Alkohol in maßen im Islam erlaubt?

10 Antworten

Muhammad Asad, ein sowohl bei vielen Muslimen, als auch bei den allermeisten Nicht-Gläubigen Leuten geschätzter Islam-Kenner und Koran-Übersetzer, sah die Sache mit dem Alkohol nicht so verbissen.

Er trank sogar selbst ab und zu etwas Alkohol. So streng muss man also die Aussagen des Korans scheinbar nicht nehmen. 

https://www.welt.de/welt_print/kultur/literatur/article6035089/Ein-freundlicher-Islam-aus-der-Wueste.html

Die Meinungen darüber sind also wie bei vielen Fragen, welche die Dogmen des Islams betreffen, nicht immer eindeutig. Ich bin kein Muslim und glaube insgesamt nicht an die "Offenbarungen" des Korans, aber finde es teilweise ganz interessant.

Vor 50 Jahren hat ein Muslim auf meine diesbezügliche Frage geantwortet, Bier sei kein Alkohol, sondern ein flüssiges Nahrungsmittel 😆 War allerdings in Bayern. Ausserdem sei Bier im Koran nicht verboten. Das war in den arabischen Ländern vor 1400 Jahren einfach unbekannt.

Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine mal gelesen zu haben, dass ursprünglich der Alkoholgenuss im eigenen Haus erlaubt war. Nur außerhalb in Kneipen war es verboten. Weil die Männer sonst das ganze Geld versoffen und sich geprügelt hätten. Waren halt vor 1400 Jahren etwas rauhe Sitten.  

Ob und wieviel Alkohol verboten ist oder auch nicht, ist wahrscheinlich wie all diese Ver- und Gebote Auslegungssache. Die Auslegung der heiligen Schriften der unterschiedlichen Religionen ist aber Sache von alten, senilen, weltfremden und frauenfeindlichen Männern. Und solange man den Gläubigen bei Zuwiderhandlungen selbst gegen die unsinnigen Vorschriften mit der Hölle, dem Fegefeuer oder der ewigen Verdammnis drohen kann,  so lange behält man auch die Macht über sie. Ist wie in einer Diktatur: Die "oben" lassen es sich gut gehen, die "unten" haben zu gehorchen.

„Und (wir geben euch) von den Früchten der Palmen und Weinstöcke (zu
trinken), woraus ihr euch einen Rauschtrank macht, und (außerdem)
schönen Unterhalt. Darin liegt ein Zeichen für Leute, die Verstand
haben.“
Quran (16:67)

„Ihr Gläubigen! Kommt nicht betrunken zum Gebet, ohne vorher (wieder zu euch gekommen zu sein und) zu wissen, was ihr sagt!“ Quran (4:43)


„Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind (ein wahrer) Greuel und Teufelswerk. Meidet es! Vielleicht wird es euch (dann) wohl ergehen.“ Quran (5:90)

"Man fragt dich nach dem Wein und dem Losspiel. Sag: In ihnen liegt eine
schwere Sünde. Und dabei sind sie für die Menschen (auch manchmal) von
Nutzen. Die Sünde, die in ihnen liegt, ist aber größer als ihr Nutzen. Und man fragt dich, was man spenden soll. Sag: Den Überschuss (von dem, was ihr besitzt)! So macht Gott euch die Verse klar. Vielleicht würdet ihr nachdenken.“
Quran (2:219)

Wie man hier deutlich sehen kann, finden sich im Quran vier völlig unterschiedliche Äusserungen zum Thema Alkohol.

Im ersten Vers wird der Genuß und der Handel mit Alkohol eindeutig erlaubt, solange man mit Verstand (in Maßen) trinkt.

Im zweiten Vers wird geboten, nicht betrunken zum Gebet zu erscheinen, was ganz klar impliziert, dass ausserhalb der Gebetszeiten Alkohol nicht grundsätzlich verboten sein kann. Ansonsten wäre dieser Vers ja auch sinnbefreit.

Im dritten Vers wird aufgefordert, Alkohol zu MEIDEN. "Meiden" ist - übrigens auch im Arabischen Sprachverständnis - kein Verbot, sondern hat Rat-Charakter. "Auf Deiner Fahrt durch Frankreich meide die Autobahnen wegen der teuren Maut-Gebühren!" macht vielleicht deutlich, wie "meiden" zu verstehen ist. Es ist eine Empfehlung, kein Gebot, kein Verbot. Dies unterstreicht nochmals den ersten Vers und die Botschaft, nur in Maßen und mit Verstand zu trinken.

Erst im vierten Vers wird der Genuss von Alkohol als Sünde bezeichnet. Gleichzeitig wird aber auch vom Nutzen gesprochen. So richtig eindeutig ist das also auch nicht, obwohl das doch sehr einfach gewesen wäre.


Und jetzt frage ich Dich, warum Allah nicht einfach übersandt hat, dass "jedem gläubigen Muslim der Alkohol streng verboten ist". Wenn er das hätte sagen wollen, hätte er es wohl gesagt. Ein eindeutiges Verbot kann man angesichts der ersten drei Verse unmöglich formulieren, da ein eindeutiges Verbot den ersten drei Versen widerspräche. Und da auch der vierte Vers nicht glasklar verbietet, sehe ich das Alkoholverbot als widerlegt an.

In schā'a llāh

Und obwohl ich sämtliche hadithe ablehne, weil ihre Authentizität mehr als fragwürdig ist, sei hier noch der Vollständigkeit halber erwähnt:

"Was in großen Mengen berauscht, ist auch in kleinen Mengen haram" (Abu Dawud)

Dieser Hadith wird in 2 komplett unterschiedliche Richtungen interpretiert:

1) Wenn eine Substanz in großen Mengen berauscht, darf sie auch nicht in kleinen Mengen konsumiert werden.

Diese Auslegung birgt aber viele Probleme, da z.B. reife Früchte, Fruchtsäfte, Essig, viele Aromen und Gewürze, ja sogar Brot auf Grund natürlicher Gärung oder Herstellung IMMER einen kleinen Teil Alkohol enthalten und somit haram wären. Diese Auslegung ist mit einer gesunden Ernährung (die ja auch im Qu'ran vorgeschrieben ist: "Und tötet (schadet) euch nicht selbst!" - Sure 4 Vers 29) nicht zu vereinbaren.

2) Nur wenn man genug konsumieren kann, um berauscht zu werden, sind auch kleine Mengen haram.

Nach dieser Auslegung sind alle o.g. Dinge halal, da man keine 20 kg Äpfel oder 20l Fruchtsaft oder 2l Essig etc. konsumieren kann und sich somit nicht daran berauschen kann.

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Nein und nochmal nein.
Ja es wird in nahezu allen Lebensmitteln Alkohol verwendet aber die sind dann nicht Haram.

Setz dich bitte mal mit der Chemie auseinander.
Es geht hier nicht um berauschenden Alkohol sondern welcher der bei der Produktion zu weiteren anderen Molekülen umwandelt/ verfliegt.

Du kannst NICHT von Brot alkoholisiert werden.

Die Hadithe meint niedrig-dosierte Alkoholische Getränke wie Bier oder Alkoholfreies in dem auch Alkohol enthalten ist.

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Es ist völlig egal ob bei der Herstellung Schweinefleisch oder Alkohol enthalten war solange das Endprodukt nichts davon aufweist.
So funktioniert eben Chemie.
Einfachste Produktionen/ Mischungen können einen komplett unabhängigen Stoff hervorbringen.

Im ersten Vers kann ich keine Erlaubnis zum konsumieren von Alkohol herauslesen.
Wie kommst du auf diese Behauptung das es nicht klar wäre?

Diese Vers hat sogar ein Kontext wenn ich mich nicht irre indem etwas beschrieben wurde und nicht zum trinken aufruft.

Es steht nur das es verboten sei, nicht aber das es erlaubt sei.
  

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Könntest du mir einen link schicken zum ersten?
Ich bin kein Islam Spezialist, aber ich finde dazu absolut gar nichts.

Google spuckt nichts dergleichen aus.

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Du meinst aber nicht:

16:67 Und von den Früchten der Dattelpalmen und den Trauben erhält ihr sowohl berauschenden Trank als auch gute Nahrung. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für Leute, die vom Verstand Gebrauch machen.

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@FehlerFrage

Herzele, ich habe nicht nur die Übersetzung in meiner Antwort publiziert, sondern auch die Quellenangabe, nämlich Quran 16:67.

Und da heisst es in der weltweit anerkannten Übersetzung von Rudi Paret genau so, wie ich oben geschrieben habe. Darüber hinaus bin ich des Arabisch in Wort und Schrift mächtig und kann diese Übersetzung so bestätigen.

Und zum Kontext: In den Versen davor und danach ist von all den Dingen die Rede, die Allah uns gegeben hat, auf dass wir sie essen/trinken dürfen. Insofern ist es zwingend logisch, dass auch dieser Vers als ERlaubnis zu verstehen ist.

Was Du zum Thema Chemie schreibst, ist vermutlich richtig, aber hier überhaupt nicht relevant. Relevant ist ausschließlich die islamische Sichtweise; und da gibt es, wie ich in meinem Kommentar andeutete zwei gebräuchliche Sichtwesien, von denen eine Seine wissenschaftliche Sichtweise stützt, die andere nicht.

Also bitte, inwieweit habe ich da jetzt etwas Falsches gesagt? Inwieweit ist es passend, dass Du mir mit Deinem "nein, nein und nochmal nein" unterschiebst, ich hätte etwas Falsches geschrieben.

Was Du in 5 Minuten Internet-Recherche herausgefunden hast, ist leider auch nicht mehr wert.

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Die Wurzel des Wortes, das wir als „Berauschendes“ übersetzt haben, ist „khamara“ und bedeutet „zu bedecken“. Dieses Wort mit „Wein“ oder „Alkohol“ zu übersetzen beschränkt den Bedeutungsumfang. Alles, was die geistigen Fähigkeiten bedeckt oder behindert wird angesprochen. Dies beinhaltet alles, was das Bewusstsein negativ abwandelt, wie z. B. Marihuana, Heroin, Kokain, Alkohol, Haschisch und alle anderen Substanzen dieser Art, die das Bewusstsein beeinflussen. Aus Glücksspielen Geld zu gewinnen und wegen Rauschmittel eine fröhliche Zeit zu verbringen kann als Nutzen betrachtet werden. Jedoch liegt der Schaden weitaus höher als der Nutzen.

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Es würde absolut kein Sinn machen wenn der Islam Rauschmittel als legitim ansehen würde.

Der Islam beschreibt im kompletten Buch wie man Gesund lebt etc.

Alkohol ist das größte Gift für deinen eigenen Körper.

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@FehlerFrage

Keinen Sinn machen? Nun ja ..... die sunnitische Art und Weise des Ramadan ist auch absolut ungesund - so von wegen tagsüber auch nichts trinken ..... und doch ist das angeblich gottgewollt?

Insofern funktioniert diese Logik schonmal nicht.

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Das waren 5 min Google Arbeit übrigens.

Das hättest auch du machen können.

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Hab mir paar Übersetzungen durch gelesen und keiner trifft auf deins zu.
Es wird bei allen Trank und >Nahrung<, worauf der Fokus liegt, beschrieben.

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