Agora (Zentrum des antiken Athen) mit Regierungsviertel von Berlin vergleichen?

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5 Antworten

Das Berliner Regierungsviertel hat weit weniger eindeutig einen für die ganze Stadt zentralen freien Platz. Im Berliner Regierungsviertel stehen Parlamentsgebäude und Regierungsgebäude, es ist damit ein politisches Zentrum und es liegt in der Stadtmitte, aber es ist nicht ebenso ein Zentrum in anderen Hinsichten. Die Agora in Athen (und ähnlich auch in anderen antiken griechischen Städten) war in größerer Vielfalt (politisch, religiös, gesellschaftlich, wirtschaftlich) ein Zentrum. Sie war ein täglicher Treffpunkt. Vor allem in den Säulenhallen konnten Bürger gut zusammenkommen.

Eine Agora (ἀγορά) war usprünglich die Versammlung der männlichen Freien einer politischen Gemeinschaft. Das Wort kann sowohl diese Volksversammlung als auch ihren Versammlungsplatz bezeichnen und ist abgeleitet vom Verb ἀγείρειν (ageirein; 1. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv: ἀγείρω [ageiro]). Zuerst war die Agora Stätte von Wettkämpfen zu Ehre von Gottheiten und Tagungsort der Volks- und Gerichtsversammlung. Sie lag in oder an Kultstätten von Heroen. Dann ist auch eine wirtschaftliche Funktion belegbar, die Agora hatte die Rolle eines Marktplatzes. Im Lauf der Entwicklung wurde der freie Platz gewöhnlich zunehmend mit Gebäuden umgeben (Frank Kolb, Agora. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 1: A - Ari. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1996, Spalte 267 – 275).

Eine antike Agora war ein als heiliger Bezirk abgegrenzter politischer, religiöser, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Mittelpunkt einer griechischen Polis (πόλις).

Zur Agora von Athen gehörten nicht nur Regierungs- und Verwaltungsgebäude, sondern auch Heiligtümer (mehrere Tempel – am eindrucksvollsten sind die Überreste des Hephaistos-Tempels - und ein Tempel der Zwölfgötter), Säulenhallen, Brunnenhäuser und ein Odeion.

ausführliche Informationen:

John M. Camp, Die Agora von Athen : Ausgrabungen im Herzen des Klassischen Athen. Übersetzt von Ute Winter. Mainz am Rhein : von Zabern, 2009 (Kulturgeschichte der antiken Welt ; Band 41). ISBN 978-3-8053-1059-8

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Die Frage ist doch wer ist Teil des Volkes, das ist insofern wichtig, da beide Systeme die Grundaussage treffen. Die Macht geht vom Volke aus.

Zum Staat in Griechenland zählten ausschließlich wirtschaftlich unabhängige Männer, alle anderen (Frauen, Sklaven), wurden über ihre Abhängigkeit eingebunden, das aktive und passive Gestaltungsrecht hatten die freien Männer, innerhalb dieser Strukturen gab es grob zwei denkbare Szenarien freier Bürger zu werden:

Männliche Sklaven konnten evtl. über einen besonders zuverlässigen Dienst in der Verwaltung, im Bauwesen, oder im Heer/Sport in den Bürgerstand aufsteigen. Allerdings nur wenn sie in der Lage waren einen gewissen Reichtum anzuhäufen um ihrerseits den wirtschaftlichen Standard des Bürgerstandes zu erfüllen. Hier sollte beachtet werden das körperliche Konstitution und ein gewisser Intellekt notwendig war, um überhaupt in eine dieser privilegierten Abhängigkeitsstellung ,die den Aufstieg erlaubt, zu gelangen. Insofern war der Zugang zur Demokratie eine Auslese.

Für Frauen fand Teilhabe am Zeitgeschehen über die Bindung statt, das kommt uns auch heute noch seltsam bekannt vor. Zumal auch hier patriarchale Bewertungsmaßstäbe, wie z.B. Attraktivität und Fruchtbarkeit die zentrale Rolle spielten.  Dazu kam, das es für Frauen oder besser gesagt Mütter als unschicklich galt an so etwas profanen wie Abstimmungen teilzunehmen. Auch hier fand also Auslese statt.

Diese erlesene Schar starker, reicher, schöner und fruchtbarer Menschen hatte genug gemein um untereinander Dialog zu akzeptieren. Das war die Antike Demokratie auf die wir uns heute so gerne berufen.

Wie das in Berlin funktioniert weißt du sicher mindestens genauso gut wie ich. Der Vergleich möge beginnen. Ich möchte heute mein Leben verbringen und bitte nicht im Berliner Regierungsviertel.

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Es fällt auf, dass du versuchst, andere Leute deine Hausaufgaben machen zu lassen.

Schau dir an, was auf der Agora passiert ist und vergleich das mit dem Berliner Regierungsviertel. Dann schau, ob es Parallelen gibt oder nicht.

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Ich würde eher sagen: der Areopag.

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Kann man nicht vergleichen, denn auf bzw. in der Agora ging es offen, volksnah und auch demokratisch zu, schon qweil dort auch abgestimmt wurde.

Das Regierungsviertel in Berlin hingegen ist eher als volksfeindlich zu bezeichnen, denn dort ist die führende politische Kaste völlig unter sich.

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EugenSchwarz 18.11.2016, 16:38

(zu Abs. 1) In Agora ging es nicht offen, volksnah und demokratisch zu (Erläuterung sie meine Antwort)

(zu Abs. 2) Da nicht erläutert wird was mit  'volksfeindlich' gemeint ist bzw. die Diktion des Begriffes 'Kaste' nebulös bleibt, handelt es sich hier um einen demagogischen Kanon.

Das wird man ja wohl mal sagen dürfen...

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voayager 18.11.2016, 16:47
@EugenSchwarz

Was heißt hier politische Kaste ist nebulös? Im Sozialismus witterst du hingegen zielsicher den Begriff Apparat heraus, ohne mit der Wimper zu zucken, nur wenn es um deinen Staat geht, da soll möglichst kein Schatten drauf fallen, das ist der ganze Witz aller Spießer. "Im Westen nichts Neues".

Kaste steht für einen Personenkreis, der abgesondert ist und die ein übertriebenes Standesbewußtsein hat.

Für deine Bildungslücke kann ich nun wirklich nichts dafür. Sieh halt zu, dass du dich weiterbildest. Also.

Warum die Agora kein offener Platz ist, erschließt sich mir nicht.

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EugenSchwarz 18.11.2016, 17:11
@voayager

(zu Abs. 1)
das Urteil teile ich
(zu Abs. 2)
das Urteil teile ich
(zu Abs. 3)
das Urteil teile ich
(zu Abs. 4)
das Urteil teile ich

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EugenSchwarz 18.11.2016, 18:48
@voayager

genau mein Fazit ist ein anderes, weil sich mir das im Abs. 4 erschließt und ich möchte darauf hinweisen das ich mich nicht mit BRD oder Deutschland identifiziere, wie auch immer du das meinst, wenn du schreibst: >>...wenn es um deinen Staat geht, ...<<, mit DDR übrigens auch nicht.


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