Altdeutsche Schrift / Sütterlin entziffern?

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3 Antworten

Es ist schwierig,allem Sinn zu geben, insbesondere wegen der Deutschfehler und fehlender Punkte und/oder Kommata...aber einigen bisherigen Deutungen widerspreche ich.

1.

Dein Bruder in Molidorf und alle kleine und alte was mit uns wird wissen wir nicht wir führen noch immer Vieh (!!, nicht Krieg)

2.

Vater ist noch am glücklichsten in unseren Dörfern sein lauter (nicht Bruder) neie (sicher neue gemeint) Sausfern (ein regionaler Begriff? Auf keinen Fall Landfahren, denn die Buchstaben S, a und u sind deutlich, auch das runde s. Also die erste Hälfte des Wortes ist Saus). Liebes Kind, die Briefe fon M. Adam habe ich zu lesen bekommen

3.

was noch mein Trost ist bei uns ist schon Winteranfang es gefriert schon das man auf dem Sotar (Name des Hofes?) nicht mehr viel machen kann.

4.

sein Weib ist wieder Zuhaus ist er noch bei Dir grüßet ihren Mann

5.

Jetz schließe ich mein Schreibe mit vielen grüßen von Deiner verlassenen Mutter

Größtenteils stimme ich mit deiner Deutung überein, aber an das "führen" bei 1) glaube ich nicht, denn dem vermeintlichen "h" fehlt die Unterlänge, und "e" und "r" lese ich andersherum. Der erste Buchstabe könnte "f" oder "h" sein, also kommt m.E. "fütern" (als Falschschreibung von "füttern") oder "hütern" (gemeint "hüten"?) in Frage.

Bei 2) halte ich "Sausfern" für sicher falsch, denn der Verfasser schreibt das "S" ganz klassisch wie bei 5) in "Schreibe". Ich bin mir relativ sicher, dass es "Haushern" (als Falschschreibung von "Hausherrn") heißt. Würde auch inhaltlich Sinn machen.

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@Gummipunkt

Ja, da würde ich mitgehen! Auf das große S in 5 hatte ich gar nicht geachtet, aber völlig richtig!

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Danke an alle für die tolle Unterstützung! 

Für Interessierte hier der ganze Text des Briefes (Namen mit X gekürzt) mit der Übersetzung, wie ich sie jetzt für richtig halte: 

Soltur 28.11. (ohne Angabe der Jahreszahl, vermutlich jedoch 1945)
Liebes Kind. Im Anfange meines Schreibens teile ich dir mit, dass ich noch gesund bin, was ich von dir auch hoffe und von Herzen wünsche. 
Liebes Kind, mit schwerem Herzen teile ich dir mit, dass ich jetzt ganz verlassen bin. Jetzt ist dein Bruder in Molidorf und alle Kleinen und Alte. Was mit uns wird, wissen wir nicht, wir führen noch immer Vieh. 
Liebes Kind, jetzt kannst dir denken, wie schwer das ist für deinen kleinen Bruder und mich. 
Schreibe mal von dir. Familie X in Molidorf - sie sollen ihm ein Trost sein. 
Liebes Kind, halte nur du dich gut und gebe acht auf dich. 
Vielleicht wird der liebe Gott uns doch noch einmal zusammen lassen. Dein armer Vater ist noch am glücklichsten. In unseren Dörfern sind lauter neue Hausherrn. 
Liebes Kind, die Briefe von M. Adam habe ich zu lesen bekommen und habe erfahren, dass du noch gesund bist und es dir gut geht, was noch mein Trost ist. 
Bei uns ist schon Winteranfang, es gefriert schon, dass man auf dem Hotar nicht mehr viel machen kann. 
Jetzt schließe ich mein Schreiben mit vielen Grüßen von deiner verlassenen Mutter. Bis wir uns wiedersehen. X Stefan sein Weib ist wieder zuhaus. Ist er noch bei dir? Grüßet ihren Mann. 

@catweazle01: Es gab wohl eine Verwechslung von S mit H. Statt Sotar heißt es wohl Hotar (habe soeben in den Kommentaren gelesen, dass das auch bereits entziffert wurde, sehr gut!) und statt Sausfern Hausherrn mit einem r geschrieben. Meine Mutter hat sich noch daran erinnert, dass ihre Mutter oft vom Hotar gesprochen hat (donauschwäbisch: Land bzw. Acker, vgl http://www.knees-im-banat.de/programme/Sprache/Sprache_Datenfeld.html). Das Wort Hausherrn macht historisch betrachtet am ehesten Sinn, weil die Donauschwaben nach Einmarsch der russichen Truppen und Partisanen ihre Häuser verlassen mussten und Leute aus den Balkanländern darin einquartiert wurden.

Danke für den Zusammenhang!

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ohne Gewähr ;) 1. alle kleine oder kleiner, uns alle, wir führen noch immer Krieg-
2    sein Bruder muss Landfahren?      W. Adam 3 was noch mein xxxx ist. Das man auf dem Sofa? nicht mehr viel machen xxxx. 4.ist er noch bei dir grüßet ihren Mann 5. deiner verlassenen Mutter.

 

 

Was ich entziffern kann, sehe ich auch so, ist schwierig. Bei 1. lese ich nicht alle, sondern alten, also: "und alle kleinen und alten"

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Danke, das war sehr hilfreich! 

Zu 1: hier macht "alle kleinen und alten" Sinn

Zu 2. "sein Bruder muss Landfahren" könnte passen. Der Begriff Landfahren war mir nicht bekannt. Ich habe aber nachgelesen, dass es quasi für Bettelei stand, das würde dann auch Sinn ergeben. Der Brief ist in 1945 im Banat geschrieben worden. "W. Adam" könnte auch passen, vermutlich ist es "M. Adam". Ich habe etwas recherchiert und herausgefunden, dass mehrere "M. Adam" damals Nachbarn von guten Bekannten der Briefautorin waren. Von daher wird auch das wohl richtig sein.

Zu 3: heißt vermutlich "was noch mein Trost ist"  Das Wort Sofa passt wohl nicht rein. Den ganzen Text würde ich jetzt so übersetzen: "Bei uns ist schon Winteranfang, es gefriert schon, dass man auf dem ??? nicht mehr viel machen kann." Eventuell hat das fehlende Wort irgendetwas mit Landwirtschaft zu tun, weil die Briefautorin Landwirtin war. Aber ist nicht so wichtig. 

Zu 4 und 5: beide Übersetzungen ergeben Sinn.

Vielen Dank nochmal! 

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@navidad313

Hallo, an zwei Stellen würde ich den oben genannten Vorschlägen widersprechen wollen:

bei 1) lese ich als letzten Satz: "mier fütern noch imer Vieh."

bei 2) lese ich: "in unßeren Dörfern ßein lauter neue Haushern."

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@Gummipunkt

Klar, Du hast Recht, "Vieh" heißt das! Wenn man es weiß, kann man es auch lesen... ;-)

Bei 3: Könnte es heißen: "auf dem Acker"?

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@ariane67

Nein, "Acker" heißt das nicht, da bin ich mir sehr sicher. Nach weiteren Vergleichen mit anderen Wörtern in den Textausschnitten tendiere ich zu der Meinung, dass das Wort "Hotar" lautet. Im Rumänischen gibt es dieses Wort, heißt wohl so etwas wie "Grenze" oder "Gemarkung".

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