ADHS/ADS -.

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8 Antworten

Schwere Frage. Ich würde es gerne beschreiben aber ich weiß nicht wie sich ein Mensch ohne ADHS fühlt ... das ist wie mit der Farbe: Die kannst du auch nur zeigen, nicht beschreiben.

Ich versuche es trotzdem mal.

Zuerst mal fühlt man sich mit ADHS natürlich normal. Wer als Kind merk man dass irgendetwas anders ist. Dass man sich nicht so gibt wie die anderen, dass man irgendwie anders tickt. Ich wollte immer lieb sein, trotzdem habe ich Strafen bekommen. Ich war felsenfest überzeugt dass ich mich ganz normal wie die anderen verhalten habe ... hab ich aber offenbar nicht. Gerade in Kind sieht das ja nicht. Das frustriert denn überall stehen unsichtbare Wände.

Das zieht sich her durch bis ins Erwachsenenalter.

Ich habe erst als Erwachsener eine Behandlung begonnen. Vielleicht ist der Unterschied mit und ohne Medikamente am prägnantesten.

Ich bin mit Medikamenten ein bisschen kontrollierter. Garnicht mal so viel aber - dieser Moment der zwischen "explodieren" und "überlegt reagieren" liegt - den kann ich mit Medikamenten nutzen um so zu reagieren wie ich es wirklich will. Ich kann dadurch das tun was sinnvoll ist, nicht nur das was mir gerade in den Sinn kommt. Das heisst jetzt nicht dass ich ohne Medikamente ein unkontrolliertes etwas bin. Sobald ich etwas wirklich planen muss funktioniere ich wie jeder andere. Es geht um diese Alltäglichkeiten Kleinigkeiten. Reaktion auf einen blöden Spruch. Überhaupt Reaktionen auf andere - wie oft habe ich Leute beleidigt, mich im ton vergriffen ohne es zu wollen. Oder: Noch einen Keks essen oder wieder an die Arbeit gehen. Ganz auffällig: Autofahren. Das sind die berühmten "Exekutivfunktionen".

Zur berühmten Reizoffenheit ... ich spüre durch die Medikamente dass ich alle Reize, auch die internen, stärker, "lauter", wahrnehme. Ich habe es früher in einem vollen Kaufhaus oder einem Weihnachtsmarkt nicht länger als 10min ausgehalten. Ich bin schon mehrfach aus Kaufhäusern rausgerannt - wirklich geflohen - weil ich es nicht ausgehalten habe. Jetzt ist das nicht immer nicht meine Lieblingsort. Aber ich kann einkaufen oder über einen Weihnachtsmarkt gehen ohne nur noch weg zu wollen oder total schlecht gelaunt zu werden.

Meiner Frau ist aufgefallene ass ich im Urlaub früher in fremden Städten immer in Hinterhöfe, in Seitenstraßen gezogen habe. Jetzt kann ich mir auch die Hauptstraßen ansehen.

Vielleicht erkläre ich es mal besten mit den Gesichtern... wenn ich früher durch eine Fußgängerzone gegangen bin waren die anderen Menschen ein Fluss dem ich ausgewichen bin. Ich habe auch gute Bekannte nicht gesehen. Jetzt sehe ich dass dieser Fluss aus einzelnen Menschen besteht, aus einem Strom vom Gesichtern und kann diese Gesichter wahrnehmen.

Klarer?

Wie die anderen schon geschrieben haben, kann auch ich nicht sagen, was sich mit ADHS anders anfühlt als ohne, denn ich kenne ja auch nur MIT ADHS. Bei mir wurde ADHS erst festgestellt, als ich bereits 39 Jahre alt war. Ich kann dir sagen, dass einen die Gesellschaft und auch das engere Umfeld einen spüren lässt, das man anders ist als sie. Ich war, ohne medikamentöse Behandlung, nicht in der Lage, die gewaltige Menge an Gedanken in meinem Kopf zu sortieren und nach Wichtigkeit zu ordnen. Ich hab impulsiv entschieden und alles mögliche angefangen, aber nichts wirklich zuened bekommen, weil mir ständig andere, in dem moment für mich wichtigere, Dinge dazwischen gekommen sind. Das Gleiche galt für Unterhaltungen. Es war für meine Gesprächspartner schwer bis unmöglich mir zu folgen, weil meine Gedanken hin und hergesprungen sind und ich beim Erzählen von Hölzchen auf Stöckchen kam. Ein klar strukturierter Satz, bis zum Ende gesprochen, war bei mir eher die Ausnahme. So setzte sich das durch beinahe alle Bereiche des Lebens fort. Ich hab keinen Job lange behalten können, weil ich nicht in der Lage war, mich lange auf etwas zu konzentrieren und mir die meisten Dinge schnell langweilig wurden. Mit Medikament sind all diese Symptome zwar nicht vollständig weg, aber doch soweit abgeschwächt, dass ich alles selbst steuern und nach Prioritäten sortieren kann. Wohlgemerkt, ich spreche hier nur von meinen Erfahrungen, denn ich weiß durch viele Gespräche mit anderen Betroffenen, dass ADHS eine sehr vielschichtige Erkrankung ist, die viele unterschiedliche Facetten in unterschiedlich schweren Ausprägungen hat. Ich hatte auch große Probleme, viele Menschen um mich zu haben, da sich diese zu einer homogenen Masse verschmolzen und mir sehr bedrohlich erschienen, weil ich nicht in der Lage war, diese gigantische Flut an Eindrücken zu verarbeiten. Ich hab mich dadurch schon anders gefühlt und hab auch oft sehr stark gemerkt, dass meine Andersartigkeit (viel und schnell reden, unorganisiert und fahrig sein, usw) häufig auf Ablehnung stieß. Das kann, wenn man nicht weiß, woher es kommt und was man dagegen unternehmen kann, einen Menschen durchaus sehr einsam und Unglücklich machen. Doch wenn die Ursache für solches Verhalten klar ist und behandelt wird, kann man sehr gut mit ADHS leben und sich darauf einstellen. Ich hoffe ich konnte helfen

martinpalantina hat schon geschrieben, dass man es nicht beschreiben kann. Ich könnte dich genauso fragen, was du im Gegensatz zu einem AD(H)Sler empfindest...

Es ist nicht so, dass man denkt, dass man sich von den anderen total unterscheidet, man merkt nur manchmal, dass man anders ist und anders denkt. Ich habe so das Problem, dass ich manchmal erst fünf Ecken überspringe, um etwas zu erklären. Ich denke auf eine andere Art und Weise, wie ganu das ausschaut weiß ich nicht.

Empfinden tue ich im Bezug auf mein ADHS eigentlich gar nichts. Also ich wünschte mir manchmal ruhiger sein zu können. In der Schule habe ich manchmal solche Phasen in denen ich einfach mal raus muss und mich bewegen muss. Auch jetzt bewege ich die ganze Zeit meine Beine. Was mir grade noch als "unterschied" einfällt, wenn ich grade eine halbe Stunde gelernt habe und eine Weile konzentriert gearbeitet habe, muss ich aufstehen und dann tanze ich durchs ganze Hause, dann kann ich weiter arbeiten. Ich merke einfach, dass irgendwann die "Energie" weg ist und ich fange an auf meinem Stuhl zu wackeln und konzentriere mich nicht mehr...

Eine Freundin von mir hat ADHS. Es fällt ihr sehr schwer Ordnung zu halten, sie sucht dauernd irgend etwas. Sie kann sich schwer konzentrieren und ist leicht ablenkbar. Termine einzuhalten und pünktlich zu sein fällt ihr auch schwer.

Hallo ich habe diese Krankheit also das sagen die Ärzte. also ich habe mal Ritalin dagegen genommen und ich merkte den unterschied dazu mit Ritalin und ohne gar nicht aber alle die von der Krankheit wussten schon. also ich fühle mich ganz normal also nicht anders als die anderen ohne diese Krankheit.

ADHSler haben ihren ganz eigenen Kopf. Wenn du was machst, was sie überhaupt nicht möchten, dann werden die schnell aufbrausend und auch sonst brauchen die immer Beschäftigung und viel Bewegung, weil ohne dem sie unruhig werden. So verstehe ich das "Krankheitsbild" Das bedeutet nicht, ADHSler sind dumm oder verrückt, das meinte ich sicher nicht!

washilfts 06.12.2013, 12:49

im gegenteil - die meisten ADHS-ler sind überdurchschnittlich intelligent.

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Man steht wie unter Strom, ist hibbelig, schnell gereizt und agressiv, depressiv, man kann sich schlecht konzentrieren und ist schnell ablenkar.

sie haben eine störung der neurotransmitter (im gehirn), das läßt sie wechselhaft wirken, viele sind künstlerisch begabt, für mitmenschen sind sie meist eine belastung, weil sehr sprunghaft. si ebrauchen lebenslang medikamente (ritalin, medikinet)

einelenabitte 06.12.2013, 19:20

falsch, falsch und nochmal; falsch!

weder brauchen AD(H)Sler ihr Leben lange Medikamente, noch sind sie eine Belastung!

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Adlerblick 09.12.2013, 15:38
@einelenabitte

3 x DH liebe einelenabitte, Du räumst endlich mal mit den üblen Vorurteilen auf!!!

Danke Dir dafür!

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amidon 09.12.2013, 16:04
@Adlerblick

ihre persönliche manifestierung kann nicht für alle sprechen, gut für sie, dass sie wenig probleme hat, leider sind andere viel schlimmer dran. im übrigen, sie hat noch keine begründung geliefert, nur die beschreibung der eigener lage. ADHS isr lebenslang und muss, wenn man es unter kontrolle haben will, permanent mit ritalin oder medikinet behandelt werden

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martinpalatina 09.12.2013, 17:22
@amidon

Nein.

Es ist zwar richtig dass die Stoffwechselanomalität im Gehirn ein Leben lang besten bleibt. Aber dennoch ist es meist nicht nötig ein Leben lang Stimulanzien zu nehmen. Die Wahrscheinlichkeit diese nur einen begrenzten Zeitraum zu brauchen ist umso größer je früher die Behandlung anfängt.

Der Punkt ist dass man durchaus lernen kann sein ADHS so weit unter Kontrolle zu bringen dass es keinen Krankheitswert mehr hat (auch wenn es organisch noch "da" ist). Bei diesem Lernprozess helfen in vielen Fällen die Stimulanzien. Manchmal helfen die auch nicht und manchmal geht es auch ohne, aber meist braucht man sowohl die Medikamente als auch Therapien, beides eine begrenzte Zeit.

Das ganze ist Stand der Medizin und nennt sich "multimodale Therapie".

ADHS behandelt man weil es für die Betroffenen eine Belastung ist. Wenn Mitmenschen Probleme mit (meinem oder anderer Personen) ADHS haben - tja, ihr Problem. ICH geh zum Arzt weil ICH eine Problem habe. Ich bringe eine Kind zum Arzt weil DAS KIND Probleme hat, nicht weil irgendwelche Nachbarn ein Problem haben.

Wenn andere ein Problem haben sollen die bitteschön zum Arzt gehen.

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