Alg 2 steht mir Elternzeit zu?

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6 Antworten

1.) "Als Elternzeit wird in Deutschland ein Zeitraum unbezahlter Freistellung von der Arbeit nach der Geburt eines Kindes bezeichnet. Auf diese Freistellung haben abhängig beschäftigte, also nicht selbständig tätige Eltern einen Rechtsanspruch." Wikipedia zur Elternzeit. War das so schwer zu finden?

Du kannst dich also von deiner Arbeit freistellen lassen, wenn du eine Arbeit hast. Hast du keine Arbeit, kannst du dich auch nicht von der Arbeit freistellen lassen.

2.) "Das Elterngeld in Deutschland ist eine Transferzahlung für Eltern, die wegen der Betreuung eines Kindes nicht oder nicht voll erwerbstätig sind oder ihre Erwerbstätigkeit für die Betreuung ihres Kindes unterbrechen. Es soll die Eltern bei der Sicherung ihrer Lebensgrundlage unterstützen und ist in erster Linie als Entgeltersatzleistung ausgestaltet. Das Elterngeld wird über die Zeit des Mutterschutzes hinaus gezahlt, längstens für 14 Monate." de.wikipedia.org/wiki/Elterngeld_(Deutschland).

Wenn du vor einer Elternzeit nicht erwerbstätig warst, wird dein Elterngeld angerechnet auf deinen Bedarf an ALG II - du hast also max. 30,- mehr im Monat.

3.) SGB II § 10 Zumutbarkeit:

" (1) Einer erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person ist jede Arbeit zumutbar, es sei denn, dass ...

... 3. die Ausübung der Arbeit die Erziehung ihres Kindes oder des Kindes ihrer Partnerin oder ihres Partners gefährden würde; die Erziehung eines Kindes, das das dritte Lebensjahr vollendet hat, ist in der Regel nicht gefährdet, soweit die Betreuung in einer Tageseinrichtung oder in Tagespflege im Sinne der Vorschriften des Achten Buches oder auf sonstige Weise sichergestellt ist; die zuständigen kommunalen Träger sollen darauf hinwirken, dass erwerbsfähigen Erziehenden vorrangig ein Platz zur Tagesbetreuung des Kindes angeboten wird,"

Eine Kita geht also im Grunde in Ordnung - außer, die Erziehung deines Kindes wäre dort gefährdet.

Für die Zeit, bis das Kind 3 Jahre alt ist, sagen aber die Hinweise der Bundesanstalt für Arbeit:

"(3) In einer Familie mit einem Kind, welches das 3. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, kann sich ein Partner/eine Partnerin wegen der Kinderbetreuung auf die Unzumutbarkeit der Arbeitsaufnahme berufen." PDF-Seite 10.

Weiter dort: "(5) Es gibt keine besonderen Regelungen für alleinerziehende Müt-ter und Väter."

Dennoch muss das Amt über Betreuungsmöglichkeiten für das Kind aufklären:

"Der sachgerechte Gebrauch des Rechts setzt eine Aufklärung über Rechte und Möglichkeiten voraus, wozu auch Hinweise auf lokale Angebote der Kinderbetreuung von Dritten gehören."

Aber auch über die Möglichkeit, drei Jahre lang ohne Bewerbungs-Bemühungen zu Hause zu bleiben und ALG II zu beziehen.

Gruß aus Berlin, Gerd

Ob du nun ein Auto hast,einen Kita Platz bekommen würdest oder aber dein Kind von den Eltern betreuen lassen könntest,ist alles irrelevant,denn du als Mutter darfst dein Kind bis zum 3 Lebensjahr selber zu Hause betreuen und musst der Arbeitsvermittlung in dieser Zeit nicht zur Verfügung stehen !

Also lass die erzählen was sie wollen,mach ihnen klar,das du dein Kind selber betreuen möchtest und das es dir gesetzlich zusteht,dieses bis zum 3 Lebensjahr zu tun.

Euch steht dann auch ALG - 2 bzw.Sozialgeld für dein Kind zu.

Natürlich wird dann Elterngeld,Kindergeld,Unterhalt / Unterhaltsvorschuss,auf euren Bedarf angerechnet. Solltest du auch Anspruch auf Betreuungsunterhalt vom Kindsvater haben,musst du diesen schriftlich beim Kindsvater einfordern.

Natürlich geht dann erst einmal der Kindesunterhalt vor,nur wenn der Kindsvater nach der Zahlung noch mehr als 1100 € Netto hat,würdest du Betreuungsunterhalt bekommen.

Du musst in den ersten Jahren nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfuegung stehen, von Muettern mit Kleinkindern kann man das nicht verlangen, man hat daher das Recht, keine Arbeitsangebote zu wollen. Und du kannst Elterngeld bekommen und Alg2, nur wird das Elterngeld halt angerechnet. Das ist alles.

Keiner kann und wird dich zwingen, gleich nach der Geburt zu Arbeiten. Allerdings solltest du dir und deinem Kind zuliebe schon eine Ausbildungsstelle suchen, so bald es moeglich ist, um spaeter mal ein eigenes Einkommen zu haben. Mit 2 Jahren kann das Kind auch in den Kindergarten (und die gibt es wirklich ueberall) und es gibt auch Ausbildungsangebote, die man halbtags machen kann.

Lass die Helden vom Jobcenter labern, die leben in der Regel nach Pipi Langstrumpf frei nach dem Motto "ich mach mir meine Welt, wie sie mir gefällt" mit der Realität und deutschen Recht hat das allerdings im Regelfall nicht viel, bis gar nichts zu tun.

Ab Geburt brauchst Du bis das Kind 3 Jahre alt wird nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen und erhältst trotzdem Leistungen für Dich und das Kind, Kindergeld und Unterhalt, bzw. Unterhaltsvorschuss werden allerdings abgezogen.

Rechtsgrundlage für die 3 Jahre: § 10 SGB II:

(1) Einer erwerbsfähigen leistungsberechtigten Person ist jede Arbeit zumutbar, es sei denn, dass:

3: die Ausübung der Arbeit die Erziehung ihres Kindes oder des Kindes ihrer Partnerin oder ihres Partners gefährden würde; die Erziehung eines Kindes, das das dritte Lebensjahr vollendet hat, ist in der Regel nicht gefährdet, soweit die Betreuung in einer Tageseinrichtung oder in Tagespflege im Sinne der Vorschriften des Achten Buches oder auf sonstige Weise sichergestellt ist; die zuständigen kommunalen Träger sollen darauf hinwirken, dass erwerbsfähigen Erziehenden vorrangig ein Platz zur Tagesbetreuung des Kindes angeboten wird,

Dies versuchen auch noch manche Sachbearbeiter zu ignorieren und bringen Argumente, dass man Dir ja einen Kita Platz angeboten hätte, oder einfach jemand anders, wie z.B.: der Vater die Erziehung übernehmen könnte, etc......

Lass Dich nicht in verwirren von denen, die haben ganz klare Weisungen zum Gesetz an die sie sich zu halten haben und in denen steht es ab Seite 10 der PDF nachzulesen:

http://www.harald-thome.de/media/files/sgb-ii-hinweise/FH-10---21.05.2012.pdf

cyracus 28.05.2014, 07:14

DH !! Super Antwort - hab herzlich gelacht bei Deinem zutreffenden ersten Absatz.

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Du darfst auch als ALG II Empfänger dein Kind die ersten 3 Jahre Zuhause betreuen, niemand kann dich zwingen dein Baby vor dem 3. Geburtstag in einen Kindergarten zu geben. Du musst auch keine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben weil du dem Arbeitsmarkt eben nicht zur Verfügung stehst. Mach dir da bitte keine Sorgen mehr, ich finde es ist ein Unding einer werdenden Mutter zu suggerieren, dass sie ihr Baby schon nach 8 Wochen fremdbetreuen lassen muss. Leider leisten sich manche Sachbearbeiter solche Schnitzer, da kann man nicht viel gegen tun. Versuche dich in Zukunft immer schon vor einem Termin über deine Rechte zu informieren, dann bist du besser vorbereitet und nicht darauf angewiesen dass der Sachbearbeiter dich gut aufklärt. Ich würde gar nichts tun und auch nicht wieder hin gehen. Warte ab ob das Amt sich irgendwann meldet. Sollten die wirklich schon früh ankommen und dich eingliedern wollen, dann sag dass du dein Kind die ersten 3 Jahre Zuhause betreust. Das müssen sie akzeptieren. Für gewöhnlich lassen sie Mütter aber auch in Ruhe bis zum 3. Geburtstag des Kindes. Schick denen eine Kopie der Geburtsurkunde und stell für dein Kind auch Antrag auf ALG II, je nachdem was du an Unterhalt vom Vater bekommst steht euch da noch was zu. Wenn du alleinerziehend bist, dann stell einen Antrag auf "Mehrbedarf für Alleinerziehende" - dann bekommst du auch schon mehr Geld. Und nutz die Zeit um deine berufliche Zukunft zu planen, dass du weißt wie dein Weg aussieht, auch deinem Kind zuliebe. Und kümmer dich früh genug um einen Kitaplatz, je nach Region gibt es da lange Wartelisten! Alles Gute für euch :)

Ergänzend zu den Super-Antworten, die Du schon bekommen hast, vorsorglich diese Hinweise von mir:

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen). Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum und Unterschrift“).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird. - Wiederum dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten). - Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß allgemein die Sache sogar zügiger bearbeitet.

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Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein. Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im Vertrauen landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“ (wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden.

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Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen. Dieser muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Die Begleitung kann aber auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google mit 13 sgb 10):

  • (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht unverzüglich widerspricht.

Für einen ehrenamtliche Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

Ämterlotsen

Behördenlotsen

Behördenbegleiter

Hartz IV Mitläufer

Hartz IV Gegenwind e.V.

Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und (die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus.

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft): Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

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Und google mit

legitimation eines beistands pdf

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu lassen.

Auch erfährst Du so, dass wenn Dein Beistand für Dich etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es gesagt.

Weil Du ja schon bei der Caritas warst, frag mal zuerst dort, ob bei ihnen ehrenamtliche Behördenbegleiter (= Beistände) ihren Dienst machen und Dich zum Jobcenter begleiten würden.

Zum Amt mit einer erfahrenen Begleitpersonen zu gehen ist in diesem Fall sehr empfehlenswert.

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