"Altes" Raufutter für Rinder?

3 Antworten

Das ist das sog "Grummet" regional auch Gruamat genannt und bezeichnet den zweiten oder späteren Schnitt des Heus.

Grummet ist für die Kuh eigentlich besser, da der Magen/Pansen mit den kurzen Halmen besser angeregt wird, er pikst sozusagen die Mägen wach. Ebenso auch für Pferde, aber auch nur dann, wenn das sauber gemäht, gewendet und sorgsam gepresst wurde.

Qualitatives Grummet ist unwesentlich anders, als Heu, lediglich kürzer. Wenn es staubt, braun und so schwer ist, kann das mehrere Gründe haben:

  • Das Grummet wurde zu oft angeregnet und es hat sich mit Wasser vollgesogen
  • Es ist durch die Nässe schimmelig geworden
  • Es war eigentlich als Siloballen verpackt, wurde dann ausgepackt, ausgebreitet und begann dann erst recht zu silieren (Sparversion und Uralttrick, um alte/kaputt gerissene Siloballen wieder halbwegs brauchbar zu machen, nicht zu empfehlen!!!)
  • Das Grummet ist möglicher Weise länger, als zwei Jahre gelagert (das erklärt oftmals den abnormen Heustaub)
  • Es wurde zu nass gepresst und hat im Inneren zu silieren begonnen. Evtl hatte der Bauer noch Glück, dass es sich nicht selbstentzündet hat.


Egal, was der Grund ist, so einen Dreck verfüttert man nicht an Tiere. Schon gar nicht an Nutztiere, deren Produkte auch noch in den Handel kommen.

Wer gerade bei Milchkühen so etwas füttert, mindert zwangsläufig die Fruchtbarkeit/Aufnahmefähigkeit der Tiere, mindert die Milchleistung um bis zu 33% (was bei einer Standart-Hochleistungsmilchkuh pro Jahr und 10.000kg Milch nun doch ganze 3.300kg Verlust birgt) und riskiert noch höhere Ausfälle, da diese Tiere gerne mal Pansenaszidose, subklininische Ketose, Klauenerkrankungen bekommen und unter Körperfettabbau leiden, was sich wiederum auf die gesamte Gesundheit der Tiere niederschlägt. Was dauerhafte Schimmelbelastung im Organismus anrichtet, denke ich weiß jeder...

Diese Rechnung kann man weiter führen, jeder Landwirt kennt das Problem und würde sich hüten, derartigen Müll in´s Rind oder in ein anderes Tier zu stopfen.

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So alte Bauern sind ein Schlag für sich, sind eigen, stur und wissen natürlich auch alles am Besten, weil die "Jungen" halt gar nix wissen können, weil ja früher alles so viel besser war, sogar die Zukunft ;-) Bloß, dass die Agrarwissenschaft und die ganze Technik drum herum auch anders geworden ist, als von vor neunzehnhundertfeuerzeug ist halt an denen auch komplett vorbei gezogen. Da steht halt dann noch der Schlepper, den womöglich der Vater damals neu gekauft hat, irgend wo zwischen den Brennnesseln findet man noch einen verrosteten 3-Scharrer Pflug und das Prachtstück solcher "Höfe" ist evtl noch ein alter Columbus-Parzellendrescher mit original Ommas Sonnenschirm drauf.... Das hat leider nur einen nostalgischen Nachgeschmack, mit moderner, effizienter und dynamischer Landwirtschaft hat das halt gar nix zu tun.

Ob da allerdings drauf ansprechen was bringt, hm, ich bezweifle es ehrlich gesagt. Schade ist´s wirklich nur um die Tiere, die wie immer die Leidtragenden sind.


danke für die Antwort🙈 Es ist genauso wie du schreibst im Thema alte Bauern :) Momentan sind wir dabei soweit es irgendwie möglich ist (und sie es zulassen) ihre Pferde zu vermitteln und dafür zu sorgen dass ihre Stuten nicht mehr gedeckt werden. Mit den Rindern grübeln wir aktuell noch wie und ob wir ihnen helfen können 😊

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@Lunimaus01

Kleiner Tipp am Rande: Vorsichtig rantasten und die Herren nicht überfallen. Das muss behutsam angefasst werden, ja wenn nicht sogar nach dem Motto: Mensch, ihr habt so viel gearbeitet in eurem Leben, jetzt is mal gut langsam... Bloß nicht: Ja ihr zwei alten Tattergreise, habt ja gar nix mehr im Griff, wird Zeit dass ihr übergebt... Dann ist nämlich gleich Schluss und zwar komplett für immer.

Pferde vermitteln geht etwas einfacher.

Rinder hingegen, da müsst ihr euch an einen Händler wenden, der die Tiere für einen fairen Preis kauft und an einen guten Milchbetrieb verkauft.

Adressen hierzu findest du zum Beispiel im Landwirtschaftlichen Wochenblatt hier (gibt´s auch 1x die Woche im Zeitschriftenhandel):

https://www.agrarheute.com/wochenblatt/maerkte

Ansonsten kann man auch mal beim ortsansässigen Metzger fragen (ja klingt voll blöd, aber die wissen das eben), wer Tiere kauft und verkauft bzw. wer damit handelt.

Oder gibt´s noch andere Milchbetriebe bei euch? Die kennen auch die ansässigen Viehvermarkter normal. Einfach mal nachfragen, da frisst euch keiner. Evtl. bekommt man da einen persönlichen Tipp, dass sich ein Händler schon Jahre bewährt oder so.

Schön, dass ihr euch der Sache annehmt und und nicht einfach weg seht, das muss ich auch mal sagen ;-)


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sie haben es "grummet" genannt.

aber nach deiner beschreibung ist das kein grummet. grummet wird der zweite und auch noch der dritte heuschnitt genannt. das heu ist kurzhalmiger und nährstoffärmer als das heu vom ersten schnitt. die farbe ist auch nicht so schön.

das was der bauer da an die rinder verfüttert hat, würde ich "geizheu" nennen. da wurde das mähwerk falsch eingestellt und der bauer hat beim mähen viel zu dicht über dem boden gearbeitet und maulwurfshaufen und unebene stellen "rasiert". nur so kommt soviel dreck ins heu. und obendrein wird am mahttag der boden tief gewesen sein.

dieser bauer verfüttert an sein vieh müll. denn was anderes ist es nicht. das ist kein rauhfutter für rinder, sondern eigentlich der letzte dreck, der in die entsorgung gehört. allenfalls könnte man damit noch mal einen matschigen weg abstreuen.

denn auch rinder sollen erstklassiges futter fressen. auch in deren magen gehört kein futter, das mehr erde als heu ist. ein landwirt, der aus geiz die gesundheit seiner tiere gefährdet - das geht gar nicht.

"zu staubig" lässt mich stutzen... heu sollte möglichst gar nicht stauben,  aufschütteln muss man es trotzdem, um es aufzulockern. von nicht aufgeschütteltem heu können pferde eine schlundverstopfung bekommen.

und es ist natürlich so: je staubiger das heu, desto mehr wiegt es. weil die erde ja mitgewogen wird.

heu muss grünlich aussehen und duften. es gibt pferde, die sehr empfindlich sind - die sollen heu bekommen, das mindestens ein jahr gelagert hat. auch das soll immer noch grünlich sein und wenigstens ein bisschen duften. die alternative wäre heu, das erst in der zweiten julihälfte geschnitten wurde.

das was der bauer grummet genannt hat, war jedenfalls müll.

Danke für deine Antwort :) Das das Müll ist war mir klar. Hätte ich vielleicht dazu schreiben sollen. Die zwei sind leider in dem Thema total sturköpfig. Sie sind eben der Meinung, dass Pferde zum einen mehr Wert sind und dass es den Rindern ja nicht schaden kann, weil sie es ja schon Jahre lang bekommen. Bis jetzt haben wir die zwei leider noch nicht zum Umdenken bekommen und wenn ich ehrlich bin bezweifle ich auch das wir das jemals schaffen bevor die zwei ins Gras beißen

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https://de.wikipedia.org/wiki/Heu#Zweiter_Schnitt:_Grummet.2C_Emde.2C_Ettgr.C3.B6n

Grummet ist normal nicht staubig. Dass man es nicht an Pferde verfüttern soll, hat andere Gründe. Es enthält mehr Eiweiß und weniger Rohfaser als Heu, was von vielen Pferden schlecht vertragen wird. Aus dem Grund soll man es nicht, oder nur gemischt mit Heu und Stroh füttern.

Das stimmt so nicht, weil es ist ja nur die Bezeichnung für den zweiten Schnitt. Es wurde aber durch unzählige Studien und Heuanalysen von den Ernährungsinstituten der veterinärmedizinischen Unis nachgewiesen, dass man im zweiten Schnitt exakt dieselbe oder sogar noch besser für Pferde geeignete Heuqualität haben kann wie im ersten derselben Wiese. Hängt halt alles vom Wetter ab, wie man die Schnittzeitpunkte ideal wählen kann.

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