Ändert sich bei der stabilisierenden Selektion das Gesamterscheinungsbild einer Population?

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Ja du hast Recht.

Bei der stabilisienden Selektion werden die am häufigsten (weil am beste an die vrhandenen Umweltbedingungen angepassten) in einer Population vorkommenden Merkmalsausprägungen begünstigt, so dass deren Häufigkeit in der Population weiter zunimmt und die Häufigkeit anderer Merkmalsausprägungen abnimmt. Das geschieht, wenn die Umweltbedingungen langfristig gleich bleiben.

https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/stabilisierende-selektion/63175

Man kann sich das am besten bildlich vorstellen, wenn man sich ein Diagramm zeichnet mit der Ausprägung des Merkmals auf der X-Achse und der Häufigkeit der Merkmalsausprägung in der Population auf der Y-Achse. Häufig sind Merkmale "normalverteilt", ihr Verlauf in einem Diagramm entspricht dann einer typischen Gauß'schen Glockenkurve. Das bedeutet, dass der Durchschnitt einer Merkmalsausprägung (z. B. "mittelgroßer Schnabel") in einer Population am häufigsten auftritt, während seine beiden Extremwerte (z. B. "kleiner Schnabel" und "großer Schnabel") am seltensten vorkommen.

Bei der stabilisierenden Selektion lastet der Selektionsdruck am stärksten an den Rändern der Merkmalsverteilung, also bei den Individuen, deren Merkmalsausprägung extrem ist. In einer solchen Umwelt sind diejenigen Individuen mit dem durchschnittlich ausgeprägten Merkmal am besten angepasst und können dem Selektionsdruck am ehesten standhalten. Sie überleben daher mit größerer Wahrscheinlichkeit bis ins Fortpflanzungsalter hinein und vererben ihre Merkmalsausprägung dann auch mit größerem Erfolg auf ihre Nachkommen. Die anderen Individuen dagegen, die mit extremen Merkmalsausprägungen, kommen in der Umwelt nicht gut zurecht. Sie haben einen deutlich niedrigeren Fortpflanzungserfolg, im Extremfall sterben sie sogar, bevor sie sich fortpflanzen können. Stabilisierende Selektion bewirkt daher, dass sich eine Population dahingehend verändert, dass sich eine Population immer stärker dem Durchschnittswert annähert, während die Extremwerte aussortiert werden. Bildlich gesprochen bleibt dann zwar die Glockenkurve erhalten, sie wird aber "steiler", weil sie an den Rändern, also von rechts und links, zusammengestaucht wird. So bewirkt stabilisierende Selektion vor allem, dass eine Population phänotypisch immer uniformer wird.
Stellen wir uns hierzu z. B. eine Umwelt vor, in der es verschieden große Samen gibt: sehr große, große, mittelgroße, kleine und ganz kleine Samen. In einer solchen Umgebung wäre ein mittelgroßer Schnabel von Vorteil, da er es ermöglicht, von der größten Bandbreite der Sämereien zu profitieren: von den großen, mittelgroßen und kleinen Samen. Vögel mit einem kleinen Schnabel dagegen sind im Nachteil, da sie nur die ganz kleinen Samen und vielleicht noch die kleinen Samen verwerten können. Selbiges gilt für die Vögel mit dem großen Schnabel, der die ganz großen Samen knacken kann und vielleicht auch noch die großen Samen, der für die anderen Samen aber ungeeignet ist. Wenn in dieser Umwelt das Nahrungsangebot der großen und sehr großen bzw. kleinen und sehr kleinen Samen nicht groß genug ist, um sich ausschließlich von ihnen ernähren zu können, werden sich in der Population daher die Vögel mit mittelgroßem Schnabel durchsetzen.

Bei der transformierenden Selektion dagegen wirkt der Selektionsdruck am stärksten auf einen der Extremwerte und den Mittelwert. Dann sind diejenigen Individuen im Vorteil, deren Merkmalsausprägung dem anderen -vorteilhaften- Extremwert entspricht. Die Merkmalsverteilung wird daher in eine Richtung (deswegen spricht man hier auch von gerichteter Selektion) verschoben. Die Population wird dann immer weiter die vorteilhaftere Merkmalsausprägung ausbilden.
Stellen wir uns z. B. vor, dass die Umwelt sich verändert und es in einer Region plötzlich nur noch sehr viele große und sehr große Samen gibt. In diesem Fall werden langfristig die Vögel mit dem großen Schnabel am besten überleben können, dieser Phänotyp wird sich dann in der Population ausbreiten und zum neuen Durchschnitt werden - die Merkmalsverteilung wird also nach rechts in RIchtung größerer Schnäbel verschoben.

Und schließlich gibt es noch die spaltende oder disruptive Selektion. Dabei lastet der Selektionsdruck am stärksten auf dem Mittelwert, während die beiden Extremwerte im Vorteil sind. Das führt dazu, dass der Mittelwert verschwindet und sich um die ursprünglichen Extremwerte herum zwei neue Kurven der Merkmalsverteilung bilden, die ursprüngliche Population wird also in zwei Populationen gespalten.
Das ist z. B. der Fall, wenn sich die Umwelt so verändert, dass es in einer Region nun nur noch sehr große und sehr kleine Samen gibt. In diesem Fall können die Vögel mit dem mittelgroßen Schnabel die sehr großen Samen nicht verwerten, weil ihr Schnabel dafür zu schwach ist. Diese Samen können nur die Vögel mit den größten Schnäbeln knacken. Die ganz kleinen Samen wiederum sind zu klein als dass sie die Vögel mit mittelgroßem Schnabel verwerten könnten. Daher werden in dieser Umgebung die Vögel mit mittelgroßem Schnabel nicht mehr überleben können und werden entweder aussterben oder müssen auf andere Habitate, die besser für sie geeignet sind, ausweichen. In der Region werden dann nur noch Vögel mit sehr großem und Vögel mit sehr kleinem Schnabel auftreten. Weil sich die Vögel mit großem Schnabel in dieser Umgebung dann auch bevorzugt dort aufhalten, wo es für sie geeignete Nahrung gibt und sie dort eher auf Vögel mit ähnlich großem Schnabel treffen, werden sie sich auch eher mit anderen Vögeln mit ebenfalls großem Schnabel paaren. Auch die Vögel mit kleinem Schnabel werden sich eher mit Vögeln paaren, die ebenfalls kleinschnäbelig sind. Auf diese Weise kann es dazu kommen, dass sich in der gleichen Region allein wegen des unterschiedlichen Futterangebots aus der ursprünglich zusammenhängenden Population zwei neue Populationen bilden- eine aus Vögeln mit kleinen und eine aus Vögeln mit großen Schnäbeln. Besteht diese Trennung lange genug, d. h. über viele, viele, viele Generationen hinweg, kann es passieren, dass ab einem gewissen Punkt die großschnäbligen Vögel nur noch untereinander erfolgreich Nachwuchs zeugen können, mit den kleinschnäbligen Vögeln dagegen nicht mehr. Vielleicht, weil sich nicht nur die Schnabelgröße verändert hat, sondern auch die Gefiederfarbe und sich die beiden Populationen nicht mehr als "Artgenossen" erkennen können. Vielleicht kommt es aber auch zu Veränderungen im Bau der Geschlechtsorgane, sodass die beiden Populationen nicht mehr kompatibel sind oder die genetischen Unterschiede werden so groß, dass eine erfolgreiche Fortpflanzung unmöglich wird oder gezeugter Nachwuchs vorzeitig (noch im Ei) stirbt. Wenn das der Fall ist, dann spricht man von zwei getrennten Arten. Disruptive Selektion infolge der Anpassung an zwei verschiedene ökologische Nischen in einem gemeinsamen Lebensraum ist daher der wichtigste Faktor der sympatrischen Artbildung.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Die Veränderungen der Sektionen kann man nur unter Zuhilfenahme von retrograden, extrapolierten Analysemethoden feststellen. Dabei kann die syntaktische Identität der potentiellen Kommunikationsproblematik unter Berücksichtigung der potentiellen Einflussfaktoren im Fragmentarismus derartig extrapoliert werden, dass die Metamorphose des kategorischen Imperativs weitestgehend minimiert wird.

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