Als Realschülerin Stipendium für Schloss Salem

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3 Antworten

Hallo, ich bin zwar (glücklicherweise) kein Salem-Schüler, kenne mich aber in der deutschen Internatslandschaft recht gut aus. Deshalb meine Frage: Warum um alles in der Welt willst Du Dir den ... aufreißen, nur um mit aller Gewalt nach Salem zu kommen?

Dass die Schule Schloss Salem etwas Besonderes sei, behaupten nur die Salemer selbst. Menschen mit nüchternem Verstand, die vergleichen können, wissen: Salem ist nix Besonderes, aber besonders groß (= pädagogisch ungünstig!), besonders teuer (= verfassungswidrige Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern) und besonders oft in den negativen Schlagzeilen (siehe http://mobil.mainpost.de/regional/art21526,5520326).

In allen diesen so genannten Elite-Internaten gibt es "die Coolen" und "die Anderen". Als Stipendiatin gehörst Du von vornherein zu den "Anderen". Und Du wirst Dich gegenüber den coolen Reichen immer benachteiligt fühlen ("Aschenputtel-Syndrom"!), egal wie freundlich die tun und wie "großzügig" die darüber hinwegsehen, dass Dir der richtige "Background" fehlt.

Ein Salem-Aufenthalt bringt Dir als Stipendiatin überhaupt nichts. Falls Du Dir einbilden solltest, Du könntest über ein Salemer Abitur "sozial aufsteigen" - vergiss es. Stipendiaten haben an solchen Schulen nur die Funktion, von der verfassungswidrigen Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern abzulenken, leerstehende Plätze zu füllen und das ansonsten kümmerliche Leistungsniveau zu heben. Diese Aussage habe ich z.B. bei "schulradar" gefunden:

"Daran [an der sozialen Exklusivität, Anm. d. Verf.] ändern auch die paar Alibi-Stipendiaten nichts, die vielleicht wenig Geld haben aber nach ihren bisherigen Noten ausgewählt werden und sich dann allerdings oft über das erbärmliche intellektuelle Niveau speziell in der Mittelstufe wundern. Diese nicht "auf Salemer Mist gewachsenen", in der 10. oder 11. Klasse meist von einer öffentlichen Schule nach Salem gekommenen Schüler heben dann die Abischnitte noch zusätzlich."

Internate wie Salem braucht kein Mensch. Sie sind gesamtgesellschaftlich nicht nur unnütz, sondern sogar gefährlich, weil sie die Werte einer demokratischen Leistungsgesellschaft unterminieren. So schrieb die Neue Zürcher Zeitung:

"Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist, dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. [...] Das Problem der Eliteschule ist, dass sie von einem Persönlichkeitsprofil ausgeht, das erst noch bewiesen werden muss. Wer nämlich Ausserordentliches leisten wird, kann nicht vorausgesagt werden. Überdurchschnittliche Leistungen hängen von vielen Faktoren ab, selbst brillante Schulkarrieren sind kein Garant für Elitetauglichkeit. Schulerfolg ist eine Anpassungsleistung in einem abgesonderten sozialen Umfeld. Erfolgreich sind jene Schüler, die auf Forderungen und unausgesprochene Erwartungen der Lehrpersonen eingehen können. [...] Eliten müssen sich auch in einem unübersichtlichen, chaotischen Umfeld profilieren. Solche Herausforderungen können in einer schulischen Situation nicht nachgestellt und entsprechende Fähigkeiten können vorher nicht erfasst werden. Für Menschen, die bereits als Kind in ein elitäres Milieu sozialisiert wurden, hat Bildung zudem eine andere Bedeutung. Sie ist kein Mittel des sozialen Aufstiegs, sondern höchstens eine Bestätigung des eigenen exklusiven Status. Durchschnittliche Fähigkeiten genügen, um im eigenen Stand zu bleiben. [...] Zur Elite sollte gehören, wer sich dazu eignet. Eliteschulen aber drohen diesen Gedanken zu pervertieren, da sie sich den Ausschlussmechanismen elitärer Kreise anschliessen. Sie geben der Elite einen Vorwand, nur jene zuzulassen, die genehm sind. [...] Studiert man die Biografien von Menschen, die sich wirklich durch spezielle Begabungen und Fähigkeiten auszeichnen, dann haben sie oft nicht eine Eliteschule besucht. Vielmehr handelt es sich um Persönlichkeiten, die ein antagonistisches Verhältnis zu etablierten Werten haben. Nicht die Anpassung steht im Vordergrund, sondern die Suche nach Alternativen. Viele mussten sich gegen Widerstände durchsetzen und entwickelten ihre Fähigkeiten in Auseinandersetzung mit widrigen Umständen. Sie gingen nicht vom Selbstverständnis einer Elite aus, sondern profilierten sich dank dem Kampf gegen Vorurteile und Irrtümer. Ein elitäres Selbstverständnis hätte sie womöglich behindert. Die Unabhängigkeit der Schule von den Ansprüchen einzelner Schichten ist eine der grossen Errungenschaften demokratischer Gesellschaften. In Schulen sollte sich kein heimlicher sozialer Filter etablieren, sie sollten möglichst allen offen sein. Auf diese Weise erhöht sich die Chance der Durchmischung der Schichten und wird echte Begabungsförderung betrieben."

Salem kannst Du Dir und Deinen Eltern echt (er)sparen!

ich geh nicht in salem zur schule, bin aber auf einem anderen internat ausserhalb deutschlands. ich war mit meinen eltern mal in salem und habe mir das internat angeschaut, weil es auf unserer liste der schulen war, die ich evtl. besuchen würde. salem ist eine gute schule und hat auf mich auch von der infrastruktur her einen schönen eindruck gemacht - die leute sind nett, gebildet, und verhalten sich auch sehr anständig. deswegen kriegt salem,(wie alle anderen guten schulen) folglich auch sehr viele stipendiumsanfragen. ich habe von schulen gehört, die all ihre betten 5 mal (!) besetzen könnten, bei all den bewerbungen die sie haben - und das sind die zahlenden leute. stipendien werden nur sehr wenige vergeben, und das nur bei herausragenden leistungen. aber mit deinem bisherigen lebenslauf ist noch nicht alles verloren. viele schulen suchen leute, die einen interessanten lebenslauf haben - leute, die bereit sind, sich in kurzer zeit stark zu bessern, dieses niveau halten können und auch unter grossem druck noch hervorragend arbeiten können. allerdings müsstest du dich ja schon ungefähr ein jahr im voraus für das stipendium bewerben, bei manchen schulen auch schon zwei oder drei jahre im voraus. wenn du's versuchen willst und kannst, dann versuch's. wenn du abgelehnt wirst, bist du ja nicht tot. mein tipp für dich ist allerdings dass du jetzt sehr gute noten schreibst und dich sozial innerhalb und ausserhalb der schule (in den ferien, wichtig) engagierst. dann kannst du dich als helferin für sommerschulen und camps (vielleicht auch in salem) an verschiedenen orten bewerben, und so auch ohne dort ein stipendium zu haben vielleicht einmal an "deiner" schule sein.

meixing 24.08.2012, 16:47

ja also, ich hab jetzt vor zuerst dieses Jahr in der Realschule zumachen und dann die zehnte klasse in den Gymnasium (auch mit hervorragenden Noten) Ich glaube dann wäre meine Chance besser ''nicht abgelehnt zu werden''

und wie siehst du das? also ob das eine gute Idee ist ^^

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sohelftmirdoch2 24.08.2012, 23:46
@meixing

ich kenn mich mit dem deutschen schulsystem nicht so gut aus - ich hätte in salem sowieso das IB gemacht. es bringt dir international mehr, es sei denn du machst abi + IB oder die bilinguale matura. mach einfach was du kannst..

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Das wird wohl nur ein Traum bleiben. Die wollen auch nicht nur ein Zeugnis von dir sehen, sondern deinen ganzen Werdegang.

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