ADHS mit Homöopathie behandeln?

Support

Liebe/r ver00nika,

das ist eine spannende Ratsuche, allerdings gehört Deine Frage zu einem Bereich, bei dem die Meinungen mitunter sehr stark auseinander gehen. Es ist also in diesem Fall besonders wichtig, dass alle darauf achten, Fragen und Antworten immer sachlich und respektvoll zu formulieren und mit einem kühlen Kopf zu kommunizieren.

Ich möchte Dich und auch die Antwortenden bitten, auf einen angemessenen Umgangston zu achten und auch andere Meinungen zu respektieren. Nicht-sachliche Beiträge werden entfernt.

Vielen Dank für Euer Verständnis.

Herzliche Grüsse

Frieda vom gutefrage.net-Support

13 Antworten

Hallo ver00nika,

aus der Entfernung kann ich natürlich nicht beurteilen, ob Dein Bruder wirklich ADHS hat oder nur ein sehr lebhaftes Kerlchen ist. Bestimmt kümmert Ihr Euch um eine saubere Diagnose, nicht nur von einem Heilpraktiker, sondern von einem Arzt Eures Vertrauens. Im Ernstfall schadet Euch auch eine Zweitmeinung nicht, falls Ihr unsicher seid.

Gehen wir bei der Beantwortung der Frage also davon aus, dass es ADHS ist, ok?

Homöopathie wird sehr oft bei ADHS empfohlen. Das darf man aber nicht mit der Aussage verwechseln, dass bestimmte homöopatische Präparate nachweislich eine spezifische Wirkung bei ADHS hätten. Das ist nämlich nicht der Fall.

Wie kann das sein?

Zunächst muss man sich umfassend darüber informieren, was Homöoapthie eigentlich ist. Ganz kurz: Homöopathie bezeichnet sich selbst als sanftes, nebenwirkungsfreies Naturheilverfahren. Das ist nicht richtig.

Homöopathie ist ein vor 200 Jahren entwickeltes, auf damaligen Vorstellungen aufbauendes Verfahren, dessen Prinzipien im Laufe der letzten 200 Jahre in Widerspruch zu den in dieser Zeit gemachten naturwissenschaftichen Erkenntnissen geraten sind. Im Einzelnen:

  • Die Homöopathie behauptet, man könne "Gleiches mit Gleichem" heilen. Ein Mittel bekämpfe diejenigen Symptome beim Kranken, die es beim Gesunden hervorruft. Diese Säule der Homöopathie geht auf ein falsches(!) Selbstexperiment mit Chinarinde zurück, das so nie wiederholbar war. In der Medizin ist dieses sogenannte Ähnlichkeitsprinzip als allgemeingültiges Heilungsprinzip inzwischen widerlegt. Die allermeisten Krankheiten werden verschlimmert durch Medikamente, die ähnliche Symptome hervorrufen, nicht verbessert.

  • Die Homöopathie ist kein Naturheilverfahren. Es werden vielmehr auch höchst giftige Stoffe wie Arsen, Blei, Plutonium oder auch Absurdes wie Hundekot, Berliner Mauer oder Supernova verwendet. Damit also die keineswegs harmlosen Stoffe nicht schaden, erfand Hahnemann (der Erfinder der Homöopathie) das Prinzip der Verdünnung

  • Das ist die zweite Säule der Homöopathie: Die Wirkstoffe werden in mehreren Schritten verdünnt. Entweder in Schritten 1:10 (sogenannte D-Potenzen) oder in Schritten 1:100 (sogenannte C-Potenzen, C wie "centum"). Die Zahl dahinter gibt die Anzahl der Verdünnungsschritte. D6 bedeutet also 1:10^6, also 1 einziges Wirkstoffmolekül auf 1 Million Moleküle Lösungsmittel (Wasser oder Wasser/Alkohol).

  • Ganz wichtig: Der Homöopath sagt jetzt, dass das Mittel umso stärker ist, je höher die Potenz ist (also je höher die Verdünnung). Im Bild der Homöopathie ist also ein C30 Mittel stärker als ein D6. Zur Erinnerung: C30 = Hunderterpotenz = 1:100^30 = 1:10^60. Das entspricht einem Tropfen Wirkstoff in mehreren Erdvolumina Lösungsmittel. Oder anders ausgedrückt: Ein C30-Fläschchen enthält kein einziges Wirkstoffatom mehr, sondern nur noch Lösungsmittel, ist aber laut Homöopathie ein extrem starkes Mittel. (In echt ist es reiner Zucker.)

Soweit alles klar? Hahnemann wusste vor 200 Jahren noch nicht, dass Verdünnen irgendwann einfach keinen Sinn mehr macht, weil man nur noch Lösungsmittel mit Lösungsmittel verdünnt. Er lebte zu einer Zeit, als man in der Chemie noch nicht die Zahl der Moleküle in einer bestimmten Stoffmenge berechnen konnte. Er lebte zu einer Zeit, als in der Medizin geschröpft wurde - und im Vergleich dazu war die Homöopathie gut: Reiner Zucker schadete den Patienten wenigstens nicht. Daher begannen sich Erfolgsgeschichten um den heilenden Zucker zu bilden.

Etwa 70-80% der Erkrankungen heilen von selbst aus; chronische Krankheiten haben Wellen der Besserung und Wellen der Verschlechterung. Beides ermöglicht Erfolgsgeschichten: Nimmt man in beiden Fällen Globuli an dem Zeitpunkt, an dem es einem besonders schlecht geht, dann kommt es logischerweise irgendwann danach, mitunter bald danach zu einer Besserung der Symptome. Ganz unabhängig von den Globuli, sondern durch die natürlichen Verläufe.

Durch die Mitteleinnahme hatte der Patient außerdem das Gefühl, nicht hilflos der Krankheit gegenüber zu stehen, er wird zuversichtlich, er erwartet eine Verbesserung, besonders wenn er die Globuli von einer Vertrauensperson empfohlen bekam. Es kommt auch zu unbewussten Konditionierungen, kurz: die Globuli erzeugen einen starken Placeboeffekt, der den Patienten beruhigt, sein Schwerzempfinden herabsetzt und ihn sozusagen die Wartezeit auf das Gesundwerden erleichtert. Der Patient erträgt die Krankheit mit Placebo nachweislich leichter - die eigentliche Krankheit wird jedoch nicht behandelt, weil die Globuli keine spezifische (also auf die Krankheit zugeschnittene) Wirkung haben.

Auf diese Weise - und verstärkt durch enorme Bewerbung der angeblich sanften Medizin - entsteht aber bei vielen Menschen der Eindruck, die Globuli hätten eine spezifische Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus.

.... Moment geht gleich weiter ....

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.... Fortsetzung ....

So, jetzt speziell zum ADHS:

ADHS ist eine dauerhafte Sache, die man medizinisch nicht "heilen" kann, man kann nur versuchen, die Symptome zu lindern und lernen, mit der Situation umzugehen. Genau solche Krankheitsbilder verleiten aber dazu, nach "Alternativen" zu suchen. Manche Leute scheuen die Nebenwirkungen der Psychopharmaka, die bei ADHS gegeben werden, manche hoffen auch auf endgültige Lösungen.

Hier kommen die Versprechungen der Homöopathen ins Spiel, denn diese behaupten durchaus, Globuli würden bei ADHS gezielt wirken. Es gibt sogar angeblich sehr gute Studien dazu, die dies angeblich belegen. Liest man immer wieder, hört man immer wieder im Fernsehen. Es ist dennoch nicht richtig.

Die wichtigsten Studien zu diesem Thema - Homöopathie bei ADHS - hat Dr. Norbert Aust in seinem Blog wirklich ausgiebig und sachlich und nachvollziehbar analysiert. Und er kommt zu dem Ergebnis, dass die in diesen Studien gemachte Schlussfolgerung "Homöopathika helfen bei ADHS" nicht rechtfertigen.

Hier ein Link auf die Analyse der bekanntesten und meist zitierten Studie von Heiner Frei

http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=110

Im Blog werden aber noch weitere Studien zum Thema besprochen. Am besten liest Du es Dir einmal unvoreingenommen durch. Ich empfehle auch Dr. Austs Buch zum Thema Homöopathie ganz allgemein, weil darin sehr gut dargestellt ist, wie wenig haltbar die Aussagen der Homöopathen und der Studien, die sie als Belege vorlegen sind, wenn man genauer hinsieht. (In Sachen Homöopathie - Eine Beweisaufnahme)

Was ist jetzt mit Deinem Bruder?

Also wie gesagt: Alles über einen guten Arzt regeln, nicht nur einen Heilpraktiker.

Ansonsten: Homöopathie wirkt als Placebo - als gutes Placebo, wenn man sie mit dem ganzen Ritual der Anamnesegespräche durchzieht. Gerade bei Erkrankungen wie ADHS können solche psychischen Placebos den Kindern wirklich manchmal(!) helfen. Der Glaube, dass ein Medikament hilft, kann etwas bewirken. Ihr solltet Euch aber im Klaren sein, was Ihr macht, wenn Ihr Homöopathie verwendet: Ihr verwendet ein Placebo. Eine echte Wirksamkeit über diese psychologischen Effekte hinaus haben die Globuli nicht - entgegen der Behauptungen ihrer Verfechter.

Ihr könnt entscheiden, ob ihr auf diese psychologischen Effekte ("hier hast Du ein Mittel, das Dir dabei helfen wird"...) versuchsweise setzen wollt, Ihr solltet Euch aber keinesfalls einreden, damit eine echte Therapie gegen das ADHS zu fahren. Es ist ganz wesentlich, sich das klar zu machen und nicht zu vergessen. Dann weiß man nämlich auch, dass einem zusätzlich noch evidenzbasierte Therapien und/oder Verhaltenstherapien zur Verfügung stehen.

Lasst Euch also nicht einreden, Globuli wären mehr als Placebos. Wenn Ihr es aber zuerst bewusst mit einem Placebo probieren wollt, dann kann man das in Rücksprache mit einem guten Arzt durchaus machen. Wichtig ist halt, dass man weiß, was man tut.

Grüße und viel Glück

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ADHS sollte niemals nur mit Medikamenten behandelt werden. Ob es nun homöopathische Mittel sind oder Medikamente. Ein Kind muss lernen, mit sich und seiner Umwelt klar zu kommen. Dazu gibt es verschiedene Arten der Therapie. Medikamente sollten nur als Unterstützung dafür dienen!

Von Homöopathie halte ich persönlich nur wenig. Eine derartige Behandlung sieht wohl ähnlich aus, wie eine medikamentöse Behandlung. Je nach dem was für Mittelchen er nehmen wird, sind sie in einer Drogerie zu finden. Die Kosten müsstet ihr dafür selber tragen. Ärzte sollten Kinderärzte sein. Es gibt aber teilweise auch Heilpraktikanten. Da musst du einfach mal googlen. Ich weiß nicht, ob es in Österreich die gelbenseiten gibt. dort kannst du auch online nach einem Heilpraktiker finden. Wenn nicht gibt es in Österreich auch irgendein anderes Brachenbuch!

Bevor du dich in die nicht gerade preiswerte Erstanamnese bei einem Homöopathen begibst, gäbe es zu überlegen, ob du nicht zunächst Gespräche mit einem Kinderpsychologen führen möchtest. Den bezahlt die gesetzliche Krankenkasse. Da schluckt der Junge erst einmal überhaupt nichts, weder Ritalin noch Placebokügelchen! Ob das Kind etwas einnimmt, bestimmen nämlich einzig und allein die Erziehungsberechtigten. In vielen Fällen ist das nicht notwendig. Eventuell rät er zu einer Familientherapie. Das klärt die Umgebungsfaktoren näher ab - das Verhalten in der Familie und in der Schule sind zum Beispiel oft sehr unterschiedlich und folgen irgendwelchen Rollenmustern, die man aufbrechen und ändern kann. Manche Psychologen oder psychologische Beratungsstellen bieten auch Gruppentherapien an, in denen Verhaltenstraining stattfindet. Das macht den Jungs meistens sehr viel mehr Freude - und die Motivation hält länger an. Wäre das nicht verantwortungsvoller, als das Kind irgendetwas schlucken zu lassen? Nach meiner Erfahrung läuft es auch bei Homöopathen auf jeden Fall darauf hinaus. Das Argument, dass diese Kügelchen "aber unschädlich sind, weil ohne Nebenwirkung" ist ein Märchen. Die Kügelchen haben keine Nebenwirkungen, weil sie wirkungslos sind. Die Wirkung erfolgt allenfalls über den Placeboeffekt - und eine gewisse Abhängigkeit könnte dadurch entstehen. Böse Zungen könnten behaupten, dass dies auch durchaus so gewollt ist. Was bringt den Doktor um das Brot? a) die Gesundheit, b) der Tod. Das gilt ganz genau so für jeden Homöopathen, der auch nicht arbeitet, weil er so ein guter Mensch ist, sondern schlicht und einfach Geld verdienen will.

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