An alle Pferdefreunde: wisst ihr vielleicht was das ist?

9 Antworten

Hallo,

leider nicht die beste Qualität. Schaut nach einer verschorften Stelle in der Fesselbeuge aus. Evtl. Mauke? Oder  eine infizierte Verletzung. Dein Pferd? Wenn du nicht weißt, wie man Verletzungen behandelt (säubert/desinfiziert) würde ich dafür auf jeden Fall den TA rufen und das nicht einfach so lassen . Meine Stute hatte im ersten Jahr auch einge Male Mauke und da habe ich auch immer den TA kommen lassen.

Der kann dir dann gleich zeigen, was du bei kleineren Verletzungen machen kanst oder wie du einschätzen kannst ob der TA kommen muss oder nicht.

Noch als kleiner allgemeiner Tipp bzgl. Krankheit / Verletzung: Wenn du es vor Ort nicht einschätzen kannst oder vor Ort niemanden hst, der es einschätzen kann - ruf den Fachmann.

Das ist Mauke. Tun kann man einiges, nämlich die Ursache abstellen und gleichzeitig die Wunden behandeln:

Die Ursache liegt in einem stoffwechselbedingten Hautimmunproblem. Das Immunsystem der Haut ist derart geschwächt, dass Bakterien leichtes Spiel haben. Das heißt jetzt nicht, dass Dein Pferd schmutzig gehalten wird, klinisch rein kann man das Umfeld von Pferden nicht halten und es ist weder in der Box noch im Offenstall ausgeschlossen, dass sie mal in einen Äpfelhaufen oder sonstwas treten, man kann ja nicht 24 Stunden lang hinter dem Pferd stehen und Abmisten. Mauke haben wir deshalb besonders häufig in den Fellwechselzeiten, weil der Zinkstoffwechsel da an seine Grenzen kommt. Die Blutbilder sind meist noch ganz gut, weil das Blut bevorzugt bedient wird bei Zink, wohingegen die Zellen, die hier betroffen sind, schon lang kein Zink mehr abbekommt. Hat man ein Pferd, das nicht leicht durch den Fellwechsel kommt, hilft es, zum Anschub ein Zinkchelatpräparat und danach ganzjährig mit Dosissteigerung zu Beginn des Fellwechsels, Sonnenblumenkerne zu füttern. Das beides hilft natürlich nur, wenn der Darm fit genug ist, das Zink auch aufzunehmen.

Was machst Du bis dahin mit den Wunden?

Bitte nicht die Haare rasieren, sondern nur mit einer Schere kurz halten. Rasur würde die umliegende, noch gute Haut mit strapazieren und von der wollen wir ja, dass sie möglichst schnell wieder Epithelzellen nachschiebt, also neue Haut auf die Wundstellen. Also: nicht mechanisch ran gehen, auch die Krusten nicht mechanisch lösen. Schneiden müssen wir die Haare nur deshalb, dass wir bakterienwirksame Stoffe zur Wundbehandlung an die Wunden und die umliegende Haut auch gut ran bringen.

In der modernen Wundheilung ist der Satz "eine trockene Zelle ist eine tote Zelle", also eine, die nichts nachproduziert, weithin bekannt. Das heißt, alle austrocknenden Mittel wie Seifenlauge, Zinksalben o.ä. sind Wunden fernzuhalten. Absolut. Also auch keine Wundwaschungen oder ähnliches damit. Damit beschleunigt man in keiner Weise die Heilung, sondern verzögert sie. Auch die Kruste verhindert, dass sich das drunter entwickeln kann. Aber wir waschen sie nicht mit Seife runter und lösen sie auch nicht mechanisch. Was uns bleibt, sind Wundreinigungslösungen, mit denen wir Kompressen nass machen und auflegen, bis beim Abnehmen die Krusten von selbst mit kommen. Eine Bandage kann sie so lang halten, weil die Pferde ja doch ungern so lang komplett still stehen ohne den Fuß zu bewegen.

Dann haben wir verschiedene Wirkstoffe, um gegen die lästigen Bakterien anzugehen. Geeignet wären hier:

- Jod wirkt schnell, hat aber den Nachteil, dass wir die Wunden nicht wirklich in ihrer Entwicklung beurteilen können, weil die Färbung uns hier den Blick regelrecht versperrt. Außerdem hat Jod einen Eiweißfehler, wirkt also schlechter bis gar nicht, sobald Blut, Eiter, Wundsekret aller Art ins Spiel kommt.

- Kochsalzlösung, ist super zum Waschen

- Octenidin wirkt gut, soll aber wirklich nur vorübergehend angewandt werden und manche Mauke dauert länger, bis endlich die Ursache behoben ist. Stoffwechsel reparieren geht halt nicht so schnell.

- Chlorhexidin würde ja gut Bakterien töten, stört aber die Wundheilung und was hilft mir dann das Töten der Bakterien?

- Polyhexanid wirkt zuverlässig gegen ein sehr breites Spektrum an Bakterien, soll aber definitiv nicht in so tiefe Wunden, dass es an den Knorpel gelangt.

Nun haben wir also ein paar Reinigungslösungen zur Auswahl. ABER: Beim Reinigen erwischen wir niemals alle Keime. Das können wir gleich vergessen. Wir können sie nur dezimieren. Nun könnten wir sagen, ok, wenn wir das oft genug machen, dass wir immer dezimieren, haben wir sie irgendwann so in Schach, dass wir sie weg haben. Problem: Alle 20 bis 30 Minuten vermehren sie sich durch Teilung = nach dieser Zeiteinheit haben sie sich also verdoppelt! So oft können wir gar nicht waschen, dass wir schneller sind als die Vermehrung. Daher brauchen wir was, was auf der Wunde wirkt. Tränken wir nun eine Wundauflage mit unserem Wirkstoff und machen einen Verband drüber, so wird diese ein paar Stunden wirken, vielleicht so 2 bis 3 - und dann war's das wieder. Dann stehen wir wieder genauso da wie wenn wir nur waschen. Das hilft uns also wieder nicht.

Was hilft: Es gibt Wundauflagen, die über bis zu 4 Tage Wirkstoff abgeben. Diese gibt es ausschließlich mit Polyhexanid, weshalb wir auch diesen Wirkstoff zum Krusten lösen und reinigen verwenden sollten, denn eine Wirkstoffmischung setzt die Wirkung wieder herab (z.B. wenn wir mit Kochsalzlösung waschen und dann eine Polyhexanidauflage drauf machen). Mit dieser Wundauflage einen Verband anlegen, der eine Geleinlage hat zum feucht halten und der diese Tage auch wirklich zuverlässig hält (da ist es gut, wenn man Verbandstechniken gelernt hat), weil die sind teuer und es wäre schade drum, wenn die in den Dreck fliegen, nur weil man keinen haltenden Verband hin bekommen hat.

Wenn die Ursache mal abgestellt ist, braucht es mit so einer Wundauflage meist nur einen einzigen Verband, der nach 4 Tagen runter geschnitten wird und alles ist wieder gut. Ein guter Verband mit den richtigen Verbandmitteln ist so wasserdicht, dass die Pferde damit wirklich alles machen können, was sie sonst auch machen inkl im Schnee und Matsch rum galoppieren. Das ist auch wichtig, denn nur mit Bewegung kann die Heilung optimal verlaufen. Auch ist ein guter Verband dampfdurchlässig und sorgt somit für Gasaustausch. Leider hört man immer wieder auch von Tierärzten "Wow! Tolles Verbandmaterial! Wo bekommt man das her?" - scheinbar ist das Interesse der Hersteller, im Veterinärbereich nicht groß genug, um dort zu werben. Aber es gibt einige Behandler, die das Zeug haben und nutzen. Wenn Du mir PN schreibst mit dem Ort, kann ich mich mal umhören, ob ich in Deiner Gegend jemanden kenne.

Beginnende Mauke.

Tun kann man einiges:

  • keinen Behang schneiden, sonst sind Bakterien und Viren Tür und Tor geöffnet.
  • Regelmäßig mit Kernseife und Wasser waschen und an der Luft trocknen lassen.
  • Pferd nicht in die Box stellen und auch im Stall und auf der Weide zusehen, dass das Tier nicht in den eigenen Exkrementen steht. Dort bildet sich Ammoniak und der ist so scharf, dass die Kruste ständig wieder aufbricht.
  • keine Kruste abpuhlen; Von Aussen kommt nix rein und Innen kann es abheilen.

Wann hast du das entdeckt?

Prima, so konnte ich selbst noch etwas dazulernen :) Merci!

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