Ab wann wird Körperverletzung legal?

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7 Antworten

Um die Antwort auf die Frage zu verstehen, muss man wissen, dass im deutschen Strafrecht eine Straftat in drei Schritten geprüft wird (das ist auch vom Gesetzgeber so vorgesehen).

Diese drei Schritte sind: Tatbestandsmäßigkeit, Rechtswidrigkeit und Schuld.

Im Rahmen des Tatbestands wird nur geprüft, ob die gesetzliche Norm (hier: § 223 StGB) erfüllt ist - und zwar zum einen in objektiver Hinsicht (hier: ein anderer Mensch wurde durch eine Handlung des Täters verletzt) und zum anderen in subjektiver Hinsicht (hier: der Täter handelte hinsichtlich der Köperverletzung vorsätzlich).

Blickt man nur auf den Tatbestand, so ist dieser bei Kampfsportarten erfüllt. Der "Täter" begeht tatbestandlich eine vorsätzliche Körperverletzung.

Als zweiter Schritt kommt allerdings die Rechtswidrigkeit. Nur weil eine Handlung objektiv und subjektiv den gesetzlichen Tatbestand erfüllt, ist sie noch nicht "illegal". Es gibt Rechtfertigungsgründe, die das Unrecht der Tat beseitigen. Ein solcher Rechtfertigungsgrund ist beispielsweise die Notwehr. Zwar begeht derjenige, der einen Angreifer niederschlägt, eine vorsätzliche Körperverletzung, diese ist jedoch gerechtfertigt durch die Notwehr.

Ein anderer Rechtfertigungsgrund, der das Unrecht der begangenen Tat beseitigt, ist die Einwilligung. Jeder Mensch kann über seine Rechtsgüter grundsätzlich frei verfügen. Wenn ich meinem Freund sage: "Mach mal hier das mir gehörende Glas kaputt", dann ist das tatbestandlich immer noch eine Sachbeschädigung. Sie ist aber gerechtfertigt durch die Einwilligung.

Nicht jedes persönliche Rechtsgut ist "disponibel", d.h. man kann nicht über jedes seiner Rechtsgüter frei verfügen. Geht es um sein alleiniges Eigentum, so kann ich damit tun und lassen, was ich möchte (solange nicht andere rechtswidrig beeinträchtigt werden). Ich kann also andere mit meinem Eigentum machen lassen, was ich möchte.

Doch die körperliche Unversehrtheit sowie das eigene Leben sind nicht uneingeschränkt disponibel.

Wenn A zu B sagt, dieser solle ihn töten, so macht sich B, wenn er dem Wunsch nachkommt, zwar nicht wegen Totschlags oder Mordes strafbar, aber er macht sich wegen Tötung auf Verlangen strafbar. Daraus ergibt sich: Das eigene Leben ist nicht disponibel; man kann es also nicht einfach von anderen auslöschen lassen, ohne dass diese straflos bleiben (es gibt hier im Rahmend er Sterbehilfe etc. viele komplizierte Probleme, auf die hier nicht eingegangen werden sollte).

Ähnlich ist es bei der körperlichen Unversehrtheit - allerdings ist es hier nicht so streng. Bis zu einem bestimmten Maß ist es möglich, dass man in eine Verletzung dieses Rechtsgut einwilligt, sodass das für den Täter rechtfertigend wirkt. Grenze ist hier § 228 StGB:

"Wer eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person
vornimmt, handelt nur dann rechtswidrig, wenn die Tat trotz der
Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt.
"

Solange also eine Körperverletzung, in die das Opfer eingewilligt hat, nicht sittenwidrig ist, macht sich der Täter nicht strafbar. So liegt der Fall auch beim Kampfsport. Dieser ist allgemein in der Gesellschaft gebilligt - wenn ihn auch nicht alle gut finden mögen. Kampfsport verstößt daher grds nicht gegen die guten Sitten, sodass hier in gegenseitige Körperverletzungen eingewilligt werden kann.

Als letztes ist die Schuld zu prüfen; hier geht es nur noch darum, ob dem Täter sein Verhalten bei der Tat vorzuwerfen ist. Das ist beispielsweise nicht der Fall, wenn er so besoffen war, dass er sich nicht mehr steuern konnte (dann aber eventuell Strafbarkeit wegen einer Rauschtat).

FAZIT:Du hast Recht, wenn du bemerkst, dass der Tatbestand des § 223 StGB ohne Ausnahme formuliert ist. Allerdings hast du dadurch erst einen ersten Teil der Strafbarkeit erfasst - es müssen aber alle Voraussetzungen einer Strafbarkeit erfüllt sein, damit der Täter wirklich strafbar ist. Und dazu zählt eben auch die Rechtswidrigkeit. Diese ist nicht gegeben im Falle des Kampfsports (auch wenn hier selbst hier Grenzen gibt; Beispiel: heimliche Hinterhofkämpfe ohne klare Regeln mit schweren Verletzungen).
Hier zeigt sich außerdem wieder einmal: Eine gesetzliche Regelung ist in den seltesten Fällen durch einen Paragraphen abgeschlossen. Das Gesetz ist ein großes ganzes, bei dem einzelne Paragraphen nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen.

Grundsätzlich hast Du mit Deiner Aussage Recht. Allerdings muss man diese modifizieren: (Fast) Jeder Straftatbestand ist ohne Ausnahme definiert. Dies würde nämlich den Rahmen sprengen.

Für derartige Ausnahmen gibt es zum Beispiel den allgemeinen Teil des StGB, wo man Rechtfertigungsgründe findet, z.B. Notwehr. Im speziellen Fall der Körperverletzung findet man dann in § 228 StGB auch die Einwilligung als Rechtfertigungsgrund.

Zudem kann man auch mit dem Begriff der Körperverletzung bzw. Gesundheitsschädigung "spielen" und auf diese Art und Weise z.B. bestimmte Sportverletzungen nicht erfassen. Daneben gibt es noch das Erfordernis des Vorsatzes bzw. der Fahrlässigkeit. Auch hierüber kann ein bestimmtes Ergebnis korrigiert werden.

Beim Boxen entfällt die Strafbarkeit in der Regel durch den Rechtfertigungsgrund der Einwilligung gem. § 228 StGB.

Körperverletzung ist dann legal wenn man in Notwehr handelt, also einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich selbst oder einer anderen Person abwendet. Beim Boxen und ähnlichem ist Körperverletzung auch legal, weil nach Paragraph 228 StGB eine Einwilligung in die Körperverletzung erfolgen kann. Jeder Arzt begeht juristisch gesehen Körperverletzung, wenn er eine invasive Maßnahme durchführt, also z.B. einen Zugang in die Vene legt oder operiert. Nur durch die Einwilligung des Patienten handelt er nicht rechtswidrig. 

Jeder Arzt begeht juristisch gesehen Körperverletzung, wenn er eine invasive Maßnahme durchführt, also z.B. einen Zugang in die Vene legt oder operiert. Nur durch die Einwilligung des Patienten handelt er nicht rechtswidrig.

Naja, es gibt dann noch die sogenannte mutmaßliche Einwilligung, bei der Ärzte halt annehmen, dass die Behandlung im Sinne des Betroffenen handeln, dass ist dann der Fall, wenn die betroffene Person bewusstlos ist und viel zu wenig Zeit ist, um eine Einwilligung zu holen.

Das ist bei Notoperationen eigentlich gängige Praxis, weil da relativ wenig Zeit bleibt.

Auch bei Notfallpatienten müssen die Ärzte behandeln, ansonsten könnten diese sich strafbar machen, im Normalfall also ohne einen Notfall oder Bewusstlosigkeit holen sich die Ärzte eine Einwilligung.

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@Zuko540

Das ist mir bewusst und absolut korrekt, bin angehender Rettungssanitäter. Jedoch war die Frage nicht darauf bezogen, weshalb ich das mit der mutmaßlichen Einwilligung weggelassen habe. 

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Lies etwas weiter bis zu StGB 228: Einwilligung. 

siehe § 228 StGB

legal ist eine körperverletzung wenn dich zb jemand bedroht und du dich verteitigst,da sprechen wir von notwehr und somit legal.

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