Alte Kirchen abreißen?

9 Antworten

Ich kann mir zwar vorstellen, dass man Kirchen von 1850 oder 1900 (so ungefähr) abreißt, aber bei einer wirklich mittelalterlichen Kirche kann ich mir das nicht vorstellen. Hast du einen konkreten Link dazu?

Solche Kirchen stehen unter Denkmalschutz, da ist es schon rechtlich gesehen gar nicht möglich. Ich war mal auf Gotland (Insel, welche zu Schweden gehört), dort stehen noch sehr viele kleine mittelalterliche Kirchen, und diese werden auch erhalten.

Es gibt auch Ruinen - aber auch die bleiben dann einfach stehen. Auch dann, wenn sie nicht mehr genutzt werden. Selbst mitten in Städten können Ruinenkirchen stehen (etwa in Visby), dort gehört dies zum Stadtbild. Nur eine Kirche in Visby, welche heute vom Platzangebot ausreicht (domkyrkan), wird noch aktiv genutzt. Eine Ruinenkirche wird als Café genutzt, dann sitzt man im Freien, zwischen den alten Kirchenmauern.

Normalerweise sind mittelalterliche Kirchen auch nicht groß (mit wenigen Ausnahmen), damals gab es ja auch deutlich weniger Menschen als heute.

Mein Link dazu sind Freunde im ländlichen Sachsen-Anhalt, die diese Diskussion dort vor einigen Jahren erlebt haben. Ich fand daran die Tatsache so seltsam, dass Atheisten eine Kirche erhalten wollten, die die Christen vor Ort aufgeben und durch ein händelbareres Bauwerk ersetzen wollten. Das wollte ich hier teilen. Ich bin nicht sicher, ob jede mittelalterliche Kirche grundsätzlich unter Denkmalschutz steht....Muss sie nicht einen besonderen kunsthistorischen Wert haben?

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Salue

Dieses Problem ergibt sich auch bei uns in der Schweiz immer häufiger.

Unsere regionalen Kirchgemeinden hatten zusammen noch rund 500 Mitglieder, aber vier Kirchen. Man hat die Kirchgemeinden zusammengelegt und damit eine der Kirchen, eine sehr grosse Stadtkirche, mit grossen Aufwand komplett saniert.

Eine der kleineren Kirchen lag beim Dorffriedhof und ist denkmalgeschützt. Sie wird von der Gemeinde übernommen und weiterhin für Abdankungen und öffentliche Konzerte oder Veranstaltungen genutzt.

Eine kann an Orthodoxe Christen weitergeben werden, deren Mitgliederzahl steigt wegen der Einwanderung.

Die letzte aber ist starkt baufällig und hat auch keine denkmalerischen Auflagen. Sie wird abgerissen.

Es ist nicht ganz einfach, eine Kirche abzugeben, die einem von klein auf eine gewisse Bedeutung gehabt hat (Taufe, Firmung etc.). Aber die Welt dreht sich weiter, die Gemeinschaft und der Erhalt der Kirchgemeinde ist wichtiger.

Tellensohn

Sofern ich dies richtig sehe, ist das Risiko, daß romanische oder gotische (nicht neugotische) Kirchen abgerissen werden, gering, nachdem diese allesamt unter Denkmalschutz stehen; auch ist es immer wieder erstaunlich - wie oben angesprochen -, daß auch und gerade Atheisten an diesen alten Kirchenbauten hängen und bereit sind, sich diesbezüglich zu engagieren.
Dagegen ist damit zu rechnen, daß ein Großteil der in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts errichteten Stahlbetonkonstruktionen verschwinden wird, nachdem für diese Bauten in den seltensten Fällen der Denkmalschutz ausgesprochen worden ist.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Dagegen ist damit zu rechnen, daß ein Großteil der in den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts errichteten Stahlbetonkonstruktionen verschwinden wird, nachdem für diese Bauten in den seltensten Fällen der Denkmalschutz ausgesprochen worden ist.

Ich finde viele dieser Bauwerke auch nicht schön. Aber wie werden künftige Generationen darüber urteilen? Sind es nicht auch steinerne Zeugen einer Zeit? So dankbar ich für den Rückbau mancher Fünfziger bis Siebzigerjahre-Bausünden bin, die ich wirklich als brutalistische Eingriffe in Stadtlandschaften sehe, so sehr finde ich, dass ein bisschen der Nachrkriegs-Architektur auch erhalten sollte. Ich glaube, man kann und sollte nicht ganze Architektur-Epochen entsorgen.

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In den neuen Bundesländern gibt es mitunter sehr rechtsgerichtetes Gedankengut. Ich habe mich mit vielen dort unterhalten und sie sehen das Christentum als gute "Waffe" bzw. besseres Übel als Muslime. Es wäre eine Katastrophe, wenn am Ende dort dann eine Moschee aufgebaut werden würde.

Auch gibt es viele alte Leute, die durchaus die Kirche als Tradition sehen.

Meiner Meinung nach, sollte man viele zumindest einer neuen Benutzung zukommen lassen oder notfalls auch abreisen. Das Geld kann man wahrlich für bessere Dinge einsetzen. Glaube sollte nicht an materiellen Dingen gebunden sein.

Ich habe mich mit vielen dort unterhalten und sie sehen das Christentum als gute "Waffe" bzw. besseres Übel als Muslime.

Diesen Aspekt, den du da nennst, finde ich sehr interessant. Es gibt da sogar Atheisten, die das Christentum als Bollwerk gegen den Islam erhalten wollen. Völlig absurd, wenn man bedenkt, dass es dem Wesen des Christentums völlig fremd ist, als Bollwerk benutzt zu werden.

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@filmfan69

jap, gibt es auch hier im Westen viele Atheisten (Arbeitskollegen) die das Christentum als Bollwerk gegen den Islam sehen. Ich finde das auch absurd, weil ich das recht Scheinheilig dem Atheismus und Christentum gegenüber finde.

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Die alternative zum abriss wäre, sie verfallen zu lassen, wenn das Geld nicht da ist.

Es gibt viele scheußliche jüngere Kirchen, trotzdem haben viel Denkmalschutz. Ich wäre eher für Abriss auch ohne Neubau, wenn die Kirche nicht mehr gebraucht wird, weil sie nur Heiligabend voll ist.

Kirche ist im wesentlichen Gemeinde und kein Haus.

Kirche ist im wesentlichen Gemeinde und kein Haus.

Darin stimme ich dir zu.

Ich wäre eher für Abriss auch ohne Neubau

ohne Neubau? Wo soll sich die Gemeinde treffen?

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@filmfan69

Also wir haben drei Kirchen und in einigen Landgemeinden sind es auch mal 15 in einer Gemeinde...

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@Quaeror

Ok, ich verstehe dich so, dass Leute aus einem Dorf in die Kirche des Nachbardorfs kommen sollen. Fänd ich sehr sinnvoll, wenn sie dazu bereit sind!

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