Als Lehrerin und Mutter mit anderen Eltern per "Sie" bleiben?

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Hm, auf der anderen Seite: Was wäre schlimm, wenn du die Eltern beim Elternsprechtag duzen würdest? Du kannst auch Kinder von Vereinskollegen, ehemaligen Schulkameraden etc. bekommen. Normalerweise spricht man sich ja bei Elterngesprächen etc. sehr selten direkt an, sondern redet über das Kind. Da wäre es mMn egal, wie man sich anspricht. Du kannst in beiden Anredeformen professionell und sachlich mit den Eltern reden und du kannst in beiden Anredeformen Eltern vor dir haben, die nicht professionell und sachlich mit dir reden wollen. Das hat mMn wenig mit der Anredeform zu tun. 

Mache einfach das, was dir angenehm ist.

Über das Bestehen auf das Siezen grenzt du dich von den Kindergarteneltern ab, das kann arrogant rüberkommen und zu Vorurteilen führen. Außerdem bist du halt eher am Rand der Gruppe, wenn alle anderen sich duzen. Ich würde mir da einfach nicht so viele Sorgen machen. Ggf. mal in Lehrerforen fragen, wie andere dieses Problem handhaben.

Als ich Schülerin war, stand mal zur Debatte, dass eine Freundin meiner Eltern meine Lehrerin werden könnte. Meine Mutter hat mir damals nur gesagt, ich müsse sie im Unterricht mit Frau X ansprechen, statt mit ihrem Vornamen und du. Meines Wissens wurde das Thema unter den Erwachsenen aber nicht besprochen, also die Frau erklärte nicht, dass sie mich nicht unterrichten dürfe oder so. Und wenn es zu Elterngesprächen gekommen wäre, hätte da auch keiner ein Problem gesehen, da es ja um ein sachliches Gespräch über meine Schulsituation gegangen wäre, das nicht von der Freundschaft beeinflusst worden wäre. Weil sich Eltern und Lehrerin professionell und sachlich verhalten hätte. Die Lehrerin hätte mir nicht einfach so bessere Noten gegeben oder gebe können oder sich übermäßig für mich einsetzen können und meine Eltern hätten sie nicht schärfer im Auge gehabt als andere Eltern. Als einzigen Vorteil kann ich mir vorstellen, dass meine Eltern evtl. mal nach Lerntipps gefragt hätten, so nach dem Motto, wie kann sich unsere Tochter denn verbessern oder was ist in der letzten Arbeit schief gelaufen. Aber das sind auch Fragen, die man als Schüler dem Lehrer selbst hätte stellen können.

Das erinnert mich an eine Situation aus meiner Realschulzeit: Ich hatte einen Lehrer, der etwa so alt war wie mein Onkel & den mein Opa, bei dem ich aufwuchs, schon von klein auf als "den Hubert, den Spielkameraden seines Sohnes (und meines Onkels)" kannte, der mit meinem Onkel spielte und oft bei uns zuhause war.

Nur hatten sich die beiden aus den Augen verloren, weil "der Hubert" studierte, nach dem Studium fast 20 Jahre lang nicht hier wohnte, an einer Schule weit weg wirkte und erst dann wieder kam, als ich in der sechsten Klasse war -----> mein Opa ist am Elternsprechtag de facto "zum Hubert" gegangen & das Erste, was mein Opa, damals 77 oder 78 Jahre, gefragt hat war ob er noch "Hubert" sagen sollte oder nicht. Hubert hat herzlich gelacht & die beiden blieben wie gehabt beim Du, bis mein Opa vor einigen Jahren mit knapp 90 starb. 

Ich hatte, solange ich den Mann als Lehrer hatte nie einen Vorteil davon, dass er meinen Opa und meinen Onkel so gut und per Du kannte, weil wir es trennten & der Lehrer für mich nicht "der Hubert" war, sondern "der Herr ...", den ich als Lehrer respektierte. 

Am Spielplatz ist das aber eine andere Welt: Wenn man sowieso generell per Du ist, sähe es blöd aus, wenn man wie einer aus der "höheren Schicht" auf die Art "aber ich will per Sie sein" ankommt, kann es sein dass die anderen das ziemlich arrogant, elitär und unkooperativ finden & dich/euch meiden oder denken, du würdest dich als was Besseres ansehen ----> ich bin zwar generell auch ein Freund vom "Sie", aber unter einer solchen Freizeitrunde kann man m.E. auch ruhig per Du sein.

In den ersten paar Grundschulklassen (das war schon bei uns so, als wir 1997 eingeschult wurden) haben wir die Lehrer sowieso mit "du, Herr Müller/Mayer/Lehmann..." angesprochen, bis wir das Sie als Anrede verbindlich lernten & es erfordert war.

Ich sage immer: Man muss nicht mit jedem befreundet sein, aber das Du ist manchmal auch ganz angenehm -----> wenn es einem gelingt sich trotzdem nicht als Kumpel zu inszenieren sondern als Persönlichkeit mit Willen, dann spricht wie ich finde nix gegen das Du. 

Finde ich völlig unproblematisch. Ich habe mich auch erst daran gewöhnen müssen, dass Eltern einer Klasse/Kindergartengruppe sich fast automatisch duzen, störe mich aber nicht daran. Das zu entscheiden ist aber eine Sache.

Wenn die Kinder später bei mir in der Klasse sitzen (bin selber Lehrer), dann duze ich die Eltern natürlich immer noch. Alles andere wäre ja albern. Und erstens habe ich noch nie erlebt, dass jemand irgendwelche Vorteile für sein Kind draus schlagen wollte, zweitens bekommt auch niemand Vorteile für sein Kind von mir, nur weil er Du zu mir sagt.

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