Ab wann ist ein Menschenleben lebenswert? Abtreibung, Sterbehilfe und EG Coding legalisieren? Dürfen wir Gott spielen?

22 Antworten

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Die Frage danach, was ethisch vertretbar ist und was nicht, ist nicht ganz einfach, nicht zuletzt, weil es innerhalb der Ethik verschiedene Strömungen gibt. Ich lebe großteils nach dem Utilitarismus, der Nützlichkeitsethik. Diese besagt, dass diejenige Handlung, welche das größtmögliche Glück für die größtmöglcihe Zahl bewirkt, die ethisch korrekte ist. Zudem orientiere ich mich aber auch an der Gesinnungsethik, welche sich gegen eine Verzweckung eines Menschen stellt und universell gültige Prinzipien wie das Recht auf Leben in jeder Situation als gültig ansieht.

Nun sind rein utilitaristisch gesehen viele, aber nicht alle der oben stehenden Methoden ethisch nicht nur akzeptabel, sondern deren Anwendung die einzig richtige Entscheidung. Höhere Intelligenz, höhere Lebenserwartung und Heilung genetischer Krankheiten sind alles Dinge, die auf jeden Fall einen Nutzen darstellen und zum "größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl" führen. Und da der Zellhaufen noch kein Leid empfingen kann, wenn er frühzeitig abgetrieben wird, ist diese Entscheidung auch nicht ethisch falsch, wenn man sich an der Nützlichkeitsethik orientiert. Nun sehe ich aber selbst im Utilitarismus (und in der Prinzipienethik noch viel mehr) Probleme, was die Abtreibung aufgrund von Behinderung betrifft. Wenn ein genetischer Defekt dazu führt, dass das Kind nicht lebensfähig ist und nur einige Wochen alt wird, die leiderfüllt sind, ist es das Beste, eine Abtreibung durchzuführen, da das Leid dieser kurzen Existenz ihren Nutzen übersteigt. Wenn das Kind aber lebensfähig ist, sieht es anders aus. Man kann von außen auf keinen Fall beurteilen, ob ein Kind mit geistiger Behinderung wie Down-Syndrom oder Autismus (der leider immer noch als Behinderung/Beeinträchtigung gilt, Neurodiversität trifft es besser!) nicht auch eine gute Lebensqualität aufweist und somit Leid bewirkt wird, wenn man dieses Leben vernichtet. So etwas ist utilitaristisch falsch, da man nicht den größtmöglichen Nutzen für diese Person bewirkt, und prinzipienethisch ohnehin verwerflich, da das Recht auf Leben verletzt wird.

. Vielleicht geht auch der sexualtrieb der Menschen verloren, der natürlich vorgesehen ist

Das ist nicht beabsichtigt. Zudem liegt hier ein naturalistischer Fehlschluss vor: Nur weil Sexualität natürlich ist, muss sie nicht richtig sein und ein asexueller Mensch ist nicht weniger wert.

Woher ich das weiß:
Hobby

Suche mal unter den Stichworten Euthanasie und dann suche weiter unter 3. Reich. Mir wird bei Deinen Worten ganz anders. Wer will festlegen, ab wann ein Leben lebenswert ist? Vor Jahren galten Kinder mit Down-Syndrom noch als nicht förderbar. Heute wissen wir, dass man da viel machen kann und ein Leben mit Down-Syndrom durchaus lebenswert sein kann. Ein befreundetes Ehepaar von uns hatte ein Kind, dass mit offenem Rücken geboren wurde. Früher dachte man, dass man damit nicht alt werden würde. Sie wurde 30 und ist an einer Embolie verstorben. Sie hatte sogar geplant Mutter zu werden und lebte mit einem netten jungen Mann zusammen.

Wer will die Entscheidungen treffen.

Wenn Gefahr für die Mutter besteht, oder das Kind durch eine Vergewaltigung gezeugt wurde, habe ich Verständnis für eine Abtreibung in den ersten drei Monate.

Sterbehilfe ist zumindest in Deutschland verboten. Viele verwechseln Palliativmedizin mit Sterbehilfe, aber die Palliativmedizin hilft nur dabei, die letzten Wochen und Tage vor dem Tod, einigermaßen schmerzfrei zu überstehen, damit die Patienten einen ehrenvollen Tod haben. Und das funktioniert.

Ab wann ist ein Menschenleben lebenswert?

Ab dann, wenn ein geistig gesunder Mensch uneingeschränkt über sein eigenes Leben bestimmen darf. Und dies endet eben oft bei moralischen Fragen, wo ich mir immer wieder die Frage stelle: Was hat es mit Ethik zu tun, wenn man Menschen diese Freiheit nimmt?

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Wirklich unmoralisch finde ich diese Empathielosigkeit von so manchem Moralapostel, der nur nach seinem Anerzogenen denkt und handelt, statt auch mal den Sinn zu hinterfragen. Sich zu fragen, wie es sein kann Menschen leiden zu lassen, nur, weil die Gesellschaft durch die frühere streng christliche Zeit (du darfst nicht töten) meint, dass ein Beenden des Leidens mit brutalem Mord gleichzusetzen ist? Natürlich kann man groß reden, so lange man nicht selbst betroffen ist und/oder mit ansehen muss, wie geliebte Personen langsam dahinvegetieren.

Wenn jemand schwer krank ist und sowieso sterben wird, warum lässt man diesen noch länger leiden und quält ihn noch obendrein mit ständigen psychologischen Geschwafel, der einem ganz brav zu einem längeren leiden und qualvollen sterben überreden will? Ein Schelm, wer nun an die Pharmaindustrie denkt. ^^ Aber die schlägt ja selbst bei der Sterbehilfe kräftig zu und hat man kein Geld, hat man auch kein Recht auf würdevolles Sterben.

Ja, selbst bei schwersten psychischen Krankheiten - wo ich allerdings tatsächlich eine oder mehrere Therapien für richtig halte, die unheilbar sind und wo weder Therapien, noch Medikamente eine Linderung schaffen, würde ich dem schmerzlosen Tod und ohne die Gefahr, dass dieser Mensch im Endeffekt auch noch querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt, weil er aus dem Fenster gesprungen ist, zustimmen.

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Bei der Abtreibung im "Normalfall" habe ich eher eine ambivalente Meinung und kann mich deshalb nicht wirklich dazu äußern. Wenn ich aber weiß, dass mein Kind nur durch künstliche Ernährung und Sauerstoffzufuhr "leben" kann und ich dies, bevor es das merkt, beenden kann, dann mache ich das auch. Ich will nicht mit ansehen, wie mein Kind wegen mir traurig aus dem Fenster den anderen Kindern beim spielen zuschaut und immer "anders", als die anderen ist.

Und sollten sich bei mir Erbkrankheiten herausstellen, dann lass ich mich auch sterilisieren, denn ich könnte es mit meiner Moral nicht vereinbaren, wissentlich ein Kind leiden zu lassen, nur, weil ich ein eigenes Kind will. Allerdings kann ich es auch verstehen, wenn Mütter nicht abtreiben können, wenn sie erst während der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Kind krank ist, weil sie ihr Kind zu lieb haben und hoffen, hoffen, hoffen. Ich finde es nicht richtig, aber ich kann es vollsten verstehen.

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Die Sache mit der künstlichen Gebärmutter finde ich allerdings etwas gruselig und würde da die Natürlichkeit schon vorziehen. ^^' Man bedenke auch, dass schon jetzt es zu viele Menschen gibt und dadurch die Natur, von der auch wir abhängig sind, zu leiden hat. Man stelle sich nun mal vor, es gäbe durch diese Technologie noch viel, viel, viel mehr Menschen, die mindestens 150 werden... x_x

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Nur durch künstliche Ernährung und Sauerstoffzufuhr "leben" kann

Dann muessten wir evtl. auf den naechsten Hawkings verzichten.

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@Steffile

War das jetzt Ironie? ^^'

Falls nicht; was hat das denn jetzt bitte mit meinem Beitrag, dass ich es nicht richtig finde, wissentlich ein totkrankes Kind zu zeugen, zu tun? ^^' Was hat denn eigentlich seine körperliche Behinderung, die ganz bestimmt nicht schön für ihn war, mit seinem IQ zu tun? Sind jetzt automatisch alle mit ALS erfolgreiche Genies?

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Hawking hatte eben dennoch etwas aus seinem Leben gemacht, wohl auch, weil er dank seiner wohlhabenden Eltern ein Studium finanziert bekam, woraufhin er ein Stipendium bekam und der Rest seines Erfolges, folgte. Noch glücklicher wäre er aber mit Sicherheit gewesen, wenn sein Körper genauso gut funktioniert hätte, wie sein Kopf.

Ja, es gibt einige Schwerkranke, die behaupten glücklich zu sein. Zum Teil behaupten sie auch noch, sie seien froh, so geboren worden zu sein. So richtig kann ich ihnen das aber nicht abkaufen und sehe da viel eher Selbsttrost dahinter. Wer würde, wenn er die Wahl hätte, denn nicht lieber den gesunden Körper nehmen? Kennt man ja auch von sich selbst, wenn etwas ganz schlimmes passiert ist, dann sucht man auch verzweifelt nach etwas "Greifbaren" und erfreut sich an dem kleinen bisschen Glück, weil man denkt, wenigstens nicht alles verloren zu haben.

Es mag sein, dass man sich irgendwann mit seinem Schicksal arrangiert und sich davon nicht unterkriegen lässt, aber wirklich glücklich wird darüber wohl keiner sein. Es ist eben beHINDERNd. Ob bei den Jobmöglichkeiten - Suche, des Autokaufs und anderen überteuerten spezial angefertigten Dingen, für die man auch erstmal die Kohle haben muss, um halbwegs normal leben zu können oder auch der Partnersuche. Da haben viele ja schon Probleme mit einem "einfachen" Rollstuhlfahrer, wo zuvor aber genau diese Moralapostel immer und überall behaupten, ihnen sei das Aussehen egal. ^^ Aber so weit können Gutmenschen nicht denken, die mit ihrer völlig unüberlegten Übermoral für noch weiteres Leid sorgen oder dies gutheißen. Nein, deren Moral reicht eben nicht bis zur Empathie, sondern bloß dahin, sich bei der Masse beliebt zu machen.

Ich meine dich jetzt nicht persönlich, aber das sieht man eben ganz oft. Die meisten Behinderten enden in Fördermaßnahmen und Behindertenwerkstädten, wo sie dann für nichts arbeiten dürfen. So kann falsche Übermoral zerstören und für weitere Korruption sorgen. Außerdem frage ich mich doch, ob es denn nicht schon so reicht mit den Krankheiten. Müssen wir denn dann auch noch kranke Menschen "züchten", wenn wir die Möglichkeit haben, deren Leid, bevor sie es mitbekommen, zu ersparen?

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