ADHS - was nun?

7 Antworten

Ich kann leider keinen Erfahrungsbericht geben, aber generell solltest du als Elterteil auf dein Instinkt hören, Ich gehe davon aus, da kein organisches Problem vorliegt, das Kind quasi uriniert um Aufmerksamkeit zu kriegen?

Vielleicht auch so einfach mal beobachten wieso das Kind uriniert. Vielleicht auch mal den Psychologen wechseln und auch ganz klar sagen, dass es dir lieber ist, wenn man vielleicht andersweitig therapieren kann, vielleicht mit Medikamenten, die einfacher gestrikt sind. Denn man muss immer abwägen. Ich kann mir nicht vorstellen, wenn das Kind solche Medis kriegt, dass es dann mit dem Urinieren besser wird...wenn ich unter solchen Tablettenwirkungen stehen würde wäre es fragwürdig ob ich es überhaupt zur Toilette schaffen würde. Und da du auch hier die Frage stellst, bist du auch selbst nicht ganz davon überzeugt... Ich wünsche euch alles Gute!!!

Einnässen geht oft Hand in Hand mit einem AD(H)S, das kann also gut ein Grund sein, muss es aber nicht zwangsläufig. Ich habe in meiner Anfangszeit auch mit Medikinet begonnen und nehme sie immer noch, allerdings noch mit einer Concerta, wegen der Dosis. In der ersten Klasse war ich anfangs ein kleines Problemkind, nicht unbedingt schwierig, sondern einfach abwesend und ich konnte mich kein bisschen auf eine Aufgabe konzentrieren. Dann wurde mein ADS diagnostiziert, mir wurde Medikinet verschrieben und von da an war ich die beste Schülerin in der Klasse, ein kleiner Sonnenschein, der mit allem (außer dem regelmäßigen Machen der Hausaufgaben) zurechtkam. Diese Medikamente haben in Verbindung mit der Therapie mein Leben um einiges schöner gemacht. Ich bin ziemlich gut in der Schule, habe Freunde, weiß, was ich mit meinem Leben anfangen möchte und bin einfach nur ein glücklicher Mensch. Und ich glaube, dass ich das ohne Medikamente nicht so einfach erreicht hätte.

So, ich hab jetzt sehr ausführlich über meine persönlichen Erfahrungen mit Medikinet gesprochen, eingenässt habe ich früher zwar nicht, aber ich habe einiges über das AD(H)S gelesen, auch von Kindern, bei denen das Einnässen mit Therapie und Medikamenten aufgehört, oder mindestens viel besser geworden ist, also drück ich die Daumen, dass das bei eurer kleinen Tochter auch funktioniert :)

Die nassen Hosen haben nicht direkt mit ADHS zu tun aber wahrscheinlich indirekt. Und eine Therapie wird nur greifen wenn auch das ADHS behandelt wird.

Ansonsten ist alles soweit du erzählet hast OK. Offenbar war die Diagnostik sauber und es gab eine gründliche körperliche Abklärung - das ist wichtig. Dann hat der Arzt empfohlen sofort eine Therapie zu beginnen und setzt nicht nur auf die Medikamente - so soll es sein. Die Medikamente unterstützen die Therapie.

Zu den Medikamenten: Sie laufen unter BTM nicht weil sie so schrecklich gefährlich sind sondern weil man aus ihnen wirklich gefährliche Zubereitungen machen kann wenn man denn will. Also lass dich vom BTM-Rezept nicht erschrecken.

Bei ungefähr 70% der Patienten hilft Methylphenidat (der Wirkstoff von Medikinet), bei etwa 30% nicht. Ihr werdet ihr sehr schnell feststellen zu welcher Gruppe eure Tochter gehört. Ich gehöre zu den 70%.

Wenn die Tabletten helfen werden sich die Erfolge sehr schnell einstellen, wenn sie nicht helfen bemerkt ihr entweder nichts (meisten) oder unerträgliche Nebenwirkungen (meist Appetitmangel; Kopfweh oder Schlaflosigkeit sind meist Überdosierung).

Es wird eine Einstellphase geben - "Eintitrieren" genannt weil man die Dosis ganz langsam gewissermassen Tröpfchenweise erhöht - "titriert" - bis die optimale Dosis gefunden ist.

Nach dieser Einstellphase bitte auf das Mädchen hören. Wenn sie die Tabletten nicht mag dann helfen sie ihr auch nicht - nicht zwingen. Kinder spüren das genau so wie Erwachsne, die können sich nur nicht so gut artikulieren. Aber in fast allen Fällen in denen sie überhaupt richtig und Nebenwirkungsfrei wirken sind die Kinder mit der Wirkung zufrieden.

Also - wie immer in so Fällen: Vorsicht, Respekt aber keine Panik und es kommt auf den Patienten an.

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