an alle die früher magersüchtig waren oder die die sich darin auskennen ;)

5 Antworten

Das ist bei jedem ganz unterschiedlich. Es kommt nicht nur auf sich selbst an, sondern auch auf das Umfeld (also hast du jemanden, der dich unterstützt oder zieht es dich wieder runter, ...)

Menschen können alles. Es heißt ja immer "der Mensch ist ein Gewohnheitstier". Die wenigsten essen von heute auf morgen gar nichts mehr, sondern das wird immer wieder runterreguliert, bis so gut wie nichts mehr übrig ist. Is aber schlecht und du solltest dringend die Finger davon lassen. Das hat schlimmere Auswirkungen, als man sich als gesunder Mensch denken kann.

Die wenigen die es raus schaffen werden immer ein gestörtes Verhältnis zum essen haben. Ich hatte 8 Kilo Untergewicht und habe 15 Kilo zugenommen. Das ist nun 5 Jahre her. Seither schwankt mein Gewicht ständig bei +/- 5 Kilo, ich habe noch regelmäßig Fressanfälle und kann keine Portionen einschätzen. Jede Mahlzeit ist nach wie vor eine einzige Rechenaufgabe. Es gibt Dinge die man nicht vergessen kann: Man sieht ein Lebensmittel und kennt die Inhaltsstoffe auswendig, man kennt die Kalorienangaben, man weiß welche Marke das selbe Produkt führt nur eben mit weniger Kalorien... Man rutscht da rein von jetzt auf gleich, ich selbst war erst 8 Jahre alt zu Beginn meiner Krankheit, und es dauert Jahre bis man wieder einigermaßen normal essen kann. Ich bin jetzt 17 und seh meine Zukunft eher schwarz als grau, geschweige denn weiß. Ich habe Angst vor Feiern, Familienessen, Kuchenpause in der Schule. Ich ess immer noch meistens nur alleine weil mich die Anwesenheit der anderen aus der Fassung bringt beim Essen. Das schlimmste ist, dass ich so eine starke Verbindung zu dieser Krankheit habe und zur gleichen Zeit eine solch große Distanz. Klar ich habe jetzt schon einige Jahren wieder Normalgewicht, aber es ist ein täglicher Kampf zwischen Wille und Vernunft. Die Mitmenschen im engeren Umfeld zeigen da dann auch nur noch geringe Anteilnahme und Verständnis. Von außen sieht ja alles normal aus, das was in mir abläuft ist für gesunde Menschen kaum vorstellbar. Diese Krankheit nimmt dir deine Lebensqualität. Ich weiß wie sehr sie gehypt wird und ja die ganzen pro- ana foren sind ja auch ganz niedlich. Die Bilder die da rein gestellt werden Zeigen die Krankheit auf ihrer verblümten Seite. Junge hübsche Mädchen mit Lächeln im Gesicht, schönen Klamotten und etwas Untergewicht.Die wirklichen Fälle spielen sich hinter den Mauern der Krankenhäusern ab. Glaub mir, mit denen dort will sich kein gesunder Mensch identifizieren. Ich bin 17 hab meine Zukunft vor mir und wenn man mich heute Fragen würde wie ich mich in 30 Jahren sehe, würde ich sagen, dass ich immer noch Probleme mit der Nahrungsaufnahme haben werde.

Gibt es eigentlich Studien über evtl. Zusammenhänge zwischen Klugheit und Essstörung? Mit anderen Worten: mit 17 ein solch ausdifferenziertes Urteil zu formulieren, ist .... grandios...

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@lastgasp

Ja es gibt allerhand Studien. Die meisten Magersüchtigen stammen aus Ober- und Mittelschicht in der Gesellschaft. Also da wo der Kühlschrank voll ist und der Erfolgsdruck groß. Der Großteil der Betroffenen haben einen überdurchschnittlich hohen IQ und sind sehr zielstrebig und streben nach Perfektion. Klar da kann es immer Abweichungen geben, aber diese Studien geben ja auch nur den Stadartfall vor. Ich selbst kenn meinen IQ nicht, da ich mich immer weigerte einen solchen Test zu machen, da ich keinen großen Sinn drin sehe zu wissen ob man schlau ist oder eben nicht. Sowas führt doch sowieso nur zur Selbstüberschätzung oder zu einem heroischen Selbstbild, oder eben im Zweifelsfall zu Enttäuschung. Bis zur Obestufe hatte ich auch nur Unterdurchschnittliche Ergebnisse ( Realschulabschluss mit 4,6) was allerdings auch daran lag, dass ich sehr oft gefehlt hatte, und wenig Interesse an den Tag legte. Dieses Jahr im Juni mache ich Abitur und habe bislang einen 1,4 Durchschnitt. Ob das was mit Klugheit zutun hat weiß ich nicht, 70 Prozent ist einfach nur Arbeit. Danke für dein Kompliment zu meinem Schreibstil. Ich mach regelmäßig an Poetryslams mit und habe auch schon ein paar Artikel für Zeitschriften wie zB Emma geschrieben. Ich werde ab dem Herbstssemester Philosophie Französisch und Darstellendes Spiel studieren... um später mit sehr viel Glück Lehrerin und Autorin ( nebenbei ) zu werden. :)

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@joysubstraction

Ah und falls es wundert dass ich mein Abi erst im Juni mache ( in Deutschland sind die Prüfungen ja schon rum...): Ich gehe seid zwei Jahren in Frankreich in die Schule, War ursprünglich als Schüleraustausch gedacht, um die Sprache zu lernen. Das Schulsystem hat mir allerdings so gut gefallen, dass ich hier nun eine Wohnung beziehe und mein BAC ( äquivalent zum deutschen Abitur ) machen werde. Ich bin hier im Literaturzweig und habe 8 Mal die Woche Philosophie... Menschen sind nicht frei, aber darüber zu grübeln befreit die Gedanken.

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@joysubstraction

IQ und ob und wann Du Dein Abi / Bac machst, ist wurscht. Als steinalter Uni-Dozent mit Studentenphobie, Krankenhauslangeweile und reichlich Erfahrung mit essgestörten Girlies in der von meiner Liebsten systemisch betreuten Mädchen-WG war ich nur so perplex, solch eine Rose in diesem Vorzimmer zur Hölle zu bestaunen.

Was allerdings Poetry-Slams angeht und andere Oberflächlichkeiten, empfehle ich meinen alten Kampfgefährten Ronald M. Schernikau, der es mit Robert Stadlhuber in den Mainstream schaffen könnte, wenn er nicht vor über 20 Jahren gestorben wäre.

https://www.youtube.com/watch?v=uxQ5-m23rY8&noredirect=1

Im Übrigen wirst Du (Zitat: Peter Hacks) schreiben können. Nur das zählt!

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Die wenigen die es raus schaffen werden immer ein gestörtes Verhältnis zum essen haben

Nein. Höre auf zu kämpfen. Ana ist Nichts wogegen zu kämpfen Sinn macht. Nimm sie liebevoll an, höre ihr zu. Sie hat Viel zu berichten. Hat sie sich mal ausgesprochen geht sie schlafen. Aufwecken lässt sie sich durchaus immer noch. Aber nur wenn ihre Lehren vergessen werden.

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@dawala

Da kriegt die Krankheit gleich einen religiösen Touch. Ich möchte mal den Krebspatienten oder Borderlinepatienten sehen der seiner Krankheit einen liebevollen Namen gibt. Tut mir Leid; ich bin essgestört aber habe keine Essstörung mehr. Ich habe genug Abstand zu der Krankheit gekriegt in den letzten Jahren um bei genau solchen Sätzen die Hände über den Kopf zusammenzuschlagen...

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Also ich hatte auch ziemlich starkes Untergewicht und habe wieder Normalgewicht, allerdings immer ca. 3 Kilo weniger als vor der Erkrankung. Also ich war auch vor meiner Magersucht immer normalgewichtig.

Ich glaube allerdings, das dies wirklich von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, je nachdem wie gesund man wirklich nach einer Therapie ist. Ich bin nämlich nicht gesund, darf nur ein bestimmtes Gewicht nicht unterstreiten, weil ich dann sofort wieder in eine Klinik komme und das war der Horror da!

Ich bin nun vielleicht nicht mehr magersüchtig, aber ich habe seit knapp 2 Jahren Bulimie. Und dass man nichts isst, das ist so eine Sache, also ab und zu erlaubt man sich schon etwas, aber ein erstrebenswerter Zustand ist das nicht, geschweige denn ein e erstrebenswerte Disziplin. Ich wünschte mir, ich hätte das damals nie hinbekommen...Aber es ist eben eine Störung im Kopf, eine Krankheit, die man sich auf gar keinen Fall wünschen sollte, da damit so vieles einfach nur kaputt gemacht wird.

Man zerstört sein Leben mehr oder weniger selbst.

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