An alle Liebhaber anspruchsvoller Filme und an die Cineasten: was bedeutet für euch cineastisch-künstlerischer Anspruch und was verbindet ihr damit in Filmen?

3 Antworten

Ich stelle eigentlich keinerlei künstlerischen Anspruch an die Filme, die ich konsumiere. Mir geht es darum, unterhalten zu werden. Die Filmkunst kann ich dann meist erst im Nachhinein für mich ausmachen und weiß die dann beim zweiten, fünften und zwanzigsten Anschauen zu schätzen. Das ist dann auch das, was sie ausmacht. Sie ermöglicht den mehrmligen Genuss von Filmen, die man sonst nur einmal schauen müsste.

Was verbinde ich damit?

Vielleicht als erstes Sergio Leones Spiel mit Nähe und Weite, wenn er einerseits oft nur die Augenpartien der Beteiligten zeigt, dann die Menschen in unendlicher Landschaft verschwinden lässt. Und sein Spiel mit der Zeit, wenn er auf ein kaskadenartiges Abfolgen verschiedener Handlungn verzichtet und einfach mal drei Männer am Bahnhof warten lässt.

Dann den Film "Dolores", der mit einer endlosen Kamerafahrt beginnt, die beiden Protagonisten in einer kargen, grau-tristen Umgebung gefangn hält und sehr raffiniert in hellbunte Zeitrückblenden wechselt; außerdem so gut wie kein anderer Film die Ohnmacht gegen unberechenbare häusliche Gewalt darstellt.

"Lügen und Geheimnisse", der Film mit den authentischsten Typen, obwohl es die Schauspieler vielleicht nicht so einfach gehabt haben. Hier bleibt die Kamera minutenlang am Tisch stehen, womit man dann quasi mitten im Geschehen, in die Handlung einbezogen ist.

Die Doku "Unser täglich Brot", die unsere Nahrungsmittelproduktion nur mit unkommentierten, aber oft verblüffenden und sehr ästetischen Bildern zeigt und dem Zuschauer eine Meinung vermittelt, aber nicht aufzwingt.

Die Konzertaufnahme "Stop Making Sense".

Auch Filmmusik natürlich. Bernard Herrmann, Ennio Morricone, Joe Hisaishi.

Aber Kunst alleine hilft nicht, wenn das Filmwerk sonst nichts zu bieten hat :o)

Wenn ich einen Film sehe, der mir allein von den Bildern her wie ein einziges Kunstwerk vorkommt, habe ich ein Gefühl, etwas Wertvolles, etwas Wichtiges zu schauen. Lars von Trier's Melancholia ist wie ein künstlerisches Stillleben, dass sich in Bilderfluten in Bewegung setzt. Wie ein Gemälde, dessen Inhalt erwacht. Es gibt aber auch Filme, die sind allein des Handlungsstrangs wertvoll: so zum Beispiel Inception (alle wollen einen Teil 2, aber niemand will einen 2. Teil, der das Thema zerstört... der Film wird also wie eine Art Heiligtum verehrt). Und dann gibt es Filme, die sind monumental, klassisch Hollywood und sowohl in Bildern als auch in Handlung für die Ewigkeit gemacht: Vom Winde Verweht, Rebecca oder auch Der Herr Der Ringe (um ein paar aus unterschiedlichen Kategorieb zu nennen).

Also für mich definiert sich cineastischer Anspruch, sobald eine surreale Szenerie geschaffen wird. Dazu gehört meiner Meinung nach natürlich das Wissen um den Einsatz von Willkür, aber andererseits vor allem, der Mut, den Zuschauer mit absurden Inhalten überfordern oder verwirren zu wollen. Bestes Beispiel für mich ist der Film "Wrong" von Quentin "Mr.Oizo" Dupieux. ;)

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