Agrarsubenventionen?!

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6 Antworten

Das sind keine "Subventionen", sondern Ausgleichszahlungen. Man bekommt sie auch nicht "einfach so, weil man Bauer ist", sondern weil man einen ganzen Katalog von Auflagen erfüllt, die "der Verbraucher" gerne so hätte, die Geld kosten, und die (ohnehin schon nicht konkurrenzfähige) Produktion im Vergleich zu anderen Ländern extrem verteuern. Wer jemals einen Sammelantrag gesehen hat, wird fürderhin den ALG II-Antrag für ein Geschenkpapier halten.

Guckl Dir die USA an, die uns seit 20 Jahren verklagen wollen, damit sie endlich ihr Hormonfleisch in die EU schaffen können, dann hast Du schon mal ein nettes Beispiel.

Und gestrichen werden sollen sie, weil es nun mal Länder auf der Welt gibt, die 2 oder 3x im Jahr Getreide ernten, oder eben: für ihr Vieh keine Ställe brauchen, die keine nennenswerte Bevölkerung haben und deswegen billiger Massenware produzieren können als wir, und diese Länder möchten hier gern verkaufen. Beliebtes Argument: "sonst kaufen wir eure Autos nicht mehr" , ebenso beliebt, aber weniger populär "sonst kaufen wir eure Waffen nicht mehr".

Und da unsere Regierung von ihren Lebensgrundlagen derart entfremdet ist, daß sie sich offenbar nicht vorstellen kann, wie es hier ohne Landwirte aussehen würde, und wie hier gewählt werden würde, wenn es plötzlich nur noch "Import-Gen-Food" gäbe (denn das ist auch überall anders erlaubt, nur hier nicht), und da dieses Land ohnehin knapp vor der Pleite steht, wird einfach behauptet: wenn wir nur weiter Autos verkaufen, und Waffen, dann wird das Essen auch weiter im Regal stehen. Woher es dann kommen soll und welche Qualität es dann hat, wird nicht dazugeschrieben.

Und weil leider immer noch so gern von "Überproduktion" geredet wird, hier zum Vergleich die Selbstversorgungsgrade für die wichtigsten Lebensmittel in Deutschland (EU) mit Ausgleichszahlungen:

http://www.was-wir-essen.de/forum/index.php/forum/showExpMessage/id/32870/page1/1/searchstring/+/forumId/3

Getreide: 122 % (119 %)

Kartoffeln: 133 % (100 %)

Zucker: 113 % (78 %)

Gemüse: 41 %

Obst: 20 %

Rindfleisch: 119 % (98 %)

Schweinefleisch: 105 % (108 %)

Geflügelfleisch: 82 % (101 %)

Milch und Milcherzeugnisse: 108 % (109 %)

Eier: 70 % (101 %)

Zum Vergleich: "Überschüsse" zb als Vorräte für ein Jahr hätte man bei 200%, bei den meisten Produkten reicht die Lagerhaltung gerade mal für ein paar Wochen.

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Wow, und danke für deine großartige und komplexe Antwort!

Die Frage, warum die von dir erwähnten Fakten nicht oder nur äußerst selten in Spezialsendungen zu unmöglichen Sendezeiten, wenn überhaupt in den Medien eruiert werden, lässt sich nun leicht erraten.

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@klausradloff

Danke. Als PS vielleicht noch mal der link zu den CC-Richtlinien.

http://tinyurl.com/7ckbxpv

DAS (was da drinsteht) sind die Dinge, die man mit den Ausgleichszahlungen bezahlt. Und es gibt inzwischen Kurse dafür (!!), wie man mit den dazugehörigen Dokumentationspflichten zurechtkommt... google zB "Agrarbürofachfrau" oder ähnliches.

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Werden die Agrarsubventionen vollkommen wegfallen, müssen auch die Lebensmittelpreise erheblich ansteigen . Es wird automatisch ein Verdrängungswettbewerb zu Gunsten der "wirtschaflicheren" Betriebe stattfinden. Das kann im Extremfall zum Wegfall der Landwirtschaft in ganze Regionen führen, wenn nicht plötzlich alle Urlaub auf dem "idyllischen" Bauernhof machen wollen... Es wird doch jetzt schon nach jeder Marktnische (Energiemarkt) gesucht, denn viele Landwirte arbeiten trotz Subventionen im roten Bereich.

Fast 50 % der Subventionen sind Verwaltungskosten => Bürokratie, nicht gerechnet der Mehraufwand des Landwirts, da mitzuhalten.

Und außerdem landen bei weitem nicht alle "Agrar"subventionen bei der Landwirtschaft, sondern

Milch, Zucker, Getreide: Die EU subventioniert die großen Lebensmittelproduzenten mit enormen Geldbeträgen. Allein 270 deutsche Unternehmen erhalten mehr als eine Million Euro Agrarhilfen. Doch nicht nur Lebensmittelhersteller erhalten Agrarhilfen. Zu den Profiteuren gehört auch ein Rüstungskonzern.

welt.de/wirtschaft/article7348047/Nordmilch-bekommt-am-meisten-EU-Subventionen.html

Soweit ich weiß wird jeder Arbeitsplatz in der Luftfahrt, Autobau (?) und Schifffahrt höher subventioniert als der in der Landwirtschaft. (nur nicht bei Schlecker ;-)

Die deutsche Landwirtschaft produziert insgesamt hochwertigste Lebensmittel, besonders im Vergleich weltweit. Selbstverständlich könnte man auch noch mehr Fleisch aus Südamerika importieren, aber wer will das schon? Südamerika will gern noch auf 300 Millionen aufstocken. Dort interessiert weder BSE Test noch die angebliche Klimabelastung durch die Rinder. Sollen Wir lieber Soja und Palmköl kaufen? Gegen Regenwaldabholzung?

Was wird denn von den Landwirten erwartet? Lebensmittel sollen in höchster Qualität und Auflagen des Tierschutzes, Umweltschutzes, Arbeitsschutzes, Baurecht pipapo möglichst billig hergestellt werden. Außerdem soll die Landschaft gepflegt und die Kulturlandschaften erhalten werden.

Wer sagt, nur die harten kommen in den Garten, der Wettbewerb wird es schon richten, soll sich doch mal Gebiete anschauen, wo nur "Wildwest" regiert, z. B. in den USA oder Russland anschauen, sieht diese Landschaft schön aus?

Wer glaubt, "Massentierhaltung" schon mal gesehen zu haben, muss sich auch mit wertbewerbsgemäßen "Agrarfabriken" auseinandersetzen. Eine Bratwurst mit Brot und Senf für 1 € (wie neuerdings allerorten vorm Supermarkt) wächst nicht auf der grünen Wiese, sondern mit zig.000 Artgenossen im Stall.

Landwirtschaft ist ein Teil des Ökosystems und kein Politker wird sich das "Steuerungswerkzeug" Subvention aus der Hand nehmen lassen, denn man möchte doch Einfluss nehmen auf ökologisches, soziales, kulturelles Leben im ländlichen Räumen!

Eklatantes Beispiel dafür, dass die Bevölkerung von Subventionierung (Gängelung?) der Landwirtschaft profitiert ist doch, dass man 1950 durchschnittlich 80 % des Einkommens für Lebensmittel ausgeben musste, 2008 nur noch 10 % ausgibt (trotz angeblicher Verschwendung durch Wegwerfen)! Da sind die Subventionen sind also letztlich gebliebent! Und auch das, ein reines Steuerelement der Politik. Panem et circensis

Grundsätzlich sind Lebensmittel heute ein normales Wirtschaftsgut, das überall auf der Welt privatwirtschaftlich produziert und weltweit gehandelt wird. Der Preis für dieses Gut entsteht – so die Theorie – wie der anderer Güter auf dem Markt, wo Angebot und Nachfrage aufeinander treffen. Selbst dieser fiktive Preis wäre für viele Hungernde auf der Welt nicht erschwinglich. Es bedürfte auch in der Theorie humanitärer Hilfe. Davon abgesehen ist der Nahrungsmittelmarkt weit entfernt von der Normalität. Er wird verzerrt von schwer nachvollziehbaren Regeln des Welthandels, von staatlichen Subventionen für die Agrarwirtschaft und von den Finanzgeschäften internationaler Spekulanten. Diese Einflüsse, die teilweise auf politischen Entscheidungen beruhen und größtenteils durch solche gehemmt werden könnten, haben großen Anteil an den Ursachen des Hungers in der Welt. Doch lässt man diese Verzerrungen des Marktes für Grundnahrungsmittel noch einmal einen Moment außer Acht, muss man dennoch konstatieren, dass die Preise in den nächsten Jahrzehnten kontinuierlich steigen werden. Denn zwischen dem Angebot an und der Nachfrage nach Nahrungsmitteln gibt es eine größer werdende Lücke.

campus.de/wissenschaft/politikwissenschaft/Der+Hunger+der+Welt.97203.html

Weiß einer, wie weit wir vom Hunger entfernt sind? Nur weil heute die Speisekammer noch überfüllt ist, muss man neuerdings staatlicherweise die Umerziehung ansetzen, wirtschaftlich einzukaufen und nicht so viel "wertvolle" (aber billigst eingekaufte) Lebensmittel wegzuschmeißen ...

Dieses Werkzeug der politischen Einflussnahme werden sich die Macher ganz bestimmt nicht aus der Hand nehmen lassen, auch wenn viele Landwirte es leid sind auf diese Weise zu ihren Einnahmen zu kommen und dafür auch ncoh beschimpft zu werden.

noch mal ein paar andere Gedanken zu Agrarsubventionen und Hunger in Afrika:

http://www.dsa4forum.de/viewtopic.php?f=12&t=27257

Auswirkungen der Agrarsubventionen:

  • Agrarsubventionen sind auch ein Instrument gegen Verarmung der Bauern, aber nicht nur. Agrarsubventionen greifen an mehreren Stellen:
  • 1) Sie verhindern, dass Bauern verarmen und Pleite gehen. Dadurch wird eine Monopolisierung weniger Bauern verhindert. Wodurch aufgrund der größeren Konkurrenz die Preise gering bleiben. Außerdem wird dadurch, dass es mehr Bauern gibt, auch mehr produziert.
  • 2) Ohne Subventionen würde sich für viele Bauern die aktuelle hohe Produktionsrate nicht lohnen. Sie würden viel weniger produzieren. Nämlich so viel, dass in einem normalen Jahr, alles verkauft wird. Das heißt, in guten Jahren hätte man eine geringe Überproduktion, in schlechten Jahren hätte man eine Lebensmittelknappheit. Durch die Agrarsubventionen haben wir jedoch auch in schlechten Jahren eine Überproduktion anstatt eine Lebensmittelknappheit. Ich gebe zu, dass aufgrund der Agrarsubventionen die Überproduktion im Augenblick zu hoch ist. Diese Überproduktion sollte momentan etwas gesenkt werden. Aber imho sollte es dennoch eine (wenn auch geringere) Überproduktion geben, um Lebensmittelknappheit in schlechten Jahren vorzubeugen.
  • 3) Wie schon oben gesprochen würde ohne Agrarsubventionen die Lebensmittel teurer werden. Dies bedeutet, dass sich vor allem Geringverdiener nicht mehr ausreichend Lebensmittel leisten können.
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Wer sein Schnitzel nicht beim Metzger bezahlen will, ... ... zahlt es eben beim Finanzamt. Die Fördermilliarden landen nicht nur bei den Bauern, der größte Teil bleibt bei der Lebensmittelindustrie und bei den Ex-und Importören hängen und mit dem Dioxsinskandal oder Gammelfleischskandal haben die Bauern auch nichts zu tun. Es ist wiederum die Industrie der Verursacher. Der Bauer, der hat es nur aus zubaden. Vielleicht aber sollte man mal die Kredite, die nur im Zusammenhang mit Subventionen zu bekommen sind, an Landwirte mit einrechnen, von denen dann die Kreditwirtschaft,Landhändler, Landmaschinenhändler, Düngemittelindustrie, Pharmabetriebe wie BASF, Bayer etc.eine gewaltige Spritze abbekommen. Die Landwirte sind die Letzten, die an diesem System wirklich partizipieren.Sie dürfen arbeiten und Angst aushalten, wie man in den letzten beiden Jahren sah. Der Apparat verschlingt den weitaus grössten Teil der monetären Zuwendungen. Und die, die davon leben bekommen nicht einmal einen roten Kopf. Aber ich mache einen anderen Vorschlag: Sofort alle, aber auch jede im Zusammenhang mit der Landwirtschaft gezahlte Subvention auf Eis, und den "richtigen" Preis für Lebensmittel zahlen, dann fallen die Aktien von vielen Unternehmen, die genau davon profitieren, dass Lebensmittel so gehandelt werden wie man sie zur Zeit handelt. So mancher Katalog für die „heilige Kuh“ Urlaub könnte man da einstampfen, das zweite Auto wäre ein Wunschtraum und so manches Haus würde ganz schnell keinen Besitzer mehr finden.

Dann brauchst Du aber im Gegenzug auch eine Importbeschränkung, oder Du verzichtest auf "heimische Lebensmittel".

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@pecudis

Wenn die EU Staaten natürlich als Ganzes Agrarsubventionen einfrieren, wo sollen dann die benötigten Mengen herkommen, die vergünstigt hätten angeboten werden können. (Tropfen auf den heißen Stein)

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@Nogli

Die Ausgleichszahlungen sind nicht mengenbezogen. Und wenn Du Billigware als Import zuläßt, hast Du hier eben gerade keine "Preissteigerung", sondern einfach nur kaputte Betriebe, aber nicht aufgrund irgendwelcher "Marktgesetze", sondern aufgrund unserer klimatischen Lage (selbst wenn man die Lebensmittelgesetzgebung an den Weltmarkt anpassen und sämtliche Produktionsbeschränkungen aufheben würde)

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Weil wir keine sozialistische Planwirtschaft haben sollten.

Es führt zur Ungleichbehandlung in der Wirtschaft, wenn es staatlich garantierte Abnahmemengen und Preise für die Produkte einer Firma (Landwirtschaft) gibt. Des Weiteren werden keine realistischen Preise erzielt, weil diese staatlich subventionierten Produkte einen internationalen Wettbewerb verhindern. Dies führt unter anderem dazu, dass wir die nicht gewünschten Abfallprodukte unserer Hühner nach Afrika verkaufen und dort den heimischen Markt platt machen, weil die zu so günstigen Preisen nicht anbieten können. Ein letzter Punkt wäre noch die Absurdität des Flächenstilllegungsplanes. Ist ein Landwirt zu faul, eine Fläche zu bewirtschaften, legt er diese Fläche still und erhält noch Subventionen dafür.

Sind sie sich da Sicher und was sind ihre Quellen ? Aber trotzdem Dankeschön :)

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landwirtschaft ist nicht mit einer firma zu vergleichen.

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Ein letzter Punkt wäre noch die Absurdität des Flächenstilllegungsplanes. Ist ein Landwirt zu faul, eine Fläche zu bewirtschaften, legt er diese Fläche still und erhält noch Subventionen dafür.

unsinn im quadrat---und dafür ratgeberheldenstern??

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@gansh

@gansh

Nur weil du meinen Beitrag nicht verstehst, brauchst du nicht persönlich zu werden. Hier etwas zum Nachlesen für dein ahnungsloses Herz: http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsame_Agrarpolitik#Geschicht

Zwar ist die Flächenstilllegung 2009 eingestellt worden, aber es gehört für mich noch immer zu den absurdesten Dingen in der GAP.

Landwirte sind im Übrigen sehr wohl mit einer Firma zu vergleichen, wenn man außer acht läßt, dass Firmen in der Regel nicht so stark subventioniert werden (von den Banken und Hoteliers einmal abgesehen). Was sonst sollten sie auch sein?

Ebensowenig stimmt die Propaganda der Agrarindustrie, dass mit Wegfall der Subventionen die Preise explodieren würden. Im Gegenteil würde die Folge sein, dass ein Wettbewerb erst stattfinden kann.

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Warum bist du der Meinung, das nach einer Abschaffung der Agrarsubventionen es erst dann zu einer (sozialistischen) Planwirtschaft kommen wird?. Das Festlegen von Renditen auf Mengen findet doch schon heute statt. Rabobankstudie zum ROI (return of investment) Milch und Fleisch. Vorgelagerte Bereich 14 %, Verarbeiter,Molkerei 18%, Lebensmitteleinzelhandel 23%, Milchbauer 0,5%, Schweineproduzent -3% - Rendite am verkauften Ladenprodukt. Als Bauer muß man letztendlich sehr "elastisch" sein, um produzieren zu dürfen. Ohne Direktzahlungen an den (verblendeten) Bauern könnten die Renditen nicht gehalten werden, es sei denn, der Verbraucher ersetzt die Direktzahlung an der Ladentheke.

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@Nogli

Warum bist du der Meinung, das nach einer Abschaffung der Agrarsubventionen es erst dann zu einer (sozialistischen) Planwirtschaft kommen wird?

Nein, ich bin der Meinung, dass wir im Argarsektor eine sozialistische Planwirtschaft haben. Das hören andere Bauern nur nicht gerne. Der Grund weshalb Landwirte heute noch pleite gehen ist, weil die Subventionen innerhalb der Landwirtschaft ungerecht verteilt werden. Das hat auch damit zu tun, dass die Spitzenvertreter in den Verbänden, selten Kleinbauern sind. Aber es ist wie immer: Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.

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Weil damit auch unsinnige Überproduktionen verschwinden.

Die in D zB wären?

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es gibt KEINE agrarsubventionen=nicht rückzahlbare zuschüsse. agrarzahlungen werden geleistet,um nach cross compliance regeln zu wirtschaften=vorgegebene produktionsbedingungen.

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