An welche Religion glaubt ihr?

15 Antworten

Ich glaube an Gott, aber ich halte von Religionen nicht so sehr viel. Gerade wenn sie fundamentalistisch ausgelegt bzw. ausgelebt werden.

Ich selber habe ein sehr naturwissenschaftliches Weltbild. Trotzdem habe ich mir einen Glauben bewahrt.

Aber nicht weil ich Gott als Erklärung für die Existenz des Weltalls, der Erde oder des Lebens benötige (das kann die Naturwissenschaft besser), sondern weil ich den Gedanken an Gott emotional schön finde.

Ich beschäftige mich schon viele Jahre mit Astronomie, und ich sehe da natürlich auch, dass Gott nicht notwendig für die Entstehung des Weltalls oder der Erde war.

Ich glaube aber, es gibt noch etwas hinter der Astrophysik. Ich würde niemals sagen, dass ich überzeugt bin, dass es Gott gibt. Aber ich finde es schön, sagen zu können, ich fühle es oder ich ahne es.

Man "glaubt" nicht an Religionen.

Man glaubt bestenfalls an die entsprechenden Götter bzw. anderen Traumfiguren und/oder man zelebriert sie.

Und dann sollte man sich endlich mal auf eine annehmbare Definition für "Religion" festlegen, damit alle über dasselbe Phänomen reden!

Der Philosoph Richard Schaeffler sagte dazu:

„Ohne einen solchen Begriff von Religion ist es nicht möglich, denjenigen Bereich von Phänomenen auszugrenzen, der in den empirischen Religionswissenschaften erforscht werden soll".

Als Grund für die Notwendigkeit der Bestimmung des Religionsbegriffs nennt er: „Ohne einen solchen Begriff von Religion ist es nicht möglich, Erscheinungen aus verschiedenen Religionen miteinander zu vergleichen.“

Und schließlich erklärt er: „Ohne einen Begriff von Religion ist es... nicht möglich, Phänomene, die als religiös angesehen werden, kritisch zu beurteilen, ohne sie einem sachfremden Maßstab zu unterwerfen.“ (zitiert aus einer Würzburger Promotionsschrift: "ORJIUKWU_Religion_und_Anthropologie.pdf)

Nun lässt sich fragen, wo die Wurzeln der Religionen liegen. Ist die Religion eine Notwendigkeit der menschlichen Kultur (wie es der Funktionalismus von Emil Durkheim behauptet), ein Zufall der menschlichen Kultur (wie ihr in der memetischen Theorie von Richard Dawkins nachgesagt wird), eine Notwendigkeit der menschlichen Natur (wie der Gedanke von „Homo religiosus“ besagt), ein Missgriff der menschlichen Natur (wie Sigmund Freud und seine Schüler behaupten), oder ist die Religion bloß ein nützliches, allerdings kein notwendiges Angebot der menschlichen Natur?

Wenn man diese Fragen nicht klärt, werden die Antworten auf deine Frage sehr unbefriedigend sein.

Auf alle Fälle sollte man die Weltanschauungen, die sich hinter den einzelnen Religionen verbergen, nicht mit den zugehörigen Institutionen verwechseln, noch nicht mal gleichsetzen. Die Kirche ist eben nicht "das Christentum", der Zentralrat der Muslime ist eben nicht "der Islam", ein mittelalterliches Kloster im Himalaja ist eben nicht "der Lamaismus", usw. - obwohl es das eine ohne das andere nicht geben würde.

Zu einer dieser Machtkonstruktionen sagte der Philosoph Voltaire, ein erbitterter Gegner des Christentums und ein Star der Aufklärung:

„Écrasez l’infâme!“ – „Rottet sie aus, die unverschämte (Kirche)!“

Ich schließe mich dieser Forderung an und erweitere sie auf Religionen insgesamt!

So berechtigt die Kritik von 666Phoenix und Richard Schaeffler bezüglich Religionsdefinition auch ist, einen Konsens wird es hier NIE geben und es wird in der Religionswissenschaft dabei bleiben: "Das Wort 'Religion' ist wie ein Labyrinth. Wer keinen Faden in der Hand hält , wird sich darin verirren". (Hans-Jürgen Greschat, Religionswissenschaftler). Manche Religionswissenschaftler gehen daher soweit, dass sie ab liebsten ganz auf eine Definition von Religion verzichten möchten, so z. B. der Religionswissenschaftler Hans Kippenberg (wovon ich allerdings nichts halte).

Der Religionspsychologe James Leuba hat bereits am Beginn des 20. Jahrhunderts fast 50 Definitionen von Religion zusammengestellt, die er allerdings nicht akzeptierte (seine eigene Definition natürlich schon). Christoph Elsas hat 1975 hunderte von Definitionen zusammengetragen. Mittlerweile ist die Menge an Religionsdefinitionen unüberschaubar.

Es ist nicht einmal etymologisch die Ableitung des lateinischen "religio" geklärt (re-legere? re-ligari? re-eligere?).

Mein "roter Faden" (siehe Zitat von Hans-Jürgen Greschat) für die Definition von Religion ist die Bibel. Ich schliesse mich daher der Position des Theologen und Religionswissenschaflters Thomas Schirrmacher an: "Wir haben meist eine sehr eingeengte Religionsdefinition. (...) Das biblische Verständnis dessen, was ausserhalb der Bibel mit 'Religion' bezeichnet wird, ist viel umfassender. Alles, was an die Stelle Gottes gesetzt wird, also alles, was verehrt wird, Dank erhält und als Quelle von Moral und Ethik dient, ist Religion." (Thomas Schirmmacher, Ethik (Band 1). Das Gesetz der Liebe, Hamburg, 2002, S. 85). Es ist mir allerdings klar, dass diese Definition für die Religionswissenschaft absolut konsensunfähig ist. Das stört mich bei meiner Vorliebe für wissenschaftliche Aussenseiterpositionen aber überhaupt nicht. :-)

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@UW1969
  • Das Wort 'Religion' ist wie ein Labyrinth. Wer keinen Faden in der Hand hält , wird sich darin verirren".

Wer braucht schon ein Labyrinth? Vermeide es ganz, dann kannst du dir neben den immanenten Umwegen, Kurven und Sackgassen, Irrungen und Wirrungen auch noch den Ariadnefaden sparen!

Der größte Bluff in deinem Beitrag: Religion mit irgendeiner Moral gleichzusetzen!

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@666Phoenix

Fortsetzung:

  • Alles, was an die Stelle Gottes gesetzt wird, also alles, was verehrt wird, Dank erhält und als Quelle von Moral und Ethik dient, ist Religion.

Es gibt keine sinnvolle, logisch konsistente Rechtfertigung einer »religiösen Moral«.

Außerdem, seit wann wird eigentlich in den monotheistischen Religionen Wert auf eine sorgfältige, vernünftige Begründung für die eigenen Behauptungen gelegt? Und wieso sollte das bei der "Moral" plötzlich und unvermutet ganz anders sein? 

Warum sollte jemand aus Einsicht handeln, wenn man ihm im Rahmen seiner Religion erzählt, dass man mit rationalen Methoden nicht zu genau hinsehen sollte, sondern lieber glauben und Autoritäten vertrauen sollte? Denn Gott sei ja mit den menschlichen Sinnen gar nicht begreifbar! (Zwischenfrage: »Wenn man deinen Gott nicht verstehen kann - was ist dann der Sinn Deiner Religion?«)

Entweder, der einzelne Christ benutzt doch die rationale Methode, dann schließt dies ein bloßes Vertrauen in Autoritäten (genannt "Gott") aus. Damit hat er aber die Begründung der religiösen Moral nicht akzeptiert. Oder aber, er vertraut mehr oder weniger blind den selbst ernannten religiösen Autoritäten, dann ist die Basis irrational, denn Vertrauen in Autoritäten ist kein Teil der rationalen Methode.

Wie er sich dann real verhält, ist wieder eine ganz andere Frage! Leider stimmt das Verhalten der meisten, die die "christliche Moral" ständig im Munde führen, mit selbiger nur sehr entfernt überein, wenn überhaupt!

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@666Phoenix

Die Religionsdefinition von Schirrmacher impliziert aber NICHT, so wie ich diese verstehe, dass moralisches Handeln ohne Religion nicht denkbar ist. Das Vorurteil, dass Atheisten nicht moralisch handeln könnten, ist allerdings (leider) auch unter Christen weit verbreitet.

Als Christ vertrete ich selbstverständlich eine religiöse Fundierung der Moral, wobei allerdings der christliche Glaube selbst nicht hauptsächlich auf Moral basiert.

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@UW1969

Diese Antwort bezieht sich auf deinen vorletzten Kommentar. Die Fortsetzung habe ich erst jetzt gelesen.

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@UW1969

Es gibt keine "religiöse Fundierung" der Moral. Den selben Anspruch könnten die Nazis zu ihrer Rassentheorie von Blumenbach oder Haeckel herleiten wie du aus irgendeiner Religion!

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Ich bin in der rRömisch Katholische getauft, gefirmt und aufgewachsen. Ich glaube an das Evangelium und an die Auferstehung mach dem irdischen Tod. Eigentlich an das katholische Glaubensbekentnis. Die Welt ist durchdacht.

Offiziell auf dem Blattpapier bin ich katholisch.

Aber eigentlich bin ich alles und nichts. Auch eher spirituell, als gläubig. Ich folge also keinen Dogmen und richte mich und lebe nach meinem Wertesystem.

Agnostikerin wäre wohl naheliegend. Einfach weil ich zwar meine spirituellen Ansichten habe, aber nichts von Grundwegen her ausschließe, auch nicht Fehler in meinen Ansichten und Annahmen. Einfach weil es bisher weder belegbar, noch widerlegbar ist und die Möglichkeiten daher für alles und nichts gleichermaßen gegeben sind.

Aber auch das trifft es nicht ganz.

Ich habe meinen persönlichen und individuellen Glauben, der beschreibt, wie ich über das Leben und das Davor und das Danach denke. (An keine Religion angelehnt).

Ich nenne es sogar nicht mal "Glauben", sondern Hoffnung, weil "Glauben" für mich so festgesetzt ist. Zwar ist das keine Erklärung für alles, aber es hilft mir.

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