Abnehmen - abends keine Kohlenhydrate, Magen knurrt

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Meine Frau und ich haben unsere Ernährung seit fast 5 Monaten (zufällig ungefähr seit dem Zeitpunkt zu dem Du die Frage gestellt hast) auf KH-arme Nahrung umgestellt. Unsere Erfahrungen damit sind gemischt. Zunächst ergab sich eine sehr schnelle Gewichtsabnahme, ca. 3 kg in 2 Wochen, ohne jemals Hunger zu schieben. Meine Frau kam dann in die Stagnation bzw. hat später sogar wieder zugenommen. Bei mir ging es noch ein paar Kilo weiter, allerdings nicht mehr so schnell. Nach 4 Monaten und 6-7 kg Abnahme stagnierte es bei mir auch, allerdings habe ich das Konzept etwas verwässert (esse wieder Vollkornbrot, teilweise sogar mit Marmelade (Kopfschüttel)) und kann derzeit auch nicht viel Sport treiben. 

Ich bin nach wie vor überzeugt vom "Low-Carb" und sehe es als sehr wohltuend an, dass mit ArchEnema auch ein Ernährungsexperte mal nicht von "ausgewogener" Ernährung spricht.

Die Erfahrung Abends Salat und mageren Fisch zu essen und dann nach einer Stunde wieder Hunger zu haben, kenne ich auch. Das Problem ist meiner Meinung nach, dass man sich mit wasserhaltigem Gemüse/Salat zwar prima den Bauch vollschlagen kann, aber leider praktisch keine Kalorien zu sich genommen hat. Meine Empfehlung wäre, ein bissel großzügiger mit dem Öl im Dressing zu sein und noch ein Stück Käse zu essen. Dann ist man auch längere Zeit satt.

Zum Kalorienzählen: 100g Käse: ca. 400 Kal, 100g Wurst ca. 300 Kal. Bei einer Normdiät von 2000 Kalorien hätte man somit mit 200g Nahrung schon 700 Kal zusammen und ein Drittel des Tagesbedarfs gedeckt. Wenn ich das morgens frühstücke, reicht es normalerweise 6h aus (Bürojob, Kaffee-mit-Milch-Trinker) - und ich habe praktisch nichts im Magen. Funktioniert tatsächlich uns ist sehr, sehr angenehm!

Mittags kriege ich dann schlechtes Gewissen, weil ja die Vitamine fehlen und esse eine kleine Salatschüssel - reicht. Oder ich laufe eine Stunde, ess anschliessend einen Fruchtquark, einen Apfel und einen großen Proteinshake (mir schmeckt er zum Glück, meine Frau mochte nur die Schokovariante). Als ich in der Kantine noch das Stammessen wählte (viele KH), schleppte ich mich anschliessend vollgestopft wieder an den Schreibtisch und wurde schnell sehr müde. Heute sehe ich das als unnötige Selbst-Folter an.

Zum Kohlenhydratbedarf ("Aber man braucht doch Kohlenhydrate!"): Welche essentiellen (solche, auf die der Körper nicht verzichten kann) Kohlenhydrate gibt es? - Antwort: keine! 

Selbst wenn man davon ausgeht, dass das Gehirn keine Alternative zu Kohlenhydraten hat (was nicht stimmt, s. P.Mersch, "Wie Übergewicht entsteht...und wie man es wieder loswird"), braucht es wohl nicht mehr als 70-80g pro Tag (s. W.Lutz, "Leben ohne Brot"). Auch als Low-Carbler ist es ziemlich schwierig weniger KH zu sich zu nehmen. Als Milchkaffeetrinker nehme ich über den Liter Milch schon 50g zu mir - und dann habe ich noch nix gegessen...Ich schliesse daraus, dass man sich absolut keine Sorgen um seine Gesundheit machen muß, wenn man auf Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Mais, Bananen (schade, oder?) und Zucker in all seinen Formen verzichtet.

Andererseits gibt es sehr viele positive Effekte bei der KH-armen Ernährung, die bewiesen sind oder plausibel vermutet werden. Es geht dabei nicht unbedingt ums Abnehmen (W.Lutz beschreibt mangelernährte Typen, die dadurch sogar zulegen konnten), sondern um viele gesundheitliche Auswirkunge, angefangen bei Diabetes (klar, wegen der starken Reduktion des Insulinschubes; einige sprechen sogar davon, dass JEDE Diabetes heilbar sei) über Magen-Darm-Erkrankungen bis hin zur Vermeidung von Krebs. Ob man letzteres nun glaubt oder nicht: ich sehe die kohlenhydratarme Ernährung als Chance an und kann nur jedem raten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und nicht blind den offiziellen Stellen und ihrer "ausgewogenen" Ernährung zu vertrauen.

Und ich würde abschliessend noch davon abraten irgendeine Veränderung der Ernährung vorzunehmen, die man nicht den Rest seinen Leben durchziehen kann. Sonst gibt's nur Frust und Jojo-Effekt. Dann lieber mit kleinen Schritten weiterkommen, also hier etwas weniger Nudeln und Reis und dort etwas mehr Fisch und Käse.

Und 'tschuldigung für den Roman. Bin neu hier und suche noch das richtige Maß.

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Zum Thema essentielle Kohlenhydrate: Das Bisschen Glucose, was Gehirn und Blutkörperchen zwingend benötigen, das produziert im Zweifel die Leber - aus Protein und ggf. auch anderen Vorstufen. Ein Mangel ist also ausgeschlossen (außer man hat gleichzeitig auch Proteinmangel).

Ist übrigens das Hauptproblem bei Diabetes - selbst erzeugter Blutzucker! Genau hier bremst Metformin (Diabetes-Tabletten).

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Jeder hat da sein eigenes Rezept, und da jeder Mensch und jeder Körper anders ist, gibt es auch keine allgemeingültige Lösung. Ich hab jetzt schon verschiedene Dinge hier gelesen, die sich, wie so oft, in jedem Detail widersprechen. Trotzdem muss nichts davon falsch sein, kann aber für dich trotzdem nicht funktionieren.

Generell ist es so, dass Kohlenhydrate dann ansetzen, wenn sich der Insulinspiegel erhöht, die aufgespaltenen Kohlenhydrate aber nicht verbraucht werden.

In sofern macht für den typischen Mitteleuropäer die Weisheit "Morgens Kohlenhydrate, Mittags Kohlenhydrate, Eiweiß und Vitamine, Abends Eiweiß" durchaus einen gewissen Sinn. Fakt ist aber auch, dass du die Weisheit auch gleich vergessen kannst, wenn der Rest nicht stimmt. Hast du Energieüberschuss, nimmst du trotz dieser Ernährungsregeln zu, hast du ein Energiedefizit nimmst du auch ohne diese Regel ab. Diese Regel ist nur eine hilfreiche und sinnvolle Ergänzug zu einer ohnehin ausgewogenen gesunden Ernährung, wie man diese als Mitteleuropäer (bei einem Spanier, der erst mal in der Siesta-Zeit ein ausgedehntes Mittagsschläfchen hält und dann die Nacht zum Tag macht klappt das nicht) am sinnvollsten über den Tag verteilt.

Du müsstest herausfinden, warum dein Magen knurrt: Weil er eifach total leer ist oder weil du ein starkes Energiedefizit hast. Im ersteren Fall hilft auffüllen. Ich habe mir zwischenzeitig abgewöhnt, abends überhaupt noch irgendwas zu essen und wenn ich doch mal Hunger kriege, wirds ein halbes Grillhähnchen ohne Beilagen oder eine Mixtur aus Magerquark und Protein-Pulver (halbe Portion von der empfohlenen Protein-Shake-Dosierung und das Günstige vom Drogeriemarkt reicht, muss kein überteuertes Almased sein). Das hilft, weil Magen leer. Das, was an Energie drin steckt, reicht, um das leichte Energiedefizit in Etwa zu decken, sodass der Körper glücklich ist und nicht nach mehr Energie schreit.

Es ist ja auch nicht so, als würdest du abends keine Energie verbrauchen. Du lebst, also verbrauchst du Energie. Auch im Schlaf. Komplett vermeiden kann man Kohlenhydrate eh nicht, verbrauchen schon. Wenn du also von den dicksten Portionen energiearmer Nahrung nicht satt wirst, ist es ein Zeichen, dass du abends ein enormes Energie-Defizit hast. Der Körper schreit nach frischer Energie. Eine kleine Menge Kohlenhydrate deckt das und du bist satt. Vorzugsweise komplexe Kohlenhydrate.

Vielmehr solltest du dein Mittagessen mal überdenken, ob man, überspitzt gesagt, die Kohlenhydrate aus zwei Kilo Reis auch über einen Nachmittag im Büro wirklich verstoffwechseln kann - eher nicht, und dann sind die bis Abends nämlich als Fett eingelagert und müssen auf dem Heimweg auf dem Fahrrad erst mal mühsam wieder gelöst werden. Dann lieber mittags was weniger, und dann abends vor dem Sport noch mal eine Banane. Da hast du mehr von und vermutlich auch weniger Hunger nach.

Und schlussendlich zum Thema "etwas mollig": "Kuschel-schlank" kann durchaus wesentlich attraktiver wirken als Skelett mit Haut

Hallo! Ist so auch nicht gut. Gerade Du brauchst Kohlenhydrate. (Halbmarathon-läuferin) .

Bei der ganzen Diskussion auch um Kohlenhydrate gibt es einen Denkfehler. Nachhaltigkeit. Eine Ernährungsumstellung macht nur Sinn, wenn sie dauerhaft angelegt ist, sonst fehlt die Nachhaltigkeit. Was immer man macht - es muss für immer angelegt also ohne Stress durchführbar sein. Eine Freundin hat nur durch das Joggen über 40 kg abgenommen und jetzt seit 12 Jahren Idealgewicht. Ohne hungern, keine Diät, normal gegessen. Natürlich hat sie auch ihre Ernährung umgestellt. Aber sie isst immer mehr Kohlenhydrate als früher bei dem hohen Gewicht.

Niemand wird sein Leben lang Kohlenhydrate aussparen. Man braucht einen Automatismus sonst ist alles eine Seifenblase. Alles Gute.

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