Ähnliches Aussehen vs verschiedene Gene, was attraktiver?

Das Ergebnis basiert auf 6 Abstimmungen

Wir unterscheiden uns äusserlich (stark) 67%
Wir sehen uns äusserlich (sehr) ähnlich 33%

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Guten Tag,

die Fragestellung geht von einer richtigen, und einer falschen Annahme aus.

Richtig ist es, dass sich im Regelfall nur Menschen zueinander hingezogen fühlen, die genetisch nicht allzuweit voneinander entfernt sind. Das hat die Natur so geregelt, da zu hohe genetische Unterschiede, genau wie eine zu hohe genetische Ähnlichkeit (Inzucht) zu Problemen für die Nachfahren führen kann.

Man erkennt z.B. anhand von Statistiken der sog. "Dating-Apps", dass Ethnien ihresgleichen bevorzugen. Afrikanerinnen mögen also eher Afrikaner, Europäerinnen eher Europäer, und Asiaten eher Asiatinnen, um es mal ganz grob auszudrücken.

Falsch ist es hingegen, daraus den Schluss zu ziehen, dass man sich Partner sucht, die einem möglichst ähnlich sehen, und somit seinen eigenen Zwilling heiraten würde, wenn man einen hätte. Das ist natürlich Humbug, und wäre dem Plan der Natur, für eine gute genetische Vielfalt zu sorgen, entgegengesetzt.

Man sucht im Regelfall, wie Sie schon richtig beschrieben haben, eine Ergänzung der eigenen Genetik. Im Volksmund sagt man "Gegensätze ziehen sich an!" ... das ist korrekt, insofern diese Gegensätze sich in Grenzen halten. Kein Europäer steht auf Buschmenschen oder Pygmäen - die Gegensätze sind da einfach zu krass.

Das bedeutet also, dass ein großer Mann sich im Regelfall eine kleine Partnerin sucht, eine kleine Dame gerne einen großen Herren, er hat eine Adlernase, sie eine Stupsnase, er hat ein rundes Kinn, sie ein spitzes, er hat blonde Haare, sie schwarze, und so weiter und so fort. Dies alles nur im Kreis der eigenen Ethnie; in meinem Falle wäre es, ganz grob beschrieben, die europäische.

In nördlicheren Ländern steht man oft auf Südländer, in südlicheren Ländern auf Nordländer. Auch dieses Phänomen ist dadurch zu erklären, dass Gegensätze sich anziehen. Auf Afrikaner oder Chinesen stehen hierzulande nur die Wenigsten, da wie bereits erwähnt die genetische Distanz zu hoch ist, um eine merkliche Attraktion aufbauen zu können, aber Griechen, Italiener, Spanier etc. sind für viele interessant, so wie sich umgekehrt ein Schwede in z.B. Portugal wohl vor Damen kaum retten könnte.

Ausnahmen bestätigen hier die Regel; es wird immer auch welche geben, die aus Mangel an einheimischen Damen (z.B. die frühen europäischen Kolonialisten Afrikas) auch eine Afrikanerin heiraten. Eine Dame, die in China lebt, wird sich wohl auch irgendwann einen Chinesen suchen, und wenn es nur aus Einsamkeit ist. Die Regel ist jedoch, wie bereits erwähnt und wie durch Statistiken bestätigt, dass die eigene (durchaus breit gefasste) Ethnie bevorzugt wird. Das sieht man in multiethnischen Staaten wie den Vereinigten Staaten von Amerika zu genüge.

Liebe Grüße!

Wow, vielen Dank für die ausführliche Antwort, das beantwortet meine Frage wirklich perfekt!!

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Die "Regeln", die für die Partnerfindung gelten, sind sehr komplex und vielschichtig und finden auf mehreren Ebenen statt. Bei der Partnersuche spielen einfach viele verschiedene Kriterien eine Rolle, viele davon laufen komplett unbewusst ab und im Endeffekt ist es damit unmöglich zu sagen, ob zwei Menschen wirklich zueinander passen oder nicht. Man kann aber einige grundlegende Aussagen treffen.

Die Ähnlichkeit spielt für viele eine wichtige Rolle bei der Partnersuche, getreu dem Motto "gleich und gleich gesellt sich gern". Dabei spielt nicht nur ein ähnliches Aussehen eine Rolle, sondern auch gemeinsame Charakterzüge, z. B. ein gemeinsames Hobby, ähnliche Interessen, ein ähnlicher Musikgeschmack oder auch gemeinsame politische Ansichten. Wenn man einander ähnelt, gibt es logischerweise viele gemeinsame Schnittpunkte, was für das Führen einer harmonischen Beziehung sicher förderlich ist.
Bei der Bevorzugung eines körperlich ähnlichen Partners könnte das species recognition concept eine Rolle spielen: was einem äußerlich ähnelt, wird als zur eigenen Art gehörend erkannt und ist damit ein potentieller Fortpflanzungspartner. Hinzu kommt, dass Menschen gern unter sich bleiben. Wir sind ja eine höchst soziale Art. Das Überleben des Einzelnen hängt von seiner Gruppe ab. In der Evolution sind daher Merkmale entstanden, die das Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe stärken. Ein Individuum einer anderen Gruppe hingegen ist in erster Linie kein verlässlicher Partner, sondern ein Konkurrent (das sieht man z. B. deutlich bei Schimpansen, die innerhalb ihrer Gruppe sehr freundlich und hilfsbereit miteinander umgehen können, unterschiedliche Schimpansengruppen können sich hingegen regelrecht bekriegen bis hin zur Auslöschung einer ganzen Gruppe). Deshalb neigen wir dazu, einen Fortpflanzungspartner zunächst einmal innerhalb unserer eigenen Gruppe zu suchen. Menschen, die anders aussehen, betrachten wir hingegen erst einmal eher argwöhnisch. Die USA beispielsweise sind seit Jahrhunderten ein Schmelztiegel unterschiedlichster Gesellschaften und Ethnien. Bis heute werden Ehen aber in den USA in den allermeisten Fällen z. B. zwischen Weißen und Weißen und zwischen Schwarzen und Schwarzen geschlossen, Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen sind bis heute eher selten.

Gleichzeitig gibt's aber auch Leute, die ganz bewusst eine andere Strategie verfolgen, nämlich "Gegensätze ziehen sich an". Wer kennt denn nicht in seinem eigenen Bekanntenkreis dieses eine Paar, wo man sich auch fragt: "was finden die nur aneinander? Die sind doch wie Hund und Katz'?" und trotzdem scheint auch dieses "Modell" sich evolutionär bewährt zu haben.

Die genetische Kompatibilität spielt bei der Partnerwahl auch eine Rolle. In der Tat ist es vorteilhaft, einen Partner zu wählen, der zu einem selbst möglichst genetisch verschieden ist. Dabei spielt aber weniger das Aussehen eine Rolle als vielmehr ganz andere Eigenschaften, nämlich solche, die die genetische Variabilität erhöhen und die Heterozygotie erhöhen.
Viele Erbkrankheiten werden rezessiv vererbt. Ein genetisch unterschiedlicher Partner verringert die Wahrscheinlichkeit, dass beide das gleiche krank machende Allel auf den Nachwuchs vererben. Bei anderen Merkmalen ist es vorteilhaft heterozygot zu sein, weil die Heterozygotie selbst einen Vorteil bietet. Das betrifft z. B. das Immunsystem. Je mehr Loci hier heterozygot sind, umso flexibler kann das Immunsystem reagieren. So hat man beispielsweise nachgewiesen, dass Menschen anhand des Körpergeruchs feststellen können, wie stark das MHC-Muster eines potentiellen Partners dem eigenen ähnelt und dass Partner bevorzugt werden (d. h. ihr Körpergeruch als attraktiver empfunden wird), deren MHC-Muster vom eigenen möglichst verschieden ist.

Beids trifft also zu und es ist auch kein Widerspruch, sondern einfach darin begründet, dass die Partnerwahl auf mehreren Ebenen stattfindet, z. B. einer evolutionsbiologisch bedingten genetischen Ebene sowie einer sozialen Ebene.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Wow, vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Dass man ähnliche MHC-Komplexe über den Körpergeruch des anderen erkennen kann, wusste ich gar nicht! Die Natur ist schon wunderbar :D

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@Shadow1430

Wenn du magst, kannst du hier noch mal nachlesen. Dort habe ich den Zusammenhang zwischen Körpergeruch und MHC ausführlicher beschrieben.

Generell empfehle ich von Burda, Zrzavý und Bayer das Lehrbuch "Humanbiologie", sollte es eigentlich in jeder Universitätsbibliothek zu beschaffen geben. Darin gibt es ein ganzes Kapitel, das sich nur mit den (evolutionsbiologischen) Hintergründen der menschlichen Paarfindung beschäftigt.

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Wir unterscheiden uns äusserlich (stark)

Ich finde helle Männertypen anziehend und kann mich nicht über mangelnde Komplimente oder Blicke beklagen. Ich falle mit meiner gebräunten Haut , meinen dunklen Augen und meinen glatten schwarzen Haaren positiv auf, ein Latina Typ. Finde Kinder von Mischehen sehen sehr schön und außergewöhnlich aus, z.B. dunkle Haut und helle Augen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung
Wir unterscheiden uns äusserlich (stark)

Das mit dem Geruch kannte ich, auch das man ähnliche Interessen und Sichtweisen oder ein ähnliches Bildungsniveau bevorzugt. Vom möglichst ähnlichen Aussehen habe ich aber noch nie gehört. In meinem Fall trifft das auf jeden Fall nicht zu, ich bin 1,95m groß und relativ muskulös, wäre jetzt nix, was ich mir unter einer attraktiven Frau vorstellen würde. Darüber hinaus bin ich klar der dunklere Typ, dunkle Haare, dunklere Augen, dunklere Haut, meine Frau ist relativ normal groß, blond, schlank, helle Haut, helle Augen usw.. Tatsächlich hatte ich auch früher fast immer Freundinnen die eher das optische Gegenteil von mir waren. Bei Geruch, Bildung, Interessen usw. würde ich die Untersuchungen aber voll bestätigen.

Ich glaube, der evolutionäre Trick ist es, sich einen ähnlich aussehend Partner zu suchen, der aber andere Gene hat. Möglicherweise läuft das über den Geruchssinn.

Genau umgekehrt ist es, siehe meine Antwort.

Dass der Geruch bei der Partnerwahl mitspielt ist allerdings korrekt. Deshalb sind Deos und Parfüms nicht nur überflüssig, sondern oft nachteilig.

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