adam smith´s gerechtigkeitsvorstellungen

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2 Antworten

Die Gerechtigkeitvorstellungen, die Adam Smith entwickelt hat, stehen vor allem in seinem zuerst 1759 erschienenen Werk „Theory of Moral Sentiments“ („Theorie moralischer Gefühle“), II.II, 5 – 14 und III.I.122 (Part II Of Merit and Demerit; or, of the Objects of Reward and Punishment. Chapter II Of the proper objects of gratitude and resentment und Part III Of the Foundation of our Judgments concerning our own Sentiments and Conduct, and of the Sense of Duty, Chapter VI: In what cases the Sense of Duty ought to be the sole principle of our conduct; and in what cases it ought to concur with other motives).

Adam Smith hält Gerechtigkeit für eine Tugend, deren Regeln im höchsten Maß genau sind, keine Ausnahmen oder Modifikationen (Abänderungen) zulassen und als unbedingt zu erfüllen besonders stark zu einem Verhalten drängen. Ein Beispiel ist: Wer jemand 10 Pfund schuldet, hat genau 10 Pfund zurückzuzahlen.

Helmut K. Kohlenberger, Gerechtigkeit II.1. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 3: G – H. Basel ; Stuttgart: Schwabe, 1974, Spalte 335: „A. SMITH kommt es vor allem auf den Charakter der G.[erechtigkeit] als Regelsystem an, das der Grammtik vergleichbar ist.“

Adam Smith vertritt in seiner Ethik die Grundthese: Moralische Werturteile bringen Gefühle der Zustimmung (approval) und der Ablehnnung (disapproval) zum Ausdruck. Gerechtigkeit ist grundlegend für das Bestehen einer Gesellschaft. Das zugrunde liegende ursprüngliche Gefühl ist das Vergeltungsgefühl, ein Übelnehmen, wenn etwas geschieht, das als unverdienter Schmerz oder unverdiente Schädigung empfunden wird.

Die Tugend der Gerechtigkeit besteht nach Smith darin, kein Unrecht zu tun (in einer Formulierung damit näher ausgefüht, nicht seinen Nachbarn Schaden zuzufügen). Er nennt sie deshalb eine „negative Tugend“ (ihr Inhalt besteht in einer Verneinung, sie hindert an Übergriffen). Menschen dürfen ihrem Trieb, sich selbst zubevorzugen und zu überschätzen, nicht nachgeben, sondern müssen sich zu beherrschen lernen.

In Büchern stehen eingehendere Erläuterungen, z. B.: Karl Graf Ballestrem, Adam Smith München : Beck, 2001 (Beck'sche Reihe : Denker ; 561), besonders S S. 71 – 72

Karl Graf Ballestrem und Daniel Brühlmeier, Adam Smith. In: Die Philosophie des 18. Jahrhunderts, Band 1: Grossbritannien und Nordamerika, Niederlande (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Begründet von Friedrich Ueberweg. Völlig neu bearbeitete Ausgabe. Herausgegeben von Helmut Holzhey. Die Philosophie des 18. Jahrhunderts – Band 5/1). Herausgeben von Helmut Holzhey und Vilem Mudroch unter Mitarbeit von Daniel Brühlmeier, Francis Cheneval und Simone Zurbuchen . Basel : Schwabe, 2004, S. 559 – 564 und S. 571 - 579

Birger P.Priddat, Adam Smith. In: Großes Werklexikon der Philosophie. Herausgegeben von Franco Volpi. Band 2: L - Z, Anonyma und Sammlungen. Stuttgart : Kröner, 1999, S. 1404 -1405 geht auf die Werke „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations” („Eine Untersuchung über Natur und Ursachen des Wohlstands der Nationen“; zuerst 1776 erschienen) und „Theory of Moral Sentiments“ ein.

Wenn man das marktgemäße natürliche System der Freiheit (natural system of liberty) unbeeinflußt operieren (arbeiten/wirken/vorgehen) läßt, wird es - wie durch eine unsichtbare Hand (invisible hand) geleitet – den Reichtum des Staates erzeugen und vermehren, ohne daß die einzelnen Handelnden etwas anderes betreiben müssen, als iher eigene Interessen zu verfolgen.

Die Moral wird dadurch nicht ungültig, aber funktional begrenzt auf Interaktionen außerhalb des Marktes.

Gerechtigkeitsvorstellungen bei Steuern sind:

1) Gleichheit (Besteuerung entsprechend dem Einkommen/gleichmäßig)

2) Transparenz (Durchsichtigkeit und Nachvollziehbarkeit; wissen zu können, wie hoch die Steuern sind, keine willkürliche Festlegung)

3) Leichtigkeit (Steuern so erheben,wie sie am besten verkraftbar sind)

4) Effizienz (Kosten der Steuerhebung sollen gering bleiben, die Steuern nicht die wirtschaftliche Tätigkeit hemmen und nicht zur zur Steuerflucht/-hinterziehung führen)

Adam Smith arbeitet mit einem fiktiven unparteiischen Beobachter (impartial spectator) des menschlichen Handelns. Moral beruht nach Smith auf einer Ähnlichkeit von Lust- und Leidempfinden, die alle Menschen erfahren, wenn sie beobachten, wie sie sich gegenseitig behandeln. In moralischer Hinsicht billigen wir das Verhalten eines Menschen nicht, weil es nützlich ist, sondern weil es anständig und recht ist. Durch die (fiktive) Beobachtung verhalten sich die Menschen anständig, was ihre zu ihrem Wesen gehörende Neigung zur Eigenliebe überwindet. Der „impartial spectator“ tritt als eine Kollektivperson auf, deren Repräsentationsgehalt in einer gemeinschaftlich geteilten Meinung über das, was „anständig und fair“ ist, besteht. Er stellt in diesem Sinn keine Unbeteiligthiet dar, sondern eine Konvention oder einen gesunden menschenverstand (common sense), den die Menschen akzeptieren, weil sie einen gemeinsamen Standpunkt haben, von dem aus die Handlungen der Mitbürger betrachtet werden. Der „impartial spectator“ läßt die Individuen überlegen, daß sie an der Stelle desjenigen stehen können, dem sie Sympathie (sympathy) zuwenden. Daraus entsteht nach Smith ein Anstoß, aktuell so zu handeln, wie man an dieser Stelle behandelt werden wollte. Doch hängt die Geltung dieser Reflexionsfigur Smith zufolge davon ab, ob man sich vorstellen will, jemals an die Stelle desjenigen zu kommen, welcher der Sympathie bedürftig ist.

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wonach hast du denn direkt gesucht?

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