Ab wann müssen muslimische Frauen ein Kopftuch tragen?

17 Antworten

Es gibt kein Kopftuchgebot im Koran. Sämtliche anderslautenden Behauptungen entstammen Fehlinterpretationen, meist von Salafisten und Wahhabiten.

Im Koran steht zur Kleidervorschrift:

Sure 7 Vers/Ayat 26......und Allah gab den Menschen die Bekleidung zur Bedeckung der Scham und zur Zierde. Denn das Kleid der Frömmigkeit ist das beste Kleid

Dies bedeutet:

Der Mensch soll seine Geschlechtsmerkmale (Intimbereich) bedecken.Die Kleidung soll den Menschen schmücken (Zierde sein).Wenn man im Herzen glaubt, dann braucht man auch keine äußerlichen Zeichen. Die innere Einstellung ist für Gott wichtiger.

Damit hat sich das Thema mit dem Kopftuchgebot als Vorschrift des Korans schon erschöpft.

Der einzige als Argument zu benennende Grund:

Man drückt damit nur und ausschließlich die Gesinnung aus

Die immer wiederkehrenden Behauptungen, ein Kopftuch, Burka o.ä., würde Männer vor irgendetwas abhalten sind absoluter Humbug. Wir wissen, gerade in den islamischen Ländern sind die Vergewaltigungsraten erschreckend hoch. Trauriges Beispiel sind dabei die Emirate, die es ja noch nicht einmal für nötig befinden, die Frauenvergewaltigung in der Zivilrechtsprechung zu ahnden.

Auch die Behauptungen der Wahhabiten und Salafisten mit angeblichen Vorschriften Mohammeds oder Salafs sind sehr umstritten. Hier darf ich ebenfalls einige Beispiele aufführen, warum das Kopftuch zweifelhaft ist:

Der Gelehrte und Vater der hanefitischen Rechtsschule Al Dschassass ( gest. 980) der nach Mudschahid zu den zweit grössten, ältesten und bedeutendsten Koran Kommentatoren gehörte, sah kein Kopftuchgebot.

Diese wird historisch auch von Bukhari ebenfalls in einem folgendem Hadith bestätigt: “Ayse r.a. sagte: Gott wird gnädig zu den Frauen der ersten Emigration sein, denn bei der Offenbarung dieser Worte: ‘dass sie ihre Tücher über ihren Busen schlagen’ teilten sie ihren Izar (Stoff, der als Lendenschurz oder Rock diente), um sich die Brüste zu bedecken”. (Vgl. Bukhari Vol. 3, Titel 65, Kapitel 12)

Sowohl Koran als auch Sunna besagen, dass alle Körperteile, die der rituellen Waschung zu unterziehen sind, nicht unter das Verhüllungsgebot fallen. Dazu gehört dann auch das Haar. Bestätigt wurde diese Auffassung von Abu Hamid al-Ghazali 1111 n. Chr., Ibrahim en-Nehai 714 n. Chr., Tabari Tafsir 18/120., Imam abu yusuf 798 n. Chr., Imam es-serahsi 1090 n. Chr., Abdullah el mawsili 1285 n. Chr., Ibn Nudscheym 1563 n. Chr., Razi Tafsir 23/206.

Müssen? Zu keiner Zeit. In keinem Alter. Der Quran liefert keinen einzigen Vers, aus dem eine solche Pflicht ableitbar wäre.

Sollen? Laut sunnitischer Auffassung des Islam ab der 1. Regelblutung.

Können? Grundsätzlich gibt es keinen Zwang im (islamischen) Glauben. So heisst es. Die Realität sieht indes ganz anders aus:

  1. Zu allererst ist da die Familie des jungen Mädchens. In vielen Familien herrscht die Auffassung, dass die Tochter Kopftuch zu tragen hat. Tut sie es nicht, sorgen sich manche Familien um das Seelenheil ihrer Tochter, andere um das Ansehen der Familie in der umma. Aus dem einen oder anderen Grund wird dann entweder Zwang ausgeübt oder zumindest manipulativ eingewirkt. Bei einem 10-14jährigen KIND nicht allzu kompliziert.
  2. Wo die Familie wirklich nicht zumindest manipulativ eingreift - und manchmal ist das nichtmal ein Elternteil - kommen andere Muslime ins Spiel, die sich berufen fühlen, vermeintlich fehlgeleitete Muslime zu ermahnen und/oder mit der Hölle zu drohen. Oder es wird die Schande, die man über die Familie bringt, ins entsprechende Licht gerückt.
  3. Zu guter letzt gibt es noch die vielen Muslima, die Kopftuch tragen. Die müssen gar nichts dazu sagen. Allein, dass sie da sind, ruft im jungen und verunsicherten Kopf eines pubertierenden Mädchens ein schlechtes Gewissen hervor. Der Anfangsverdacht der Unzucht steht unausgesprochen im Raum.

    Zudem muss man wissen, dass Teenager - völlig unabhängig von ihrer Religion - sich in der Pubertät ein Stück weit von der Ursprungsfamilie lösen (müssen) und sich eine neue Gruppe (peergroup) suchen (müssen). Dieser Prozess ist unausweichlich und in der Amygdala (Bereich des Gehirns) unauslöschlich verankert. Genauso verankert ist das heute nicht mehr zutreffende Wissen, dass das Individuum ohne enge Zugehörigkeit zu einer Gruppe (früher Horde, Sippe - heute peergroup, Freundeskreis etc.) nicht überlebensfähig ist. Demzufolge ist eine Ablehnung einer jungen Muslima durch die umma eine Katastrophe.

    Nur dort, wo sich zufällig eine genügend große Gruppe Muslima OHNE Kopftuch findet, besteht Hoffnung, dass ein junges Mädchen diesbezüglich wirklich frei wählen kann.


In schā'a llāh

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du bist witzig. sure ahzap 59. und nur 31 hast du wohl nie gelesen?

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@Lustigst

Habe ich sogar schon auf Arabisch gelesen, oh Du Lustigster der
Lustigen. Damit wir wissen, worüber wir reden, habe ich mir erlaubt,
eine anerkannte Übersetzung hier reinzukopieren.


"O Prophet! Sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Übergewänder reichlich über sich ziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, daß sie (dann) erkannt und nicht belästigt werden. Und Allah ist Allverzeihend, Barmherzig." (33:59)


"Und sprich zu den gläubigen Frauen, daß sie ihre Blicke zu Boden
schlagen und ihre Keuschheit wahren und ihren Schmuck nicht zur Schau tragen sollen - bis auf das, was davon sichtbar sein darf, und daß sie ihre Tücher um ihre Kleidungsausschnitte schlagen und ihren Schmuck vor niemand (anderem) enthüllen sollen als vor ihren Gatten oder Vätern oder den Vätern ihrer Gatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Gatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die sie von Rechts wegen besitzen, oder solchen von ihren männlichen Dienern, die keinen Geschlechtstrieb mehr haben, und den Kindern, die der Blöße der Frauen keine Beachtung schenken. Und sie sollen ihre Füße nicht so (auf den Boden) stampfen, daß bekannt wird, was sie von ihrem Schmuck verbergen. Und wendet euch allesamt reumütig Allah zu, o ihr Gläubigen, auf daß ihr erfolgreich sein möget."
(24:31)


An welcher Stelle wird hier denn Deiner Meinung nach ein Kopftuch gefordert? Vielleicht mag es Dir so erscheinen, dass es nicht ganz klar formuliert ist, zumal hier an keiner Stelle die Rede ist von "Haar bedecken" oder implizit "Kopftuch tragen". Wenn Du Dich jetzt aber daran erinnern magst, dass alle Körperteile, die der rituellen Waschung zu unterziehen sind, nicht unter das Verhüllungsgebot fallen, sollte spätestens jetzt jedem vernunftbegabten Menschen klar werden, dass das Haar somit nicht zu verhüllen ist.

Soviel zur Witzigkeit meiner Antwort.

Bitte bedenke auch: Wer für haram erklärt, was nicht haram ist, der versündigt sich schwer. Nur Allah darf verbieten.

In schā'a llāh

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@DottorePsycho

Danke, das ganze ist echt interessant! Ich mag deine vorurteilsfreie Art :) 

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Es gibt keine bedingungslose Kopftuchpflicht im Islam.

Viele (konservative) Muslime vertreten aber die Ansicht, dass Mädchen das Kopftuch ab ihrer 1. Periode tragen sollen. Wie Du schon richtig festgestellt hast, gibt es auch Eltern, die ihren Kleinkindern bereits ein Kopftuch umbinden. Dafür gibt es jedoch keinerlei religiöse Grundlage.

LG

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