Amerikanischer Unabhägigkeitskrieg?

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3 Antworten

Es lässt sich im prinzip auf eine einzige bis zwei Sachen reduzieren:

1. Seit dem Ende der französisch-britischen Feindesligkeiten (https://de.wikipedia.org/wiki/Franzosen-_und_Indianerkriege) sahen die Kolonisten keinen Grund mehr für die ständige Präsenz britischer Militäreinheiten. Die Krone auf der anderen Seite sah keinen Grund, die Siedler nicht zu überwachen und wollte keine Schwäche zeigen.

2. Der oft genannte Grund der höheren Steuern und Zölle trifft natürlich auch zu, aber nicht in dem oft angenommenen Ausmaß.

Man sollte auch noch erwähnen, dass die meisten Abgeordneten des ersten Kontinentalkongress noch nicht mal an Unabhängigkeit dachten. Die Krone reagierte aber so unfleibel auf die Situation, dass dann erst eines zum anderen führte.

Die Lage nach dem Britisch-Französischen Kolonialkrieg in Nordamerika (1754 -1763; aus britischer Sicht als French and Indian War [Franzosen- und Indianerkrieg] bezeichnet) ist ein wichtiger Umstand. Großbritannien war in Nordamerika klarer Sieger, das franzöische Kolonialreich in Nordamerika endete mit Abtretung an Großbritannien (in französischem Besitz blieben nur ein Stück einer Karibikinsel und einer kleinen Inselgruppe vor der küsnte Kanadas). Zwischen den Bewohnern der britischen Kolonien in Nordamerika und dem Mutterland Großbritannien entwickelten sich zunehmende Meinungsunterschiede, Interessengegensätze und Streitigkeiten.

Gegensätze trafen aufeinander.

Großbritannien:

1) Es gab einen großen britischen Geldbedarf aufgrund der hohen Kriegskosten (hatten zu Schulden geführt), deren Bezahlung notwendig wurde und auch von den bisher wenig besteuerten britischen Kolonien in Nordamerika aufgebracht werden sollte.

2) König Georg (George) III., die Regierung und eine weit überwiegende Parlamentsmehrheit wollten die Kolonien unter Kontrolle halten und ganz vorwiegend nach Interessen des britischen Mutterlandes leiten.

britische Kolonien in Nordamerika:

1) Eine Besteuerung (Steuern/Abgaben) ohne politische Vertretung und Mitbestimmung rief Abneigung und Ablehnung (unter Berufung auf die königlichen Freibriefe und mit zunehmendem Nachdruck auf Naturrecht und daraus abgeleiteter Volkssouveränität) hervor.

2) Ein militärischer Schutz durch die britische Armee war entbehrlich geworden, beim weiteren Vordringen in Indianerland wollte Großbritannien eher bremsen (zur Vermeidung großer kriegerischer Konflikte mit teurem Einsatz von Soldaten) und die an ein gewisses Ausmaß an Selbstverwaltung gewöhnten Bewohner der Kolonien mochten nicht gerne unter Maßnahmen von oben herab aufgedrückt bekommen und nach ihrem Einrduck herablassend behandelt werden.

Die Kolonisten hatten ein Bewußtsein ansteigenden Wohlstandes, zunehmender Macht und großer Entwicklungschancen, die sie allerdings von der britischen Regierung für bedroht hielten. Im Einklang mit Ideen der Aufklärung beanspruchten die Kolonisten Freiheitsrechte. Viele kamen zu dem Urteil, keine ausreichende Mitsprache und Mitbestimmung zu erhalten. Aus ihnen entstand die Gruppierung der sogenannten Patrioten (patriots).

Die Mehrheit der Bewohner der britischen Kolonien in Nordamerika wollte anfangs gar keinen offenen Bruch mit Unabhängigkeit und Trennung vom Mutterland Großbritannnien.

König, Regierung und Parlament in London unterschätzten lange Zeit die Bereitschaft der Koloniebewohner zu gewaltsamen Widerstand. Sie wollten mit Härte disziplinieren und aufsässige Leute in die Schranken weisen. Starrheit trieb eine Verschärfung des Konfliktes voran und mit Ausbleiben eines Versuches zu einem Entgegenkommen schwanden Möglichkeiten zu einer vermittelnden Lösung mit Kompromissen.

In gewählten Versammlungen der Kolonisten wurde eine Unabhängigkeit von Großbritannien beschlossen und eine Unabhängigkeitserklärung verkündet. Da Großbritannien Streitkräfte einsetzte, um die Herrschaft über die Kolonien zu behaupten, kam es zum Krieg.

Eine Reihe von Auseinandersetzungen waren Auslöser und Ursachen.

  • Einschränkung von Landnahme: König Georg III. stellte, ohne den Rat der Kolonialparlamente einzuholen oder sie nach ihrer Meinung zu fragen, 1763 durch eine königliche Proklamation das Indianerland westlich einer Grenzlinie von Florida bis an den Eriesee (im wesentlichen entlang des Kammes der Appalachen) unter seinen besonderen Schutz und untersagte seinen Untertanen Landkäufe und Ansiedlung, was Landspekulationsgesellschaftten traf und landhungrige Siedler empörte.
  • neue Zölle: Zölle sind Abgaben, die für die Einfuhr oder Ausfuhr von Waren in bestimmte Gebiete zu entrichten sind. Das Zuckergesetz von 1764 verlangte von Kolonialengländern in Nordamerika neuartige Zölle unter anderem auf Zuckerrohrsirup (Melasse) und Kaffee, wenn sie aus nichtbritischen Häfen eingeführt wurden. Aus dem britischen Weltreich exportierte Güter wie Melasse, Kaffee, Eisen und für den Schiffbau geeignetes Holz wurden ebenfalls besteuert. Ein scharfer Protest mehrerer Kolonialparlamente, sie allein seien die gewählten Vertreter, die der englischen Verfassung entsprechend ihren Wählern diese Art von Verbrauchssteuern auferlegen durften, das Parlament in London (ohne gewählte Vertreter der Kolonien) könne nur den Handel regelnde Gesetze erlassen, es sei keine Vertretung der Kolonien, blieben erfolglos. Es entstand bei den Nordamerikanern in den britischen Kolonien eine grundsätzliche Ablehnung gegen eine Besteuerung/Erhebung von Angaben ohne politische Vertretung (Repräsentation) in dem die Besteuerung beschließenden Parlament („No taxation without representation“).
  • neue Gebühren: Das Stempelmarkgesetz (Stamp Act) von 1765 verlangte, jedes Schriftstück von rechtlicher Bedeutung mit einer Gebührenmarke oder einem entsprechendem Stempel zu versehen, ebenso Zeitungen, Flugschriften, Kalender und Kartenspiele. Die dadurch verursachte Papierverteuerung traf 23 Wochen- und Monatszeitungen in den 13 widerstandbereiten Kolonien.
  • Verweigerung von Mitbestimmung: Das Unterhaus bekräftigte Großbritanniens unbeschränkten Herrschaftsanspruch über die Kolonien (Declatory Act 1766). Ein grundsätzliches Recht der Kolonien auf Selbstbesteuerung wurde nicht anerkannt. Die vom britischen Finanzminister Charles Townshend beantragten und vom britischen Parlament am 29. Juli 1767 beschlossenen Townshend-Gesetze („Townshend Acts“) erhoben Zölle auf die Einfuhr von verschiedenen Waren, darunter Tee, aus Großbritannien in die Kolonien. Viele Nordamerikaner in den britischen Kolonien meinten, nicht richtig vertreten zu sein, weil ihnen parlamentarische Mitbestimmung bei Gesetzen, die sie betrafen, verweigert wurde. Im britischen Parlament war kein von den Kolonisten gewählter Vertreter.
  • gewaltsamer Zusammenstoß: 1770 wurden Soldaten in Boston von einer Menschenmenge mit Schneebällen und Steinwürfen angegriffen und schlossen schließlich, wobei einige wenige Bürger starben. Der Zwischenfall wurde propagandistisch zu einem Massaker hochgespielt.
  • für die Koloniebewohner nachteiliges Teegesetz: Die meisten Zölle wurden 1770 wieder abgeschafft, aber nicht der Zoll auf Tee. Es gab in den nordamerikanischen Kolonien eine Boykottbewegung gegen britischen Tee. Das britische Parlament erließ, um den Bankrott der East India Trading Company (Ostindische Handelsgesellschaft) abzuwenden, 1773 ein Teegesetz (Tea Act). Dieses erlaubte der East India Trading Company, Tee direkt von Indien nach Amerika auszuführen, ihn an ausgewählte Kaufleute zu verkaufen und befreite die East India Trading Company dabei von den Zöllen, indem diese nicht erhoben oder zurückerstattet wurden. Es gab also einen die amerikanischen Kolonien betreffenden Teezoll, aber die East India Trading Company war davon ausgenommen. Das Teegesetz lief auf eine Monopolstellung für diese in den Kolonien hinaus und beeinträchtigte die Interessen amerikanischer Zwischenhändler und am Schmuggelgeschäft mit Tee Beteiligter (Angebote verbilligten Tees der Ostindischen Handelsgesellschaft hätte unter dem Preis geschmuggelten niederländischen Tees gelegen). Zugleich wurde in den Kolonien ein Unterlaufen der Boykottbewegung befürchtet, bei dem die Kolonisten gegeneinander ausgespielt und Einrichtungen der britischen Gouverneure durch zusätzliche Einnahmen gestärkt würden, was eine Selbstbestimmung durch eigene Parlamente gefährden könnte. Ladungen verbilligten Tees (von der Ostindischen Handelsgesellschaft) von Schiffen im Hafen von Boston (342 Kisten Tee im Wert von 9000 Pfund Sterling) wurden von etwa 30 als Indianer verkleideter Bürger von Boston in das Meer geschüttet („Boston Tea Party“ am 16. Dezember 1773).
  • zunehmende Spannungen durch Strafmaßnahmen Großbritanniens: Regierung und Parlament reagierten 1774 mit einer eine Reihe von Zwangsgesetzen (Coercive Acts), die von den Kolonisten als Intolerable Acts (Unerträgliche Gesetze) verstanden wurden. a) Schließung des Hafens von Boston bis zur Bezahlung des Tees b) Beamte der britischen Krone konnten statt in einer Kolonie in England vor Gericht gestellt werden, wenn die ihnen vorgeworfene Tat bei der Niederschlagung eines Aufstandes oder der Einziehung von Zollgebühren begangen worden war c) Gemeindeversammlungen (town meetings) durften nur noch nach Genehmigimng der Tagesordnung durch den Gouvernuer abgehalten werden und die Mitglieder des Gouverneursrats von Massachusetts wurdem vom König ernannt statt vom Repräsentantenhaus gewählt d) Soldaten konnten im Bedarfsfall auch in Privathäusern einquartiert werden
  • Quebec-Gesetz: Das Quebec-Gesetz garantierte 1774 den 70000 französichsprachigen Einwohnern der 1759 eroberten Kolonie Quebec die kulturelle Eigenständigkeit und erweiterte das Gebiet Quebecs weit nach Süden, bis an die Ufer von Ohio und Mississippi. Damit wurden aus ihren Gründungsurkunden abgeleitete Landansprüche von Massachusetts, Connecticut, New York, Pennsylvania und Virginia im Ohio-Tal hinfällig.
  • Kämpfe mit Waffengewalt: Die britische Armee versuchte, Waffenvorräte von nordamerikanischen Rebellen zu beschlagnahmen. In diesem Zusammenhang kam es am 19. April 1775 zu den Gefechten von Lexington und Concord. Es folgte die Belagerung von Boston, wo sich der britische General und Gouverneur von Massachusetts, Thomas Gage, mit britischen Soldaten befand.


Bücher über die Geschichte der USA enthalten Informationen, z. B.:

Willi Paul Adams, Die USA vor 1900. 2. Auflage. München : Oldenbourg, 2009 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte ; Band 28), S. 37 – 42

Geschichte der USA : mit CD-ROM Quellen zur Geschichte der USA. Herausgegeben von von Michael Wala/Jürgen Heideking/Christof Mauch. 6., überarbeitete und erweiterteAuflage. Tübingen ; Basel : Francke, 2008 (UTB ; 1938), S. 27 – 34

Udo Sautter, Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. 8. aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart : Kröner, 2013 (Kröners Taschenausgabe ; Band 443), S. 63 - 79

GB hat die Menschen in den USA die sich mittlerweile als mehr oder weniger zu einem eigenständigen Leben ohne das Empire imstande sahen sehr stark besteuert und das leben dort reglementiert.

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