Amputationsverletzung wie vorgehen? RS Prüfung

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Betroffene Extremität hochhalten, abdrücken (nicht Binden) und die Blutung an der Wunde mit Druckverbänden versuchen zu stoppen. Klappt das nicht, bleibt einem nichts anderes übrig als abzubinden. Wird ja nicht ewig so bleiben und irgendwann kommt der Patient dann ja auch in eine Klinik.

Ich kann mich nur anschließen.

Betroffene Extremität hochhalten, abdrücken (im Fall einer Amputation im Bereich des Arms / der Hand die A. brachialis), Druckverband und ggfls. Abbinden.

Im Zweifel: treat first what kills first, der Blutverlust kann schneller lebensbedrohlich werden, als ein abgebundener und evtl. mangelversorgter Arm!

Notarzt nachalarmieren, Hochhalten der betroffenen Extremität, Abdrücken an geeigneter Stelle, nach Möglichkeit Druckverband (bei totaler Amputation nur bedingt sinnvoll), Abdecken Stumpf mit Kompresse / Bauchtuch, straff gewickelter Verband (vom Stumpf zum Rumpf mit abnehmendem Druck), hier über Zuführenden Gefäßen ggf. Druckpolster.

Ein Tourniquet kann erwogen werden - hierzu  z.B. eine Blutdruckmanschette mit einem Druck von min. 50mmHg über dem systolischen Blutdruck (also bei NIBP 140 / 85 wenigstens 190, besser 250 mmHg Druck auf der Manschette !!) oder hierfür vorgesehene Systeme wie das CAT / Delphi etc. . Ein improvisiertes Abbinden ist oft erkennbar weniger geeignet, da die Erfolgsquoten geringer sind. Blutungen aus Knochenstümpfe z.B. lassen sich auch nicht mit einem Tourniquet stillen, da der Knochen nicht komprimiert wird, Hier ist es sinnvoll, einen Fleischlappen vom Stumpf über den Knochen zu platzieren und außen herum wie beschrieben mit elastischen Binden den Druck aufzubauen, um  den Knochen im Ansatz abzudichten.

Das Amputat sollte sauber verpackt/ die Wundfläche mit einem Bauchtuch abgedekt werden, das Ganze in einen Amputatebeutel gekühlt (4 - 7 °C, NICHT eingefrieren !!! ) aufbewahrt werden und mit dem Patienten gemeinsam in einem geeigneten Traumazentrum, z.B. einer BG - Unfallklinik mit Handchirurgen (bei betroffener Hand) vorgestellt werden. 

Daneben sollten noch 2 großlumige Gefäßzugänge an einer nicht betroffenen Extremität gelegt werden, ggf. Schmerzmedikamente zur Gabe durch den Notarzt vorbereitet werden / bei vorhandener Notkompetenz / Freigabe durch den ÄLRD verabreicht werden (z.B. S-Ketamin, Opioide....), es kann bei deutlichem Blutverlust die Gabe von 1-2g Tranexamsäure erwogen werden, es sollte in der Zielklinik der Schockraum vorangemeldet werden und die grobe Anamnese erhoben werden (Allergien, Medikamente, letzte Nahrung / Nüchternheit, Tetanusimpfung.....).

Eine Ruhigstellung der betroffenen Extremität in z.B. SAM - Splint / Vakuummatratze etc. sollte nach Blutstillung / Blutungsreduktion dringend durchgeführt werden, jedoch nicht den Transport in ein geeignets Krankenhaus unangemessen verzögern.

Der Selbstschutz durch das Tragen von PPE mit Handschuhen etc. ist zwingend zu beachten.

Das primäre Abbinden ohne weitere Maßnahmen KANN erwogen werden, schonendere geeignete Maßnahmen wie eben der Druckverband / die Kompression der Extremität mit elastischen Binden sind jedoch zu bevorzugen.

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