Ab welchem Zeitpunkt in der Vergangenheit wäre eine Kreuzung eines heutigen Menschen mit einem seiner evolutionären Vorfahren kritisch oder nicht mehr möglich?

8 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Diese Frage ist nur sehr, sehr vage zu beantworten. 

Die genetische Kompatibilität, also die Artengrenze, vollzieht sich im Laufe von tausenden von Generationen. Es kommt dabei vor allem darauf an, wie viel Mutations- und Selektionsdruck auf einer Spezies liegt, also wie viele genetische Veränderungen innerhalb dieses Zeitraums stattgefunden haben und wie viele Generationen zwischen den Vertretern liegen. So könntest du mit großer Wahrscheinlichkeit einen Magnolienbaum oder auch einen Walnussbaum aus der späten Kreidezeit immer noch mit dem Pollen seiner heutigen Nachfahren bestäuben. Bei Tieren, die sich weit häufiger genetisch verändern, kann das Zeitfenster zwischen der Artengrenzen dagegen nur eine Million bis einige Hunderttausend Jahre betragen.

Beim Menschen können wir nur ein sehr großes Zeitfenster ermitteln, wann die Artengrenze zu seinen Vorfahren ungefähr verlief. Was wir wissen: der Homo sapiens konnte sich sowohl mit Neandertalern als auch sehr wahrscheinlich noch mit den Restpopulationen des Homo erectus verpaaren - beide sind im Zeitraum zwischen vor 40.000 und 30.000 Jahren in uns aufgegangen. Noch heute tragen Europäer und Asiaten einen geringen Anteil Neandertaler-Gene in sich.

Wir wissen außerdem, dass sich der Neandertaler in der Levante und auf dem Balkan aus dem Heidelbergmenschen entwickelt hat und dass sich dieser wiederum vor etwa 500.000 Jahren von Homo erectus abgespalten hat. Der obere Wert für unsere Artengrenze muss also etwa hier angesetzt werden, weil ja eben eine Verpaarung von Neansertalern und Homo sapiens noch ohne weiteres möglich war.

Den unteren Wert können wir nun aber nur an unseren nächsten noch lebenden Verwandten ansetzen, bei denen definitiv keine Verpaarung mehr möglich ist. Alle übrigen Menschen- und Frühmenschenarten sind ja ausgestorben und haben uns keine DNS-Spuren mehr hinterlassen. Diese nächsten Verwandten sind  die Schimpansen, und ihre Linie hat sich vor etwa 7 Millionen Jahren von der Menschenlinie abgespalten.

Die korrekte Antwort auf deine Frage ist also: mit den Vorfahren, die zwischen vor 7 Millionen und vor 500.000 Jahren gelebt haben, konnten wir irgendwann innerhalb dieses Fensters keine Nachkommen mehr zeugen.

Genauer wissen wir es leider nicht und wir werden es vielleicht auch nie wissen. 

Ich kann also davon ausgehen, dass meine persönlichen Bedenken mit einer Partnerin aus dem Jahre 1000 v. Chr. keine gesunden Nachkommen zeugen zu können, unbegründet wäre.

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@oopexpert

Definitiv. Auch mit 10.000 und sogar 100.000 Jahre alten Partnerinnen könntest du gesunde Kinder zeugen, solange ihr dabei auf dem Rücksitz eurer Zeitmaschine nicht zu heftig herumwackelt. ;-) 

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Danke für den Stern!

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Die Geschwindigkeit der Evolution variiert teilweise stark zwischen Gruppen und selbst innerhalb einer Stammlinie, darum sind genaue Angaben schwierig. Für Säugetiere gilt die Faustregel, dass die Artbildung 2-4 Millionen Jahre nach der Trennung zweier Arten abgeschlossen ist. 4 Millionen Jahre entspricht auch dem Zeitraum, der seit dem letzten gemeinsamen Vorfahren von Pferden und Eseln bzw. Tigern und Löwen vergangen ist, die heute (fast) nur noch unfruchtbare Hybride miteinander zeugen können.

Der letzte gemeinsame Vorfahre von Neandertalern, Denisova-Menschen und modernen Menschen wird maximal auf ein Alter von einer Million Jahren geschätzt, viele Angaben liegen sogar deutlich darunter. Auch die fossil nicht belegte Menschenart, mit der sich moderne Menschen südlich der Sahara vermutlich vermischt haben, hat sich erst vor etwa 700.000 Jahren von der Linie des modernen Menschen abgespalten.

Allerdings sehen einige Forscher Anzeichen darauf, dass Kreuzungen zwischen modernen Menschen und Neandertaler bereits nicht mehr ohne Komplikationen verliefen. Es gibt Hinweise darauf, dass moderne Menschenfrauen, die von Neandertalern geschwängert wurden, sehr häufig Schwangerschaftsabbrüche hatten, die heute nachweisbaren Kreuzungen also nur zwischen weiblichen Neandertalern und männlichen modernen Menschen stattfinden konnten.

Ob die späten asiatischen Populationen des Homo erectus, der sich vor etwa 2 Millionen Jahren von unserer Linie abgespalten hat, dem asiatischen Homo sapiens überhaupt begegneten und ob Kreuzungen stattfanden, ist weitgehend unklar.

https://www.scientificamerican.com/article/lovers-not-fighters/

Testen kann man es ja nicht.
Und andere Menschenarten oder Unterarten gibt es nicht (mehr).

Also kann man nur auf Fälle im Tierreich zurückgreifen, wo die Kompitibilität (knapp) nicht mehr gegeben ist.
Jedenfalls fällt mit nichts besseres ein.

Du kannst ja mal versuchen, wann der letzte gemeinsame Vorfahr von Pferd/Esel/Zebra bzw. Löwe/Tiger/Leopard/Jaguar gelebt hat.

Da ist die Trennung natürlich schon vollzogen, aber da bekommst du ein Gefühl für die Zeiträure.

So ganz grob aus dem Bauch würde ich Zeiträume von Hunderttausenden bis einigen Millionen Jahren annehmen.

Bei isolierten Arten oder wechselnden Bedingungen oder bei solchen mit kurzen Generation dürfte es auch schon mal wesentlich schneller gehen.

Es gibt auch eine Reihe von Tierarten, deren Lebensraum durch Eiszeiten geteilt wurde und dann wieder zusammenwuchs.
Saat- und Nebelkrähe wäre ein Beispiel.
Da weiß ich aber weder, ob dies wirklich schon Arten sind, noch ob wirklich die letzte Kaltzeit die entscheidende war.

Deine Frage erfordert wahrscheinlich etwas Detektivarbeit.

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