Amores Ovid: Corinna hat abgetrieben, aber von wem war sie schwanger?

2 Antworten

Das wird wohl nur Corinna selbst wissen. :) Aber die kann man nicht fragen. Manchmal muss man damit leben, dass ein Gedicht Fragen offen lässt... :)

Aber Spaß beiseite. Die Amores sind kein Tatsachenbericht, sondern ein Gedichtband - wahrscheinlich mit autobiographhischen Zügen. Man kann noch nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, dass es eine Corinna gab. Vielleicht war sie auch nur eine Idealvorstellung Ovids.

In der Dichtung liegen Wahrheit und Dichtung nah bei einander. :)

Wie lautet denn die Textstelle mit der Abtreibung? Vielleicht stehen ja noch ein paar Details dabei? :)

LG
MCX

Vielleicht stehen ja noch ein paar Details dabei?

Du Ferchel, Du! ;)))

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@Bevarian

Ferchel, weil Schweine meist eingepfercht sind?

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Aus den Gedichten geht nicht eindeutig hervor, von wem Corinna schwanger war.

Die Abtreibung, die für Corinna lebensgefährliche Auswirkungen hat, ist Thema bei Ovid, Amores 2, 13 (Beginn: dum labefactat onus gravidi temeraria ventris) und 2, 14 (Beginn: quid iuvat inmunes belli cessare puellas).

Der Sprecher, das lyrische Ich, nimmt an, Corinna sei von ihm selbst schwanger gewesen. Sicher weiß er dies nicht (und einen Vaterschaftstest mit äußerst hoher Wahrscheinlichkeit durch DNA-Analyse gab es sowieso in der Antike nicht).

Ovid, Amores 2, 13, 5 – 6:

sed tamen aut ex me conceperat - aut ego credo;

   est mihi pro facto saepe, quod esse potest.

P. Ovidius Naso, Amores : lateinisch/deutsch = Liebesgedichte. Übersetzt und herausgegeben von Michael von Albrecht. Stuttgart : Reclam, 1997 (Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 1361), S. 97:  

„Dabei hatte sie von mir empfangen, oder ich glaube es wenigstens: Was wahr sein kann, nehme ich oft als Tatsache.“

Das lyrische Ich hat mit seinem Werben bei Corinna mehrfach Erfüllung gefunden (vgl. Ovid, Amores 1, 5; 2, 12).

Ovid, Amores 1, 4 wird vom lyrischen Ich gegenüber dem Mädchen (puella) „dein Mann“ (vir tuus Vers 1) erwähnt. Ob es sich um Corinna handelt, wird nicht ausdrücklich gesagt. Eine Aussage zu dem Mann ist: Was du mir verstohlen/heimlich gibst, wirst du durch Gesetzesrecht genötigt/gezwungen geben (quod mihi das furtim, iure coacta dabis Vers 64). Der Mann (vir) ist demnach anscheinend entweder ihr Ehemann oder ein Patron, der über Corinna als seine Freigelassene Macht in einer Klientelbeziehung hat. Ovid, Amores 2, 19 geht es um einen Dummkopf (stulte Vers 1), der beim Bewachen Corinnas sehr nachlässig ist und zu dem der Sprecher, das lyrische Ich, ein Rivale ist. Der Sprecher ist selbst nicht monogam. Er hat auch ein intimes Verhältnis mit Corinnas Dienerin Cypassis angefangen (Ovid, Amores 2, 8).

Der Sprecher, das lyrische Ich, kommt als Erzeuger bei der Schwangerschaft in Frage. Er ist selbst davon ziemlich überzeugt, auch wenn ein anderer Erzeuger nicht völlig ausgeschlossen ist.

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