Als Computer Sicherheitsexperte arbeiten ohne Studium?

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3 Antworten

Das wird nicht funktionieren.

Ich habe versucht, als Informatiker mit entsprechender Vertiefung auf diesem Gebiet, sehr guten Noten, aber leider "nur" mit Bachelorabschluss, in diesem Bereich unterzukommen.

--> Keine Chance!

Nun, wo ich mich im entsprechenden Masterstudium befinde, verstehe ich auch, weshalb das so ist.

Viele unterschätzen ein Studium gewaltig! Das Wissen, das Du Dir in den 10 Semestern (Bachelor + Master) aneignest, bekommst Du selbst in 30 Jahren "Praxis" und "bring ich mir alles selbst anhand von Literatur bei" nicht rein. Keine Chance! Vor allem, weil Du Dir nur das aneignen wirst, was Dich interessiert. Das ist aber nicht unbedingt das, was dann auch tatsächlich gefragt ist.

Und mit dem "Nachweis" der Qualifikation wird's eben auch schwierig. Der Personaler will ein Zeugnis sehen und nicht, dass Du ihm erzählst, dass Du "das total drauf hast". Verständlich! Schließlich kann das jeder behaupten!

Wenn Du nun sagst: "Na dann sollen sie mich doch testen!" - Dann gleich die Gegenfrage: "WAS sollen sie denn alles testen?" - Wenn sie wirklich alles abdecken wollten, müssten sie Dich durch einen Testparkour "durchschleifen", der sämtlichen Klausuren eines Informatikstudiums entspricht. Das wollen die erstens nicht ausarbeiten, daran willst Du zweitens nicht teilnehmen und drittens würde dort eh niemand durchkommen, der die formale Qualifikation nicht ohnehin nachweisen kann. (Und vermutlich würden es nicht einmal die, weil das Wissen inzwischen einfach nicht mehr "frisch" ist. Der Unterschied ist aber, dass diejenigen das bei Bedarf sehr schnell wieder "auffrischen" können.) Somit wäre ein solcher "Test" reichlich sinnlos.

Wenn Du in diesem Bereich arbeiten willst, musst Du Informatik mindestens bis zum Master studieren und die entsprechenden Veranstaltungen belegen, die Dich für diese Tätigkeit qualifizieren. Wenn Du Dich wirklich für diese Thematik interessierst, sollte Dir das auch Vergnügen bereiten und Dich nicht abschrecken. Wenn es Dich abschreckt, hast Du ja offenbar doch Bedenken, dass Du es nicht schaffen könntest und Dein Wissensstand ist offenbar doch nicht so "toll", wie Du ihn hier selbst eingeschätzt hast.

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TeeTier 12.12.2015, 17:33

Nur mal rein interessehalber: Was wären denn die Themen oder Fachgebiete, die dir keinen Spaß gemacht haben, und die du dir ohne den Druck des Studiums nicht hättest reinquälen können? Würde mich wirklich mal interessieren, was du dir persönlich darunter vorstellst. Danke schon mal im Voraus! :)

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NoHumanBeing 12.12.2015, 19:53
@TeeTier

Das meiste, was in Richtung "Theoretische Informatik" geht, habe ich "gehasst" und bereitet mir auch große Probleme. Also formale Sprachen, Beweistechniken, etc.

Und auch bestimmte Bereiche der Mathematik fand ich "problematisch". Lysis, Lineare Algebra, etc. fand ich interessant und braucht man auch überall. Numerik war so "teils teils" (kommt drauf an, wie man's macht - hatte eine total miese Numerikveranstaltung bei uns Informatikern gehört, von der auch kaum was hängen geblieben ist, und später dann eine richtig gute bei den Physikern). Aber "diskrete Mathematik" ist zum Beispiel wirklich grausam. Zahlentheorie war schon "schwierig", ging aber auch nicht wirklich tief. Oder "abstrakte Algebra". Wenn ich mit Gruppen/Ringen/Körpern/etc. hantieren muss, endliche Körper, Polynomringe, Funktionenräume. Damit habe ich heute noch Schwierigkeiten, allein schon mit den Begriffen, geschweige denn habe ich eine Vorstellung. (Was ist bitte ein "Ideal" oder ein "Homomorphismus"? Ich kann die Definition lesen, ok. Davon habe ich aber noch kein Verständnis für die Materie.) Das Problem ist aber auch, dass das bei uns nie vernünftig eingeführt wurde. Ich kann mir das "irgendwie nebenher anlesen", dann kennt man die Definitionen, aber man kann trotzdem "nichts damit machen".

Leider braucht man diese ganzen Formalismen irgendwann, wenn man tiefer in die Kryptographie einsteigen möchte und ohne Kryptographie wird's nunmal schwierig mit der Sicherheit. ;-)

Lineare und differentielle Kryptoa.nalyse ist beispielsweise auch nicht wirklich einfach zu verstehen und baut eben auch auf diesen Konzepten auf. Dort rechnet man dann eben auch nicht in dem vertrauten Körper der reellen Zahlen, sondern beispielsweise in irgendwelchen Polynomringen oder Galoisfeldern, in denen dann eben teils "andere Gesetze gelten". ;-)

Bei den "elliptischen Kurven", die ja derzeit so in Mode sind, ist es ja genau so. Die bilden eine Gruppe, deswegen kann man auf ihnen auf eine bestimmte Weise rechnen. Was man da tatsächlich macht ... uff ... schwierig.

Mit "formalem Softwareentwurf" und Datenbankentwurf hätte ich mich sicher auch nicht in der Tiefe auseinandergesetzt, wenn ich es nicht "gemusst hätte". Gut, das meiste davon habe ich inzwischen auch wieder vergessen ... oder sagen wir verdrängt. ;-)

Ich sage nicht, dass es unwichtig ist. Dafür habe ich schon viel zu viel schlechte Software gesehen. Aber man sollte eher Wert darauf legen, dass die Leute eine gute "Intuition" dafür entwickeln, anstatt es über Gebühr zu formalisieren. Ich sehe einen Entwickler auch immer als "Künstler" und Softwareentwicklung und -entwurf als einen gewissen "kreativen Prozess". Wenn man versucht, das zu stark zu formalisieren, entzieht man den Entwicklern ihre Arbeitsgrundlage.

DMBS-en hingegen sind einfach langsam. Wenn ich Daten irgendwo hinterlegen will, dann überlege ich mir eine Datenstruktur, die ich dann hoffentlich irgendwie serialisieren und in eine Datei legen kann, wenn ich sie persistieren muss. Vielleicht hinterlege ich eine XML-Struktur oder eine JSON-Struktur. Wozu eine Datenbank, ein separater Prozess, mit dem ich IPC betreiben muss, an den ich Statements in einer speziellen Abfragesprache muss, die er dann widerum lexen/scannen, parsen, ausführen und das Ergebnis irgendwie "serialisieren" und wieder per IPC zu mir "herüber klingeln" muss? In der Zeit habe ich das Zeug in einer Hashtable oder einem Binärbaum (oder welche Datenstruktur auch immer gerade geeignet ist) doch tausendmal gefunden. Datenbanken sind einfach so ein Ding, wo Leute sich denken: "Ich habe Daten, also brauche ich eine Datenbank." - Arrrrgh! Nein! Außerhalb des Webbereichs (server side scripting) brauchte ich so gut wie nie eine Datenbank. Aber quasi jeder Informatiker lernt Datenbankentwurf, mit Normalformen und allem drum und dran. Wozu?

Was mich hingegen immer sehr interessiert hat, war eben zum einen das Programmieren, was ich aber auch nicht "im Studium gelernt habe" (aber man war durch das Studium gezwungen, sich mit etwas "exotischeren" Sprachen auseinanderzusetzen, etwa mit Go oder R, anstatt bei den "üblichen Verdächtigen" C/C++/Java/C-Sharp/Python zu bleiben - das war nicht "schlimm" - neue Sprachen sind schnell gelernt, allerdings wäre ich ohne das Studium vermutlich auch nicht mit ihnen in Berührung gekommen, weil einfach kein Bedarf - geht ja eigentlich auch alles mit den "üblichen Verdächtigen" ;-) ), zum anderen eben die Anwendung, etwa GPU-Programmierung, wissenschaftliches Rechnen, dementsprechend eben auch haufenweise naturwissenschaftliche Veranstaltungen, etc. und auch Veranstaltungen über Netzwerktechnik und zwar sowohl die elektrotechnische Seite (Signalfortpflanzung in Leitern, Glasfasern, etc.), als auch die Protokollebene. Speziell im Bereich Sicherheit eben auch Pentesting, Forensik, solche Dinge. Kryptographie ist an sich auch ein sehr interessantes Thema, aber leider eben größtenteils auch viel zu stark formalisiert.

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NoHumanBeing 12.12.2015, 19:55
@NoHumanBeing

"Lysis" soll natürlich sisylanA (rückwärts) heißen. Der "Schimpfwortfilter" wird immer schlimmer. Jetzt reicht's nichtmal mehr, Sonderzeichen zwischen die Buchstaben zu setzen.

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NoHumanBeing 12.12.2015, 20:15
@NoHumanBeing

"Vaginalysis" dürfte ich übrigens schreiben, aber den korrekten Begriff eben nicht.

Leute das ist doch wohl ein schlechter Scherz! -.-

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Zu meiner Zeit ging das noch. Ich hatte Maschinen- und Kraftfahrzeugbau studiert. Informatik gab es damals noch nicht. Da wurde jeder genommen, der sich für die neue Technik interessiert hat und bereit war, sich in firmenspezifische Aufgaben einzuarbeiten. Bei sichtbarem Erfolg wurden einem auch einschlägige Lehrgänge spendiert. Im Vergleich mit Mitarbeitern mit höherwertigeren Abschlüssen wurde einem nichts geschenkt, man musste sich behaupten. Ich habe da z.B. ein eigenes Verfahren entwickelt um größere Änderungen problemlos durchzuziehen. Damit konnte ich z.B. Mitbewerber mit besseren Bildungsabschlüssen meistens ausstechen. Bei größeren Umstellungen war das wie auch heute noch oft so vorkommend, dass nach der Umstellung erst einmal nichts funktionierte. Hilfreich war für mich auch, dass ich vom Typ her ein Tüftler bin, der sich gerne was Neues ausdenkt. Damit war ich oft den Diplomierten und Doktoren überlegen, die zwar viel wussten, aber wenig kreativ waren. Damit konnte mich vielfach in den Vordergrund drängen. Heute bin ich im Ruhestand und betreibe noch nebenher erfolgreich ein Programmierbüro für komplexe Datenbankankwendungen. 

Prinzipiell scheint es mir so, dass diese Zeiten vorbei sind. Man orientiert sich weitgehend an Zeugnissen und Abschlüssen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass man jemanden, der für eine anstehende Aufgabe befähigt ist, nur mangels einer formellen Ausbildung nicht nimmt. Ein Betrieb verdient sein Geld schließlich mit der Befähigung seiner Mitarbeiter und nicht mit deren Zeugnissen.

Es ist allerdings schwierig in eine geeignete Laufbahn einzusteigen. Da wird man Zugeständnisse machen und einen Betrieb finden müssen, der unkonventionell geführt wird. Und man muss auch frühzeitig aussteigen können, wenn keine Aussicht auf ein Weiterkommen erkennbar ist.


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Allgemein Wissen aber ohne Studium ist nicht so wirklich möglich. Spätestens wenn du du wirkliches Fachwissen brauchst stehst du auf den Schlauch.

Es sei den du hast dir dein Fachwissen selbst beigebracht und bist so gut, wie du dich gerade ausgibst, dann kommt es drauf an ob dich eine Firma ohne Zeugnis etc. so aufnimmt

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