ADHS?

4 Antworten

Die Fragen ergebn so keinen Sinn

ADHS ist nicht gleich ADHS. Das kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Es gibt Leute bei denen eine spezielle Förderung total ausreicht und es gibt eben Leute die einfach auch Medikamente brauchen und ohne diese geht's dann auch einfach nicht.

Ich hab ein Praktikum in einer Schule für Sonderpädagogik gemacht und da waren viele Kinder mit so extremen ADHS Ausprägungen, für die war es schrecklich ohne Medikamente, denn dann würden sie in permanemter Reizüberflutung leben. Aber auch mit den Medikamenten mussten sie trotzdem auf diese spezielle Schule gehen und brauchten auch ein sehr spezielles lernumfeld.

Eine bestimmte Förderung und Erziehung ist also immer die erste Konsequenz, während Medikamente nicht in allen Fällen sinnvoll sind

Die Frage ist erst mal, ob man ein Kind anders behandeln sollte, nur weil es bestimmte Probleme hat. Also ob ein Kind weniger indivduelle Behandlung und Rücksichtnahme, Geborgenheit, Sicherheit, Zuwendung, Freundlichkeit erwarten darf, nur weil es bestimmte Probleme hat.

Ich habe es bei zwei unterschiedlichen Menschengruppen, geistig behinderten Menschen und Senioren (vor allem mit leichten Auffälligkeiten wie schwindendem Gedächtnis, "Eigenarten", Kommunikationsproblemen) erlebt, dass einige Menschen meinten, diese müssten "autoritär" behandelt werden. Einer sagte konkret, diesen Menschen müsse man einen engen Rahmen stecken und alles streng vorgeben - also gar nicht auf sie eingehen. Das entwickelt dann auch eine Eigendynamik, der Betroffene reagiert entsprechend, wird weniger aktiv, traut sich weniger zu, wartet lieber ab, versucht, keine "Fehler" zu machen. Er wird also abhängiger und unsicherer. Und er fasst eher Zutrauen zu Menschen, die ihn noch als gleichwertigen Menschen behandeln, nach seiner Meinung fragen, ihn respektieren. Hart ausgedrückt, bedeutet "autoritäre Behandlung", dass der Mensch wie ein zu trainierendes Tier behandelt wird. Man redet nicht mehr mit ihm, sondern über ihn und einigt sich dann auf bestimmte Regeln, Vorgaben, Reaktionen (z.B: weniger fragen, immer gleiche Abläufe, mehr vorgeben, mehr für ihn entscheiden, seine Einwürfe ignorieren usw.).

Bzgl. Medikamente sagen meines Wissens einige Betroffene, dass ihnen Medikamente geholfen haben, etwas zu verändern, das sie selbst verändern wollten und andere Betroffene sagen, dass sie sich durch Medikamente fast fremdgesteuert fühlten. Hier sollte also mMn eine enge Zusammenarbeit mit dem Arzt und - bei Eltern - intensive Beobachtung des jungen Kindes sowie offene Diskussion mit dem älteren Kind/ Jugendlichen erfolgen, um zu entscheiden, ob und in welcher Form Medikamente sinnvoll sind. Hart ausgedrückt: Der Jugendliche soll nicht irgendwann glauben, seine Eltern würden ihn nur mögen, wenn er unter Drogen ist. Es soll aber auch keinem ein Medikament verwehrt werden, von dem er empfindet, dass es seinen Alltag vereinfacht und ihm hilft, sich besser zu kontrollieren. Wohlgemerkt SICH zu kontrollieren, nicht von anderen besser kontrolliert werden zu können.

Wie immer sollte der Mensch im Vordergrund stehen, nicht seine Störung. Das ist auf jeden Fall zu vermeiden. Das bedeutet, dass insbesondere ein ADS betroffenes Kind mit nicht betroffenen Geschwistern sehr sorgsam behandelt werden muss, damit es nicht glaubt, es sei aufgrund seiner Störung weniger wert oder hätte keine Offenheit, Rücksicht und Zuneigung verdient.

Das Kind HAT ADS, es IST aber immer noch eine komplexe Persönlichkeit mit Bedürfnissen. Man muss mMn aufpassen, dass nicht jedes "Problem" mit dem Kind auf das ADS geschoben wird und damit eine offene, zugewandte Beziehung verhindert wird.

Man stelle sich zur Probe vor, bei jedem Frust, jeder Wut, Verzweiflung etc., die jeder von uns mal erfährt, kämen die Eltern mit der Tablette oder würden strenger oder würden gar nicht mit einem reden, sondern einen alleine lassen, damit man "sich wieder unter Kontrolle bringt".

Das muss auf jeden Fall verhindert werden, INSBESONDERE, wenn Geschwister da sind, die kein ADS haben und denen solche Gefühle zugestanden werden!

Sehr gut zusammen gefasst.

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Also die 4 Punkte sind irgendwie total verwirrend und nicht eindeutig, weil sie sich teilweise überschneiden:

1 und 3 sind das Gegenteil, also sind die Pro des einen die Kontras des anderen, 2 und 3 sind im Prinzip das gleiche und 4 ist die Zusammenfassung aus 1 und 2.

Du solltest besser EINE Kernfrage aus den 4 Punkten formulieren:

Bis zu welchem Punkt reicht autoritäre Erziehung bei ADHS und wann sind Medikamente unausweichlich?

Das wäre viel klarer. Sonst hast Du am Ende das gleiche Argument bei allen Punkten mal als Pro und mal als Kontra.

Die Punkte 1, 2 und 4 klingen für mich wie Vorgaben aus einer Psychiatrie des 19. Jh. ^^

Gut, dass die Neurowissenschaften heute viel weiter sind.

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