

Ich werde noch mal versuchen bei den Durchführungen durchzusehen, und dir dann schreiben. Ach ja, entschuldige bitte, dass meine Antwort erst so spät kommt, aber ich habe erst jetzt gesehen, dass du die Antwort kommentiert hast :-)

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@LeonioLiszt

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die 4. Stimme wirklich eine 4. Stimme ist, denn wir hatten im Musikunterricht letztens, dass die Fuge nur 3 Stimmen hat ^^

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Ich bezweifle, dass bei GF sehr viele ausgewiesene Musikwissenschaftler unterwegs sind. Ich z.B. höre nur gerne Bach... .Also solltest du dich in einem speziellen Musikforum umtun oder "heftig" googeln; es gibt ja genügend Seiten dazu.

Interessant fand ich z.B. diesen Satz: "Letzterer Ausdruck ist irreführend, denn die Fuge ist nicht ein eigener Satz, sondern Teil der Toccata, wie in allen frühen Toccaten Bachs."

Quelle: http://www.kammermusikfuehrer.de/werke/113

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