Ärzte von einer Patientenverfügung berichten, ja oder nein?

6 Antworten

1. Hast Du die Patientenverfügung gelesen? Was sagt sie genau aus, von dem Du glaubst, dass es jetzt zu beachten wäre?
2. Hat Deine Mutter auch eine Vollmacht erstellt, in der Du als Bevollmächtigter für medizinische Belange benannt bist?
3. Hast Du den behandelnden Arzt gefragt, welche Aussichten Deine Mutter
hat, wieder zu genesen, bzw. womit wahrscheinlich zu rechnen ist?
4. Wer hat gesagt, dass sie zum Pflegefall werden wird?
5. Wurdest Du bereits nach der Patientenverfügung gefragt?
6. Hat Deine Mutter die Patientenverfügung mit Dir durchgesprochen? Weißt Du, was sie damit erreichen will?
7. Kannst Du Dir vorstellen Deine Mutter später zuhause pflegen zu können?

Zu 1: Leider sind viele Patientenverfügungen nicht konkret genug. Eine Aussage darin wie: Ich will nicht künstlich am Leben erhalten werden, wenn keine Aussicht auf ein lebenswertes Leben besteht, ist nach Rechtsprechung des BGH nicht konkret genug.
Zu 2: Wenn Du nicht bevollmächtigt bist, müssen Ärzte Dich nicht aufklären. Wenn niemand dafür bevollmächtigt ist, gehe zum nächstgelegenen Amtsgericht ihres Wohnortes und biete Dich als Betreuer an. Dann kannst Du Deine Mutter vertreten.
Zu 3: Ärzte sollten diagnostizieren, wie schwer die Erkrankung ist und welche Heilungsaussichten bestehen. Frag, wann Du sie wieder mit nach Hause nehmen kannst, notfalls auch um Sie zu pflegen.
Zu 4: Lass Dir erklären, mit welchen Behinderungen Deine Mutter rechnen muss. Wird sie wieder kommunizieren können. Wird sie wahrscheinlich wieder selber essen können?
Zu 5: Wenn noch nicht nach einer Patientenverfügung gefragt wurde, weise darauf hin und lege sie vor. Dafür hat Deine Mutter sie gemacht. Gib aber nicht das Original aus der Hand. Man kann sich dort davon eine Kopie machen.
Zu 6: Versetze Dich in die Lage Deiner Mutter. Kannst Du Dir vorstellen, dass sie mit den Aussichten ein Pflegefall zu werden, lieber an ihrer Erkrankung natürlich versterben wollen würde, so wie es ihre Eltern in der gleichen Situation noch hätten dürfen?
Zu 7: Frag Dich, ob das im Sinn Deiner Mutter wäre.

in der verfügung wird normalerweise jemand benannt, der diese durchsetzen soll - derjenige ist dann verpflichtet, entsprechend der verfügung zu handeln.

hat deine mutter ein Formular dafür verwendet, wird dort wahrscheinlich auch ein paragraph genannt sein, aufgrund dessen ihre verfügung zu berücksichtigen ist.

für Familie entsteht neben der rechtlichen eine moralische Verpflichtung, so zu handeln, wie es im sinne des geliebten menschen ist - auch wenn es dem eigenen willen/wollen entgegen steht.

Die Patientenverfügung ist dafür da, deiner Mutter entsprechend zu handeln (ihr Wunsch). Sofern sie es nach ihren Wünschen und Verstand entspricht.

Sprich mit den Ärzten drüber. Und frage welche Möglichkeiten/Chancen usw. deine Mutter hat. Und reagiere dementsprechend.

Moralisch gesehen sieht es natürlich anders aus. Ich hätte wahrscheinlich gewisse Probleme damit.

Mein Rat kläre das mit den Ärzten ab.

Viel Kraft für dich und deine Familie.

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