Am anderen Tag wieder zur Arbeit?


20.11.2020, 20:40

Wir haben genau so viele Mitarbeiter das jede Position besetzt ist und noch einer für Notfälle oder Urlaub über ist. Jetzt ist eine krank und die jenige die über ist, besetzt die Stelle von der die krank ist. Jetzt darf aber nicht noch einer ausfallen.

20 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

So pauschal lässt sich das natürlich nicht sagen-da dies vor allem sehr von dem Zustand Deiner Mutter abhängig ist. Ich selber bin ebenfalls schwer krank und hoffe bald endlich erlöst zu werden. Die Beerdigung etc. habe ich ebenfalls selber vorbereitet-nur mit dem Unterschied das ich als Erkrankte die Tochter bin.

Meine Mutter arbeitet bewusst normal weiter-schon alleine um mal auf andere Gedanken zu kommen (vom finanziellen mal ganz abzusehen). Sie selber ist zum Glück beruflich selbstständig und kann sich das daher flexibler einteilen. Die Zeit welche wir dann haben, versuchen wir aber möglichst zusammen zu genießen. Hat Deine Mutter vielleicht noch irgendwelche Wünsche, was sie mit Dir machen möchte und/oder wo sie nochmal mit Dir hin möchte?

Diese Wünsche könntest Du in Deiner Freizeit mit ihr nochmal erleben. Das würde euch beide binden und euch die letzte Zeit nicht nur mit Erinnerung an Qualen sondern auch mit schönen Erinnerungen hinterlassen.

Deine Mutter wird es sicher ähnlich sehen wie ich bei meiner Mutter:

Wenn wir euch zufrieden sehen, geht es uns auch um einiges besser. Tu das, was auch Dir gut tut. Es bringt ihr nichts, wenn Du Zuhause neben ihr sitzt und selber dadurch innerlich zugrunde gehst.

Zugleich kannst Du durch die Arbeit immer wieder von Neuigkeiten berichten. Das tut uns in diesem Stadion ebenfalls gut und lenkt zu mindestens für ein paar Minuten ab.

Du selber kennst Deine Mutter besser wie niemand anders. Immer wenn ich ganz schwach bin und wir selber beide nicht mehr sicher sind, ob ich die nächsten Tage noch erlebe, nimmt sich meine Mutter die Zeit für mich. Dann ist sie halt mal einen halben Tag nicht erreichbar. Sie legt sich dann oft zu mir, nimmt mich in den Arm und ist einfach da für mich.

An Deiner Stelle würde ich mit Deinem Chef absprechen, dass wenn Du am Morgen merkst, dass es ihr schlechter geht/du besser für sie da sein solltest, dich morgens meldest. Ansonsten versuche möglichst normal weiter zu leben. Deine Mutter hat schließlich auch nichts davon, wenn Du durch sie auch beruflich noch alles verlierst. Besonders wenn sie eines Tages nicht mehr sein wird, wird Deine Arbeit Dir gute Ablenkung bieten können. Je nachdem wie sehr Deine Mutter eingeschränkt ist, wäre es vielleicht zu überlegen, Deine Stunden notfalls für die letzte Zeit etwas zu reduzieren-auch dies ist aber mit so wenigen Informationen nur schwer zu beurteilen.

Alles Gute wünscht euch

Saskia (W, 25 Jahre)

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Vielen Dank für den Text, ich wünsche Dir alles Gute!

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Meine Einstellung - aus eigener Erfahrung - zum Thema Trauer ist die, dass jeder Mensch da ganz individuell tickt und keine Reaktion und kein Umgang damit in irgendeiner Weise falsch ist oder andere das Recht haben, darüber zu urteilen. Wenn es sich für dich in der Situation dann gut und richtig anfühlt, arbeiten zu gehen, dann tu das. Solltest du jetzt denken, dass es so sein wird, in der Situation dann aber doch merken, dass es nicht das Richtige für dich ist, ist es auch völlig legitim, dann umzuentscheiden!

Allerdings würde ich dir - ebenfalls aus eigener Erfahrung - dazu raten, deine Einstellung zu deinem Job noch mal zu überdenken. Es ist toll, wenn man in seinem Job gut ist, wenn man dafür geachtet und geschätzt wird und wenn man ein zentrales Rädchen im Getriebe des Unternehmens ist! Es ist aber einfach nicht gesund, wenn man sich selbst so unter Druck setzt, dass man ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man mit guten Gründen mal ein paar Tage ausfällt.

Wenn ohne dich wirklich nichts mehr in diesem Unternehmen laufen sollte, ist das nicht dein Problem oder Fehler, weil du gefehlt hast! Die Inhaber des Unternehmens haben dann einfach ihre Personaldecke zu dünn gestrickt, Lücken zu lang nicht nachbesetzt oder das Wissensmanagement im Unternehmen so mies behandelt, dass nichts mehr geht. Sprich, sie haben ihren Job nicht gut gemacht. Und das musst du in Form des schlechten Gewissens doch definitiv nicht ausbaden, oder? Immerhin bekommst du doch auch nur dein Gehalt und keinen immer höheren Anteil am Gewinn, je besser es läuft, im Gegensatz zu ihnen ;).

Wir hatten mit meinem Bruder (Krebs) auch einen Schicksalsschlag in der Familie. Ich kenne also von daher ein Ohnmachtsgefühl in so einer Situation. Bei mir kam dann ein Burn out ein paar Monate nach seinem Tod, vorher funktioniert man noch bis man an einen Punkt kommt.

Einerseits hatte ich mit Arbeit eine Ablenkung, andererseits habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nicht gut ist alles runterzuschlucken. Wir haben ihn zuhause gepflegt, von daher kommte ich zuletzt zeit mit ihm verbringen. Einerseits war es für mich und meine Eltern schlimm, andererseits hätten wir das nicht anders machen wollen.

Was deine Unersetzbarkeit in deiner Firma betrifft seh ich das so: Richtig ist, es gibt oft keinen, der die eigene Arbeit genauso gut bzw. perfekt erledigt wie man selbst. Wenn also jemand anderer die eigene Arbeit erledigt, dann wird die zwar erledigt, aber man hat selbst keine oder nur begrenzt Kontrolle. Ist man sich dessen bewusst, kann man dan für sich entscheiden, wie man die eigenen Prioritäten setzt.

Ich würde dir zu einem Kompromiss raten: Gehe weiter in deine Arbeit, damit du für ein paar Stunden geistige Ablenkung bekommst. Für mich hat sich das angehört, dass du in letzter Zeit mehr gearbeitet hast. Falls du dadurch eine Art Gleitzeit bei dir aufgebaut hat (falls das so bei dir organisiert ist) würde ich in die Arbeit gehen aber nicht ganz die volle übliche Zeit, sondern immer etwas weniger und du damit wieder Zeit abbaust. Dann kannst du die wichtigsten Sachen in deiner Arbeit übernehmen, und die weniger wichtigen Sachen teilst du dann unter deinen Kollegen auf. Dann haben deine Kollegen noch eine Mehrbelastung aber weniger, als wenn du ganz fehlen würdest. Kläre das doch mit deinem Vorgesetzten ab, damit ihr up to date seid dabei.

Guten Abend Liebes,

Heutzutage kann man froh sein, eine gute Arbeit zu haben. Und ich finde Deine Einstellung keineswegs unmoralisch!

Sehen wir es doch mal realistisch: Wenn Deine Liebe Mama erlöst ist, gibt es keinen Grund mehr, ihr zu helfen, bzw. für sie dazu sein, da sie es geschafft hat den schlimmen Weg zu gehen und hinter sich zu bringen.

Ob Du dich dann mit Deiner Arbeit ablenkst oder auf diese Art oder eine andere Art trauerst, ist ganz allein Deine Sache und wenn Dir deswegen jemand einen Vorwurf macht, ist er einfach nur doof.

Ich habe großen Respekt vor Deiner Arbeitseinstellung , denn viele lassen sich schon wegen nem Tröpfchen aus der Nase, krankschreiben!

Liebe Grüße Susan

Hallo Sina,

tut mir leid, dass es Deiner Mutter so schlecht geht.

Man kann sich auf alles vorbereiten, sogar planen und so gut es geht organisieren.

Aber wenn der Tag eintritt, und man denkt, man hätte sich auf das Sterben vorbereitet, kann plötzlich alles anders sein.

Die Endlichkeit, der Abschied, die Trauer kann einen Menschen umhauen und dann ist man wider erwarten gar nicht mehr in der Lage zur Arbeit zu gehen, so sehr man es auch geplant hatte.

Du hast mit Deinem Chef gesprochen, das ist schon mal gut, lass es auf Dich zukommen, entscheide danach, wie Du Dich fühlst.

Ich wünsche Dir und Deiner Mutter alles Gute.

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