Aikido anfangen, Erfahrungen?

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6 Antworten

Ich trainiere ebenfalls Aikido und war leider schon dreimal in Situationen, in denen ich andere Personen bzw. mich selbst, vor einem gewalttätigen Übergriff schützen musste.

Die Techniken mögen im Ernstfall nicht so geschmeidig aussehen, wie auf der Matte, aber in richtiger Anwendung können sie sehr effektiv sein.

In einem Fall eskalierte ein bewaffneter Raubüberfall mit einem Messer, weil ich weder Geld bei mir hatte, noch ein Mobiltelefon besitze. Beides glaubte die Person nicht und verlor die Nerven.

In einem anderen Fall wurden zwei lesbische Frauen von mehreren Männern belästigt, ohne dass irgend ein Passant die Polizei rief, oder Einschritt.

Ich persönlich bin keineswegs stolz auf diese Ereignisse und hätte sie lieber nicht gemacht - aber bis auf einen Fall wurde niemand ernsthaft verletzt (dem Bewaffneten habe ich vermutlich leider das Handgelenk gebrochen).

Somit kann ich zumindest sagen, dass nach meiner persönlichen Erfahrung Aikido sehr effektiv in realen Gefahrensituationen sein kann.

Allerdings - und in diesem Punkt stimme ich howelljenkins  zu - ist Aikido keine Kampfkunst, bei der man "schnelle Erfolge" erzielt.

Es ist eben kein Selbstverteidigungskurs, bei dem man lernt, wie man schnell und effektiv jemanden kampfunfähig macht, sondern eine Kampfkunst, die auch zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt.

Tatsächlich habe ich schon erlebt, das Anfänger schon bald wieder mit dem Aikidotraining aufhörten, weil es ihnen nicht genug "Action" gab.

Einsteiger erkennen eben oft noch nicht die Prinzipien und ihre Anwendung, so dass es teilweise einfach von der Persönlichkeit des Lehrers und seinen Fähigkeiten zur Motivation abhängt, ob jemand dabei bleibt.

Das bedeutet keineswegs das Aikido monoton wäre - es besteht aber nun einmal nicht aus Sprungtritten und Akrobatik.

Hoffe, die Antwort war hilfreich. :-)

Danke für diese ausführliche Antwort! Und ja, sie hat mir sehr geholfen. Ich weiß jetzt dass Aikido im Ernstfall hilft. Eine Frage habe ich noch: Kann man Aikido auch zu Hause trainieren? Braucht man dazu eine Matte oder einen Boxsack?

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@RickGrimes14

Ich gehe davon aus dass du mit "zu Hause" meinst, ob man zusätzlich zum eigentlichen Unterricht beim Lehrer lernen kann?

Denn reines "Selbststudium" irgendwelcher Techniken anhand von Videos bringt überhaupt nichts und ist mit erheblichen Nachteilen verbunden.

Grundsätzlich kann man die Gymnastik und Einzelübungen (Aiki-Taiso) natürlich auch alleine üben. Auch Fallübungen (Ukemi) gehen eigentlich alleine.

Allerdings beruht das Aikido auf der Energie des angreifenden Partners, so dass Einzelübungen nicht wirklich sinnvoll sind.

Außerdem kann man sich so falsche Bewegungsmuster antrainieren, die dann der Lehrer wieder ausbügeln muss. Das gilt auch für scheinbar einfache Techniken, wie die Fallschule.

Da Aikido dynamisch ist, bringt ein Boxsack wenig.

Man schlägt ja als angreifender Partner nicht einfach auf den anderen ein - und für die Verteidigungstechniken benötigt man keine Tritte oder Fauststöße.

Die Schritte und Drehungen zum Ausweichen an einem Boxsack zu üben, ist nicht wirklich effektiv.

Alleine zu üben ist also meiner Meinung nach nicht sinnvoll.

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Nur über Videos würde ich niemals trainieren. Vielmehr meinte ich das Üben nach dem Training im Dojo. Ich hole mir evtl. eine Matte für Gymnastik oder Fallübungen. Danke

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Vielen Dank für den Stern. :-)

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Ich habe auch mal Aikido gemacht. Es bringt schon was, aber du musst es sehr lange trainieren, bis du es gut genug für die Selbstverteidigung einsetzen kannst. Ich will nicht sagen, es ist so gut wie unmöglich im Ernstfall Armhebel oder Würfe anzusetzen, aber du musst dazu wirklich sehr gut sein, wenn dein Gegenüber auch nur ein bisschen Kampferfahrung hat. Aber Aikido macht Spaß und du wirst selbst merken, was du später davon anwenden kannst.

Stimme beiden Antwortenden zu. Es wird relativ lange dauern und viel Übung benötigen (wenn es um Selbstverteidigung geht, kommst du mit klassischem Boxen wahrscheinlich schneller zum Ziel), aber der lange Atem lohnt sich - mit ausreichend Übung hast du extrem effektive Techniken, die noch dazu wenig gewaltsam sind - eine Win-Win-Situation im hoffentlich nie eintretenden Ernstfall.

Kann man Übungen auch zu Hause durchführen? Braucht man dazu eine Matte oder einen Boxsack?

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@RickGrimes14

Nein, das geht nicht so gut. Die Übungen sind fast ausschließlich Partnerübungen (was ja auch Sinn macht, weil die Kunst sehr defensiv ist - es kommt nicht auf deine Kraft an, sondern darauf, wie du die Kraft deines Angreifers für dich ausnutzen kannst).

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Die Frage ist immer, was du erwartest. Aikido ist keine klassische Selbstverteidigung. Aber Aikido kann auf jeden Fall viel Spaß machen, dich trainieren und dir helfen, dich zu entwickeln.

Der "Ernstfall", damit meinst du Selbstverteidigung, oder? Die wenigsten Kampfsportarten bereiten einen auf eine Selbstverteidigungssituation vor, denn in so eine Situation bzw. Anbahnung so einer Situation kommt es auf so viel mehr an als darauf, ein paar Techniken zu können.

Dieses "mehr", wie z. B. Deeskalation, Prävention, Szenarientraining usw. lernt man nicht in den meisten Kampfsportarten.

Sollte dein primärer Fokus auf Selbstverteidigung liegen, so ist Aikido ungeeignet.

Das ist seit langer Zeit das beste und qualifizierteste Kommentar, was ich seit langen zum Thema Selbstverteidigung gelesen habe. Man merkt, dass du dich mit der Materie auseinandersetzt.

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@JohnDerringer

Danke. Mit dem Thema Kampfsport/ Kampfkunst / Selbstverteidigung habe ich mich sehr intensiv auseinandergesetzt.

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Als sehr aktiver Aikidoka mit 11 Jahren Erfahrung kann AlexChristo nur bestätigen. Man muss ganz klar zwischen Selbstverteidigung in Notwehr und Selbstverteidigung in der Kampfkunst unterscheiden. Die Techniken der Kampfkünste sind zwar sehr wirksam, müssen aber immer vor dem Hintergrund der Situation, für die sie geschaffen wurden, betrachten. Sich streng nach nur einem traditionellen Kampfkunst-System zu verteidigen, ist also nicht sinnvoll.

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aikido ist nach meiner erfahrung als kampfsportler zusammen mit hapkido, was aehnlich ist, fuer verteidigung in einem realistischen kampfszenario wahrscheinlich am besten geeignet. es ist nicht ganz leicht und es dauert eine weile, bis man die hebelgriffe automatisch hinbekommt und sich abgewoehnt auf konfrontation zu kaempfen. aber es lohnt sich.

Aikido legt mehr Wert auf schnelle entwaffnung des Gegners ohne viel Kampf. Aikido ist eine reine Selbstverteidigung und es werden nur sehr sehr wenig Angriffe ausgeführt. Ich mache Wing Tsun und dort ist es so dass man den Gegner auch durchaus präventiv angreifen kann und darf wenn man selbst oder wer anderes in Gefahr ist auch durchaus angreifen darf. Das ist beim Aikido verboten. Für Jugendliche ist Aikido glaub ich nichts... Ich bin selber 15 und kämpfe seit ca. 3 Jahren.
Wenn jemand anderer Meinung ist soll er das ruhig unter Kommentare reinschreiben hab bloß ein Aikidotraining mitgemacht
LG Anonymos

Okay: Schnelle Entwaffnung des Gegners... ähm... neee ;-). Aikido ist keine reine Selbstverteidigung, das hatte ich ja bereits geschrieben.
Anonymos, kleiner Tipp. Schreib am besten nur von etwas, mit dem du dich auskennst. So halte ich es.
Aikido ist auf jeden Fall für Jugendliche  geeignet.

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Ich bin 17 und liebe Aikido! Es kommt immer auf dem Menschen an! ^^

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