Ablauf des Mahnverfahrens - Muss ich bei einem Widerspruch des Schuldners in das streitige Verfahren übergehen & verliere ich sonst meine Ansprüche?

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3 Antworten

Wenn der Schuldner nicht zahlt, kann ich einen Vollstreckungsbescheid erlassen. Kostet mich das zusätzlich etwas? Oder ist das in den o.g. Kosten enthalten?

Die Zustellung kostet ggf. nochmal Geld.

Wenn der Schuldner wieder nicht reagiert, bekomme ich einen Vollstreckungstitel. Kommen in diesem Fall weitere Kosten für die Vollstreckung auf mich zu?

Du musst die GV-Kosten vorstrecken, wenn du den Gerichtsvollzieher beauftragst.

Was sind in diesem Fall meine Optionen, wenn ich so wenig wie möglich vorstrecken möchte?

Wenn du ins streitige Verfahren gehen willst, musst du die Verfahrensgebühr vorschießen, das wären mindestens 80,- €. Je nach Sachverhalt und Streitwert sollte aber hiermit ein Anwalt betraut werden.

Könnte ich das streitige Verfahren ablehnen?

Wenn du das Kreuzchen nicht schon beim Mahnbescheid setzt, ist das kein Automatismus (nur im arbeitsrechtlichen Mahnverfahren).

Und würde ich dadurch meinen Anspruch auf die in erster Linie beantragten Forderungen verlieren?

Nicht zwingend. Aber die Beantragung eines Mahnbescheids unterbricht die Verjährung lediglich für 6 Monate. Danach laufen die 3 Jahre Regelverjährungszeit weiter.

Auch ein unwidersprochener Mahnbescheid verfällt in seiner Wirkung, wenn nicht innerhalb von 6 Monaten nach Zustellung ein Vollstreckungsbescheid beantragt wird.

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Kommentar von holla44
13.01.2016, 18:19

Vielen Dank!! Das hilft mir sehr! Habe ich es richtig verstanden, dass ich nach einem Widerspruch 6 Monate Zeit habe in ein streitiges Verfahren überzugehen? Und wenn die Zeit verstrichen ist und ich mich dagegen entschieden habe in das streitige Verfahren überzugehen, habe ich immernoch den Rest der 3 Jahre Regelverjährungszeit um meine Ansprüche geltend zu machen?

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Wenn Dein mutmaßlicher Schuldner widerspricht, bist Du tatsächlich wieder an der Reihe. Über die Einzelheiten der Verfahrenskosten weiß ich zu wenig. Dein Anwalt wird sicher auch Geld verdienen wollen.

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Zu 1: Ja, dann gibt es keine Probleme.

Zu 2: Ja, du musst in Vorleistung für die Kosten gehen. Würdest du dann vom Schuldner zurückbekommen, aber nur wenn er zahlen kann.

Zu 2.1: Wenn du das Geld eintreiben willst ja. z.B. musst du für den Gerichtsvollzieher in Vorleistung gehen. Das Geld bekommst du vom Schuldner zurück, aber nur wenn er zahlen kann.

2.2. Die preisgünstigste Option wäre es, auf die Forderung zu verzichten. Sonst muss man die Kosten für das Gericht usw. vorstrecken. Falls der Schuldner dauerhaft nicht zahlen kann, bleibt man auf den Kosten sitzen.

"Könnte ich das streitige Verfahren ablehnen?"

Ja.

"Und würde ich dadurch meinen Anspruch auf die in erster Linie beantragten Forderungen verlieren?"

Ja. Wenn du das streitige Verfahren ablehnst(keine Klage einreichst), verzichtest du auf die Forderung.

Allgemein gesagt beim Forderungsmanagement ist es wichtig, das Kostenrisiko, das Verfahrensrisiko, das Risiko des Totalausfalls (Schuldner flüchtet, legt EGV ab usw.) mit dem geschuldeten Betrag abzuwägen. Wenn die Chancen sehr schlecht sind, vom Schuldner irgendwann Geld zu erhalten kann es sinnvoll sein, nach dem Mahnbescheid Schluss zu machen. Und z.B. zu versuchen, die Forderung an ein Inkassobüro zu verkaufen. Das kannst aber nur du entscheiden.

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Kommentar von holla44
13.01.2016, 18:24

Vielen Dank für die sehr hilfreiche Antwort! Ich habe eine kurze Rückfrage: Weißt du zufällig wie lange ich Zeit hätte um mich zu entscheiden, ob ich in das streitige Verfahren übergehen möchte (nach einem Widerspruch des Schuldners auf den Vollstreckungsbescheid)?

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