Abu Ghraib und die Medien

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3 Antworten

Das Thema "Abu Ghraib" ist die Infragestellung unserer idealisierten Welt- und Menschenbilder im Kontrast zur Realität. Der Blick in die Realität zeigt, dass Menschen immer wieder, nicht selten hinter der Maske hehrer Ideale, ihren niedrigsten Gefühlen freien Lauf lassen und Befriedigung daraus ziehen, wenn sie andere Menschen erniedrigen können. Das war in den KZs so, das war im 30jährigen Krieg und in den Hugenottenverfolgungen so, das war in den Balkankriegen so und Islamisten in Afghanistan, Syrien und Irak sind auch keine Heiligen, obwohl sie das vorgeben. Die "Heiligsprechung" von Obama hat mich von Anfang an befremdet. Dass sich die Presse hier über die Sexexzesse von Berluskoni hergemacht hat, am liebsten aber die des franz. Präsidentschaftskandidaten Dominique Strauss-Kahn verschwiegen hätte ist eine Frage von eindeutiger Parteilichkeit, die in allen solchen Bewertungen eine Rolle mitspielt. Wenn das Idealbild vom "demokratischen Amerika" ins Wanken kommt, werden erst mal viele sprachlos. Wenn man andeutet, dass die BRD eigentlich ein Vasallenstaat der USA ist, und wir nicht ohne Strafe gegen deren Eigenmächigkeit und unverholene Machtpolitik aufbegehren können, verlässt man die Bandbreite der political correctness und wird rechts oder linksextrem eingestuft.

Dabei ist es weder rechts- noch linksaußen, realistisch anzunehmen, dass in einer Armee von knapp 1 1/4 Millionen Menschen viele versammelt sind, von denen die oberste Leitung nicht ihre wirkliche psychische Einstellung und das Verhalten in Extremsituationen kennen kann. In Armeen herrscht ein anderer Geist als in der Zivilgesellschaft und es zieht Menschen in die Armee, die sich in der Freiheit der Zivilgesellschaft nicht zurecht finden. Schon deswegen finde ich eine Berufsarmee nur als zweitbeste Lösung, weil man damit das Risiko einer "Inzuchtgesellschaft" erhöht. Andererseits sind die Zivilgesellschaften nun mal nicht so friedlich, dass sie ohne Polizei und Armeen auskommen könnten. Und menschenverachtende Islamisten (und nicht nur die) sind halt nicht mit Streicheleinheiten zu besänftigen. Wenn man sich die Nahost-Politik anschaut und die neuesten Hinweise auf den Vormarsch auf Bagdad der Kämpfer der Organisation Islamischer Staat im Irak und in der Levante (Isil), wird man ahnen, dass sie mit französischen und amerikanischen und evtl. sogar israelischen Waffen kämpfen, die ihnen in Verblendung nach Syrien geliefert worden sind. Jetzt erst wird der Irrsinn des Irak-Krieges deutlich und die Illusion dort einen demokratischen Musterstaat schaffen zu können. Wie schnell war man in Tunesien, Lybien, Ägypten und Syrien mit dem Begriff der demokratischen Revolution bei der Hand und erst langsam wird kritischen Betrachtern deutlich, dass diese westlich geprägten Wunschbegrifflichkeiten (nirgendwo im Westen gibt es die "ideale Demokratie") auf den nahen Osten nicht passen. Aber die politische Diskussionkultur, die auf rechts- oder links Verschlagwortung gesunken ist, hat für differenziertere Betrachtungen keinen Platz auf den Protestplakaten.

LloydBMoney 13.06.2014, 12:45

Nicht wirklich zu meiner Fragestellung, aber mutiger Beitrag - dafür hättest Du bei vielen schon die Bezeichnung "Spinner" oder "Verschwörungsgläubiger" eingeheimst. ;-)

Das Thema "Abu Ghraib" ist die Infragestellung unserer idealisierten Welt- und Menschenbilder im Kontrast zur Realität. Der Blick in die Realität zeigt, dass Menschen immer wieder, nicht selten hinter der Maske hehrer Ideale, ihren niedrigsten Gefühlen freien Lauf lassen und Befriedigung daraus ziehen, wenn sie andere Menschen erniedrigen können.

Dieser Teil ist ja im Prinzip zu dem Aspekt meiner Frage, der Psychologie. Ich bin mir nicht sicher, was Dein Standpunkt ist; "a few bad apples" oder "rotten barrel" ? (Ersteres geht von ein paar Sadisten aus, zweiteres betrachtet das System als Auslöser des Bösen und des Sadismus, die in uns allen stecken sollen.)

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berkersheim 13.06.2014, 18:02
@LloydBMoney

Ich bin der Auffassung von Norbert Elias - der als Jude im Frankfurt der 20er und anfang30er mit wachen Augen die Entwicklung des Nationalsozialismus verfolgt hat. Er hat - aus dem Gedächtnis zitiert - gesagt: Die Decke unserer kulturellen Verfeinerung ist dünn und untendrunter schläft immer noch ein wildes Tier, das manche nicht gerne wahrhaben wollen. Es braucht manchmal nur geringfügigen Anlass, dass es ausbricht, am leichtesten in der Gruppe. Der in Deutschland noch viel gepflegte Idealismus hat uns zu "vernunftgesteuerten" Geistesheroen erhoben, was ich für eine Selbsttäuschung halte. Da werden Phänomene wie gesellschaftlicher Drang und Sog weggeleugnet, Gewalt tabuisiert, statt zu lernen, wie damit umzugehen ist. Und jede Ausbildung hat ihre Grenzen, wo die Macht der Emotionen (Angst, Hass, Ekel usw.) über uns hereinbrechen. Vom Sofa aus lässt sich wortreich über Situationen schwadronieren, in denen Betroffene nicht wissen, ob die Person gegenüber ein Freund oder eine lebende Bombe ist. Da zerreißt es nur jemand anderen auf dem Bildschirm und nicht mal die Salzstangentüte. Ich finde, als nicht Betroffene sind wir mit hohen moralischen Urteilen immer schnell zur Hand.

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LloydBMoney 13.06.2014, 22:50
@berkersheim

Achso, ich hatte das zuerst anders verstanden :-) Dem Kommentar kann ich nur zustimmen und hatte auch schon ähnliche Gedanken: In unserer modernisierten Welt geht die Bindung zur Natur total verloren und wir sind uns kaum noch bewusst, wer wir sind und was wir vermögen - das lässt sich sowohl auf Ressourcen-Ausbeutung, als auch auf Burnout-Ursachen sowie eben "das verdeckte Böse in uns allen" (nicht nur bei Folter, sondern auch Zivilcourage-Unterlassung und unethisch, aber wirtschaftlich profitables Handeln) übertragen. Über die Kraft des Systems und den zivilen Gehorsam sollte aufgeklärt werden, um auch mehr Mut zu säen, sich gegen das System aufzulehnen (wie im Fall von Abu Ghuraib Joseph Darby).

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berkersheim 14.06.2014, 17:07
@LloydBMoney

Dem möchte ich ergänzend hinzufügen: Es gibt nicht nur "das verdeckte Böse". Es gibt auch das "verdeckte Gute". Wir sollten immer im Auge haben, dass unsere Wahrnehmung durch die Medien mehrheitlich so gesteuert ist, dass vor allem der Voyeurismus angesprochen wird: Bad news are good news. Sex und crime usw.. Was in uns an uralten, emotional verankerten Lebenserfahrungen schlummert, ist erst mal weder gut noch schlecht. Schließlich sind es Überlebenstriebe. Und sie sind nicht bei allen gleich. Und es gib eine Art Filter, über die sie angesprochen werden, in die Realität kommen. Medien sind ein solcher Filter. Wettbewerb ist ein solcher Filter. Eine Berufsarmee, eine Partei sind solche Filter. Wenn man die z.B. "unverzichtbare Polizei" öffentlich ständig herabwürdigt, wird der Filter Polizei so gedreht, dass gute, gefestigte, auf ihren Ruf bedachte Personen erst gar nicht diesen Beruf ergreifen, obwohl deren persönliche Einstellung regulativer wirken würde als alle Vorschriften. So bekommen wir einen Auswahlfilter der nur die Personen den Polizistenberuf ergreifen lässt, denen der schlechte Leumund aus vielerlei Gründen nicht so wichtig ist oder die sich bewusst gegen die Beleumunder dort versammeln.

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kauf Dir das Buch ---** Der Luzifer Effekt** von Prof. Philipp Zambardo, in dem Buch wird Dir alles erklärt ..

hier die ..Moment.. da bin ich wieder, mit Buch in der Hand ;)).. 9 783827 419903

LloydBMoney 14.06.2014, 02:24

Ich lese's gerade... :-P

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himako333 14.06.2014, 11:23
@LloydBMoney

Guten Morgen,

kannst Du das über google Book lesen?

.. Kapitel 14 auf/ab Seite 311 bis 357 beschätigt sich mit Mißhandlungen u. Folter in Abu Ghrad , und bis S. 409 folgen .. das System wird angeklagt .. das ges. Buch zu kaufen lohnt sich,

wünsche Dir ein schönes WE m.l.G. ;)h

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Das Foltergefängnis in Bagdad interessiert dich also? Tja, was denkst du selber darüber? Bist du kritisch genug um zu erkennen, dass die Wahrheit wohl niemand außer den Insassen und den Betreibern kennt? Ein sinnloses Thema. Wenn die Amerikaner foltern wollen, dann tun sie es, egal wie die Welt dazu steht. Was genau willst du eigentlich wissen? Ich verstehe dein Anliegen nicht.

LloydBMoney 14.06.2014, 02:25

Ich habe die Frage klar formuliert, bitte lesen.......

[...] wie die Medien im Groben (falls es nicht differenziert stattfand) die Täter dargestellt haben und welchen Stellenwert sie ihnen zugeschrieben haben [...]

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himako333 14.06.2014, 02:33
@LloydBMoney

welche Medien meinste denn? arabische, irakische .. islamistische Untergrundbewegungen/ Terroristen .. BBC... welche Times Print? Fernsehsendung, Rundfunk ... bitte klare Info... Danke ;))

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LloydBMoney 14.06.2014, 10:46
@himako333

amerikanische und deutsche Mainstream-Medien ;-) (falls es eine einseitige Berichterstattung gab bzw. Meinungsmache wie aktuell im Fall von Ukraine/Russland oder AfD)

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